Germania Ried: Fingers crossed?

Wie die „Oberöster­re­ichis­chen Nachricht­en“ in ihrer Aus­gabe vom 8. Jän­ner 2019 bericht­en, wur­den die Ermit­tlun­gen wegen des Ver­dachts der Wieder­betä­ti­gung bei der pen­nalen Burschen­schaft Ger­ma­nia Ried eingestellt. Die Staat­san­waltschaft Ried erk­lärte über ihren Sprech­er, dass der Auftritt des deutschen Nazi-Bar­den Fyl­gien bei der Ger­ma­nia vom Ver­fas­sungss­chutz OÖ unter­sucht wor­den sei und der Tatver­dacht dabei „nicht unter­mauert wer­den“ kon­nte. Kein Scherz! Ein Bericht von Karl Öllinger.

Wir müssen kurz reka­pit­ulieren: Im Mai 2017 fand auf der Bude der deutschna­tionalen pen­nalen Burschen­schaft Ger­ma­nia Ried ein Konz­ert mit dem Neon­azi Fyl­gien statt, der in der Ein­ladung der Ger­ma­nia als „der wohl bekan­nteste Bal­laden­sänger Deutsch­lands“ angekündigt wor­den war (wir kom­men auf diese Ankündi­gung noch zurück).

Ein Jahr später, im Juni 2018, ent­deck­te der Recht­sex­trem­is­mus-Experte Thomas Ram­mer­stor­fer auf der Face­book-Seite des neon­azis­tis­chen „Net­zra­dio Ger­ma­nia“ einen Bericht zu diesem Auftritt und machte den Skan­dal öffentlich (am 27.6.18). Die Neon­azis vom „Net­zra­dio Ger­ma­nia“ hat­ten näm­lich – so ihr Face­book-Post­ing vom 15. Mai 2017 – zum Auftritt ihres Neon­azi-Fre­un­des Fyl­gien einen Mod­er­a­tor mitentsandt. Der freute sich über den „sehr inter­es­san­ten Aus­flug“ samt Führung zu Hitlers Geburtshaus in Brau­nau bedank­te sich bei den Burschis von der Germania.

Das Netzradio Germania am 15. Mai 2017 über den Besuch bei der Germania Ried und in Braunau (Screenshot Facebook, 16.6.18)

Das Net­zra­dio Ger­ma­nia am 15. Mai 2017 über den Besuch bei der Ger­ma­nia Ried und in Brau­nau (Screen­shot Face­book, 16.6.18)

Führung und Besuch beim Hitlerhaus in Braunau anlässlich des Fylgien-Konzerts bei der Germania Ried (Screenshot Facebook, 16.6.18)

Führung in Brau­nau und Besuch beim Hitler­haus anlässlich des Fyl­gien-Konz­erts bei der Ger­ma­nia Ried (Screen­shot Face­book, 16.6.18)

Nach der Veröf­fentlichung des Neon­azi-Konz­erts bei der Rieder Ger­ma­nia und dessen wohlwol­len­der Begleitung durch das Neon­azi-Radio „Ger­ma­nia“ im Juni 2018 passierte Folgendes:

  • Die Neon­azis vom „Net­zra­dio Ger­ma­nia“ löscht­en ihr Jubel­post­ing über den Besuch in Ried und damit auch die Fotos dazu (wir haben sie davor gesichert!)
  • Die pen­nale Burschen­schaft Ger­ma­nia Ried ver­fiel in tiefes Schweigen
  • Innen­min­is­ter Kickl erk­lärte in ein­er Anfrage­beant­wor­tung an die Abge­ord­nete Schatz (SPÖ), dass der Ver­fas­sungss­chutz am 3. Juli 2018 von dem Auftritt erfahren habe und damit erst eine Woche (!) nach den ersten Veröf­fentlichun­gen und Stel­lung­nah­men zu dem Neonazi-Skandal
  • Nach mein­er Sachver­halts­darstel­lung vom 3.7.2018 wurde das Lan­desamt für Ver­fas­sungss­chutz OÖ von der Staat­san­waltschaft Ried mit den Ermit­tlun­gen betraut.

