Nazi-Tante Maravelia und die FPÖ: Durchgerutscht und hängengeblieben?

Nach den Veröf­fentlichun­gen von Bawekoll, RFJ-Watch, Stoppt die Recht­en, Öster­re­ich und Stan­dard haben einige Reini­gungsar­beit­en einge­set­zt. Aman­da Alice Mar­avelia, die über 4.000 Fre­und­schaften auf Face­book einge­sam­melt hat, muss auf einige promi­nente Fre­unde aus der FPÖ in Zukun­ft verzicht­en. Die verbliebe­nen Kon­tak­te zur FPÖ sind den­noch aus­re­ichend und auch irgend­wie prominent.

Einige sim­ple frei­heitliche Gemüter ver­sucht­en es zunächst noch mit Gegen­pro­pa­gan­da. Die Mar­avelia gäbe es gar nicht auf Face­book, mein­ten einige. Wer suchet, der find­et! Nor­bert Hofer hat seine frühere Face­book-Fre­undin gefun­den und öffentlich erk­lärt: Das darf nicht sein. Die ist mir durchgerutscht, ich lösche sie sofort.“

Tat­säch­lich! Nor­bert Hofer ist nicht länger befre­un­det mit Aman­da. Auch Johann Gude­nus, der Wiener Klubob­mann der FPÖ und „Umvolkungs“-Spezial­ist, der von rfj-watch geoutet wurde, hat still und heim­lich die Lösch-Taste gedrückt. Susanne Win­ter, die noch immer von etlichen Neon­azis und Recht­sex­tremen auf Face­book umgeben ist (aber das ist eine andere Geschichte), hat der Face­book-Fre­undin eben­falls Ade gesagt.


Johann Gude­nus, Wiener Klubob­mann der FPÖ, war mit Mar­avelia befreundet

Wolf­gang Zanger (Abg. der FPÖ), Bar­bara Rosenkranz (Lan­desrätin FPÖ NÖ und Präsi­dentschaft­skan­di­datin), Johann Tschürtz und Ger­hard Kov­a­sits (Land­tagsab­ge­ord­nete FPÖ Bur­gen­land), Hannes Stiehl (FPÖ Gemein­der­at und Polizist), Johann Ertl (Bun­desrat FPÖ) usw. – also etliche Frei­heitliche, die von Bawekoll geoutet wur­den, haben in den let­zten Tagen die Flucht ergrif­f­en. Aman­da Alice Mar­avelia also frei von frei­heitlichen Fre­un­den? Sich­er nicht!

Aber zuvor möcht­en wir noch ein anderes Erk­lärungsmuster der frei­heitlichen Gegen­pro­pa­gan­da auf­greifen. Bei dem Face­book-Kon­to von Aman­da Alice Mar­avelia han­dle es sich um ein heimtück­isch von Linken oder Grü­nen angelegtes („gefak­tes“) Kon­to! Ein­mal abge­se­hen davon, dass das Anle­gen eines FB-Kon­tos mit rund 4.000 Fre­und­schaften eine ziem­lich müh­selige Angele­gen­heit wäre – ver­suchen wir es mit ein­er Gegen­frage: Warum fliegen Neon­azis, Recht­sex­treme und Frei­heitliche wie die Mot­ten auf ein Kon­to mit einem Nazi-Pro­fil, gefakt oder echt? Weil sie instinkt- oder reflexmäßig nicht anders kön­nen als eine Fre­und­schaft­san­frage zu beant­worten, wenn ein paar deftige Nazi-Sprüche auf der Info-Seite auf­tauchen? Oder weil sie zu allen fre­undlich sein wollen und daher die Nazi-Tan­ten und –Onkels ein­fach durchrutschen?


Nor­bert Hofer war mit Mar­avelia befreundet

Warum nur braucht es immer zuerst die Veröf­fentlichung der Fre­und­schaften, bis sich die frei­heitlichen Herrschaften von ihren Nazi-Bekan­ntschaften lösen kön­nen? Was ist eigentlich mit der Stal­lorder, das eigene Kon­to rein zu halten?

