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Antisemitische „Guardians“: ausgewacht!

Die diver­sen Ver­tei­di­gungs- und Ent­schul­di­gungs­ver­su­che haben Man­fred Kieln­ho­fer mit sei­ner anti­se­mi­ti­schen Mon­ta­ge wenig genutzt. Die von ihm „Guar­di­ans of Time“ benann­ten Skulp­tu­ren wur­den in meh­re­ren Kom­mu­nen, in denen sie aus­ge­stellt waren, ver­räumt oder ver­hüllt. Kieln­ho­fer ver­such­te sich im Hacker-Schmäh. Wer soll denn das noch glauben?

2. Feb. 2022
Kielnhofer-Figuren in Graz auf Privatgelände derzeit verhüllt (Foto: Tristan Ammerer)
Kielnhofer-Figuren in Graz auf Privatgelände derzeit verhüllt (Foto: Tristan Ammerer)

Die Foto­mon­ta­ge, die einen sei­ner „Guar­di­ans“ neben einem David­stern aus Sprit­zen mit dem het­ze­ri­schen Zusatz „Jewish Gen Toxic Vac­ci­na­ti­on“ zeigt, ist auf ver­schie­de­nen Kon­ten von Kieln­ho­fer erschie­nen: auf Face­book, Twit­ter, Insta­gram, Tele­gram, auf pri­va­ten Web­sites von Kieln­ho­fer, ja sogar auf Gab, dem „Twit­ter für Ras­sis­ten“. Kieln­ho­fer brauch­te meh­re­re Tage, um sei­ne diver­sen Kon­ten von der anti­se­mi­ti­schen Mon­ta­ge und etli­chen ande­ren ver­schwö­re­ri­schen oder het­ze­ri­schen Bei­trä­gen zu säubern.

Kielnhofer: "The Jewish Vaccination" (Screenshot TG 17.1.22)
Kieln­ho­fer: „The Jewish Vac­ci­na­ti­on” (Screen­shot TG 17.1.22)

Da war es aber schon zu spät. Vie­le hat­ten Alarm geschla­gen, sich beim jewei­li­gen Medi­um oder bei Kieln­ho­fer selbst beschwert. Stell­ver­tre­tend hier der Pos­ter, der auf einem von Kieln­ho­fers vie­len Face­book-Accounts schrieb: „Was soll denn die­se anti­se­mi­ti­sche scheis­se? Willst du dich her frei­wil­lig öffent­lich als Nazi beken­nen?“, wor­auf Kieln­ho­fer ent­lar­vend ant­wor­te­te: „Wer macht die Imp­fun­gen? Wer hat die Paten­te auf die Imp­fun­gen? Was steht da drin­nen?“

Spä­ter ver­such­te sich Kieln­ho­fer in der Hacker-Vari­an­te. Eigent­lich: in meh­re­ren Vari­an­ten. Eine davon offe­rier­te er in einem offe­nen Brief:

Es wur­de von einem Hacker ein Anti-Impf-Pos­ting von mir mit­tels einer Kopie der Über­schrift aus der israe­li­schen Sta­tis­tik (hier wur­de gra­fisch die Über­sterb­lich­keit doku­men­tiert) in mein Post ein­ge­fügt. Die­ser Zusatz sorg­te für Auf­re­gung. Es soll­te jedoch ledig­lich auf die extrem hohe Über­sterb­lich­keit in Isra­el hin­ge­wie­sen wer­den, denn vie­le Ärz­te sehen die­se Ent­wick­lung in direk­tem Bezug mit der Corona-Impfung.

Aha! Ein Super-Hacker, der gleich­zei­tig in die diver­sen Kon­ten in den ver­schie­de­nen Medi­en (FB, Ins­ta, Twit­ter, TG usw.) ein­dringt, „fügt“ einen „Zusatz“ ein, durch den auf die „extrem hohe Über­sterb­lich­keit in Isra­el“ hin­ge­wie­sen wer­den soll­te? Aus einer fal­schen Behaup­tung über die israe­li­sche Über­sterb­lich­keit durch Imp­fung ent­steht dann irgend­wie eine anti­jü­di­sche bzw. anti­se­mi­ti­sche Het­ze, die zu „Auf­re­gung“ führt?

Kielnhofer-Statement am 18.1.22: "Meine Seiten wurden mehrmals gehackt" (Screenshot FB)
Kieln­ho­fer-State­ment am 18.1.22: „Mei­ne Sei­ten wur­den mehr­mals gehackt” (Screen­shot FB)

In einer ande­ren Vari­an­te schwur­bel­te er her­um, dass „nur“ der David­stern aus Sprit­zen auf ihn zurück­ge­he, wäh­rend die anti­se­mi­ti­schen Wor­te von einem sei­ner Fol­lower, die sei­ne Bei­trä­ge gestal­ten und ver­än­dern dür­fen, stam­men wür­den. Also doch kein Hack, son­dern ein „Lap­sus“ sei­ner­seits? „Ich habe da zu wenig acht­ge­ge­ben”, wird er in den OÖN zitiert.

