Salzburg: Der Nazi-Drachen und der RFJ

Gut, wenn mehrere Medi­en Prozess­berichter­stat­tung machen! Etwa zu dem Prozess wegen Wieder­betä­ti­gung, der am Don­ner­stag der Vor­woche in Salzburg stat­tfand. Angeklagt war ein alter Bekan­nter — für die Jus­tiz. Der 22-Jährige, der sich wegen eines Drachen­flugs mit Nazi-Sym­bol­en ver­ant­worten musste, hat näm­lich schon sechs Vorstrafen und drei offene Probezeit­en hin­ter sich. Und eine poli­tis­che Sozial­i­sa­tion durch den Ring Frei­heitlich­er Jugend (RFJ).

Der Angeklagte hat­te gemein­sam mit einem Fre­und im Novem­ber 2016 einen Flug­drachen mit NS-Sym­bol­en am Müll­ner­steg „mit­ten in der Salzburg­er Innen­stadt steigen lassen. In sein­er Gefäng­niszelle hat er zudem Hak­enkreuzze­ich­nun­gen aufge­hängt“, fasst Der Stan­dard die Anklage knapp zusam­men. „Odin wache über diese Zelle“, stand da etwa drauf – verziert mit Hak­enkreuzen in einem Herz­erl, wie der ORF Salzburg zu bericht­en weiß. 

Der Drache mit den verbotenen Symbolen.

Der Drache mit den ver­bote­nen Symbolen.

Bere­its vor eini­gen Jahren habe er sich von einem Fre­un­deskreis getren­nt, der ihm nicht gut­ge­tan habe“, erk­lärt der Angeklagte, ein beken­nen­der „Lons­dale“ und Hofer-Fan, laut ORF dem Gericht. Welch­er Fre­un­deskreis? Den präzisiert der „Stan­dard“: „Er sei schon in jun­gen Jahren mit der NS-Gesin­nung in Berührung gekom­men. In ein­er Gruppe rund um den Ring frei­heitlich­er Jugend hät­ten sie regelmäßig Exkur­sio­nen – etwa zum Kehlstein­haus – und der­gle­ichen gemacht“. Sagte der Angeklagte – und der wird es ja wohl wis­sen. NS-Gesin­nung und RFJ? Da hät­ten wir gerne noch mehr erfahren. Schließlich erhält der RFJ nicht wenig an Förderun­gen durch Bund und Län­der. Um das Nazi-Nest am Kehlstein in den Bercht­es­gaden­er Alpen in regelmäßi­gen Exkur­sio­nen (!) besuchen zu kön­nen? „Er habe aber nicht an die Tötungs­de­lik­te in der NS-Zeit gedacht, son­dern ‚mehr an kul­turelle Affinität‘“, zitiert ihn der „Stan­dard“. Eben! Wer denkt denn bei Hitler und Kehlstein­haus schon an ‚Tötungs­de­lik­te‘? Mit Antworten wie dieser kann jed­er Iden­titäre seine Freude haben.

Im Feb­ru­ar des Vor­jahres war der Angeklagte zusam­men mit zwei weit­eren Per­so­n­en vor Gericht ges­tanden, weil er Jahre zuvor — das muss wohl in der blauen Phase passiert sein — anderen Nazi-Tat­toos gestochen hat­te. Damals kassierte er 19 Monate, davon drei Monate unbe­d­ingt. Jet­zt set­zte es zwei Jahre unbe­d­ingt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.