Neonazikonzert bei der Germania Ried: Mitglied des RFJ Ried hat dazu geladen

Dass Burschen­schaften ein Hort von Gedankengut und Rit­ualen aus längst ver­gan­genen Zeit­en sind, wis­sen wir inzwis­chen. Dass es in der FPÖ den­noch sehr nüt­zlich ist, ihnen anzuge­hören, weil sie als Kader­schmiede für Posten mit höheren Wei­hen dienen, ist eben­falls bekan­nt. Alleine in diesem Jahr gab’s bere­its vier Fälle, die an die Öffentlichkeit kamen und die bele­gen, dass Ver­satzstücke aus dem Nation­al­sozial­is­mus bei Burschen­schaften keines­falls der Ver­gan­gen­heit ange­hören. Zulet­zt hat Thomas Ram­mer­stor­fer einen sehr braungetön­ten Besuch aus Deutsch­land bei der Ger­ma­nia Ried aufgedeckt. Nun wis­sen wir auch, wer die Ein­ladung für das geheime Neon­azi-Konz­ert geze­ich­net hat. Und – Über­raschung! – die FPÖ ist ein­mal mehr nicht weit entfernt.
Es braucht schon ein gewiss­es Fach­wis­sen, um Sebas­t­ian Döhring alias Fyl­gien zu ken­nen. Das haben manche wie Thomas Ram­mer­stor­fer, die sich mit der recht­sex­tremen und neon­azis­tis­chen Musik­szene kri­tisch beschäfti­gen. Oder man inter­essiert sich für diese Musik aus Grün­den ein­er ide­ol­o­gis­chen Nähe. Der­jenige, der aus der Ger­ma­nia Ried auf die Idee gekom­men ist, Döhring in die Bude nach Ried einzu­laden, ist zweifel­los der zweit­eren Sorte zuzurech­nen – Irrtümer aus­geschlossen, denn Döhrings Vita ist so ein­schlägig braun gepflastert, dass allfäl­lige andere Zuord­nun­gen als „nor­maler“ Musik­er nicht möglich sind – siehe Anhang.

Und just diesen Neon­azi lädt nun die Ger­ma­nia Ried zu einem Konz­ert ein. Auf dem Ein­ladungss­chreiben wird der nicht namentliche genan­nte Döhring so bewor­ben: „Es singt der wohl bekan­nteste Bal­laden­sänger Deutschlands.“

Ein­ladung zum Neon­azikonz­ert (Screen­shot SdR)

Leicht les­bar war trotz der Schwärzung die Mailadresse, an die eine Anmel­dung zum diesem braunen „Topevent“ im Ger­ma­nen­haus zu richt­en war: [email protected], die laut Eige­nangabe der Ger­ma­nia von Wolf­gang Kitzmüller, Ehe­mann der Drit­ten Nation­al­rat­spräsi­dentin Anneliese Kitzmüller, betreut wird. Nicht les­bar ist die Tele­fon­num­mer ober­halb der Mailadresse. Bei genauerem Hin­se­hen und ein wenig Recherche ist jedoch der Name der Per­son ein­deutig zu iden­ti­fizieren, die diese Ein­ladung namentlich geze­ich­net hat: J. B.

B. ist nicht nur Mit­glied der Rieder Ger­ma­nen, deren Insignien er mit Kap­perl und Band hin und wieder öffentlich via Face­book vor­führt oder beim Gang zum recht­sex­tremen Kongress der Europavertei­di­ger 2016 in Linz trägt, son­dern eben­falls des Ring Frei­heitlich­er Jugend (RFJ) Ried. Und auch da ist B. schon ein­mal aufge­fall­en, näm­lich bei ein­er Schießübung, die er zusam­men mit sieben anderen aus sein­er Orts­gruppe 2016 durch­führte und bei der B. das „sil­berne Schießleis­tungsabze­ichen“ erre­ichte, wie der RFJ Ried stolz samt Foto der erfol­gre­ichen Reck­en auf Face­book vermeldete.

Schießübung des RFJ Ried (Screen­shot SdR)

2017 berichtete der Stan­dard über die Schießübung: „Die acht Burschen und Män­ner eines Ortsver­ban­des der FPÖ-Jugen­dor­gan­i­sa­tion Ring Frei­heitlich­er Jugend (RFJ) lächeln in die Kam­era. Zwei von ihnen, bei­de zu diesem Zeit­punkt min­der­jährig, posieren mit einem Gewehr. Recherchen zeigen, dass sich die bei­den Jugendlichen eben­so wie der Obmann der RFJ-Ort­sor­gan­i­sa­tion zumin­d­est im Umfeld der recht­sex­tremen Iden­titären Bewe­gung befind­en. Ein­er ist auf Face­book Fan der recht­sex­tremen Organ­i­sa­tion, bei­de sind mit deren Mit­gliedern befreundet.“

B.s Hang zu Waf­fen zeigt sich auch bei seinen Face­book-Likes (Screen­shot SdR)

Dass B. als „Ger­mane“ gute Verbindun­gen zum seinem Bun­des­brud­er, dem Lan­desrat Elmar Pod­gorschek pflegt, ist aus eini­gen Face­book-Post­ings inter­pretier­bar. B.s burschen­schaftlich­er Draht reicht aber bis zu Udo Guggen­bich­ler, seines Zeichens Vor­sitzen­der des Öster­re­ichis­chen Pen­näler­rings (ÖPR), Organ­isator des WKR-Balls und Wiener Land­tagsab­ge­ord­neter der FPÖ. So tit­ulierte Guggen­bich­ler zwei Burschen, ein­er davon J. B., 2015 auf seinem Face­book-Account fre­undlich als „Lieblingss­chul­sprech­er“.

