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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

„Die Welle” im Burgenland: Quod licet Iovi, non licet bovi

Natür­lich müs­sen sich Leh­ren­de genau über­le­gen, wel­che Lek­tü­re, wel­che Fil­me sie ihren Schü­le­rIn­nen vor­set­zen, natür­lich haben sie die Ziel­grup­pe zu berück­sich­ti­gen, natür­lich spielt das metho­disch-didak­ti­sche Vor­ge­hen eine zen­tra­le Rol­le. Was nun in der 4. Klas­se der NMS Zurn­dorf wirk­lich pas­siert ist, ist von außen schwer zu beurteilen.

13. Aug. 2018
Screenshot aus dem Kurzfilm "Die Welle" in der Version von 1981

Eine Leh­re­rin liest mit den Schü­le­rIn­nen das Buch „Die Wel­le“ und zeigt anschlie­ßend den Film. Eine Grup­pe beginnt in der Pau­se, das Expe­ri­ment nach­zu­spie­len und genau das scheint, wie sei­ner­zeit auch im rea­len, 1967 durch­ge­führ­ten Expe­ri­ment, das ja The­ma des Buches ist, außer Kon­trol­le zu gera­ten: Die Schü­le­rIn­nen kip­pen in ein tota­li­tä­res Sys­tem. Nun kom­men die Behör­den zum Zug: Poli­zei, Staats­an­walt­schaft, Schul­auf­sicht, und es setzt neben den Ermitt­lun­gen gegen sechs Schü­le­rIn­nen wegen Wie­der­be­tä­ti­gung für zumin­dest einen Schü­ler auch noch eine Straf­maß­nah­me: Er wird von der Teil­nah­me an der Schul­sport­wo­che aus­ge­schlos­sen. Und zu guter Letzt ver­hängt die Schul­auf­sicht ein Ver­bot: „Die Wel­le“ darf im Bur­gen­land nicht mehr im Unter­richt zum Ein­satz kommen.

Kurz­film „Die Wel­le” von 1981

Ein­mal ganz abge­se­hen davon, dass zu hin­ter­fra­gen ist, inwie­weit auto­ri­tä­re Maß­nah­men bei 13- bis 15-Jäh­ri­gen als päd­ago­gi­sches Mit­tel geeig­net sind, um gegen auto­ri­tä­res Ver­hal­ten vor­zu­ge­hen, soll­te auch die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit der Reak­tio­nen dis­ku­tiert wer­den. Ins­be­son­de­re, wenn wir unse­ren Blick über die NMS Zurn­dorf hin­aus­rich­ten, frei nach dem Mot­to: Quod licet Iovi, non licet bovi.

Wir ken­nen Grup­pie­run­gen, deren Mit­glie­der sich einst im Wald bewaff­ne­te Kämp­fe gelie­fert haben – ein Teil­neh­mer ist ohne jeg­li­che Sank­tio­nen zum Vize­kanz­ler die­ser Repu­blik aufgestiegen. 

Stra­che beim „Paint­ball”

Wir ken­nen Grup­pie­run­gen, deren Mit­glie­der teil­wei­se unver­hoh­len der „guten alten Zeit“ frö­nen, näm­lich jener Zeit, als Öster­reich dem „Alt­reich“ ein­ver­leibt war und die noch immer wei­nen, dass am 8. Mai 1945 die mora­lisch dre­ckigs­te Zeit der Geschich­te die­ses Lan­des mit einer mili­tä­ri­schen Nie­der­la­ge zu Ende ging. Hat es Fol­gen gege­ben, ist hier die Staats­ge­walt ausgerückt?

Und wenn sie, die­se Grup­pie­run­gen, es ganz lus­tig haben wol­len, dann tref­fen die sich zu einem Faschingsgschnas und ver­klei­den sich schon mal als SSler und als Ku-Klux-Klan-Mit­glie­der. Die Fol­gen? Wir ken­nen keine!

Bur­schen­schaft Ger­ma­nia, singt nicht nur Lie­der, son­dern ver­klei­det sich auch ger­ne. Fasching auf der Bude im Jahr 2008. pic.twitter.com/tzqxobCwB9

— Ste­fan Kal­ten­brun­ner (@skaltenbrunner) 25. Janu­ar 2018

Hät­te Stoppt die Rech­ten nicht Anzei­ge erstat­tet, wäre auch der Auf­tritt des Neo­na­zis Sebas­ti­an Döh­ring, des „wohl bekann­tes­ten Bal­la­den­sän­gers Deutsch­lands”, wie es in der Ein­la­dung hieß, bei der Ger­ma­nia Ried fol­gen­los geblie­ben. Der „Bal­la­den­sän­ger“ hul­digt nicht nur dem Natio­nal­so­zia­lis­mus, son­dern bei­spiels­wei­se auch dem ver­ur­teil­ten Rechts­ter­ro­ris­ten und NSU-Hel­fer Ralf Wohl­le­ben. Mer­ke: Bist Du Mit­glied einer sol­chen Ver­ei­ni­gung, musst Du nur erklä­ren, „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts“, und Du kannst wie Elmar Pod­gor­schek Lan­des­rat bleiben.

Aber viel­leicht winkt nun dem „Len­ni“ aus der NMS Zurn­dorf, der im Spiel den „Füh­rer“ gege­ben hat, eine schö­ne Kar­rie­re. Zum Bei­spiel als zukünf­ti­ger Mit­ar­bei­ter beim bur­gen­län­di­schen Polit-Vor­bild Nor­bert Hofer, der bekannt­lich ein beson­de­res Fai­ble für gestran­de­te Bur­schen mit brau­nem Back­ground auf­weist: etwa für Rene Schi­ma­nek, der glei­cher­ma­ßen im Küs­sel-Umfeld anzu­tref­fen war wie Mar­cus Ull­mann, dem die auch nach sei­ner VAPO-Zeit gepfleg­ten Vor­lie­ben für Ewiggestrige(s) nicht gescha­det haben, oder Her­wig Götscho­ber, der nicht nur das Lie­der­buch sei­ner Bur­schen­schaft Bru­na Sude­tia nicht kennt, son­dern auch sonst recht stramm unter­wegs ist, oder Arndt Prax­ma­rer, der sich nicht erklä­ren kann, wie er denn Fan der Face­book-Page von „Der Gol­de­ne Löwe“ wur­de, just jenes Lokals, das der ver­ur­teil­te Neo­na­zi Tom­my Frenck betreibt. Ob die FPÖ ihre Head­hun­ter bereits nach Zurn­dorf aus­ge­schickt hat, ist nicht bekannt.

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