Wochenschau KW 27/22

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Ein letz­ter Wochen­rück­blick, bevor auch wir uns in die Som­mer­pau­se ver­ab­schie­den. Hier geht’s u.a. um einen Bun­des­heer­of­fi­zier, der NS-Devo­tio­na­li­en gesam­melt, eine Wehr­machts­uni­form samt brau­nen Auf­nä­her getra­gen und den Hit­ler­gruß gezeigt hat­te. Er kam mit einem – noch nicht rechts­kräf­ti­gen – rela­tiv mil­den Urteil davon.

Friesach/Klagenfurt: Bun­des­heer­un­ter­of­fi­zier als selbst­er­nann­ter „Ober­sturm­bann­füh­rer“
Stein/NÖ – Feldkirch/Vbg: Juden­hass in der Gefängniszelle

Friesach/Klagenfurt: Bun­des­heer­un­ter­of­fi­zier als selbst­er­nann­ter „Ober­sturm­bann­füh­rer“

In der letz­ten Woche muss­te ein 36-jäh­ri­ger Bun­des­heer­un­ter­of­fi­zier aus Frie­sach am Lan­des­ge­richt Kla­gen­furt wegen des Ver­dachts auf Wie­der­be­tä­ti­gung vor­stel­lig wer­den. Der hat nach eige­nen Anga­ben in – wie so oft bei Pro­zes­sen vor­ge­tra­gen – in wun­der­sa­mer Art und Wei­se sei­ne brau­ne Gesin­nung abge­legt, obwohl er die eigent­lich gar nicht hat­te. Denn die unzäh­li­gen Nazi-Devo­tio­na­li­en habe er zuerst von Opa und Uropa über­nom­men. 

„Irgend­wann hat mich die Sam­mel­lei­den­schaft erwischt”, ver­such­te der Ange­klag­te den rei­chen Fun­dus von NS-Devo­tio­na­li­en zu erklä­ren, der bei ihm sicher­ge­stellt wur­de. Dar­un­ter befan­den sich Uni­for­men, in denen sich der Ange­klag­te selbst — mit Ober­lip­pen­bart — ablich­te­te, Gas­mas­ken, Fah­nen und Abzei­chen, sogar eine nach­ge­mach­te Ehren­ur­kun­de für ihn selbst als „SS-Ober­sturm­bann­füh­rer” war dabei. (APA via vol.at, 4.7.22)

Den der­zeit sus­pen­dier­ten Berufs­sol­da­ten „erwisch­te“ es so hef­tig, dass er sich eine sogar eine Uni­form bestellt, die­se mit Nazi-Auf­nä­hern ver­se­hen und sich dar­in inklu­si­ve Bärt­chen foto­gra­fiert hat­te. Die Lei­den­schaft eska­lier­te auch in der Öffent­lich­keit, wo er mehr­fach den Hit­ler­gruß gezeigt hat­te. Aber da sei er betrun­ken gewe­sen, gab der Ange­klag­te an.

Ein Bekann­ter des Ange­klag­ten berich­te­te als Zeu­ge von einem Besuch, bei dem ihm der 36-Jäh­ri­ge vie­le NS-Gegen­stän­de gezeigt, und von sei­nem Stolz auf den Groß­va­ter erzählt habe. Beim Hit­ler­gruß in der Fuß­ball­ka­bi­ne war der Zeu­ge eben­falls dabei. Auf­ge­regt habe sich damals nie­mand der zumin­dest elf Anwe­sen­den, auch er selbst nicht. „Ich hab mir nichts dabei gedacht“, so der Zeu­ge. (kaernten.orf.at, 4.7.22)

Der nicht rechts­kräf­ti­ge Schuld­spruch der Geschwo­re­nen fiel ein­stim­mig, die Stra­fe mild aus: zehn Mona­te beding­ter Haft und eine Geld­stra­fe über 1.200 Euro – der Ange­klag­te nahm das Urteil an, die Staats­an­walt­schaft erbat Bedenk­zeit. 

Soll­te es bei die­sem Urteil blei­ben, könn­te der der­zeit sus­pen­dier­te Sol­dat theo­re­tisch wei­ter­hin beim Bun­des­heer blei­ben, denn eine Ent­las­sung müss­te erst ab einer Haft­stra­fe, die über zwölf Mona­te liegt, voll­zo­gen werden.

Aus dem Bun­des­heer selbst ist immer nur von „Ein­zel­fäl­len“ die Rede, wenn es um rechts­extre­me Ange­hö­ri­ge oder Vor­fäl­le geht, doch es ist allein am Lan­des­ge­richt Kla­gen­furt bin­nen eines Jah­res das drit­te Ver­fah­ren, in dem sich ein Ange­hö­ri­ger des Bun­des­hee­res wegen Wie­der­be­tä­ti­gung nach dem NS-Ver­bots­ge­setz vor Geschwo­re­nen ver­ant­wor­ten muss“ (Kro­nen Zei­tung, 4.7.22).

➡️ Rechts­extre­me „Ein­zel­fäl­le“ im Bundesheer

Stein/NÖ – Feldkirch/Vbg: Juden­hass in der Gefängniszelle

Bereits 13 Vor­stra­fen hat­te der 30-Jäh­ri­ge Ange­klag­te auf dem Kerb­holz, in sei­ner Gefäng­nis­zel­le in der Jus­tiz­an­stalt Stein hat er sich nun die 14 Stra­fe geholt. Denn dort hat­te er in der Nacht vom 11. auf 12. April 2021 auf der Wand „Juden töten, ich lie­be es“ hinterlassen.

Mil­dernd habe sich aus­ge­wirkt, dass der Ange­klag­te reu­mü­tig gestän­dig und wegen sei­ner Beein­träch­ti­gung durch Medi­ka­men­te ein­ge­schränkt zurech­nungs­fä­hig gewe­sen sei. (…) Ver­tei­di­ge­rin Astrid Nagel sag­te, ihr Man­dant habe sich inzwi­schen um Gewalt‑, Alko­hol- und Psy­cho­the­ra­pie bemüht. Der Ange­klag­te berich­te­te, er sei als Kind von sei­nem Vater des Öfte­ren geschla­gen wor­den, wenn er ihn am Mor­gen nicht mit dem Hit­ler­gruß begrüßt habe. (Neue Vor­arl­ber­ger Tages­zei­tung, 7.7.22, S. 20/21)

Das Urteil über 15 Mona­te unbe­dingt ist nicht rechts­kräf­tig. Dem­nächst wird sich der Vor­arl­ber­ger zusätz­lich wegen einer schwe­ren Kör­per­ver­let­zung und eines Ein­bruchs­dieb­stahls ver­ant­wor­ten müssen.