Haus der Heimat: Ein Missverständnis?

Der Vor­trag des Holo­caust-Leugn­ers Bern­hard Schaub im Haus der Heimat wurde ange­blich von einem Vertreter des Ver­bands der Volks­deutschen Lands­man­nschaften (VLÖ) abge­brochen. Doch jet­zt gibt es begrün­dete Zweifel an dieser Darstel­lung. Damit wird auch die nachträgliche Stel­lung­nahme des VLÖ, in der er sich für die Ver­anstal­tung entschuldigt, ziem­lich wert­los. Eine Spurensuche.

Am 12. Okto­ber kon­nte Bern­hard Schaub im Haus der Heimat in Wien über die „Sieben Ziele“ sein­er neon­azis­tis­chen Senioren­truppe Europäis­che Aktion referieren. Der Ter­min war im Ver­anstal­tungskalen­der des VLÖ angekündigt worden.


Die Ein­ladung zum Vor­trag eines Holo­caustleugn­er im “Haus der Heimat”
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Als der Neon­azi-Tre­ff nachträglich öffentlich bekan­nt und kri­tisiert wurde, reagierte der VLÖ zunächst damit, dass die Ver­anstal­tung „abge­brochen und die Herrschaften des Haus­es ver­wiesen“ wor­den seien. Nach ein­er vom SPÖ-Abge­ord­neten Jarolim einge­bracht­en par­la­men­tarischen Anfrage zu den Vor­fällen im Haus der Heimat wurde Mitte Novem­ber eine „Stel­lung­nahme“ des VLÖ nachgere­icht, in der sich der VLÖ von der Ver­anstal­tung dis­tanzierte und dafür entschuldigte.


Stel­lung­nahme des “Ver­ban­des der Volks­deutschen Lands­man­nschaften” (VLÖ)
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Was muss man von dieser Dis­tanzierungserk­lärung hal­ten, wenn sich her­ausstellt, dass es keinen Abbruch der Ver­anstal­tung durch den VLÖ bzw. das Haus der Heimat gegeben hat, son­dern ein durch den Vor­trag angeregtes Plaud­ern nach der Veranstaltung?

In den uns vor­liegen­den Stel­lung­nah­men von Augen-und Ohren­zeu­gen der Ver­anstal­tung heißt es:

„Der Vor­trag wurde nicht abge­brochen son­dern bis zum bit­teren Ende gehal­ten. Schätzungsweise waren etwa 50 bis 70 Per­so­n­en anwe­send. Es waren alle Stüh­le beset­zt, und es gab eine Rei­he von ste­hen­den Zuhör­ern. Ein ziem­lich alko­holisiert­er Zuhör­er war beson­ders auf­fäl­lig mit seinen unglaublichen Äußerun­gen. Über diese Per­son haben sich einige sehr beschw­ert, aber den Aus­führun­gen von Her­rn Schaub wurde mit großer Aufmerk­samkeit gefol­gt und Beifall gezollt. Es fan­den dann nach dem Vor­trag noch viele Einzelge­spräche statt, also von ein­er abge­broch­enen Ver­anstal­tung kann keine Rede sein.“

In ein­er weit­eren Stel­lung­nahme wird das ähn­lich interpretiert:

„Ich habe mir das Schreiben des VLÖ ange­se­hen. Also eines ist klar, die Ver­anstal­tung wurde defin­i­tiv nicht abge­brochen. Ob ein Vertreter der VLÖ während der Ver­anstal­tung dabei war kann ich nicht sagen. Es ist gut möglich dass da nie­mand vom VLÖ dabei war….Es ist mit Sicher­heit auch kein Hausver­bot während oder unmit­tel­bar nach der Ver­anstal­tung aus­ge­sprochen wor­den, diese Auseinan­der­set­zung wäre mit Sicher­heit aufge­fall­en “.


Fak­sim­i­le der Web­site der “Volks­deutschen Lands­man­nschaften in Österreich”
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Kon­fron­tiert mit diesen Stel­lung­nah­men, erk­lärte Wolf­gang Muss­ner, der beim VLÖ für die Raumver­gabe zuständig ist, jet­zt dem „Stan­dard“:

„Ich habe abge­brochen, aber vielle­icht kam es da zu Missver­ständ­nis­sen. Ich war sehr erregt.”

Die Erre­gung wäre nachvol­lziehbar. Der Vor­trag von Schaub hin­ter­ließ jeden­falls keine Missver­ständ­nisse hin­sichtlich NS- Wiederbetätigung:

„Na es gibt da schon einiges. Jeden­falls hat Herr Schaub gesagt, dass er manch­es nicht dezi­diert sagen wird, aber man soll zwis­chen den Zeilen lesen/hören, da es dann klar wird, was er meint.
Die 7 Punk­te hat er einzeln vorgestellt und erk­lärt. Die Vorherrschaft der weißen Rasse und ins­beson­dere die Qual­itäten der ger­man­is­chen Rasse hat er mehrfach betont. Das ger­man­is­che Reich würde noch in den alten Gren­zen existieren, man hat lediglich ille­gale Gebilde wie Öster­re­ich / Deutsch­land ein­gerichtet um das ursprüngliche ger­man­is­che Reich zu zer­stören und zu unterdrücken.
Die par­ti­sa­ne­nar­tige Organ­i­sa­tion hat er erk­lärt und aufge­fordert solche Grup­pen zu bilden “
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Damit ist auch hin­re­ichend klargestellt, dass der Vor­trag von Schaub den schriftlich verkün­de­ten „Sieben Zie­len“ der Europäis­chen Aktion fol­gte und NS- Wieder­betä­ti­gung darstellt – die par­ti­sa­ne­nar­tige Organ­i­sa­tion inklusive.


Die Anti-Demokrat­en von der “Europäis­chen Aktion”
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Der VLÖ wird sich wohl ein weit­eres Mal erk­lären und Kon­se­quen­zen ziehen müssen: wer auch immer ver­ant­wortlich war für die Genehmi­gung und Durch­führung der neon­azis­tis­chen Pro­pa­gan­da- Ver­anstal­tung (die ja nicht die erste war im Haus der Heimat), der muss zurücktreten!

Unsere Berichte zum Haus der Heimat:

Europäis­che Aktion: Hausver­bot im „Haus der Heimat“!
“Haus der Heimat”: Ein Auf­marschort der extremen Rechten
Repub­lik finanziert das „Haus der Heimat“!
Die „Europäis­che Aktion“ und ihre sieben Ziele
Neon­azi im „Haus der Heimat“ zu Gast!