Mr. Bond (Teil 1): die braune Support-Truppe

Nach akribis­chen Ermit­tlun­gen wurde Philip H., mut­maßlich der als „Mr. Bond“ bekan­nt gewor­dene und in ein­schlägi­gen Kreisen abge­feierte Neon­azi, vor einem Jahr in seinem Kärnt­ner Eltern­haus ver­haftet. Im Okto­ber 2021 wurde eine – beein­spruchte – Anklageschrift fer­tig gestellt. Dort ist zu lesen, dass H. beträchtliche Sum­men mit dem Verkauf sein­er Songs lukri­ert haben soll. Doch die Staat­san­waltschaft lässt offen­bar nicht ermit­teln, woher die Geld­flüsse stam­men und ob ein Net­zw­erk dahintersteht.

Etwas mehr als 200 Mit­glieder hat eine Telegram-Gruppe, die „Mr. Bond“ sup­port­et. Die Nick­names lesen sich so wie die Gesin­nung ihres Gün­stlings und wohl auch der von dessen Unterstützer*innen.

TG-Unterstuetzungsgruppe für "Mr. Bond"

TG-Unter­stuet­zungs­gruppe für „Mr. Bond”: Hak­enkreuze und braune Namen

In der Gruppe wer­den nicht nur seine mit abscheulichen Nazi-Tex­ten unter­füt­terten Songs auf und ab emp­fohlen und online gestellt, son­dern auch Spenden gesam­melt. Unter der Ägide der beson­ders umtriebi­gen „Lin­ney“, die den SS-Spruch „Meine Ehre heißt Treue“ zu ihrem Telegram-Mot­to gemacht hat, wird über Monate gerät­selt und nachge­fragt, wie H. mit vollem Namen heißen und wo er ein­sitzen kön­nte und über welche Recht­san­wälte Hil­fe zu erwarten sei.

Antwort aus JVA bzgl. Anfrage Häftling "Mr. Bond"

Antwort aus JVA bzgl. Anfrage Häftling „Mr. Bond”

Selb­st bei den verurteil­ten Holocaustleugner*innen Moni­ka Schae­fer und David Irv­ing wird um Rat und Unter­stützung gebeten. Während Schae­fer emp­fiehlt, Mr. Bond möge sich nur ja nicht vom recht­en Weg abbrin­gen lassen, ver­wies der mit der öster­re­ichis­chen Jus­tiz und dem Ver­bots­ge­setz erfahrene Irv­ing auf die Tochter seines ehe­ma­li­gen und inzwis­chen nach Wal­hall abge­gan­genen ein­schlägi­gen Anwalts.

Monika Schaefer spendet Trost und Rat für Mr. Bond: "Never apologize for being on the right side."

Moni­ka Schae­fer spendet Trost und Rat für Mr. Bond: „Nev­er apol­o­gize for being on the right side.”

David Irving empfiehlt für H. Tochter seines Anwalts

David Irv­ing emp­fiehlt für H. Tochter seines Anwalts

In der eifrigen Suche nach der Iden­tität von „Mr. Bond“, ver­suchte „Lin­ney“, mit einem Trick über das Stan­dard-Forum an den Namen ranzukom­men: Sie gab sich als über den wach­senden Anti­semitismus Schock­ierte, die den inhaftierten Philip H. bekehren wollte: „Kann mir jemand eine Nachricht mit seinem vollen Namen senden, damit ich diesem Mann mehr Men­schlichkeit geben kann durch die Gnade Gottes!?“ Ihren braunen Gesinnungskamerad*innen im Forum ver­ri­et „Lin­ney“, ihr sei speiü­bel gewe­sen beim Ein­tip­pen dieser Zeilen. (Ob sie ihr Post­ing tat­säch­lich veröf­fentlicht hat, ist uns nicht bekannt.)

