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Lesezeit: 4 Minuten

Mélange KW 47–48/24 (Teil 2): Blaue Männergeschichten

Obwohl Her­bert Kickl das Gegen­teil aus­ge­ru­fen hat, zemen­tiert sich die FPÖ mehr denn je als män­ner­do­mi­nier­te Par­tei ein. Und blaue Män­ner sind es auch, die im Gra­zer Finanz­skan­dal, der zuneh­mend zu einem „True crime“-Stück mutiert, alle Haupt­rol­len besetzen.

5. Dez. 2024
Rückblick FPÖ
Rückblick FPÖ

FPÖ-Stmk: Mehr im Finanzskandal Beschuldigte als Frauen im Landtag
„True crime” bei der Grazer FPÖ mit Männern in allen Hauptrollen
Sierning/OÖ: FPÖ-Lokalpolitikerin veruntreute Elternvereinsgelder
München/D: Burschenschaftliche Festkneipe mit gerichtlichem Nachspiel

 

FPÖ-Stmk: Mehr im Finanzskandal Beschuldigte als Frauen im Landtag

„Das Vor­ur­teil, die FPÖ sei eine män­ner­do­mi­nier­te Par­tei, ist mit die­ser Bun­des­lis­te end­gül­tig Geschich­te“, ver­kün­de­te FPÖ-Par­tei­chef Her­bert Kickl in einer Pres­se­aus­sendung anläss­lich der Prä­sen­ta­ti­on des Bun­des­wahl­vor­schlags für die Natio­nal­rats­wahl im Juli 2024. Die Rea­li­tät sieht frei­lich deut­lich anders aus. Im Natio­nal­rat besetz­te die FPÖ nur 13 von 57 Man­da­ten mit Frau­en und hält damit wie auch schon zuvor den mit Abstand nied­rigs­ten Frau­en­an­teil aller Par­la­ments­par­tei­en. Auch ihrem män­ner­bünd­le­ri­schen Prin­zip ist die FPÖ treu geblie­ben und hat gleich 20 Kor­po­rier­te ins Hohe Haus entsandt.

Viel übler als im Bund sieht es nach der Stei­er­mark-Wahl 2024, bei der die FPÖ so vie­le Man­da­te wie noch nie errin­gen konn­te (34,76 % und 17 von 48 Man­da­ten) aus: Der­zeit, also vor der Regie­rungs­bil­dung, ist nur eines der 17 blau­en Man­da­te mit einer Frau besetzt, was einem gera­de­zu lächer­lich nied­ri­gen Anteil von 5,9 % ent­spricht. Dafür wer­den der frei­heit­li­chen Trup­pe im Land­tag mehr im Ver­fah­ren zum blau­en Finanz­skan­dal als Beschul­dig­te geführ­te FPÖ-Poli­ti­ker ange­hö­ren als Frauen.

Gleich ganz ohne Frau­en kam die stei­ri­sche FPÖ bis­her in den Ver­hand­lun­gen zur Regie­rungs­bil­dung aus: Im Team fin­den sich mit Mario Kuna­sek, Ste­fan Her­mann und Micha­el Klug aus­schließ­lich Männer.

„True crime” bei der Grazer FPÖ mit Männern in allen Hauptrollen

Wer geglaubt hat, im stei­ri­schen Finanz­skan­dal der FPÖ wären die ver­stö­rends­ten Details bereits bekannt gewe­sen, irr­te kräf­tig. Wie der „Stan­dard“ (21.11.24) berich­tet, habe eine Zeu­gin, einst Mit­ar­bei­te­rin im Stadt­rats­bü­ro von Mario Eustac­chio, aus­ge­sagt, dass es sich bei jenem Whist­le­b­lower, der mit dem Ver­sand von inter­nen Unter­la­gen zur Finanz­ge­ba­rung von Klub und Stadt­par­tei die Cau­sa ins Rol­len gebracht hat­te, um den ehe­ma­li­gen Büro­lei­ter von Eustac­chio gehan­delt haben soll. Der wur­de rät­sel­haf­ter­wei­se aller­dings nie befragt. Nun ist es zu spät, weil er sich am 24. April die­ses Jah­res erschos­sen hat.

