Wieder ein deutscher Burschenschafter Präsident?

Der „deutsche Bursche“ Max­i­m­il­ian Krauss wurde von der Wiener FPÖ für den Posten des stel­lvertre­tenden Stadtschul­rat­spräsi­den­ten nominiert. Krauss, der 21 Jahre alt ist, fiel schon mehrfach durch recht­sex­treme Posi­tio­nen auf. Mit der Nominierung des schla­gen­den Burschen­schafters Krauss set­zt die FPÖ einen weit­eren Akt der Pro­voka­tion a la Mar­tin Graf.

Erste Stim­men aus der SPÖ sig­nal­isierten zwar Empörung über die Nominierung von Krauss durch die FPÖ, sprachen aber auch davon, dass die Nominierung „zäh­neknirschend“ hinzunehmen sei. Das wäre somit eine ähn­liche Sit­u­a­tion wie 2008, als die FPÖ den deutschen Burschen­schafter Mar­tin Graf für die Wahl des Drit­ten Präsi­den­ten des Nation­al­rats nominierte und der mit den Stim­men der ÖVP und eini­gen Stim­men der SPÖ dann auch gewählt wurde.

Ob auch jet­zt Krauss bzw. die FPÖ damit rech­nen kann, dass die SPÖ Wien „zäh­neknirschend“ zus­timmt, ist zweifel­haft: Bürg­er­meis­ter Häu­pl, der laut Bun­desver­fas­sung eigentlich Präsi­dent des Stadtschul­rates ist und für die Bestel­lung der amts­führen­den Präsi­dentin bzw. ihrer Stel­lvertre­tung zuständig, hat angekündigt, ein „ergeb­nisof­fenes“ Gespräch mit der FPÖ über die Nominierung von Krauss, die er „befremdlich“ find­et, führen zu wollen.

In der Ver­gan­gen­heit hat sich die FPÖ zwar immer gegen die Funk­tion von „amts­führen­den“ Präsi­dentIn­nen des Stadtschul­rats und ihre Stel­lvertre­tung aus­ge­sprochen, die Stel­lvertreter-Funk­tion aber den­noch immer beansprucht – und auch erhalten.

Krauss wurde von der FPÖ jet­zt nominiert, um ange­blich den Stadtschul­rat zu „durch­lüften“ – das ist wohl auch als ver­steck­te Kri­tik am Amtsvorgänger Hel­mut Gün­ther (FPÖ) zu werten, der bish­er als stel­lvertre­tender Präsi­dent wirk­te und kaum jeman­dem aufge­fall­en ist.

Krauss, Bezirk­sob­mann der FPÖ in Wien-Josef­s­tadt, ist bere­its mehrfach durch extrem rechte Posi­tio­nen aufge­fall­en. So hat er sich für die Separierung von aus­ländis­chen Schulkindern in eige­nen Aus­län­derk­lassen und für die „Minuszuwan­derung“ von Türken aus­ge­sprochen. Laut „Fal­ter‘“ hat er in ein­er Face­book-Umfrage als schön­ste Flagge „Öster­re­ich-Deutsch­land“ genan­nt. Das eige­nar­tige Ver­hält­nis zu Deutsch­land und zum Deutsch­tum ist kein Zufall, son­dern Pro­gram­matik sein­er „deutschen Burschen­schaft Alda­nia zu Wien“:

„Unser Vater­land ist die anges­tammte kul­turelle und geistige Heimat aller Deutschen, unab­hängig von staatlichen Gren­zen. Das Vater­land und seine kul­turelle Iden­tität auf der Basis des Selb­st­bes­tim­mungsrecht­es der Völk­er zu bewahren, lebendig zu erhal­ten und zu schützen, ist Pflicht jedes Deutschen“.


Wap­pen der Aldania
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In bes­timmten Fra­gen ori­en­tiert sich Krauss sog­ar am nicht­deutschen Aus­land. Als das Par­la­ment von Kir­gisien etwa einen Beschluss zur chemis­chen Kas­tra­tion von Sex­u­al­straftätern fasste, bejubelte Krauss diese Entschei­dung als „sehr vernün­ftig“ und forderte eine ähn­liche auch für Öster­re­ich, weil es ein „gewaltiger Irrtum“ sei, Sex­u­al­straftäter ther­a­pieren zu wollen. Dem ORF erk­lärte Krauss dann auch noch, dass er für das Out­ing von Sex­u­al­straftätern im Inter­net eintrete.

Als Krauss bei ein­er Raufer­ei am Neustifter Kirtag im August 2013 eine Platzwunde davon­trug, phan­tasierte FPÖ-Gen­er­alsekretär Vil­im­sky von „Gewalt gegen die FPÖ“ und wusste auch, wo die zu verorten ist: „Es gibt poli­tis­che Kräfte, die bere­it sind, ihre abstrusen Vorstel­lun­gen auch mit Gewalt gegen poli­tisch Ander­s­denk­ende durchzuset­zen. Dieses Spek­trum reicht, wie wir wis­sen, bis in gewisse Kreise bei SPÖ und Grü­nen hinein“. Krauss selb­st bere­icherte die Ergüsse seines Gen­er­alsekretärs noch um die bemerkenswerte Ansicht, dass er offen­sichtlich erkan­nt und deshalb geprügelt wor­den sei: „Anders als dass die Angreifer mich erkan­nt und an mir ihren Hass auf die FPÖ abreagieren woll­ten, kann ich mir diese Bru­tal­ität nicht erk­lären, denn ich hat­te kein­er­lei Stre­it, ja nicht ein­mal ein Gespräch mit diesen Leuten“ (FPÖ –OTS, 24.8.2013).

Bei der Nation­al­ratswahl wenige Wochen später haben jeden­falls die meis­ten Wäh­lerIn­nen den als Jugend­kan­di­dat­en der FPÖ gehan­del­ten Krauss nicht erkan­nt (oder vielle­icht doch ?) und ihm ger­ade ein­mal 63 Vorzugsstim­men bun­desweit gegeben.

„Stoppt­dierecht­en“ hat auch schon über den Burschen­schafter und Wiener RFJ-Obmann berichtet: er war näm­lich ein­er von jenen Frei­heitlichen, die — fak­ten­widrig und dur­chaus het­zerisch — über eine ange­blich in der Fam­i­lien­tra­di­tion von Mus­li­men liegende Sex­u­al­straftat schrieben. SOS-Mit­men­sch erstat­tete damals eine Anzeige wegen des Ver­dachts der Ver­het­zung, die allerd­ings von der Staat­san­waltschaft Wien zurück­gelegt wurde. Krauss begehrte daraufhin eine nachträgliche Mit­teilung von uns, dass das Ver­fahren eingestellt wor­den sei.

Falls Max­i­m­il­ian Krauss nicht zum stel­lvertre­tenden Präsi­den­ten des Wiener Stadtschul­rates bestellt wird, wer­den wir eben­falls gerne eine nachträgliche Mit­teilung dazu bringen.