Antifa-Bücher für Weihnachten oder so

Unzäh­lige LeserIn­nen und das Christkind, das trotz sein­er Migra­tions­geschichte noch immer glaubt, sich selb­st ein­er klaren poli­tis­chen Stel­lung­nahme enthal­ten zu kön­nen, haben uns bedrängt, Empfehlun­gen für den Gaben­tisch zu for­mulieren. Wider­willig kom­men wir dem nach: es muss ja nicht wegen Wei­h­nacht­en sein — lasst Euch irgen­dein Motiv ein­fall­en, unter dem Ihr Antifa-Büch­er ver­schenken könnt!

Tuvia Tenenbom, Allein unter Juden.

Eine Ent­deck­ungsreise durch Israel. Suhrkamp Ver­lag 2014.

Tenen­bom, der Sohn eines ultra­ortho­dox­en jüdis­chen Rab­bin­ers, hat schon vor zwei Jahren ein Buch geschrieben, das man bedin­gungs­los weit­erempfehlen kann: „Allein unter Deutschen“. Jet­zt beschäftigt er sich mit den Juden in Israel, aber auch mit den Arabern dort bzw. den Palästi­nenserIn­nen – und mit jüdis­chem Selb­sthass. Die israelis­chen Recht­en hal­ten Tenen­bom für einen Linken, viele europäis­che Linke ver­muten in ihm einen Recht­en. Am besten ist es, seine Büch­er zu lesen!

 

Bernhard Weidinger, “Im nationalen Abwehrkampf der Grenzlanddeutschen“.

Akademis­che Burschen­schaften und Poli­tik in Öster­re­ich nach 1945. Böh­lau Ver­lag 2015.

Die erste umfassende Studie über die Burschen­schaften in Öster­re­ich, die nicht aus der Fed­er eines Burschen­schafters stammt. Ein Stan­dard­w­erk, schreibt „Die Zeit“, um das man nicht herumkom­men wird, wenn man „mehr über die ver­schlossene Par­al­lel­welt der Burschen­schaften und ihre FPÖ erfahren möchte“. Ja – stimmt!

Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (Wien), Rechtsextremismus. Entwicklungen und Analysen — Band 1.

Man­del­baum Ver­lag 2014.

der Beiträge beziehen sich auf einen kri­tis­chen Recht­sex­trem­is­mus­be­griff. Das klingt zunächst spröde, ist aber angesichts der Debat­te um Pegi­da, wo sich Medi­en und Poli­tik noch immer nicht vorstellen kön­nen , dass Ras­sis­mus und Recht­sex­trem­is­mus in der Mitte der Gesellschaft behei­matet sind, topak­tuell. Das Spek­trum der Beiträge (Inhaltsverze­ich­nis) ist bre­it: von der Islam­o­pho­bie über die Feind­seligkeit gegenüber bet­tel­nden Men­schen und Obdachlosen bis zu den Protesten gegen den Burschiball. Die Schrift­stel­lerin Julya Rabi­nowich hat das Vor­wort verfasst.

Friedrich Ani, M. Ein Tabor Süden Roman.

Droe­mer Ver­lag 2013.

Tabor Süden, der ehe­ma­lige Polizist, muss dies­mal im bay­erischen Neon­azi- Milieu recher­chieren, um ein­er ver­mis­sten Per­son auf die Spur zu kom­men. Der war als V‑Mann für den Ver­fas­sungss­chutz tätig „im Umfeld spezieller Burschenschaften….dort find­en regelmäßige Feste statt, die Leute trinken viel, sie haben Geld, sie sind radikal und pfle­gen enge Kon­tak­te zur recht­en Szene“.

Dominique Manotti, Das schwarze Korps.

Ari­adne Krim­is, Argu­ment Verlag.

Die Krim­is von Dominique Man­ot­ti sind alle­samt empfehlenswert, dieser aber beson­ders. In ihm wer­den die let­zten Tage des Nazi-Regimes in Paris abge­han­delt. Ein franzö­sis­ch­er Polizist mit Verbindun­gen zur Resis­tance ste­ht nicht nur der SS gegenüber, son­dern den zahlre­ichen Kol­lab­o­ra­teuren in der franzö­sis­chen Indus­trie, Finanzwelt und Kul­tur. Geschichte ist für die His­torik­erin Man­ot­ti nicht bloß Kulisse für einen Kri­mi, sie ist der Krimi!