Inzwi­schen wur­de auch bekannt, dass die FPÖ von der Staats­an­walt­schaft gela­de­ne Zeug*innen zu einem Vor­be­rei­tungs­ter­min gela­den haben soll, bei dem ein  frü­he­rer FPÖ-Lokal­po­li­ti­ker und Anwalt als Bera­ter auf­tre­ten soll­te. Der fall­füh­ren­de Staats­an­walt „for­der­te die FPÖ dazu auf, sich bin­nen fünf Tagen dazu zu äußern, ob ein sol­cher ‚Bera­tungs- oder Infor­ma­ti­ons­ter­min‘ geplant war. Dies kön­ne näm­lich als ‚Ver­dun­ke­lungs­ge­fahr‘ gewer­tet wer­den.“ (derstandard.at, 3.12.24) Bemer­kens­wert: Die Lan­des­par­tei distan­zier­te sich und schob die Ver­ant­wor­tung der Stadt­par­tei zu, als deren Chef der Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Axel Kas­seg­ger fungiert.

Die Affä­re, die weit über die Gra­zer FPÖ hin­aus­geht und bei der, soweit bekannt, aus­schließ­lich Män­ner als Beschul­dig­te geführt wer­den, hat Poten­ti­al, in einem „True crime“-Format ver­ar­bei­tet zu wer­den. Oder wie es die „Standard“-Journalistin Colet­te Schmidt auf Blues­ky aus­ge­drückt hat: „Irgend­wann macht wer eine Net­flix Serie aus die­sem Stoff. Es reicht für many seasons.“

Die gesam­te Sto­ry seit dem Auf­flie­gen des Skan­dals ist in einem aus­ge­zeich­ne­ten zwei­tei­li­gen Pod­cast des „Stan­dard“ nach­zu­hö­ren: ➡️ Teil 1 und ➡️ Teil 2

Sierning/OÖ: FPÖ-Lokalpolitikerin veruntreute Elternvereinsgelder

Eine FPÖ-Lokal­po­li­ti­ke­rin aus Sier­ning (OÖ) wird beschul­digt, als Kas­sie­rin des Eltern­ver­eins der TNMS Sier­ning über Jah­re hin­weg rund 14.000 Euro ver­un­treut zu haben. Sie ver­schlei­er­te ihre Taten durch gefälsch­te Kon­to­aus­zü­ge und ent­fern­te Buchun­gen. Der Betrug blieb lan­ge unent­deckt, da sie bei Prü­fun­gen mani­pu­lier­te Unter­la­gen vor­leg­te und das Ver­eins­kon­to meist leer war; Aus­ga­ben wur­den zeit­wei­se durch pri­va­te Über­wei­sun­gen gedeckt.

Erst eine unge­wöhn­lich hohe Ein­zah­lung von 7.000 Euro auf das Ver­eins­kon­to, offen­bar ein Ver­such der Scha­dens­be­gren­zung vor der Über­ga­be der Kas­sa, führ­te zur Auf­de­ckung. Die Poli­ti­ke­rin zeig­te sich gestän­dig, war bis­her unbe­schol­ten und hat einen Teil des Scha­dens bereits ersetzt. Die Staats­an­walt­schaft bot ihr eine Diver­si­on an, sodass der Fall nicht vor Gericht kommt, sofern sie den Scha­den bis Febru­ar voll­stän­dig begleicht. Sie hat ihre poli­ti­schen Ämter niedergelegt.

(Quel­le: krone.at, 23.11.24)

München/D: Burschenschaftliche Festkneipe mit gerichtlichem Nachspiel

Eine „Fest­knei­pe“ im Juni 2023 im baye­ri­schen Land­tag, zu dem die ver­hal­tens­auf­fäl­li­gen AfD-Bur­schen­schaf­ter Chris­toph Mai­er (Danu­bia Mün­chen) und Fer­di­nand Mang (Fran­co Bava­ria) gela­den hat­ten und bei der Wal­ter Rosen­kranz als Fest­red­ner auf­ge­tre­ten ist, führ­te zu einem gericht­li­chen Nach­spiel. Zwei Teil­neh­mer, die den Jour­na­lis­ten Robert Andre­asch belei­digt und bedroht hat­ten, muss­ten sich am Amts­ge­richt Mün­chen wegen Nöti­gung ver­ant­wor­ten. Bei­de wur­den nicht rechts­kräf­tig ver­ur­teilt.

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Schlagwörter: Antifeminismus/Sexismus/Maskulinismus | Burschen-/Mädelschaften/Korporationen | FPÖ | Korruption/Betrug/Untreue | Nötigung/gefährliche Drohung | Oberösterreich | Steiermark | Weite Welt

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