Provisorischer Gauführer im Greifbereich

Angezeigt haben wir St. S. im Juli 2018 – wegen des gut begrün­de­ten Ver­dachts der NS-Wieder­betä­ti­gung. Über Face­book, vk.com, Twit­ter, einen Blog und ver­mut­lich über weit­ere Kanäle hat er seit Jahren braunen und anti­semi­tis­chen Dreck ver­bre­it­et. Vor über zehn Jahren war er noch Funk­tionär bei der verblich­enen neon­azis­tis­chen NVP, zulet­zt beze­ich­nete er sich als „pro­vi­sorisch­er Stel­lvertreter des Deutschen Reich­es in der Ost­mark“. Am 9. Juni musste er sich wegen Wieder­betä­ti­gung vor einem Geschwore­nen­gericht in Wels ver­ant­worten und kassierte – vor­läu­fig – acht Jahre Haft mit anschließen­der Ein­weisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechts­brech­er. Warum?

Das Urteil des Lan­des­gericht­es Wels ist noch nicht recht­skräftig, weil bei­de Seit­en (Vertei­di­gung und Staat­san­waltschaft) Rechtsmit­tel angemeldet haben. Zu der Ver­hand­lung gegen St. S. gibt es bis­lang auch keine Prozess­berichter­stat­tung im eigentlichen Sinn – es waren offen­sichtlich keine Journalist*innen vor Ort. Das Lan­des­gericht hat daraufhin – dankenswert­er­weise – in ein­er knap­pen Presseaussendung über die Anklage und das Urteil informiert. Das – auf den ersten Blick – harte Urteil erk­lärt sich daraus, dass nicht nur der § 3g Ver­bots­ge­setz  zur Anwen­dung kam, son­dern auch der § 3d, der deut­lich schär­fere Strafen vorsieht. 

St. S. ist ein notorisch­er Anti­semit, Ver­schwörung­shei­ni und Neon­azi. Als sein Geburts­da­tum gibt er den 20. April 1945 an (sein richtiges Geburts­da­tum ist ein anderes im Jahr 1962), was ihm die Möglichkeit eröffnete, bei Geburt­stags­glück­wün­schen devotest auf den Geburt­stag „seines“ Führers hinzuweisen. Seit wann St. S. braunen Dreck über seine diversen Kanäle verteilt, ist unklar. Schw­er vorstell­bar auch, dass das nie­man­dem unter seinen Fre­und­schaften aufge­fall­en sein soll.

St.S. auf Facebook zum 20.4.: "Es ist der Ehrentag des Führers"

St.S. auf Face­book zum 20.4.: „Es ist der Ehrentag des Führers”

Sein Twit­ter-Kon­to, das er unter seinem Fake-Namen Stephano N. betrieb, wies ihn schon mit dem Titelfo­to als Neon­azi aus: Es zeigte einen Adler, der ein zur Hälfte verdeck­tes Hak­enkreuz in seinen Klauen hält. Dort wies er sich auch als „pro­vi­sorisch­er Stel­lvertreter des Deutschen Reich­es in der Ost­mark“ aus. Am 21. April 2018 ver­link­te er zu ein­er von ihm selb­st als „ver­boten“ eingestuften Hitler-Rede auf YouTube, die mit­tler­weile für etliche Län­der (darunter Öster­re­ich) ges­per­rt ist.

St.S. auf Twitter mit Reichadler und Hakenkreuz und "Prov. Stellvertreter des Deutschen Reichs für die Ostmark! Es gilt das Recht & die Verfassung des Deutschen Reiches! Alle Rechte vorbehalten!"

St.S. auf Twit­ter mit Reich­sadler, Hak­enkreuz und „Prov. Stel­lvertreter des Deutschen Reichs für die Ost­mark! Es gilt das Recht & die Ver­fas­sung des Deutschen Reich­es! Alle Rechte vorbehalten!”

S. teilt verbotene Hitler-Rede

S. teilt ver­botene Hitler-Rede

Am 25. März 18 twit­terte er: „Alli­ierte Ver­brechen und deren Betrügereien ! Und uns dann vor Gericht erpressen und belü­gen sowie täuschen wollen. Die Tage der jüdis­chen Lügen & des Betruges sind gezählt !

In dieser Machart postete er auch auf Face­book, wo er eben­falls mit seinem Nick­name Stephano N. unter­wegs war. Am 28. Novem­ber 2015 ver­link­te er zu einem Beitrag auf google+ mit einem Foto, auf dem wie bei Twit­ter teil­weise verdeck­te Hak­enkreuze auf Nazi-Flaggen zu sehen waren. Im Jän­ner 2016 erschien dann ein Beitrag mit einem von ihm der Hitler-Schwest­er Paula zugeschriebe­nen Zitat :

Euer Name wird längst mit Eurem Leich­nam zer­fall­en – vergessen und ver­mod­ert sein – während der Name Adolf Hitlers immer noch leucht­en und lodern wird! Ihr kön­nt ihn nicht umbrin­gen mit Euren Jauchekü­beln, ihn nicht erwür­gen mit Euren tin­ten­bek­leck­sten, schmieri­gen Fin­gern – seinen Namen nicht aus­löschen aus hun­dert­tausend See­len – dazu seid Ihr selb­st viel, aber auch schon viel zu klein!