Moment! Aus­gerech­net das Lan­desamt für Ver­fas­sungss­chutz, das das Neon­azi-Konz­ert auf der Bude, die fröh­liche Vis­ite der Neon­azis unter Führung der Ger­ma­nia-Ried-Burschis zum Hitler-Geburtshaus in Brau­nau und sog­ar die Berichter­stat­tung und Rück­tritts­forderun­gen an FPÖ-Poli­tik­er ein Jahr danach ver­schnar­cht haben will, wurde mit den Ermit­tlun­gen beauftragt?

So ist es – und die Staat­san­waltschaft hat­te dazu wohl keine Alter­na­tiv­en. Weil in solchen Fällen immer der Ver­fas­sungss­chutz beauf­tragt wird. Allerd­ings wird in Fällen des begrün­de­ten Ver­dachts auf Wieder­betä­ti­gung (den sah die Staat­san­waltschaft als gegeben an) generell mit Haus­durch­suchun­gen vorge­gan­gen. Wenn ein Betrunk­en­er bei einem Feuer­wehrfest „Heil Hitler“ schre­it und die Hand erhebt, fol­gt eine Haus­durch­suchung (und in der Regel eine Verurteilung).

Hat es bei den Rieder Ger­ma­nen – auf ihrer Bude oder bei ihren Ver­ant­wortlichen – eine Haus­durch­suchung gegeben? Das wird möglicher­weise eine weit­ere Anfrage­beant­wor­tung zu ein­er Anfrage von Sabine Schatz in den näch­sten Tagen klären. Ehrlich gesagt: Ich rechne nicht damit! Wed­er mit ein­er klaren Antwort von Kickl noch damit, dass es Haus­durch­suchun­gen gegeben hat. Die Causa Ger­ma­nia Ried ist näm­lich heikel – für die FPÖ! Elmar Pod­gorschek, Lan­desrat der FPÖ, ist ein sehr aktiv­er „Alter Herr“ bei der Ger­ma­nia und Wolf­gang Kitzmüller, Gat­te der Drit­ten Präsi­dentin des Nation­al­rats (Anneliese Kitzmüller, FPÖ), eben­so. Die auf der Ein­ladung der Ger­ma­nia zum Konz­ert mit dem Neon­azi Fyl­gien „angegebene Mailadresse wird laut Lan­des­delegier­ten­con­vent Oberöster­re­ich, einem Zusam­men­schluss deutschna­tionaler Mit­telschul­verbindun­gen, von Wolf­gang Kitzmüller betreut“, fand Thomas Ram­mer­stor­fer heraus.

Wurde Lan­desrat Elmar Pod­gorschek zum Konz­ert sein­er Ger­ma­nia-Burschis vom Ver­fas­sungss­chutz befragt? Wurde Wolf­gang Kitzmüller dazu befragt? Offen­sichtlich wed­er der eine noch der andere. Wer wurde dann über­haupt befragt bei den Ermit­tlun­gen des Ver­fas­sungss­chutzes OÖ?

Laut „OÖN“ wur­den zwei Per­so­n­en als Zeu­gen befragt:

Die Zeu­gen sagten bei der Befra­gung aus, dass in kein­ster Weise strafrechtlich rel­e­vante Lieder gesun­gen wur­den. Anson­sten hät­ten sie den Lieder­abend abge­brochen.

Die „Zeu­gen“, die da vom ver­schnar­cht­en Ver­fas­sungss­chutz OÖ befragt wur­den, waren offen­sichtlich Burschis der Ger­ma­nia – son­st hät­ten sie wohl nicht antworten kön­nen, dass sie den Lieder­abend abge­brochen hät­ten, wenn strafrechtlich rel­e­vante Lieder gesun­den wor­den wären.

Lalala – fin­gers crossed?

