Hans-Henning Scharsach: Sie sind dem Nationalsozialismus treu geblieben

Hans Hen­ning Scharsach, öster­re­ichis­ch­er Jour­nal­ist und Autor („Haiders Kampf“) hat am 27.1.2012 bei der Kundge­bung gegen Recht­sex­trem­is­mus und den WKR-Ball am Wiener Helden­platz eine Rede gehal­ten, die er uns fre­undlicher­weise zur Ver­fü­gung gestellt hat.


Die Burschenschaften…dem Nationalsozialismus treu geblieben

Liebe Fre­undin­nen und Freunde,

diese Bla­m­age hätte sich die Repub­lik Öster­re­ich ers­paren kön­nen: Aus­gerech­net am Auschwitz-Gedenk­tag trifft sich Europas Elite der Auschwitz-Leugn­er zum Tanz in der Wiener Hofburg.

Die Burschen­schaften, die aus ganz Öster­re­ich zu diesem Ball anreisen, haben nach dem Zweit­en Weltkrieg das Mot­to der SS beherzigt: „Unsre Ehre heißt Treue“.

Und sie sind treu geblieben. Sie sind dem Nation­al­sozial­is­mus treu geblieben. Kein­er der nation­al­sozial­is­tis­chen Ver­brech­er wurde aus sein­er Verbindung ausgeschlossen.

  • Die Inns­bruck­er „Ger­ma­nia“, die lange Jahre als Speer­spitze des uni­ver­sitären Anti­semitismus gewirkt hat­te, führt den Euthanasiearzt und Kom­man­dant des Ver­nich­tungslagers Tre­blin­ka, Irm­fried Eberl, weit­er in ihren Mitgliederlisten.

  • Irm­fried Eberl
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  • Die Graz­er „Arminia“ ste­ht in Treue fest zu ihrem wegen vielfachen Mordes hin­gerichteten Bun­des­brud­er Ernst Kaltenbrun­ner, der als Chef des Reichssicher­heit­shaup­tamtes zu den Zen­tral­fig­uren der nation­al­sozial­is­tis­chen Ter­ror- und Tötungs­maschiner­ie gezählt hatte.

  • Ernst Kaltenbrun­ner
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  • Die Inns­bruck­er „Sue­via“ hält Ger­hard Lauseg­ger die Treue, der in der „Reich­skristall­nacht“ ein Rol­lkom­man­do geleit­et hat­te, das den Vor­sitzen­den der Israelitis­chen Kul­tus­ge­meinde ermordete. Die Burschen­schaft ver­weigerte auch die Löschung von Lauseg­gers Namen auf ihrem „Ehren­mal“ am West­fried­hof, wenige Meter vom jüdis­chen Fried­hof entfernt.
  • Her­mann Richter, SS-Ober­sturm­ban­n­führer, der als KZ-Arzt in Gusen und Dachau gesun­den Lagerin­sassen Organe ent­nahm, um zu testen, wie lange die Gefolterten ohne diese über­leben kon­nten, wurde aus der „Sänger­schaft Skalden“ eben­so wenig aus­geschlossen wie
  • Fer­di­nand von Sam­mern-Frankenegg, SS-Polizeiführer des Dis­trik­tes Warschau, per­sön­lich ver­ant­wortlich für die Ermor­dung von min­destens 1000 und für die Depor­ta­tion von 55.000 Jüdin­nen und Juden.

  • Fer­di­nand von Sammern-Frankenegg
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  • Anton Jerz­abek, Führer des Anti­semiten-Bun­des, blieb Mit­glied der seit 1889 „juden­reinen“ Olympia, die den Ari­er-Para­graphen bis heute vertei­digt hat.
  • Georg Rit­ter von Schöner­er, Begrün­der des Rassen-Anti­semitismus, blieb „Ehren­bursch“ der Inns­bruck­er „Ger­ma­nia“ und einiger ander­er Verbindungen.
  • Nach dem Krieg sind aus Öster­re­ichs Burschen­schaften eine Rei­he von Män­nern her­vorge­gan­gen, die jed­er Öster­re­ich­er kennt:

