Wochenschau KW 48/20

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Ein alter Bekann­ter stand wie­der ein­mal vor Gericht: Mario A., sei­ner­zeit im „Alpen-Donau“-Umfeld und in der neo­na­zis­ti­schen Natio­na­len Volks­par­tei unter­wegs, kas­sier­te erneut vier Jah­re wegen Wie­der­be­tä­ti­gung. In Favo­ri­ten hat sich das aus zwei Män­nern bestehen­de Team Stra­che gleich einen Tag nach der Ange­lo­bung hal­biert, und dem FPÖ-Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ten Hafenecker haben ein Schnit­zerl und ein Bier eine Anzei­ge eingebracht.

Bez. Neunkirchen/Wiener Neu­stadt: 4 Jah­re Haft
Wien-Favo­ri­ten: THC halbiert
Kaumberg/NÖ: Hafenecker angezeigt

Bez. Neunkirchen/Wiener Neu­stadt: 4 Jah­re Haft

Wenn jemand wegen Wie­der­be­tä­ti­gung vier Jah­re Haft kas­siert, dann ist klar: Da rei­chen nicht nur Nazi-Pos­tings – auch wenn es wie im Fall von Mario A. sehr vie­le waren – und ein­schlä­gi­ge Täto­wie­run­gen. Da reicht nicht ein­mal, wenn bei der „Durch­su­chung sei­nes Hau­ses im Bezirk Neun­kir­chen (…) die Beam­ten ein rich­ti­ges ‚Nazi-Muse­um‘ auf­ge­stö­bert“ haben, wie meinbezirk.at vom Pro­zess des 31-Jäh­ri­gen A. berich­tet. Nicht ein­mal der Besitz von Waf­fen trotz Waf­fen­ver­bot – sofern es kei­ne Arse­na­le mit Bom­ben oder der­glei­chen sind – wür­de eine vier­jäh­ri­ge Haft­stra­fe nach sich zie­hen. Aber Mario A. hat eine ein­schlä­gi­ge Vor­kar­rie­re vor­zu­wei­sen, die sich im Umkreis der „Alpen-Donau“-Truppe und dann vor allem in der neo­na­zis­ti­schen Natio­na­len Volks­par­tei (NVP) abge­spielt hat­te – dort fun­gier­te er inäm­lich als Bun­des­ju­gend­füh­rer. 2008 setz­te es eine beding­te Ver­ur­tei­lung, 2010 eine unbe­ding­te Haft­stra­fe von vier Jah­ren, aus der er vor­zei­tig ent­las­sen wor­den war.

Bereits damals trat A. vor Gericht als „geläu­tert“ auf, sei für einen Sze­nen­aus­stieg aber zu schwach gewe­sen. Offen­bar hat­te ihn trotz Läu­te­rung die alte Schwä­che wie­der ein­ge­holt – oder gleich gar nie rich­tig ver­las­sen. Zwi­schen­durch hat es A. offen­bar in die Prep­per­sze­ne gezo­gen, wo er sich als „Sur­vi­val- & Bush­craft­trai­ner“ ange­bo­ten hat, wie auf einer Web­site für „Über­le­bens­men­schen“ zu erfah­ren ist.

Mario A.: Survival- und Bushcrafttrainer

Mario A.: Sur­vi­val- und Bushcrafttrainer

Die­se Fähig­kei­ten wird er nun in der Haft weni­ger gebrau­chen kön­nen. Die neu­en vier Jah­re (noch nicht rechts­kräf­tig) gab’s, obwohl er wie­der ganz und gar geläu­tert ist. Der Beleg: Er„sei jetzt mit einer Grün-enga­gier­ten Frau zusam­men und habe ein dun­kel­häu­ti­ges Stief­kind, zusam­men­fas­send: ‚Ich habe mich von der Ideo­lo­gie los­ge­sagt.‘“ (meinbezirk.at) Der Umkehr­schwung des Mario A. muss ziem­lich schnell pas­siert sein, denn er habe „[a]uf bös­ar­tigs­te Wei­se (…) per Whats­app Völ­ker­grup­pen, Haut­far­ben und Poli­ti­ker [dif­fa­miert] und (…) das Natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Drit­te Reich hoch leben [las­sen]. Die Poli­zei fand in zwei Han­dys  Hun­der­te sol­cher Pos­tings, meist an eine ein­schlä­gi­ge Freun­des­grup­pe, abge­sen­det in der Zeit von Herbst 2016 bis Jän­ner 2020.“ (meinbezirk.at)

