Ungarn: Ritualmordlegende im Parlament

Nachrichten aus Ungarn: das sind in diesen Monaten nicht nur solche über den zögerlichen Rücktritt des Staatspräsidenten Pal Schmitt, der fast seine komplette Doktorarbeit abgeschrieben hat, über die Beschwerde von Ulrike Lunacek bei der ungarischen Medienbehörde gegen die Beschimpfungen durch den Fäkal-Antisemiten Zsolt Bayer, sondern auch über die widerliche Hetze zu angeblichen jüdischen Ritualmorden, die ein Jobbik-Abgeordneter ungestört im ungarischen Parlament halten konnte.

Es verschlägt einem fast den Atem, wenn man auf dem Blog von Pusztaranger die Rede des Jobbik-Abgeordneten Zsolt Barath liest und über das Video mitverfolgen kann, dass der Rechtsextremist, der im Zivilberuf Grundschullehrer und Sozialpädagoge ist, seine antisemitische Hetze vom Blatt verlesen konnte, ohne offensichtlich durch Zwischenrufe unterbrochen zu werden. Eine primitiv antisemitische Ritualmordlegende, vorgetragen im ungarischen Parlament im Jahr 2012! Warum das dort möglich ist, das analysiert Karl Pfeifer in einem Gastkommentar für die „Presse“.

Kein Wunder, dass unter solchen Vorzeichen offen neonazistische Propaganda blüht. Noch weiter rechts von Jobbik haben sich etliche Gruppierungen angesiedelt, die ungestört NS-Propaganda betreiben. Für Mai 2012 ist in Györ ein Neonazi-Festival angekündigt, das von der Arrabona NS Crew ausgerichtet wird.


Website der „Arrabona NS Crew“

Schon im Februar 2012 fand der „Tag der Ehre“ in Budapest statt, der auch von österreichischen Neonazis besucht und fotografiert wurde.


„Tag der Ehre“ 2012 im neonazistischen „Thiazi“-Forum

Die Parade der Schwul-/Lesben-/Transgender-Szene „Budapest Pride“, die für 7. Juli 2012 angesagt ist, wurde hingegen von der Exekutive untersagt, weil sie zu einer „Einschränkung der Bewegungsfreiheit derjenigen, die an der Veranstaltung nicht teilnehmen“ führen würde! 2011 war es bei der Parade zu Angriffen von Neonazis auf österreichische TeilnehmerInnen gekommen.