Linney im Standard-Forum

Lin­ney im Standard-Forum

Irgend­wann aber führten „Lin­neys“ Nach­forschun­gen zum Erfolg: Stolz ließ sie die Com­mu­ni­ty wis­sen, dass sie nach zehn Monat­en H.s Iden­tität, den Namen seines Anwalts in Erfahrung brin­gen und die Anklageschrift – fein säu­ber­lich ins Englis­che über­set­zt – auf diversen Plat­tfor­men zum Down­load bere­it­stellen kon­nte. Die wird sei­ther in braunen Kreisen als Zeug­nis für das ver­meintlich unrecht­mäßige Vorge­hen der staatlichen Behör­den gegen H. herumgere­icht. In diversen Kanälen wird aufgerufen, „Mr. Bond“ zu unter­stützen, natür­lich mon­etär, aber auch durch auf­munternde Briefe in die Jus­ti­zanstalt Josef­s­tadt, wo H. seit Feb­ru­ar 2021 in Unter­suchung­shaft sitzt. Dabei gibt man Tipps, wie die Behör­den zu ver­wirren und aufs Glat­teis zu führen seien – ein­er­seits, um die Absender-Iden­tität zu ver­schleiern und ander­er­seits über Non­sense-Texte, um sich einen Spaß zu machen: Include a short para­graph detail­ing some­thing com­plete­ly innocu­ous. Like a home improve­ment project for exam­ple. Use obscure words that are not in com­mon use. Guards will study the let­ter try­ing to deci­pher the „hid­den code”. A fun­ny joke to play on them.

Tipps für Briefe an "Mr. Bond"

Tipps für Briefe an „Mr. Bond”

„He was a nice guy“

Geht es nach Tre­vis L., Ver­fass­er eines Huldigungsar­tikels, war „Mr. Bond“ eine Art Super­star in der Szene. In ein­er schmalztriefend­en Glo­ri­fizierung des Jahres 2016 als „a cer­tain kind of roman­ti­cism and opti­mism“ für die Recht­en wird „Mr. Bond“ als Inkar­na­tion des dama­li­gen Zeit­geistes bejubelt: „But if there was one per­son who tru­ly embod­ied the zeit­geist of 2016, it would be P. H., a man bet­ter known by his stage name: Mr. Bond. Mr. Bond did not make 2016; he was 2016 made flesh.”

Zuvor hat­te der Autor in einem braunen Forum um Mel­dun­gen von Per­so­n­en gebeten, die „Mr. Bond“ kan­nten. Gefragt waren jedoch nur State­ments, die den Nazi-Rap­per in ein pos­i­tives Licht stellen wür­den: „Here, I am look­ing for tes­ti­mo­ni­als that might help human­ize Mr. Bond and make him look good. So focus on the pos­i­tive aspects. ‘He was a nice guy with a great sense of humor. Always there for a friend in need’. That kind of stuff.”

Trevis sucht "testimonials", die "might help humaize Mr. Bond"

Tre­vis sucht „tes­ti­mo­ni­als”, die „might help humaize Mr. Bond”

Kohle mit Songs

Auf Mail-Anfrage eines Fans, der die Songs in ein­er guten Qual­ität erste­hen wollte, gab Mr. Bond zur Antwort, er verkaufe sie nicht, aber „Some peo­ple con­tribute shekels, but I main­ly do it for the meme war.“ Die „Shekels“ dürften in Form von Kryp­towährun­gen geflossen sein.

In einem Beschluss des Lan­des­gerichts für Straf­sachen Wien ist die Rede von „der offen­sichtlichen Bestre­itung seines Leben­sun­ter­haltes” mit dem „Verkauf sein­er Musik”. Allein über eines von Philip H.s Bit­coin-Wal­lets liefen zehn­tausende Euro an ver­meintlichen [gemeint ist hier wohl „ange­blichen“; Anmk. SdR] Spenden. (tagesschau.de, 2.2.22)

Fleißig gesam­melt wird auch seit H.s Ver­haf­tung, obwohl sehr lange Unklarheit bestand, für wen da gespendet wer­den sollte. Kohle soll auch über „Mr. Bond”-Merchandise-Artikel reinkom­men, deren Preise sich offen­sichtlich danach aus­richt­en, möglichst viele Beträge mit „88“, also dem Code für „Heil Hitler“, zu generieren.

Mr. Bond-Merch mit "88"

Mr. Bond-Merch mit „88”

Es ist inzwis­chen bei Ermit­tlun­gen Standard,

nicht nur Tele­fon, E‑Mail-Accounts und die sozialen Medi­en [zu durch­forsten], son­dern auch Finanzströme, die zu ein­er Per­son führen. Doch bei der zuständi­gen Staat­san­waltschaft Wien lässt man bezüglich des Recht­sex­trem­is­ten Philip H. wis­sen: „Die Finanzströme wur­den nicht unter­sucht und es liegen keine Infor­ma­tio­nen über allfäl­lige Spender vor.” tagesschau.de, 2.2.22)

Hier scheint sich also nur mehr die Frage zu stellen, ob es am Desin­ter­esse oder an Unfähigkeit der ermit­tel­nden Behör­den liegt, wenn nicht ein­mal der Ver­such gemacht wird, „Mr. Bonds” Supporter*innen auf die Spur zu kommen.

➡️ Mr. Bond (Teil 2): die Anklage
➡️ Nazi-Bond ist abgestürzt