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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Hofers Helfer

Das Foto, auf dem man den Büro­lei­ter von Nor­bert Hofer sieht, wie er, sein Bru­der und Gott­fried Küs­sel mit Schlag­stö­cken bewaff­net sich pro­vo­zie­rend einen Weg bah­nen, ist mitt­ler­wei­le auch der „Bild“-Zeitung bekannt. Gut, das Foto ist alt, Rene Schi­ma­nek könn­te sich – im Unter­schied zu sei­nem Bru­der Hans Jörg – ver­än­dert haben. Aber wie sieht das bei einem ande­ren Hel­fer von Hofer aus mit der Entwicklung?

5. Aug. 2016

Her­wig Götscho­ber ist ein ganz flei­ßi­ger Blau­er. Der deut­sche Bur­schen­schaf­ter arbei­tet nicht nur in Hofers Büro im Natio­nal­rat, son­dern auch als FPÖ-Bezirks­rat in der Leo­pold­stadt. Er ist ein „ech­ter Mul­ti­funk­tio­när“, schrie­ben wir in unse­rem Bericht über sei­ne Bur­schen­schaft „Bru­na Sude­tia“: „Ver­eins­ob­mann der Bru­nen, Schrift­wart des Öster­rei­chi­schen Pen­nä­ler-Rings und des Ball­aus­schus­ses des Wie­ner Aka­de­mi­ker­balls, im Vor­sitz­team der Deut­schen Bur­schen­schaft“ und auch Ver­eins­ob­mann bei der pen­na­len Bur­schen­schaft Franko-Cherusker.”

Bei bei­den schla­gen­den Ver­bin­dun­gen war auch schon Vater Karl Götscho­ber tätig, der es 1988 sogar zum Vor­sit­zen­den des Öster­rei­chi­schen Pen­nä­ler­rin­ges gebracht hat. Schwes­ter Sil­ke will da nicht hint­an­ste­hen und enga­giert sich in der Mädel­schaft Freya, beim RFJ und eben­falls in der Bezirks­ver­tre­tung Leo­pold­stadt für die FPÖ. Sie wet­tert nicht nur gegen den Gen­der-Wahn­sinn, son­dern schreibt – da wird’s schon ziem­lich herb­braun – auch von der „schritt­wei­se erfolgte(n) Umer­zie­hung der Deut­schen in Öster­reich“ und der damit ver­bun­de­nen „Eli­mi­nie­rung der deut­schen Iden­ti­tät“.

Dage­gen neh­men sich die neu­es­ten schrift­li­chen Ergüs­se von Her­wig Götscho­ber ver­gleichs­wei­se zahm aus. Nun ja – ver­gleichs­wei­se! In der Pos­til­le „Jun­ges Leben“ des Pen­nä­ler­rings beklagt er eine Spal­tung der bun­des­deut­schen Gesell­schaft und ver­sucht sie in Wor­te zu fassen:

Auf der einen Sei­te die Bür­ger, die AfD, PEGIDA und vie­le ande­re, die Miss­stän­de kri­ti­sie­ren, die sich sor­gen, die Pro­ble­me offen anspre­chen und an Lösun­gen arbei­ten wol­len und auf der ande­ren die Men­schen aus Poli­tik und Medi­en, die nach wie vor ver­ant­wor­tungs­lo­se Wil­kom­mens­kul­tur unter dem Cre­do der Kanz­le­rin ‚Wir schaf­fen das’ pre­di­gen. (Jun­ges Leben 1/2016)

Klar, dass in die­ser her­bei­phan­ta­sier­ten Insze­nie­rung von Götscho­ber „die Men­schen aus Poli­tik und Medi­en“ eine erbärm­li­che Min­der­heit gegen­über AfD, Pegi­da und den übri­gen Besorg­ten von der Abtei­lung „Wir sind das Volk“ dar­stel­len sol­len. Was das in der Fol­ge bedeu­ten könn­te, wenn eine klei­ne Min­der­heit „aus Poli­tik und Medi­en“ angeb­lich die brei­te Mehr­heit unter­drückt, wol­len wir lie­ber nicht der selt­sa­men Phan­ta­sie von Götscho­ber überlassen.

Es gibt aber auch noch ein Foto mit Götscho­ber, das eine genaue­re Betrach­tung ver­dient. Es stammt aus dem Jahr 2009 und zeigt Her­wig Götscho­ber mit Bur­schen­schaf­ter­käp­pi beim Gedenk­marsch für den Nazi-Hel­den Wal­ter Nowot­ny – gemein­sam mit ande­ren Bur­schen­schaf­tern, Rechts­extre­men und Neo­na­zis. Sicher war das Zusam­men­tref­fen blo­ßer Zufall – wie die Haus­durch­su­chung im Som­mer 2010 bei Götscho­bers pen­na­ler Bur­schen­schaft, den Fran­ko Che­rus­kern. Denen war damals die Haus­durch­su­chung etwas pein­lich, also schwie­gen sie. Nicht so die Neo­na­zi-Home­page Alpen-Donau, die die Bur­schen­schaft nament­lich outete.

Das wirft natür­lich Fra­gen auf: Woher wuss­ten die Alpen-Donau-Neo­na­zis von der Haus­durch­su­chung, war­um gab es eine, und was wur­de dabei gefun­den? Der FPÖ-Abge­ord­ne­te Höbart gab Wochen nach der Raz­zia im Sep­tem­ber 2010 in einer Pres­se­aus­sendung zumin­dest eine Teil­ant­wort: wegen des Ver­bots­ge­set­zes sei bei den Fran­ko-Che­rus­kern ermit­telt, aber „nicht das Gerings­te“ gefun­den worden.

Wir kön­nen das nicht beur­tei­len, weil wir die ein­schlä­gi­gen Pro­to­kol­le und Ermitt­lungs­er­geb­nis­se nicht ein­se­hen konn­ten. Ver­mut­lich könn­te Her­wig Götscho­ber etwas genau­er als Höbart erklä­ren, was damals mit der Haus­durch­su­chung los war. Auch, war­um er 2009 an die Pinn­wand der NPD-nahen Face­book-Sei­te „Todes­stra­fe für Kin­der­schän­der und Ver­ge­wal­ti­ger ?“ gepos­tet hat­te: „Todes­stra­fe für Kin­der­schän­der – 0% Rückfallsquote!“

Der Hofer-Helfer als Befürworter der Todesstrafe?

Viel­leicht kann er bei die­ser Gele­gen­heit auch erklä­ren, war­um er sich 2016 in der Freund­schafts­lis­te des anti­se­mi­ti­schen Face­book-Pro­fils „Itzak Wucher­fil She­kels­teyn“ befand (das FB–Konto wur­de wäh­rend einer „Standard“-Recherche gelöscht) – neben Iden­ti­tä­ren, Neo­na­zis, ande­ren Rechts­extre­men und Burschenschaftern?

Der Hofer-Hel­fer befreun­det mit einem anti­se­mi­ti­schen FB-Pro­fil? Nor­bert Hofer und sein Hel­fer sind drin­gend zur Klä­rung aufgefordert!

Sie­he auch: Bericht auf derStandard.at: Nor­bert Hofers Vor­lie­be für rech­te Burschen.

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