Wochenschau KW 34/20

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Jemand, der NS-Devo­tio­na­li­en besaß, hau­fen­wei­se Nazi-Moti­ve via Whats­App ver­schick­te und nicht rechts sein will? Das wird vor Gericht vor­ge­bracht, wenn’s um die Erklä­rung sol­cher Wider­lich­kei­ten geht.  Nicht viel bes­ser ist der akti­ve nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Mar­tin Huber, der zwar just an Hit­lers Geburts­tag via FB Glück­wün­sche absetz­te, aber damit nur „ein Expe­ri­ment“ für den Gemein­de­rats­wahl­kampf (die Wahl fand neun Mona­te spä­ter statt) star­ten wollte.

Hallein/Salzburg: Rechts bin ich sowie­so nicht
Blin­den­markt-St. Pölten/NÖ: Hubers Geburtstagswünsche
Voitsberg/Stmk.: Haken­kreuz-Schmie­re­rei­en im Schlosspark

Hallein/Salzburg: Rechts bin ich sowie­so nicht

Er, der 37-jäh­ri­ge Hal­lei­ner, hat­te, um an Dro­gen zu kom­men, zwi­schen Novem­ber 2018 und Febru­ar 2019 u.a. einen Dolch mit Haken­kreuz, eine Haken­kreuz-Arm­bin­de und SS-Orden ein­ge­tauscht – die Dro­gen­be­stel­lun­gen gar­nier­te er mit „‚Heil Hit­ler‘, ‚Ich bin der Füh­rer‘ und Sät­ze wie ‚Hast du Zeit, du Nazi, oder machst du gera­de Juden­ver­ga­sung?‘, ‚Der Füh­rer hat immer Zeit für sei­ne Juden‘ und ‚Ich bin es, Nazi, ruf an‘.“ (salzburg24.at, 18.8.20)

In einer Whats­App-Grup­pe pos­tet er zwi­schen Okto­ber 2017 und bis Früh­jahr 2018 „ein Foto von einer Weih­nachts­de­ko­ra­ti­on mit Haken­kreuz und einem Par­tei­ad­ler, zwei Wochen spä­ter zu sei­nem Geburts­tag eine Tor­te mit Haken­kreuz. Wei­ters habe er in die Grup­pe unter ande­rem Figu­ren in Hit­ler-Out­fit mit Haken­kreuz­bin­de und Kom­men­ta­re wie ‚Deut­scher Schnee fällt nicht, er besetzt das Gebiet‘“ (salzburg24.at) hinterlassen.

Das alles sei auf sei­nen Dro­gen­kon­sum zurück­zu­füh­ren gewe­sen, gab der Hal­lei­ner an, und: „In der Whats­App-Grup­pe sei­en alle ‚dep­pert‘ gewe­sen, im Juni 2018 sei er dann aus­ge­stie­gen. Poli­tisch sei er neu­tral. ‚Rechts bin ich sowie­so nicht.‘“ (salzburg24.at)

Der Pro­zess ende­te mit einem Schuld­spruch und einem nicht rechts­kräf­ti­gen Urteil von 15 Mona­ten auf Bewäh­rung als Zusatz­stra­fe zu einer frü­he­ren Ver­ur­tei­lung und einer Geld­stra­fe in Höhe von 1.200 Euro.

Blin­den­markt-St. Pölten/NÖ: Hubers Geburtstagswünsche

Wir ken­nen das: Da über­kommt dich mit­ten in der Nacht das unbän­di­ge Bedürf­nis, allen, die an die­sem Tag – der Tag ist egal, denn, so Mar­tin Huber, „er habe dabei nicht auf Uhr­zeit und Datum geschaut“ – Geburts­tag haben, zu gra­tu­lie­ren. „Herz­li­chen Glück­wunsch an jene die heu­te Geburts­tag haben“, flö­te­te er ohne Punkt und Bei­strich ins Weltnetz.

Martin Hubers Geburtstagswünsche am 20. April

Mar­tin Hubers Geburts­tags­wün­sche am 20. April 2014

Aber, das hat er nun von sei­nen guten Absich­ten, der Herr Huber, dass er da aus­ge­rech­net und zufäl­lig knapp nach Mit­ter­nacht den 20. April 2014 erwischt hat, denn da fei­er­ten ech­te Nazis den 125. Geburts­tag ihres Füh­rers. Huber war im Sep­tem­ber 2019, als die Geburts­tags­gra­tu­la­ti­on öffent­lich gewor­den war, Klub­chef der Blau­en im nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Land­tag. Der gera­de frisch zum Par­tei­ob­mann gekür­te Nor­bert Hofer ließ Huber via Medi­en prompt die Sus­pen­die­rung sei­ner Par­tei­mit­glied­schaft ausrichten.