Ein Mit­kom­ba­tant aus A.s Zeit in der NVP, Ste­fan S., in diver­sen Sozia­len Medi­en als Ste­pha­no Nowa­nov unter­wegs, ist A. bereits in den Knast vor­an­ge­gan­gen. Der wur­de in einem Pro­zess im Juni 2020 aller­dings mit acht Jah­ren Haft und anschlie­ßen­der Ein­wei­sung in eine Anstalt für geis­tig abnor­me Rechts­bre­cher deut­lich hef­ti­ger bedient als A. Die Face­book-Freund­schaft der bei­den dürf­te jetzt ein­mal auf Eis gelegt sein.

Mario A. auf Facebook berfreundet mit Stefan S. (Stephano Novanow)

Mario A. auf Face­book ber­freun­det mit Ste­fan S. (Ste­pha­no Novanow)

Wien-Favo­ri­ten: THC halbiert

Der Show­down hat­te sich bereits nach der Wahl am 11. Okto­ber abge­zeich­net: Zwei Man­da­te in der Bezirks­ver­tre­tung in Favo­ri­ten hat­te Stra­ches Team errun­gen, doch mit dem „Team“ war es schnell vor­bei. Gün­ter Kasal und Wolf­gang Cadi­lek strit­ten sich um die Posi­ti­on des Klub­ob­manns, und nun, nach­dem Cadi­lek einen Tag nach der Ange­lo­bung das THC ver­las­sen hat, gibt’s weder einen Klub noch einen Klub­ob­mann. Cadi­lek ist damit der ers­te „wil­de“ Bezirks­rat in die­ser Peri­ode. Mit ihm tre­ten auch die ehe­ma­li­gen FPÖ-/THC-Bezirks­rä­tin­nen Maria Fuchs und Ilse Weber aus der Par­tei aus.

Mit der THC-Spal­tung ist auch das Gehalt des Klub­ob­manns von immer­hin 1.420.- monat­lich weg, und bei­de Bezirks­rä­te müs­sen sich mit 463 Euro zufrie­den geben. „Wegen der Gage wären sie aber ohne­hin nicht Bezirks­rat gewor­den, erklä­ren Kasal und Cadi­lek. Es gehe ein­zig um die poli­ti­sche Arbeit.“ (kurier.at, 26.11.20) Wer’s glaubt …

Kaumberg/NÖ: Hafenecker angezeigt

Ein Schnit­zerl woll­te sich der blaue Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te und Gemein­de­rat im nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Kaum­berg am Sams­tag holen. Beim War­ten sei ihm kalt gewor­den, und so habe er sich in die Imbiss­stu­be bege­ben und ein Bier getrun­ken. Pech, denn genau da kam die Poli­zei vor­bei und und fand neben Hafenecker auch acht wei­te­re Per­so­nen vor.

„Die ande­ren acht Per­so­nen, denen wohl eben­falls kalt war, gel­ten groß­teils als FPÖ-nahe, auch ein SPÖ-Gemein­de­rat soll sich dar­un­ter befun­den haben.“ (krone.at, 29.11.20) Denen scheint nicht nur gleich­zei­tig kalt gewor­den zu sein, es muss auch alle der Hun­ger und ver­mut­lich auch der Durst geplagt haben. Noch etwas haben sie nun gemein­sam: Für alle Neu­ne setz­te es eine Anzei­ge nach dem Covid-19-Maß­nah­men­ge­setz. 

Eine um Hafeneckers Gesund­heit besorg­te Use­rin kom­men­tier­te auf sei­ner Sei­te den Zwi­schen­fall so: Aber Herr hafenecker die Ver­ord­nun­gen, dass nicht soviel Per­so­nen aus unter­schied­li­chen haus­hal­ten zusam­men­tref­fen, die­nen ja vor allem auch Ihrem schutz! Gera­de mas­si­ves Über­ge­wicht ist der Grund, dass Per­so­nen in Ihrem Alter ohne jeg­li­che vor­er­kran­kung auf Inten­siv­sta­ti­on mit covid-19 liegen!!

Kommentar bei Hafenecker

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