Wern­er Königshofer kann die Order jet­zt nach seinem Auss­chluss egal sein – klar! Er hält Mar­avelia unver­brüch­lich die Treue! Aber was ist mit Hen­ri­ette Frank? Die Land­tagsab­ge­ord­nete der FPÖ Wien hat mit 388 Fre­undIn­nen einen über­schaubaren Stall. Trotz Out­ing von Aman­da bleibt sie stand­haft bei der Fre­und­schaft. Na gut, Hans Jörg Jenewein, Bun­desrat der FPÖ und ihr Lan­desparteisekretär in Wien, hält es eben­so. Im „Standard“-Bericht vom 20.9. über Mar­avelia und ihre frei­heitlichen Fre­unde wur­den sie nicht expliz­it erwäh­nt, aber muss man wirk­lich alle vor den Vorhang bit­ten? Na gut, Hen­ri­ette Frank und Hans Jörg Jenewein, aufwachen – Nazi-Alarm!

Es gibt aber noch weit­ere FPÖ-Funk­tionäre bzw. ‑Man­datare, bei denen wir nicht wis­sen, ob die zack­ige Mar­avelia durchgerutscht oder hän­genge­blieben ist.


Mar­avelia und Franz Ober­mayr, Europa-Par­la­men­tari­er der FPÖ

Franz Ober­mayr, Europa-Par­la­men­tari­er der FPÖ, der im August 2010 mit anderen europäis­chen Recht­sex­tremen am Yasuku­ni-Schrein der „heili­gen Kriege“ Japans gedacht hat, ist auch ein Fre­und von Aman­da. So wie Elmar Pod­gorschek, der Abge­ord­nete zum Nation­al­rat, der sich als „nation­al­lib­er­al“ bezeichnet.


Elmar Pod­gorschek auf Face­book mit Maravelia

Pod­gorschek ist schon im August 2006 als stram­mer Burschen­schafter in Braunau/Inn bei der Palm-Kundge­bung auf­marschiert und war dabei selt­sam fröh­lich, obwohl ihm die Her­ren Got­tfried Küs­sel (dzt. in U‑Haft), Felix Budin (dzt.in U‑Haft) und Ste­fan Mag­net (dzt. Prokurist bei Moser-Media) dicht auf den Fersen waren. War das eine Mut­probe oder gar die Voraus­set­zung, um auf FPÖ-Tick­et 2008 in den Nation­al­rat einziehen zu können?


Palm-Kundge­bung in Braunau/Inn, Vorne Mitte: Elmar Pod­gorschek, dahin­ter: Got­tfreid Küs­sel, Ste­fan Mag­net und Felix Budin 

Nazi-Tante Aman­da („Bis zum End­sieg!“) ist noch immer gut ver­sorgt mit FPÖ-Kon­tak­ten, die ver­mut­lich alle­samt ein­fach „durchgerutscht“ sind. „Durchgerutscht“ sind ver­mut­lich auch die zahlre­ichen anderen Fre­und­schaften, die Mar­avelia selb­st oder ihre Fre­unde im deutschsprachi­gen Raum geschlossen haben: mit zahlre­ichen NPD-Organ­i­sa­tio­nen und ‑Funk­tionären etwa, von Frank Franz über Matthias Hey­der („Junker Jörg“) bis hin zu Jörg Krebs und Jörg Häh­nel.


Mar­avelia und die NPD

Auch die „parteifreien“ Neo- und Alt­nazis Nor­man Bor­din, Philipp Has­sel­bach, Hem­ma Tifn­er und Karl Heinz Hoff­mann („Wehrsport­gruppe Hoff­mann“) find­en sich unter den Fre­undIn­nen, gle­ich­berechtigt mit den FPÖ-Orts­grup­pen Offen­hausen und Kind­berg.

Eine schöne Gesel­llschaft! Was darf noch alles sein? Wie viele Beiträge müssen noch geschrieben wer­den, bis die let­zten FPÖ-Kam­eradIn­nen ihre hän­genge­bliebe­nen Bekan­ntschaften mit Neon­azis, Nazis und Recht­sex­tremen löschen? Viele oder unendlich viele?


Fre­und­schaften zwis­chen FPÖ-Orts­grup­pen und Mar­avelia: vor 5 Tagen und Jetzt