Zu seinen Face­book-Fre­und­schaften zählt auch eine FPÖ-Nation­al­ratsab­ge­ord­nete: Edith Mühlberghu­ber. Die ist uns in der Ver­gan­gen­heit schon mehrmals durch ihre Mit­glied­schaft in selt­samen Grup­pen aufge­fall­en. Aber was bringt eine aktive FPÖ-Abge­ord­nete dazu, sich mit einem schnell als recht­sex­trem und bei genauer­er Hin­sicht als neon­azis­tisch erkennbaren Account zu befre­un­den? Aktuell hat St. S. auf seinem Face­book-Kon­to (das im Unter­schied zu seinem Twit­ter-Account noch nicht gelöscht ist) 231 Fre­und­schaften – in erster Lin­ie stramme Neon­azis und Recht­sex­treme. Dazu noch die FPÖ-Abge­ord­nete und den geschäfts­führen­den Bezirksparteiob­mann der FPÖ Baden, Wern­er Rogner.

Facebook-Freunde St.S.: FPÖ-NR-Abg. Edith Mühlberghuber und GF FPÖ Baden Werner Rogner

Face­book-Fre­unde St.S.: FPÖ-NR-Abg. Edith Mühlberghu­ber und GF FPÖ Baden Wern­er Rogn­er (und der deutsche mehrfach verurteilte Neon­azi Gün­ter Deckert)

Auf seinem Face­book-Kon­to hat S. in den let­zten Jahren öffentlich keine Nachricht­en mehr abge­set­zt. Möglicher­weise hat er sie für seinen Fre­un­deskreis begren­zt. Auf seinem Fluchtkon­to bei vk.com beschw­ert er sich über die zeitweili­gen Sper­ren auf Face­book, arg­wöh­nt, dass er vielle­icht dem­nächst auch auf dem rus­sis­chen Por­tal „von Juden ver­fol­gt“ wer­den kön­nte, gibt ein weit­eres Ersatzkon­to an, postet jedoch völ­lig unge­niert seinen Nazi-Dreck – und das mit Klar­na­men. Weil er von seinem Twit­ter-Account auf sein vk-Kon­to ver­linkt (und umgekehrt), ist auch schnell klar, dass Stephano N. tat­säch­lich St. S. ist, der auf vk manch­mal im Stun­den­takt Nazi-Schrott postet, den er mit anderen Neon­azis bespricht und teilt.

Auf vk.com gab er 2018 neuer­lich den „Tipp“, Schweinekopfhälften auf einem geplanten Moschee-Grund­stück abzule­gen, um damit Mus­lime vom Bau abzubrin­gen, wozu er als NVP-Funk­tionär schon 2011 großmäulig in einem Mail die bay­erische NPD ger­at­en hat­te. NVP-Aktivis­ten hat­ten schon 2008 unter Ver­dacht ges­tanden hat­ten, zum Jahreswech­sel Schweineköpfe auf einem Moschee-Grund­stück deponiert zu haben. Nach dem Mail an die NPD schrieb „Öster­re­ich“, dass sich der Ver­fas­sungss­chutz jet­zt St. S. vornehmen würde. Daraus dürfte nichts gewor­den sein.

St.S. gibt Tipp, Schweinekopfhälften auf Moschee-Grundstück zu deponieren

St.S. gibt Tipp, Schweinekopfhälften auf Moschee-Grund­stück zu deponieren

St. S. weit­ete in den Fol­ge­jahren nicht nur seine pro­pa­gan­dis­tis­che Het­ze beträchtlich aus, son­dern auch seinen imag­inierten Sta­tus in der Szene, indem er sich den Rang eines „pro­vi­sorischen Stel­lvertreter des Deutschen Reich­es in der Ost­mark“ ver­lieh. Eine Ahnung, dass ihm wegen sein­er Het­ze Ungemach dro­hen kön­nte, ver­an­lasste ihn zu ein­er War­nung an seine braunen Kam­er­aden auf vk, bess­er nicht unter Klar­na­men posten: „Wenn man mit Klar­na­men und Bild hier ist, und die Holo­caust-Lügen-Artikel etc. teilt bzw. selb­st ver­fasst, ist man für die Rat­ten sehr leicht angreifbar.“

Für seine Per­son glaubte St. S. das auss­chließen zu kön­nen: „Was meine Per­son bet­rifft: Für die Rat­ten bin ich ein ‚U‑Boot‘, ich befinde mich derzeit nicht in ihrem ‚Greif­bere­ich‘.“ Der pro­vi­sorische Gauführer erk­lärte dann großmütig , dass er ganz bewusst „Zielscheibe spiele“, denn wenn „sie“ [die Rat­ten, Anmk. SdR] sich mit ihm beschäfti­gen, kön­nen sie sich „gle­ichzeit­ig nicht mit wem anderen beschäfti­gen“.

So ganz stimmte das nicht! Als wir uns Monate nach Anzeigen­le­gung im Juli 2018 nach dem Stand der Ermit­tlun­gen erkundigten, wurde uns mit­geteilt, dass man St. S. nicht find­en könne. Wir erlaubten uns daher, die von ihm auf vk.com dankenswert­er­weise angegebene Handy-Num­mer den Behör­den zu über­mit­teln und schon war der „pro­vi­sorische“ Stel­lvertreter des Deutschen Reich­es wieder im Greifbereich.

St.S. auf vk.com mit Handynummer und Mailadresse – inspiriert von "Adolf Hitler und dem wahren Nationlasozialismus!"

St.S. auf vk.com mit Han­dynum­mer und Mailadresse – inspiri­ert von „Adolf Hitler und dem wahren Nationlasozialismus!”

 

St.S.: "Alljuda-Lügen-Medien-Maulhurenpresse"

St.S.: „Allju­da-Lügen-Medi­en-Maul­huren­presse”

"Fahnen heraus am Geburtstag des Führers"

„Fah­nen her­aus am Geburt­stag des Führers”