Die Neonazi-Szene nach Küssel – Teil III: Stolz und Blöd

Eine Ausnahme bezüglich Solidaritätsaktionen für Küssel stellt die nur marginal bedeutsame und lokal begrenzte Nazigruppe Stolz und Frei da. Sie verbreitet in Teilen Wiens ihre Propaganda, vorzugsweise Aufkleber, auf denen Freiheit für Küssel, Budin, Honsik und Fröhlich gefordert wird.


Einsame Solidarität für Küssel

Einmal abgesehen davon, dass Gerd Honsik sich nicht mehr in Haft befindet, ist die gezeigte Solidarität mit Küssel interessant. Warum Stolz und Frei anders als die restliche Szene noch immer die unverbrüchliche Treue zu Küssel usw. bezeugt, erklärt sich wohl dadurch, dass die Aktivisten von Stolz und Frei nicht zum Führungskreis um Küssel gehören. Sie stellen quasi das Fußvolk des Alpen-Donau-Netzwerkes da, sie sind einfach in der Hierarchie der österreichischen Neonazi-Szene zu weit unten angesiedelt, um die Vorgänge, die aktuell ablaufen, zu verstehen. Deshalb beschränken sie sich auf das Nachplappern, bringen Erklärungen vom „Jugend-Echo“ des Bundes freier Jugend (BfJ) und von den „Spreelichtern“. Da fehlen wohl die geübten Schreiberlinge!?
Einer der maßgeblich beteiligten Neonazis bei „Stolz und Frei“ war, obwohl jahrelanger treuer Knappe, nur „auf Probe“ im Umfeld Küssels.

Wer sind die Aktivisten von Stolz und Frei?

Das Umfeld von AfP-Aktiv stellte immer schon die Fußsoldaten der führenden Neonazi-Strukturen. Unter der Führung von Gottfried Küssel vereinigten sich die Nazi- bzw. Saufskins mit den Neonazis aus den Burschenschaften. Nach dem Zusammenbruch des Alpen-Donau-Netzwerkes zerfiel dieser temporäre Zusammenschluss wieder.

Ein Teil der (Ex-)Burschenschafter organisierte sich bei der Neonazi-Gruppe Der Funke (die wohl nicht zufällig bei der Namensgebung Anleihe bei den TrotzkistInnen genommen hat) bzw. der von den gleichen Aktivisten geführten Gruppierung „Siegfriedskopf“ und versucht mit intellektuellen Kauderwelsch seine Propaganda zu betreiben. Weil offensichtlich ist, dass sie nicht einmal selbst mehr ihre Texte verstehen bzw. ernstnehmen, hält sich der Zuspruch in engen Grenzen.

Der andere Teil organisierte sich zunächst über die neonazistische Gruppierung Der Volkstod kommt. Hier finden sich deutliche Bezüge zu Alpen-Donau-Aktionen:


Links: Bettlaken-Aktion von Der Volkstod kommt; Rechts: Bettlaken für Rudolf Heß-Aktion der Alpen-Nazis

Seit Juli 2011 scheint die Gruppe bzw. ihre Homepage selbst vom Volkstod dahingerafft worden zu sein. Hauptsächlich der Wiener Teil der Neonazis, vor allem ehemalige AfP-Aktivisten, sammelt sich seither bei der Neonazigruppierung Stolz und Frei. Ein Vergleich der Flugblätter von Stolz und Frei mit denen von Alpen-Donau und AFP-Aktiv, der ehemaligen Jugendgruppe der neonazistischen AfP, zeigt die Ähnlichkeiten auf:


Links: Stolz und Frei-Flugblatt; Rechts: Alpen-Donau-Flugblatt

Der Schwerpunkt der Aktionen von Stolz und Frei liegt in einigen wenigen Wiener Bezirken. Auch forensische Methoden der Bildaufnahmen auf der Seite Stolz und Frei helfen wieder auf den tatsächlichen Personenkreis zu schließen. Das erinnert an die Aktion von Alpen-Donau am 1. Mai 2010 vor dem AMS.


„Gute Heimreise“ – ein Bild das zuvor schon Aktivisten im Umfeld von AFP-Aktiv verwendeten

Folgendes Bild gibt einen guten Überblick über die Wiener Neonaziszene:

(Bildquelle: „Küssels Kameraden – Der Alpen-Donau-Dunstkreis“)

Neben den Aktivisten von der Neonazigruppe „Der Funke“ bzw Siegfriedskopf, wie Martin S. und Wolfgang L. finden sich einerseits bekannte Besucher aus dem ehemaligen AfP-Heim wieder und auch Paul B. und Norbert B.

Norbert B. und Co. auf der Anti-Eu-Demonstration 2008:

(Bildquelle: no-racism.net)

Norbert B. als Fahnenträger auf der Neonazidemonstration in Dresden 2009:

(Bildquelle: alpendodelinfo.wordpress.com)

Warum Stolz und Frei den dritten Inhaftierten, Wilhelm Christian Anderle, vergessen hat, werden wir bei passender Gelegenheit erzählen.

Teil I: Die Neonazi-Szene nach Küssel – Verräter Küssel?
Teil II: Die Neonazi-Szene nach Küssel – Prinz Eugen kommt aus der Versenkung