Udo Guggen­bich­lers Lieblingss­chul­sprech­er (Screen­shot SdR)

Ob B. nun nicht nur zum Konz­ert geladen, son­dern Döhring auch nach Brau­nau zu Hitlers Geburtshaus geführt hat, wis­sen wir nicht, nur dass jemand aus der Ger­ma­nia Ried diese „inter­es­sante“ Führung gestal­tet hat, wie Döhrings Begleit­er vom Net­zra­dio Ger­ma­nia dankbar samt Foto vom Hitler-Haus ver­meldete. Aber B. wird diese Frage wohl im Zuge der Ermit­tlun­gen des Lan­desamts für Ver­fas­sungss­chutz und Ter­ror­is­mus­bekämp­fung und der Staat­san­waltschaft zu beant­worten haben. Die Ein­ladung eines beken­nen­den Neon­azis sollte aber eigentlich reichen, um seit­ens der frei­heitlichen Jugend und der Mut­ter­partei mit einem Rauswurf von B. die Reissleine zu ziehen. Eigentlich …

Anhang:
Sebas­t­ian Döhring ist in Bezug auf Recht­sex­trem­is­mus Hard­core: „Der 1980 geborene Döhring ist seit mehr als zehn Jahren als Lie­der­ma­ch­er aktiv. Im Jahr 2011 kan­di­dierte er in Berlin für die NPD. Vor Kurzem zog Döhring in die bran­den­bur­gis­che Kle­in­stadt Tem­plin, wo er auch seinen Ver­sand­han­del ‚Fyl­gien-Ver­sand’ betreibt. Neben Mer­chan­dis­eartikeln und CDs find­et man dort auch Klei­dung der ‚Wotan Jugend – Sek­tion Ger­ma­nia’, dessen ‚Sek­tion­sleit­er’ Döhring zu sein scheint. Die Gruppe ist eine Unter­stützer­gruppe des faschis­tis­chen ukrainis­chen Frei­willi­gen­batail­lons ‚AZOW’. So über­rascht es nicht, dass Döhring min­destens zwei Mal in Osteu­ropa aufge­treten ist: Ein­mal im Rah­men eines Konz­ertes der ‚Wotan­ju­gend’ in Rus­s­land, das andere Mal bei einem Konz­ert der ‚Mis­antroph­ic Divi­sion’ in der Ukraine.“ (https://dontcallitmusic.noblogs.org/post/2017/12/21/neonazis-als-liedermacher-gewollt-aber-nicht-gekonnt/)
Döhring ist dem Umfeld der neon­azis­tis­chen Blood & Hon­our-Bewe­gung zuzuord­nen, die in Deutsch­land ver­boten ist und sich mit der recht­ster­ror­is­tis­chen Vere­ini­gung Com­bat 18 seit eini­gen Jahren neu formiert.
„Am 20. Sep­tem­ber 2017 erfol­gte bei ihm [Döhring, Anmk.] im Rah­men eines ein­geleit­eten Ermit­tlungsver­fahrens wegen Volksver­het­zung eine Haus­durch­suchung, weil er in seinem Ver­sand einen 2016 her­aus­gekomme­nen Ton­träger der Band ‚Erschießungskom­man­do’ ver­bre­it­et hat. Nachzule­sen ist dies im jüngst erschiene­nen Ver­fas­sungss­chutzbericht des Lan­des Bran­den­burg. In ein­er Textzeile der Com­bo ‚Erschießungskom­man­do’ aus dem Stück ‚Blut und Ehre’ heißt es ‚Blut und Ehre treu und stolz, auf der Brust das Hak­enkreuz’. Auch hier­mit wird die Nähe zur „Blood&Honour“-Bewegung doku­men­tiert. Ein anderes Stück der Band trägt den Titel ‚An allem sind die Juden schuld’. Zum Reper­toire gehören auch Titel wie ‚Ab in den Ofen’, ‚Gaskam­mer­lüge’, ‚Der Deutschen größter Sohn’ oder ‚Das neue Reich’.“ (https://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/ungebrochene-solidarit-t-mit-wolle)
Döhring selb­st ist auch jüngst mit ein­er musikalis­chen Huldigung für den NSU-Mit­täter Ralf Wohlleben auf­fäl­lig geworden.