Identitäre Arbeitnehmer?

Lesezeit: 3 Minuten

Die „Frei­heit­li­chen Arbeit­neh­mer” (FA) sind schon öfters auf­ge­fal­len. Lei­der nicht durch gute Arbeit­neh­me­rIn­nen-Poli­tik (1,2,3,4, 5, 6, 7), son­dern durch sexis­ti­sche Wahl­wer­bung, selt­sa­me Geschichts­bil­der, brau­nen Fle­cken auf der Kan­di­da­tIn­nen­lis­te, Sprü­chen wie “Ehre, Treue, Vater­land”, bur­schen­schaft­li­cher Het­ze und Gere­de von “Volks­ge­mein­schaft” und “Zecken-Kam­pa­gne”. Da ist es nur kon­se­quent, dass die „Frei­heit­li­chen Arbeit­neh­mer” mit Rechts­extre­men kooperieren.

Auf dem Fol­der der FA „Arbeit für unse­re Leut” fin­det sich das Sym­bol der Iden­ti­tä­ren, also der ras­sis­ti­schen und rechts­extre­men Bewe­gung, die ver­such­te dem bur­schen­schaft­li­chen Alten-Herrn-Rechts­extre­mis­mus einen neu­en Anstrich zu geben.

So ver­wun­dert es auch nicht, dass die FA Nie­der­ös­ter­reich mit Sprü­chen von „Iden­ti­tät” punk­ten will:

Und dass sie die Iden­ti­tä­ren mögen:

Dass die Iden­ti­tä­ren Öster­reichs nie­mals eine harm­lo­se, nur „patr-idi­ot-ische” Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on waren, zeigt ein Blick auf ihre Ent­ste­hung, die eng ver­bun­den ist mit dem Neo­na­zi-Netz­werk um Gott­fried Küs­sel. Einer der Haupt­ak­teu­re der Iden­ti­tä­ren ist Mar­tin Sell­ner, der sich auch beim Neo­na­zi-Auf­marsch in Dres­den 2010 beteiligte.


Sebas­ti­an P. (ehe­ma­li­ger MIt­ar­bei­ter von Mar­tin Graf) und Mar­tin Sell­ner auf der Neo­na­zi-Demons­tra­ti­on in Dresden

Sell­ners Kar­rie­re in der Sze­ne geht bis in das Jahr 2007 zurück, wo nach Mobi­li­sie­rung im Forum der neo­na­zis­ti­schen Arbeits­ge­mein­schaft für demo­kra­ti­sche Poli­tik (AfP), Neo­na­zis bei einer „Pro-Iran”-Kundgebung auf­tauch­ten. Sell­ner war auch dort. 2008 fan­den sich Sell­ner und Felix Budin in einer Grup­pe von Rechts­extre­men wie­der, die spä­ter eine anti­fa­schis­ti­sche Kund­ge­bung gegen Mar­tin Grafs Ein­set­zung als 3. Natio­nal­prä­si­dent angriff.


Mar­tin Sell­ner (hin­ter der Per­son mit grau­em Pull­over) & Co beim Ver­such „eine anti­fa­schis­ti­sche Demons­tra­ti­on gegen die Ange­lo­bung von Mar­tin Graf als drit­tem Natio­nal­rats­prä­si­den­ten auf der Wie­ner Par­la­ments­ram­pe zu stö­ren”; Zitat und Bild­quel­le: kuesselskameraden.blogsport.eu

Beim Geden­ken an den Nazi-Flie­ger Wal­ter Nowot­ny am Wie­ner Zen­tral­fried­hof, tauch­te S. gemein­sam mit Gott­fried Küs­sel und Felix B. auf.


Mar­tin Sell­ner hin­ter Gott­fried Küs­sel gehen und vor Felix Budin, beim Nowot­ny-Geden­ken 2008, Bild­quel­le: kuesselskameraden.blogsport.eu

Mit auf der Neo­na­zi-Demons­tra­ti­on in Dres­den war auch Mar­kus W., ein wei­te­rer Akti­vist der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung. Von ihm stammt jeden­falls die Schil­de­rung eines Aus­bruchs­ver­su­ches öster­rei­chi­scher Neo­na­zis bei der Demonstration.

Mar­kus W. ist auch mit der NPD unzu­frie­den, für die er schon mehr­fach als Wahl­hel­fer aktiv war, wie aus gele­ak­ten NPD-Mails her­vor­geht. Die Zie­le der NPD und ihre Basis sei­en ja in Ord­nung, aber am Ver­ständ­nis der Par­tei­füh­rung von Pro­pa­gan­da hape­re es: „Viel­leicht soll­ten unse­rer Porpaganda’strategen’ ein­mal Mein Kampf oder die Wer­ke von Goeb­bels lesen, dann wüss­ten sie mehr.“ (Alter­me­dia, 27.9.09)

Juli­an P, auch ein Akti­vist der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung, betei­lig­te sich eben­falls 2010 an der Neo­na­zi-Demons­tra­ti­on in Dres­den. Als die Bur­schis am 8. Mai 2011 wie­der ein­mal trau­er­ten, fand sich auch Juli­an in die­sem „gemüt­li­chen Bio­top“ ein, aus dem er eigent­lich ja aus­bre­chen will.


Juli­an trau­ert am 8. Mai 2011, Bild­quel­le: kuesselskameraden.blogsport.eu

Ein Kame­rad aus alten Zei­ten ist Wolf­gang L, ali­as „Sowi­lo“ von den „Frei­en Freun­den“. Gemein­sam mar­schier­ten Mar­tin S. und Wolf­gang L., sowie ande­re ein­schläig bekann­te Per­so­nen aus der Neo­na­zi-Sze­ne für den ver­stor­be­nen Nazi-Flie­ger Wal­ter Nowotny.

Nowotny-Gedenken 2009 (Bildquelle: "Küssels Kameraden - Der Alpen-Donau-Dunstkreis")

Nowot­ny-Geden­ken 2009 mit Wolf­gang L., Mar­tin S., Nor­bert B. und Paul P. und vie­le mehr (Bild­quel­le: kuesselskameraden.blogsport.eu)

Wolf­gang L. ist bzw. war Akti­vist der rechts­extre­men Grup­pe „Der Fun­ke” (nicht zu ver­wech­seln mit der sozia­lis­ti­schen Grup­pe „Der Fun­ke”), ein Teil der öster­rei­chi­schen Bewe­gung der Iden­ti­tä­ren. Das ist jener Wolf­gang L., der sich in Foren als „Sowi­lo” schon mal über den Bau von “net­ten” Auto­bom­ben unterhielt.


„Sowi­lo” über den Bau von „net­ten Auto­bom­ben” und sei­ne Fra­gen zu Spreng­stoff und Kon­tak­te nach Sachsen

Eine For­de­rung nach Distan­zie­rung der „Frei­heit­li­chen Arbeit­neh­mer” vom Rechts­extre­mis­mus spa­ren wir uns. Seit vie­len Jah­ren ver­net­zen sich die FPÖ und deren Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen mit rechts­extre­men Grup­pen. Nicht, weil sie es nicht bes­ser wis­sen, son­dern weil sie das so wol­len und so sind.