Blaue Prominenz beim Holocaustleugner

Muss man den Wolf­gang Fröh­lich noch vorstellen? Einem informierten Pub­likum sich­er nicht. Wolf­gang Fröh­lich ist seit Jahrzehn­ten als Holo­caustleugn­er bekan­nt. Der frühere FPÖ-Bezirk­srat wurde bere­its 1994 aus der FPÖ aus­geschlossen und nach einem mehrjähri­gen „Asyl“ in der iranis­chen Botschaft in Wien mehrmals wegen NS-Wieder­betä­ti­gung bzw. Leug­nung des Holo­caust zu Haft­strafen verurteilt. Auf Face­book find­et man ihn mit 15 Fre­un­den, darunter erschreck­end viel FPÖ-Prominenz.

Ob das Face­book-Kon­to „Wolf­gangp Froehlich“ von ihm betrieben wird, wis­sen wir nicht. Was wir aber wis­sen: Der Betreiber dieses Kon­tos bezieht sich pos­i­tiv auf den Holo­caustleugn­er und Neon­azi Wolf­gang Fröh­lich und postet, was im März teil­weise auch mit dem Absender „Wolf­gang Froehlich“ via Mail an alle möglichen Adres­sat­en – darunter „Stoppt die Recht­en“ ver­schickt wurde.

FB-Profil Wolfgangp Froehlich

FB-Pro­fil Wolf­gangp Froehlich

Das FB-Kon­to ist rel­a­tiv neu und wurde ver­mut­lich erst am 7. März 2020 angelegt. Fröh­lich wurde ein Jahr zuvor, im März 2019, aus dem let­zten sein­er zahlre­ichen Haf­taufen­thalte wegen Wieder­betä­ti­gung ent­lassen. Der FB-Account „Wolf­gangp Froehlich“ weist (öffentlich ein­se­hbar) nur zwei Post­ings aus: Das eine zeigt ein Foto aus ein­er Zelle der Haf­tanstalt Stein (wo Fröh­lich einige Jahre ver­brachte). Das zweite zeigt Fröh­lich mit dem Vic­to­ry-Zeichen und eini­gen Kom­mentaren drunter, die alle­samt von „Wolf­gangp Froehlich“ stam­men. Und als „Steck­brief“ eine mit 19.2.2019 datierte Anzeige „wegen anti­semi­tis­ch­er Het­ze gemäss §283 StGB und dem Ver­botsG“ an die Wirtschafts- und Kor­rup­tion­sstaat­san­waltschaft, in der Fröh­lich wirr gegen die „Linksradikalen“ wet­tert, deren Opfer er gewor­den sei. Als neue These meint Fröh­lich hier, dass das Ver­bots­ge­setz dazu ange­tan sei, „Hass gegen die jüdis­chen Mit­bürg­er zu schüren“.

In der Neon­azi-Szene gilt Fröh­lich näm­lich als Kult­fig­ur, die auch immer wieder von Neon­azis in der Haft besucht wurde. Als Fröh­lich 2019 über­raschend enthaftet wurde, jubel­ten die Neon­azis und feierten ihren Holo­caustleugn­er. Die Braunen von „Unwider­stehlich“ wid­me­ten ihrem Helden einen lan­gen Beitrag (verse­hen mit Ver­slein des verblich­enen Neon­azi Gerd Hon­sik):  Um das Unrecht welch­es diesem Manne wieder­fahren (sic!) ist darzustellen, reicht dieser Beitrag nicht aus.

