Antisemitische „Guardians“: ausgewacht!

Die diversen Vertei­di­gungs- und Entschuldigungsver­suche haben Man­fred Kielnhofer mit sein­er anti­semi­tis­chen Mon­tage wenig genutzt. Die von ihm „Guardians of Time“ benan­nten Skulp­turen wur­den in mehreren Kom­munen, in denen sie aus­gestellt waren, ver­räumt oder ver­hüllt. Kielnhofer ver­suchte sich im Hack­er-Schmäh. Wer soll denn das noch glauben?

Die Fotomon­tage, die einen sein­er „Guardians“ neben einem David­stern aus Spritzen mit dem het­zerischen Zusatz „Jew­ish Gen Tox­ic Vac­ci­na­tion“ zeigt, ist auf ver­schiede­nen Kon­ten von Kielnhofer erschienen: auf Face­book, Twit­ter, Insta­gram, Telegram, auf pri­vat­en Web­sites von Kielnhofer, ja sog­ar auf Gab, dem „Twit­ter für Ras­sis­ten“. Haben wir ein Medi­um überse­hen? Schon möglich. Kielnhofer brauchte jeden­falls Tage, um seine diversen Kon­ten von der anti­semi­tis­chen Mon­tage und etlichen anderen ver­schwörerischen oder het­zerischen Beiträ­gen zu säubern.

Kielnhofer: "The Jewish Vaccination" (Screenshot TG 17.1.22)

Kielnhofer: „The Jew­ish Vac­ci­na­tion” (Screen­shot TG 17.1.22)

Da war es aber schon zu spät. Viele hat­ten Alarm geschla­gen, sich beim jew­eili­gen Medi­um oder bei Kielnhofer selb­st beschw­ert. Stel­lvertre­tend hier der Poster, der auf einem der vie­len Face­book-Kon­ten Kielnhofers schrieb: „Was soll denn diese anti­semi­tis­che scheisse? Willst du dich her frei­willig öffentlich als Nazi beken­nen?“, worauf Kielnhofer ent­lar­vend antwortete: „Wer macht die Imp­fun­gen? Wer hat die Patente auf die Imp­fun­gen? Was ste­ht da drin­nen?“.

Später ver­suchte sich Kielnhofer in der Hack­er-Vari­ante. Eigentlich: in mehreren Vari­anten. Eine davon offerierte er in einem offe­nen Brief:

Es wurde von einem Hack­er ein Anti-Impf-Post­ing von mir mit­tels ein­er Kopie der Über­schrift aus der israelis­chen Sta­tis­tik (hier wurde grafisch die Über­sterblichkeit doku­men­tiert) in mein Post einge­fügt. Dieser Zusatz sorgte für Aufre­gung. Es sollte jedoch lediglich auf die extrem hohe Über­sterblichkeit in Israel hingewiesen wer­den, denn viele Ärzte sehen diese Entwick­lung in direk­tem Bezug mit der Corona-Impfung.

Aha! Ein Super-Hack­er, der gle­ichzeit­ig in die diversen Kon­ten in den ver­schiede­nen Medi­en (FB, Ins­ta, Twit­ter, TG usw.) ein­dringt, „fügt“ einen „Zusatz“ ein, durch den auf die „extrem hohe Über­sterblichkeit in Israel“ hingewiesen wer­den sollte? Aus ein­er falschen Behaup­tung über die israelis­che Über­sterblichkeit durch Imp­fung entste­ht dann irgend­wie eine anti­jüdis­che bzw. anti­semi­tis­che Het­ze, die zu „Aufre­gung“ führt? Widerlich!

Kielnhofer-Statement am 18.1.22: "Meine Seiten wurden mehrmals gehackt" (Screenshot FB)

Kielnhofer-State­ment am 18.1.22: „Meine Seit­en wur­den mehrmals gehackt” (Screen­shot FB)

In ein­er anderen Vari­ante schwurbelte er davon herum, dass „nur“ der David­stern aus Spritzen auf ihn zurück­ge­he, während die anti­semi­tis­chen Worte von einem sein­er Fol­low­er, die seine Beiträge gestal­ten und verän­dern dür­fen, stam­men wür­den. Also doch kein Hack, son­dern ein „Lap­sus“ sein­er­seits? „Ich habe da zu wenig acht­gegeben”, wird er in den OÖN zitiert.