  • Der Nazi-Ter­ror­ist Nor­bert Burg­er beispielsweise,
  • Got­tfried Küs­sel, der einst braune Batail­lone für den Straßenkampf aus­bildete, für die Wiederzu­las­sung der NSDAP kämpfte und schon wieder wegen Wieder­betä­ti­gung vor Gericht steht,
  • der Auschwitz-Leugn­er Gerd Hon­sik, dessen Nationale Front die Demokratie beseit­i­gen und das Deutsche Reich wieder her­stellen wollte,
  • Franz Radl, wegen nation­al­sozial­is­tis­ch­er Wieder­betä­ti­gung verurteil­ter Sprech­er des Wiener Kor­po­ra­tionsringes, der Ver­anstal­ter dieses Balles ist.
  • Burschen­schaften waren an Parteigrün­dun­gen beteiligt.

  • Aus der Olympia, der Mar­tin Graf, drit­ter Präsi­dent des Nation­al­rats ange­hört, ist die neon­azis­tis­che NDP her­vorge­gan­gen, deren Pro­gramm „in wesentlichen Kern­punk­ten mit den Zie­len der NSDAP übere­in­stimmte“ wie der Ver­fas­sungs­gericht­shof urteilte-
  • Gemein­sam mit Horst Jakob Rosenkranz, dem Ehe­mann der Stra­che-Stel­lvertreterin Bar­bara Rosenkranz, haben Burschen­schafter die Liste „Nein zur Aus­län­der­flut“ gegrün­det. Das war der Ver­such, die führen­den Expo­nen­ten der gewalt­bere­it­en Neon­aziszene zur Partei zu bün­deln und in den Nation­al­rat einzuziehen. Auch er ist am Ver­bot durch den Ver­fas­sungs­gericht­shof gescheitert.
  • Die Burschen­schaften haben ihre Ver­bun­den­heit mit dem Nation­al­sozial­is­mus immer wieder demon­stra­tiv zur Schau gestellt. Der Dachver­band „Deutsche Burschen­schaft in Öster­re­ich“ (DBÖ) hat einst Hitlers Stel­lvertreter Rudolf Heß für den Frieden­sno­bel­preis vorgeschla­gen. Der Flug nach Schot­t­land diente da nur als Ali­bi. Es war etwas anderes, was Rudolf Hess von allen anderen Nazi-Führern unter­schied, die sich vor dem Nürn­berg­er Kriegsver­brecher­tri­bunal vertei­di­gen mussten. Er war der einzige, der keine Reue zeigte. Noch im Schluss­wort betonte er:

    „Ich bereue nichts. Stünde ich wieder am Anfang, würde ich wieder han­deln, wie ich gehan­delt habe, selb­st wenn ich wüsste, dass am Ende ein Scheit­er­haufen für meinen Flam­men­tod bere­it stünde.“

    Dieses Beken­nt­nis zu den NS-Ver­brechen hat ihn zu ein­er Ikone des Neon­azis­mus wer­den lassen. Dass die Deutsche Burschen­schaft in Öster­re­ich diesen Mann für den Frieden­sno­bel­preis vorschlägt, ist nichts anderes als ein demon­stra­tives Beken­nt­nis zu den Ver­brechen der Nazis.

    Schauen wir uns an, welche Ref­er­enten zu den soge­nan­nten Bil­dungsver­anstal­tun­gen der Burschen­schaften ein­ge­laden wer­den: Da ist die Elite der ras­sis­tis­chen und anti­semi­tis­chen Het­zer, die Elite der braunen Geschichts­fälsch­er, die Elite der Holo­caust-Leugn­er vertreten.

    Und wen laden die Burschen­schaften ein, wenn es um Gesel­ligkeit geht?

