AfD: Landesverband wegen rechtsextremer Kontakte aufgelöst

Lesezeit: 2 Minuten

Da könn­te sich die FPÖ ein Bei­spiel neh­men, aber mög­li­cher­wei­se wäre die­ses Exem­pel exis­tenz­ge­fähr­dend. Der Bun­des­vor­stand der Alter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) hat den AfD-Lan­des­ver­band Saar­land wegen des­sen rechts­extre­mer Kon­tak­te auf­ge­löst. Bevor der AfD-Bun­des­vor­stand all­zu­viel gelobt wird: Björn Höcke ist noch immer Lan­des­vor­sit­zen­der der AfD Thüringen.

Der „Stern“ hat­te vor zwei Wochen auf­ge­deckt, dass der Lan­des­vor­stand der saar­län­di­schen AfD „über Mona­te enge Ver­bin­dun­gen zu Neo­na­zis und rech­ten Par­tei­en und Grup­pie­run­gen“ unterhielt .

Zum einen ging es dabei dar­um, die NPD-nahe „Freie Bür­ger-Uni­on“ (FBU) zu inha­lie­ren. Die FBU ist im Saar­land eine rechts­extre­me Sek­te, die zwi­schen NPD, Reichs­bür­gern und OPPT schwebt. Mit­glie­der des AfD-Lan­des­vor­stands Saar­land haben laut „Stern“ mit der FBU über Dop­pel­mit­glied­schaf­ten, ermä­ßig­te Mit­glieds­bei­trä­ge und die Auf­tei­lung von Lis­ten­plät­zen dis­ku­tiert und ver­han­delt, bevor sie sich dann im Lan­des­vor­stand dage­gen entschieden.


FBU Saar­land auf Face­book: Wir­res Nazigestammel

Dann ging es um inten­si­ve Kon­tak­te zwi­schen Neo­na­zis rund um die NPD und dem Lan­des­vor­sit­zen­den der AfD Josef Dörr und sei­nem Stell­ver­tre­ter. „Ich bin sehr an einer Zusam­men­ar­beit mit Ihnen inter­es­siert”, schrieb Dörr einer bekann­ten rechts­extre­men Akti­vis­tin. Eini­ge die­ser Kon­tak­te waren dem AfD-Bun­des­vor­stand schon im Okto­ber des Vor­jah­res bekannt, aber für den Lan­des­vor­sit­zen­den gab’s damals nur eine Abmah­nung und Still­schwei­gen. Im Febru­ar nahm der Bun­des­vor­stand die Abmah­nung sogar wie­der zurück.

Nach den Ent­hül­lun­gen des „Stern“ bzw. nach den Land­tags­wah­len ent­schied der Bun­des­vor­stand der AfD, wegen „schwer­wie­gen­der Ver­stö­ße gegen die poli­ti­sche Ziel­set­zung und die inne­re Ord­nung der Par­tei”, den Lan­des­ver­band Saar­land mit sofor­ti­ger Wir­kung aufzulösen.

Mit Hil­fe von kom­mis­sa­ri­schen Ver­wal­tern will die Bun­de­par­tei einen neu­en Lan­des­ver­band auf­bau­en. Ähn­li­ches gab es in der Ver­gan­gen­heit auch in der FPÖ schon. 1998 ent­hob die FPÖ-Bun­des­par­tei unter Jörg Hai­der alle 700 gewähl­ten Funk­tio­nä­rIn­nen der Lan­des­or­ga­ni­sa­ti­on Salz­burg ihrer Funk­tio­nen. Der auto­ri­tä­re Ein­griff brach­te eini­ge Funk­tio­nä­rIn­nen aus ande­ren Län­dern zum Mur­ren, aber Hai­der reagier­te mit einer wei­te­ren Unter­wer­fungs­ges­te und ließ sie eine Erklä­rung unter­schrei­ben, in der sie die Vor­gangs­wei­se der Bun­des­par­tei befür­wor­te­ten. Der Kon­fllkt zwi­schen Bun­des­par­tei und Lan­des­par­tei Salz­burg wur­de durch einen Canos­sa-Gang des Salz­bur­ger FPÖ-Klub­ob­manns Schnell vor­läu­fig been­det und Schnell erst im Jahr 2015 von Stra­che aus­ge­schlos­sen.


Iden­te Arm­län­ge bei FPÖ und NPD

Wie der Kon­flikt zwi­schen AfD-Bun­des­par­tei und saar­län­di­scher Lan­des­or­ga­ni­sa­ti­on wei­ter­geht, ist eben­falls noch offen. Die Saar­län­der sind sich kei­ner Schuld bewusst und wol­len noch nicht klein bei­geben. Eine grund­sätz­lich kla­re Trenn­li­nie zu rechts­extre­men Strö­mun­gen und Per­so­nen in der AfD bedeu­tet der Beschluss auch nicht, denn da gibt es nicht nur den Chef der Thü­rin­ger AfD, Björn Höcke, der mit offen ras­sis­ti­schen Posi­tio­nen über die „Fort­pflan­zungs­stra­te­gien“ des „lebens­be­ja­hen­den afri­ka­ni­schen Aus­brei­tungs­typs“ und sei­ne offen deutsch-völ­ki­sche Rhe­to­rik den Platz­hal­ter rechts­extre­mer Posi­tio­nen mar­kiert, son­dern auch noch etli­che ande­re Expo­nen­ten.

Nicht denk­bar wäre jeden­falls, dass AfD und NPD mit iden­ten Paro­len öffent­lich in Erschei­nung tre­ten. Bei FPÖ und NPD pas­siert das immer wie­der bzw. „Ori­gi­nal oder Kopie: FPÖ oder NPD?”

FPÖ-Plakat: Asylbetrug heißt HeimatflugNPD-Plakat: Heimatflug statt Asylbetrug
Glei­che Reimeschmiede?