In einem weit­eren Beitrag der OÖN (19.1.2022) spricht er allerd­ings wieder anti­semi­tis­chen Klar­text. Es sei „doch klar, dass die Her­steller von Impf­stof­fen oft jüdisch sind. Ich hab’ das irgend­wo gele­sen. Schauen Sie doch nach, wer die Chefs der Phar­ma-Indus­trie sind. Ich bin auch gegen Jesuit­en und Freimau­r­er, aber das inter­essiert nie­man­den.

Die Reak­tio­nen fie­len dann doch sehr deut­lich und klar aus: „Ich bin sprach­los und schock­iert angesichts der per­fi­den Geschmack­losigkeit dieser Ver­schwörungs­the­o­rie“, erk­lärte Alfred Wei­dinger, Direk­tor der Kul­tur GmbH des Lan­des Oberöster­re­ich. Die Stadt Steyr reagierte auf Kielnhofers anti­semi­tis­che Pro­voka­tion sofort damit, dass die vor eini­gen Jahren gekauften Wächter-Skulp­turen „vor­erst aus dem öffentlichen Raum ver­ban­nt“ wur­den. Kurz danach zog Linz nach, indem die Lan­deshaupt­stadt ihre Nutzungsvere­in­barung wider­rief und Kielnhofer auf­forderte, seine Skulp­turen auf eigene Rech­nung von der Donaulände zu ent­fer­nen. Bürg­er­meis­ter Luger (SPÖ), der zuerst noch die strafrechtliche Rel­e­vanz von Kielnhofers Post­ings abwarten wollte: „Werke anti­semi­tis­ch­er Kün­stler haben in unser­er Stadt im wahrsten Sinne des Wortes keinen Platz – ganz beson­ders auch nicht im Ver­gle­ich mit der Covid-19-Pan­demie.

Auch der Kul­tur­amt­sleit­er der Stadt Scheibbs (NÖ) und der Vere­in Wax­en­berg Aktiv (OÖ) dis­tanzierten sich Kielnhofer und ließen seines Skulp­turen ent­fer­nen. In Graz ste­hen eben­falls Kielnhofers Skulp­turen herum, allerd­ings nicht auf öffentlichem Raum, son­dern auf dem Pri­vat­grund ein­er Fir­ma. Tris­tan Ammer­er, Gemein­der­at der Grü­nen, wartet noch auf eine Antwort der Firma.

Kielnhofer-Figuren in Graz auf Privatgelände derzeit verhüllt (Foto: Tristan Ammerer)

Kielnhofer-Fig­uren in Graz auf Pri­vat­gelände derzeit ver­hüllt (Foto: Tris­tan Ammerer)

Kielnhofers „Guardians of Time“ sind aber nicht nur in Öster­re­ich aus­gestellt. Ger­ade als seine anti­semi­tis­che Fotomon­tage veröf­fentlicht wurde, waren seine „Wächter“ in Oranien­burg (Brandenburg/D) zu Gast. Dort sorgte Hein­er Klemp, Mit­glied des Land­tags für Bünd­nis 90/Die Grü­nen, dafür, dass die Skulp­turen rasch wieder aus dem Stadt­bild ent­fer­nt wurden:

Der anti­semi­tis­che Hin­ter­grund des Kün­stlers war in Oranien­burg zuvor nicht bekan­nt. Anti­semitismus ist nir­gends auf der Welt zu tolerieren, aber in Oranien­burg angesichts der Geschichte der Stadt als Schalt­stelle der Konzen­tra­tionslager im 3. Reich schon gar nicht. Die Wächter wur­den umge­hend nach Bekan­ntwer­den der anti­semi­tis­chen Posts entfernt.

Selb­st frühere Unterstützer*innen von Kielnhofer und seinen Guardians wie M. und W. K. fan­den sehr klare Worte und dis­tanzierten sich scharf von den „abscheulichen Post­ings“, been­de­ten die Zusam­me­nar­beit mit ihm und schlossen die Web­site des „Guardians of Time“-Clubs.

Betreiber*in der Website GOt distanzieren sich: "Wir haben die Zusammenarbeit mit diesem Künstler beendet" (Screenshot 2.2.22)

Betreiber*in der Web­site GOT dis­tanzieren sich: „Wir haben die Zusam­me­nar­beit mit diesem Kün­stler been­det” (Screen­shot 2.2.22)

Kielnhofer auf Telegram: "NO Agenda Vaccination - NO Chemical WAR - NO New World Order" (TG 24.2.21)

Kielnhofer auf Telegram: „NO Agen­da Vac­ci­na­tion — NO Chem­i­cal WAR — NO New World Order” (TG 24.2.21)