Von ein­er Führung zu Hitlers Geburtshaus hätte man auch keine Ahnung gehabt, so diese zwei „Zeu­gen“. Von der doku­men­tierten Begleitung durch einen Neon­azi vom „Net­zra­dio Ger­ma­nia“ auch nicht. Der hat sich anscheinend bei den Falschen bedankt …

Lalala – fin­gers crossed?

Es kommt bei den „Ermit­tlun­gen“ noch dicker:

Auf den Lie­der­ma­ch­er seien die Organ­isatoren nach ein­er Inter­net-Recherche gestoßen. Davon, dass es sich dabei um einen recht­en Lie­der­ma­ch­er han­delt, habe man nichts gewusst, erst nach der medi­alen Berichter­stat­tung sei man darauf aufmerk­sam gewor­den.“ (OÖN, 8.1.19)

Da müssen wir jet­zt noch ein­mal nach­set­zen. In der Ein­ladung der Ger­ma­nia-Burschis zum – öffentlich ver­schwiege­nen – Lieder­abend mit dem Neon­azi Fyl­gien hieß es doch, dass es sich bei Fyl­gien um den „wohl bekan­ntesten Bal­laden­sänger Deutsch­lands“ han­dle. Wer auch immer diesen Ein­ladung­s­text ver­fasst hat: Er muss gewusst haben, dass „Fyl­gien“ alias „Ger­man­is­ch­er Geist“ ein Neon­azi ist, der nicht ein­mal davor zurückschreckt, den NSU-Neon­azi Ralf Wohlleben als Held zu feiern.

Der Ver­fas­sungss­chutz hat also zwei Burschis jen­er Burschen­schaft, die den Neon­azi Fyl­gien alias „Ger­man­is­ch­er Geist“ ein­ge­laden hat, als Zeu­gen befragt, ob sie Fyl­gien für einen Neon­azi hiel­ten, als sie ihn ein­ge­laden haben – und die haben geant­wortet, nein, aber ganz sich­er nicht. Der soll rechts sein? Davon haben wir bei unser­er Suche im Welt­netz nichts bemerkt!

Vielle­icht gibt es im Netz auch eine ger­man­is­che Such­mas­chine, die nur „saubere“ Tre­f­fer zu Fyl­gien liefert? Dass der „Ger­man­is­che Geist“ alias Fyl­gien den Burschen von der „Ger­ma­nia“ Ried nicht als stram­mer Recht­sex­tremer bekan­nt war, sie daher den Namen des „wohl bekan­ntesten Bal­laden­sängers“ in ihrer Ver­anstal­tungsankündi­gung wohl nur aus stillem Stolz ver­schwiegen haben, dass sie den Aus­flug zu Hitlers Geburtshaus mit Fyl­gien und dem Kam­er­aden vom „Net­zra­dio Ger­ma­nia“ gar nicht unter­nom­men haben und daher auch keine Ahnung haben, warum sich dieser braune Ger­mane bei ihnen für die inter­es­sante Führung (samt Fotos vom Aus­flug) bedankt, solche G’schichterln kauft einem anscheinend der Ver­fas­sungss­chutz OÖ ab. Kickl kann stolz sein auf seine Beamten dort!

Warum verschweigt die Germania Ried den Namen des "bekanntesten Balladensängers Deutschlands" in der Einladung?

Warum ver­schweigt die Ger­ma­nia Ried den Namen des ange­blich „bekan­ntesten Bal­laden­sängers Deutsch­lands” in der Einladung?

Kommentar eines amtsbekannten und verurteilten Neonazis unter dem Posting des Netzradio Germania

Kom­men­tar eines amts­bekan­nten und verurteil­ten Neon­azis unter dem Post­ing des Net­zra­dio Ger­ma­nia (Screen­shot Face­book 16.6.18)

Weit­ere Beiträge:
https://www.stopptdierechten.at/2018/06/27/germanischer-geist-trifft-rieder-germanen/
https://www.stopptdierechten.at/2018/08/14/neonazikonzert-bei-der-germania-ried-mitglied-des-rfj-ried-hat-dazu-geladen/
https://www.stopptdierechten.at/2018/10/17/germania-ried-kickls-luecken/