Auch die Jus­tiz inter­es­sier­te sich für Hubers nächt­li­che Akti­vi­tät und bean­trag­te die Auf­he­bung der Immu­ni­tät des Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten. Am 19. August stand Huber nun vor Gericht in St. Pöl­ten und konn­te uns erklä­ren, war­um er just am 20. April 2014 – und nie­mals davor oder danach – Glück­wün­sche die­ser Art getä­tigt hatte.

Ver­öf­fent­licht habe er den Ein­trag viel­mehr in Hin­blick auf die damals bevor­ste­hen­den Gemein­de­rats­wah­len, sozu­sa­gen als Ver­such, gab der Man­da­tar zu Pro­to­koll. „Um beson­ders leut­se­lig zu wir­ken?“, stell­te der vor­sit­zen­de Rich­ter in den Raum. „Um eine brei­te Öffent­lich­keit zu errei­chen“, ent­geg­ne­te der ehe­ma­li­ge FPÖ-Poli­ti­ker. Die Reak­tio­nen etwa­iger Geburts­tags­kin­der auf den Ein­trag sei­en aller­dings „nicht berau­schend“ gewe­sen, daher habe er in der Fol­ge auf per­sön­li­che Glück­wunsch­kar­ten gesetzt. (noen.at, 19.8.20)

Vor­ge­wor­fen wur­de Huber eben­falls, dass er das Pos­ting auch nach Bekannt­wer­den bis zum Pro­zess nicht gelöscht hat­te. „‚Ich habe dabei nicht an Hit­ler oder an etwas ande­res gedacht, was man mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus ver­bin­det‘, recht­fer­tig­te sich Huber — eine Löschung wäre aus sei­ner Sicht ein Schuld­ein­ge­ständ­nis gewe­sen.“ (noen.at) Das scheint Huber inzwi­schen nach­ge­holt zu haben, zwi­schen dem 18. und dem 24. April 2014 herrscht gäh­nen­de Lee­re auf Hubers Face­book-Account – zumin­dest für jene, die nicht mit Huber befreun­det sind.

Martin Hubers inzwischen fehlende Geburtstagswünsche

Mar­tin Hubers inzwi­schen feh­len­de Geburtstagswünsche

Fünf der acht Geschwo­re­nen woll­ten Hubers Erklär­stück offen­bar auch kei­nen Glau­ben schen­ken und stimm­ten für einen Schuld­spruch. Das nicht rechts­kräf­ti­ge Urteil: zwölf Mona­te bedingt.

Das alles hin­dert Huber, Trä­ger des „Gro­ßen Sil­ber­nen Ehren­zei­chens für Ver­diens­te um die Repu­blik Öster­reich“, nicht dar­an, sein Land­tags­man­dat wei­ter aus­zu­üben und im Gemein­de­rat von Blin­den­markt – seit Jän­ner 2020 mit sei­ner eige­nen Lis­te „Plan Blin­den­markt“ – zu ver­wei­len. Und weil er von der FPÖ so unge­recht behan­delt wur­de, ist er nun sym­pa­thie­mä­ßig zum zwei­ten, von den Blau­en äußerst unge­recht Behan­del­ten, gewech­selt. Zumin­dest das Bier scheint ihm bei Heinz-Chris­ti­an Stra­ches „Bür­ger­treff“ gemun­det zu haben. Prost!

Martin Huber beim bierigen Strache-Stammtisch (Strache Instagram, 22.6.20)

Mar­tin Huber beim bie­ri­gen Stra­che-Stamm­tisch (Stra­che Insta­gram, 22.6.20)

Voitsberg/Stmk.: Haken­kreuz-Schmie­re­rei­en im Schlosspark

Im Voits­ber­ger Schloss­park Grei­ßen­egg wur­den von bis­lang Unbe­kann­ten eine Brü­cke und die Kap­pel­le mit Haken­kreu­zen beschmiert. Der Stadt­amts­di­rek­tor habe sich erbost gezeigt: „Es ist sehr bedau­er­lich, dass man­che Men­schen das Gefühl haben, sie müs­sen öffent­li­ches Eigen­tum beschä­di­gen und der­art ver­un­stal­ten.“ (Klei­ne Zei­tung, 18.8.20, S. 22) Bleibt zu hof­fen, dass ihm dazu auch noch etwas zum Motiv und der poli­ti­schen Gesin­nung dahin­ter ein­ge­fal­len ist!