  • Da lässt sich etwa die Olympia von dem vorbe­straften Neon­azi-Bar­den Frank Ren­nicke unter­hal­ten, der in seinen Bal­laden Adolf Hitler- und Rudolf Heß glorifiziert.
  • Oder vom vorbe­straften Michael Müller, der den Udo-Jür­gens-Song umgedichtet hat:
    „Mit sechs Mil­lio­nen Juden, da fängt der Spaß erst an,
    bis sechs Mil­lio­nen Juden da bleibt der Ofen an
  • Oder vom eben­falls vorbe­straften Jörg Häh­nel, der die Morde an Rosa Lux­em­burg und Karl Liebknecht, als „muti­gen Ein­satz“ für den Demokratieer­halt“ gebil­ligt hat.
  • Wer­fen wir kurz einen Blick auf jene Medi­en, die von Burschen­schaftern für Burschen­schafter geschrieben wer­den. Da lesen wir näm­lich schwarz auf weiß, wo die Burschen­schaften stehen:

  • Da ist das Burschen­schafter-Organ „Aula“, in dem Alt- und Neon­azis, Anti­semiten, Geschichts­fälsch­er neben Spitzen­poli­tik­ern der FPÖ zu Wort kom­men. Die Aula ist wegen Ver­bre­itung der Auschwitz-Lüge recht­skräftig verurteilt. Und sie nimmt Holo­caust-Leugn­er gegen die ange­bliche „Gesin­nungsjus­tiz“ in Schutz
  • Da ist „Zur Zeit“ des frei­heitlichen Europaab­ge­ord­neten Andreas Mölz­er, die eben­falls wegen Ver­bre­itung der Holo­caust-Lüge verurteilt ist.
  • Und da ist der Eckart, der die Auschwit­zlüge eben­falls ver­bre­it­et hat – aber nicht verurteilt wurde, vielle­icht weil in der Lands­man­nschaft, die ihn her­aus gibt, promi­nente Burschen­schafter und FPÖ-Poli­tik­er sitzen. Heute ist es der dritte Präsi­dent des Wiener Land­tags, Johann Herzog.
  • Und jet­zt wer­fen wir zum Abschluss noch einen Blick auf die illus­tre Liste der inter­na­tionalen Ehrengäste, die diesen Ball in den ver­gan­genen Jahren mit ihren Besuchen aus­geze­ich­net haben.

  • Da ist Jean Marie Le Pen, mehrfach vorbe­strafter Führer des Front Nation­al, der sich einst durch den Ver­trieb von Nazi-Liedern über Wass­er hielt.
  • Da ist sein Parteifre­und Bruno Goll­nisch, der sich wegen Holo­caust-Leug­nung mehrfach vor Gericht ver­ant­worten musste und sein­er Uni­ver­sität ver­wiesen wurde. Wann immer in Frankre­ich ein jüdis­ch­er Fried­hof geschän­det wird oder eine Syn­a­goge in Flam­men aufge­ht, sucht und find­et die Polizei die Täter im Umfeld des „Front National“.
  • Da sind die Ehrengäste der bel­gis­chen Nation­al­is­ten, die sich als Vlaams-Blok auflösen mussten, um einem Parteien­ver­bot zuvor zu kom­men und die sich danach als Vlaams Belang neu grün­dete. Diese Partei ste­ht in der Tra­di­tion der SS-Vet­er­a­nen, kämpft für die Reha­bil­i­ta­tion der Nazi-Kol­lab­o­ra­teure und hat seinen Wahlparteitag einst demon­stra­tiv an Hitlers Todestag veranstaltet.
  • Da sind die mil­i­tan­testen Recht­sex­tremen Osteu­ropas und die spanis­chen Faschisten.
  • Und nicht zulet­zt sind da die Neon­azis der deutschen NPD, in deren Medi­en die Holo­caust-Leug­nung einen fes­ten Platz hat und die mit den Holo­caust-Leugn­ern ganz Europas ver­net­zt ist. Im Umfeld dieser NPD hat das Mörder­trio von Zwick­au Schutz und Hil­fe gefun­den. Wenige Wochen vor seinem Auftritt bei der „Olympia“ hat der Nazi-Barde und Hitler-Ver­her­rlich­er Frank Ren­nicke ein Bene­fiz-Konz­ert für diese Nation­al­is­ten gegeben, denen min­destens zehn Morde zur Last gelegt werden.

    Hans-Hen­ning Scharsach