Das rechtsterroristische Netzwerk Combat 18 und seine Österreich-Ableger

Das, was da ein antifaschistisches Netzwerk auf Exif-Recherche über „Combat 18“ zusammengetragen hat, ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert: Es wird nicht nur penibel der Werdegang dieser als rechtsterroristischer Ableger von Blood & Honour in England gegründeten gewalttätigen Vereinigung nachgezeichnet, sondern vor allem seine Wiederbelebung seit dem Jahr 2012. Und dabei sind demnach auch mindestens fünf Personen aus Vorarlberg. Wir fassen den brisanten Österreich-Bezug dieser Recherche zusammen.

Die Ursprünge hat Combat 18 („C 18“ – 18 steht für den ersten und achten Buchstaben im Alphabet und ist ein Code für „Adolf Hitler“) bei dem (in Deutschland im Jahr 2000 verbotenen) rechtsextremen Netzwerk Blood & Honour (B&H), das vornehmlich über Rockkonzerte und einen CD-Vertrieb neonazistische Verbindungsarbeit leistete. Ende der 1990er-Jahre wurde in Vorarlberg eine B&H-„Division“ aktiv, die insbesondere durch eigene einschlägige Bands und zwei große Neonazi-Konzerte auffiel. Weitere geplante größere Veranstaltungen wurden behördlich untersagt. Der 2007 gegründeter Tarnverein „Motorradfreunde Bodensee“ geriet 2009 nach einer Auseinandersetzung, in der ein Neonazi erstochen, ein zweiter schwer verletzt wurde, ins Visier der Behörden und wurde dann nach einem Überfall auf einen anderen Motorradclub verboten.

Combat 18 hat seine Ursprünge in England: Maßgebliche Führungspersonen waren Paul ‚Charlie’ Sargent und William ‚The Beast’ Browning. Browning veröffentlichte in einem C18-Magazin eine Anleitung zum Bombenbau und eine Liste mit potenziellen Anschlagszielen mit dem Kommentar: ‚Jetzt habt ihr die Technik, jagt die Bastarde in die Luft!’ Browning initiierte 1997 in Zusammenarbeit mit Neonazis aus Skandinavien eine Briefbomben-Anschlagsserie. Ein Jahr später zerstritten sich die Führungskader, infolgedessen ein Gefolgsmann Sargents einen Anhänger Brownings tötete. Der blutige Streit lähmte und spaltete jahrelang die C18-Strukturen europaweit.“

Mit der ab 2012 laufenden Restrukturierung von Combat 18 begann auch wieder die systematische internationale Vernetzung, die in einem Treffen 2013 in der Schweiz und späteren Zusammenkünften strukturiert und verfestigt wurde.

Ein Schießtraining fand 2016 im Vorarlbergerischen Feldkirch im Vorfeld eines Konzerts der ungarischen Neonazi-Band Indulat statt. Es nahmen daran C18-Angehörige aus Österreich, der Schweiz, Ungarn und Deutschland teil. Danach fand in Feldkirch ein C18-Konzert statt, dass ursprünglich als private ‚Geburtstagssause’ in Thüringen angekündigt worden war, dann jedoch umorganisiert wurde. Neben der ungarischen C18-Band ‚Indulat’ traten die Thüringer Bands ‚Kommando S3’ und ‚Unbeliebte Jungs’ sowie ein Liedermacher auf. Im Hintergrund der Bühne hing ein Banner von ‚Blood & Honour/ Combat 18 Österreich’.“ (Exif-Recherche) Bemerkenswert ist, dass dieses Treffen von Polizei und Verfassungsschutz unbemerkt blieb.

Blood & Honour-“Schießwettkampf” auf einem Schießstand in Feldkirch, Quelle: vol.at

Ungarische Neonazis in Vorarlberg, Quelle: vol.at

Mehrere namentlich Bekannte aus dem Vorarlberger Netzwerk wurden im Juli 2017 beim „Rock gegen Überfremdung“ im Themar/Thüringen und beim „Rudolf-Heß-Gedenkmarsch“ im August 2017 in Berlin-Spandau gesichtet. Als sich an Führers Geburtstag, am 20. April 2018, in Ostritz „Combat 18“-Netzwerker trafen, sollen auch zwei Vertreter aus Vorarlberg dabei gewesen sein.

Laut Exif-Recherche spielen die Vorarlberger Mitglieder in den finanziellen Aktivitäten von Combat 18 eine tragende Rolle: „V. und S. sind möglicherweise Schlüsselpersonen in den Geschäften der internationalen C18-Struktur. Alleine das Konzert im schweizerischen Toggenburg am 15. Oktober mit ‚Amok’ und anderen Bands, das von 5.000 Neonazis besucht und von C18-Strukturen mitorganisiert worden war, erbrachte einen sechstelligen Gewinn. Aus der Szene kommen Hinweise, dass große Geldsummen von C18 über Scheinfirmen im Vorarlberg gewaschen werden, hinter denen W. S., U. V. sowie dessen Ehefrau N. V. stehen.“ (Exif-Recherche). Die Gelder sollen zum Ankauf von Immobilien und zur Unterstützung inhaftierter Neonazis dienen.

Auf einer interaktiven Karte zeigt Exif-Recherche die Vernetzungen von 80 Personen auf, darunter fünf aus Österreich. Hier wird deutlich, wie weit gestreut deren Kontakte verlaufen und dass sie teilweise zu zentralen Personen von „Combat 18“ – wie etwa zu dessen eingangs erwähnten Mitbegründer William Browning – bestehen.

Karte Europa

Karte Vorarlberg

Wie auf internationaler Ebene personelle Überlappungen zum alten Combat 18-Netzwerk festzustellen sind, sind auch Kontinuitäten beim Vorarlberger Personal bemerkbar: Einige Namen kennen wir bereits aus den Frühzeiten von B&H Vorarlberg.

Weitere Bezüge zwischen B&H bzw. Combat 18 und Österreich sind mit Corryna Görtz, die enge Verwicklungen zum deutschen NSU, insbesondere zum Kerntrio Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe aufweist, gegeben: Sie hat nicht nur Anfang der 2000er-Jahre in Österreich gelebt, um in Deutschland einer Haft zu entgehen, sondern unterhielt (oder unterhält) wohl auch enge Kontakte zur österreichischen B&H-Szene.

Eine gute Zusammenfassung der Geschichte von Blood & Honour Vorarlberg bietet dieser Artikel der Antifa-Recherche Wien.

Eine Zusammenfassung des umfangreichen Artikels von Exif-Recherche zu Combat 18 ist hier zu finden.