"Unglaublich, ich habe vor Freude kaum geschlafen und bekomme noch immer Gänsehaut wenn ich daran denke!" – H.P. zur Haftentlassung von Wolfgang Fröhlich

„Unglaublich, ich habe vor Freude kaum geschlafen und bekomme noch immer Gänse­haut wenn ich daran denke!” – Der Steir­er H.P. zur Haf­tent­las­sung von Wolf­gang Fröhlich

Wolf­gang Fröh­lich ist natür­lich kein Unrecht wider­fahren, son­dern das Ver­bots­ge­setz in zunächst eher milden Vari­anten. Weil Fröh­lich aber kein Ein­se­hen in sein Unrecht hat­te und ger­adezu um weit­ere Anzeigen und Verurteilun­gen bet­telte, indem er seine braunen Schriften gezielt an alle möglichen öffentlichen Stellen adressierte, sam­melte er fleißig weit­ere Haft­strafen. Wobei nicht alle Verurteilun­gen mit dem Ver­bots­ge­setz zu tun hat­ten, wie wir 2012 berichteten. Damals stand er gemein­sam mit Willibald K. vor Gericht, weil die bei­den ihren Mithäftlin­gen Haftverkürzung gegen Geld ver­sprachen. Das war Betrug, der bei Wolf­gang Fröh­lich zwar zu ein­er Verurteilung, aber zu kein­er weit­eren Haft­strafe führte. 

Auf dem Face­book-Kon­to „Wolf­gangp Froehlich“ sind 15 Face­book-Fre­und­schaften verze­ich­net, und die haben es in sich: Dass der Strafvertei­di­ger von Fröh­lich darunter ist, ist noch irgend­wie nachvol­lziehbar und würde eher dafür sprechen, dass das Kon­to tat­säch­lich von Fröh­lich geführt wird. Aber die anderen FB-Freundschaften?

die Freunde von „Wolfgangp Fröhlich“: viel blaue Prominenz

die Fre­unde von „Wolf­gangp Fröh­lich“: viel blaue Prominenz

Her­bert Haupt, der frühere FPÖ-Vizekan­zler und Sozialminister
Mar­tin Graf, Nation­al­ratsab­ge­ord­neter der FPÖ und früher Drit­ter Präsi­dent des Nationalrats
Dag­mar Belakow­itsch, Nation­al­ratsab­ge­ord­nete der FPÖ
Wolf­gang Jung, bis Ende 2018 Land­tagsab­ge­ord­neter und Gemein­der­at der FPÖ in Wien

Eben­falls mit dabei: der Haus­maler der FPÖ, Odin Wiesinger Mount­mill, ein Mitar­beit­er der Wiener FPÖ-Lan­des­geschäftsstelle, Her­bert Fritz, über den auch wir schon mehrfach berichtet haben, die steirische Offiziers­ge­sellschaft, ein mut­maßlich­er Neon­azi, der sich hin­ter dem Pseu­do­nym „Götz von Berlichin­gen“ ver­steckt und der alte Wal­ter Lüftl, der schon Anfang der 1990er-Jahre mit seinem „Lüftl-Report“, aber auch später immer wieder den Holo­caust leugnete.

FB-Profil Götz V. Berlichingen zwischen Verschwörungsmythen und Nazi-Schrott

FB-Pro­fil Götz V. Berlichin­gen zwis­chen Ver­schwörungsmythen und Nazi-Schrott

Es ist – man kann es nicht anders for­mulieren – eine erschreck­ende, eine gruselige Fre­und­schaft­sliste, die sich da bei „Wolf­gangp Froehlich“ auf Face­book find­et. Wir sind schon sehr ges­pan­nt, was der FPÖ-Promi­nenz ein­fällt, wie und warum sie auf Fröh­lichs Fre­un­desliste gelandet ist. Dass sie nicht wusste, mit wem sie sich da befre­un­det hat? Geh bitte!

Noch ein kleines, aber nicht unwichtiges Detail: Die FB-Aktiv­itäten des „Wolf­gangp Fröh­lich“ sind sehr ger­ing. Eine von nur vier Seit­en, die mit „Gefällt mir“ bedacht wur­den, sticht allerd­ings her­vor: für die Seite „Sicher­heit­shin­weise“. Das sind natür­lich keine gewöhn­lichen Sicher­heit­shin­weise, son­dern solche, die für Neon­azis gedacht sind und von Neon­azis betrieben werden.