In einem wei­te­ren Bei­trag der OÖN (19.1.22) spricht er aller­dings wie­der anti­se­mi­ti­schen Klar­text. Es sei „doch klar, dass die Her­stel­ler von Impf­stof­fen oft jüdisch sind. Ich hab’ das irgend­wo gele­sen. Schau­en Sie doch nach, wer die Chefs der Phar­ma-Indus­trie sind. Ich bin auch gegen Jesui­ten und Frei­mau­rer, aber das inter­es­siert nie­man­den.“

Die Reak­tio­nen fie­len dann doch sehr deut­lich und klar aus: „Ich bin sprach­los und scho­ckiert ange­sichts der per­fi­den Geschmack­lo­sig­keit die­ser Ver­schwö­rungs­theo­rie“, erklär­te Alfred Wei­din­ger, Direk­tor der Kul­tur GmbH des Lan­des Ober­ös­ter­reich. Die Stadt Steyr reagier­te auf Kieln­ho­fers anti­se­mi­ti­sche Pro­vo­ka­ti­on sofort damit, dass die vor eini­gen Jah­ren gekauf­ten Wäch­ter-Skulp­tu­ren „vor­erst aus dem öffent­li­chen Raum ver­bannt“ wur­den. Kurz danach zog Linz nach, indem die Lan­des­haupt­stadt ihre Nut­zungs­ver­ein­ba­rung wider­rief und Kieln­ho­fer auf­for­der­te, sei­ne Skulp­tu­ren auf eige­ne Rech­nung von der Donau­län­de zu ent­fer­nen. Bür­ger­meis­ter Luger (SPÖ), der zuerst noch die straf­recht­li­che Rele­vanz von Kieln­ho­fers Pos­tings abwar­ten woll­te: „Wer­ke anti­se­mi­ti­scher Künst­ler haben in unse­rer Stadt im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes kei­nen Platz – ganz beson­ders auch nicht im Ver­gleich mit der Covid-19-Pan­de­mie.“

Auch der Kul­tur­amts­lei­ter der Stadt Scheibbs (NÖ) und der Ver­ein Waxen­berg Aktiv (OÖ) distan­zier­ten sich Kieln­ho­fer und lie­ßen sei­nes Skulp­tu­ren ent­fer­nen. In Graz ste­hen eben­falls Kieln­ho­fers Skulp­tu­ren her­um, aller­dings nicht auf öffent­li­chem Raum, son­dern auf dem Pri­vat­grund einer Fir­ma. Tris­tan Amme­rer, Gemein­de­rat der Grü­nen, war­tet noch auf eine Ant­wort der Firma.

Kielnhofer-Figuren in Graz auf Privatgelände derzeit verhüllt (Foto: Tristan Ammerer)
Kieln­ho­fer-Figu­ren in Graz auf Pri­vat­ge­län­de der­zeit ver­hüllt (Foto: Tris­tan Ammerer)

Kieln­ho­fers „Guar­di­ans of Time“ sind aber nicht nur in Öster­reich aus­ge­stellt. Als sei­ne anti­se­mi­ti­sche Foto­mon­ta­ge ver­öf­fent­licht wur­de, waren sei­ne „Wäch­ter“ in Ora­ni­en­burg (Brandenburg/D) zu Gast. Dort sorg­te Hei­ner Klemp, Mit­glied des Land­tags für Bünd­nis 90/Die Grü­nen, dafür, dass die Skulp­tu­ren rasch wie­der aus dem Stadt­bild ent­fernt wurden:

Der anti­se­mi­ti­sche Hin­ter­grund des Künst­lers war in Ora­ni­en­burg zuvor nicht bekannt. Anti­se­mi­tis­mus ist nir­gends auf der Welt zu tole­rie­ren, aber in Ora­ni­en­burg ange­sichts der Geschich­te der Stadt als Schalt­stel­le der Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger im 3. Reich schon gar nicht. Die Wäch­ter wur­den umge­hend nach Bekannt­wer­den der anti­se­mi­ti­schen Posts entfernt.

Selbst frü­he­re Unterstützer*innen von Kieln­ho­fer und sei­nen Guar­di­ans wie M. und W. K. fan­den sehr kla­re Wor­te und distan­zier­ten sich scharf von den „abscheu­li­chen Pos­tings“, been­de­ten die Zusam­men­ar­beit mit ihm und schlos­sen die Web­site des „Guar­di­ans of Time“-Clubs.

Betreiber*in der Website GOt distanzieren sich: "Wir haben die Zusammenarbeit mit diesem Künstler beendet" (Screenshot 2.2.22)
Betreiber*in der Web­site GOT distan­zie­ren sich: „Wir haben die Zusam­men­ar­beit mit die­sem Künst­ler been­det” (Screen­shot 2.2.22)
Kielnhofer auf Telegram: "NO Agenda Vaccination - NO Chemical WAR - NO New World Order" (TG 24.2.21)
Kieln­ho­fer auf Tele­gram: „NO Agen­da Vac­ci­na­ti­on — NO Che­mi­cal WAR — NO New World Order” (TG 24.2.21)

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