Hofers Büroleiter

Der Präsi­dentschaft­skan­di­dat der FPÖ, Nor­bert Hofer, hat angekündigt, im Falle sein­er Wahl seine Büromi­tar­beit­er in die Präsi­dentschaft­skan­zlei mit­nehmen zu wollen. Klingt rel­a­tiv unprob­lema­tisch. Wenn man aber einen genaueren Blick auf seine Mitar­beit­er wirft, dann ist das nicht mehr so. „Einige hart­ge­sot­tene Her­ren“ hat ‚pro­fil‘ (Nr. 20/2016) dabei ent­deckt. Dem Büroleit­er von Hofer wollen wir uns etwas näher ansehen.

Rene Schi­manek ist der Büroleit­er von Nor­bert Hofer, dem Drit­ten Präsi­den­ten des Nation­al­rats. Falls der Bun­de­spräsi­dent würde, wäre Schi­manek zwar nicht der Leit­er der Präsi­dentschaft­skan­zlei, aber wohl so etwas wie Bruno Aign­er für Heinz Fischer.

Eine nicht ganz so hohe, aber ähn­lich ein­flussre­iche Posi­tion hätte Schi­manek im Jahr 2000 erlangt. Fast! Wenn es da nicht Fotos gegeben hätte. Rene Schi­manek ist näm­lich auch der Brud­er von Hans Jörg Schi­manek, der zulet­zt im Jahr 2009 mit Got­tfried Küs­sel und einem deutschen Neon­azi am Ulrichs­berg in Kärn­ten aufge­taucht ist.


Ulrichs­berg 2009: Hans Hans-Jörg Schi­manek, jun. mit Ric­car­do Sturm, Neon­azi aus Leipzig
.

Ulrichs­berg 2009: Küs­sel mit Ric­car­do Sturm, Neon­azi aus Leipzig

Früher ein­mal robbten die bei­den Schi­manek-Brüder bei der Kam­er­ad­schaft Lan­gen­lois herum. Der Anti­semitismus-Bericht des Stephen-Roth-Insti­tuts der Uni­ver­sität Tel Aviv stellte 1998 jeden­falls fest, dass „das FPÖ-Mit­glied Rene Schi­manek tief in die paramil­itärische Nazior­gan­i­sa­tion Kam­er­ad­schaft Lan­gen­lois involviert war“.

Während Brud­er Hans Jörg wegen sein­er Aktiv­itäten in der Wehrsport­gruppe und der neon­azis­tis­chen Organ­i­sa­tion VAPO des Got­tfried Küs­sel zu ein­er mehrjähri­gen Haft­strafe verurteilt wurde, lan­dete Rene im Jahr 2000 im Büro des kurzzeit­i­gen FPÖ-Jus­tizmin­is­ters Michael Krüger. „Aushil­f­sweise“, betonte Krüger damals und dro­hte dem „Fal­ter“, der die Beschäf­ti­gung von Rene recher­chiert hat­te (Fal­ter 6 und 8/2000), mit ein­er Klage.

Die Wehrsportübun­gen der Kam­er­ad­schaft Lan­gen­lois waren das eine, das Foto eines Kamp­fauftritts von Rene mit seinem Brud­er Hans Jörg und dem Ober­nazi Got­tfried Küs­sel war das andere Steinchen, das seine poli­tis­che Kar­riere kurz behin­derte. Am 21. März 1987 hat­te sich die braune Küs­sel-Truppe am Wiener Neubau-Gür­tel ver­sam­melt und gedro­ht, sich mit Holzknüp­peln den Weg gegen linke Demon­stran­ten freizuschla­gen. Der Fotograf beschreibt dem „Kuri­er“ (19.5.2016) die Szene und das berühmte Foto:

Küs­sel & Co ver­ließen das Lokal. Die Polizis­ten wur­den mehrfach aufge­fordert, der Küs­sel-Truppe doch die „Holzprügel“ abzunehmen, die sie in Hän­den hiel­ten, doch die Polizei kam, wie damals üblich war, dem Ersuchen nicht nach, son­dern schleuste die recht­en Reck­en an den gefährlichen „linken“ Gegen­demon­stran­ten vor­bei. René Schi­manek ( auf dem Foto der vierte Kerl) war eher das „Bei­wa­gerl“ seines großen radikalen Brud­ers Hans-Jörg, so mein Ein­druck. Der „Kleine“ war in den 1990-er Jahren in der (elter­lichen) Presszen­trum Ver­lags­GmbH tätig, die Ende 2010 aufgelöst wurde.

Die Kampfübun­gen der Kam­er­ad­schaft Lan­gen­lois, bei zeigt denen auch Gurgelschnitt und Nieren­stich geübt wur­den, ver­suchte Rene dem „Fal­ter“ (Nr. 8/2000) als „Gelän­de­spiele“ zu verkaufen: „… das waren aber nur Pfadfind­er­spiele, die kein­er­lei mil­itärischen oder poli­tis­chen Charak­ter hat­ten. Ein Mit­glied recht­sex­tremer Organ­i­sa­tio­nen bin ich aber nie gewesen.“

Das Foto (eigentlich sind es mehrere) ver­mit­telt einen anderen Ein­druck. Es „zeigt die drei mit Schlag­stock und Kampf­stiefel“. Die drei, das waren Got­tfried Küs­sel, Hans-Jörg Schi­manek jun. und Rene Schi­manek. Wegen des Fotos und der Geschichte dahin­ter wurde es nichts mit dem Job als Kabi­nettsmi­tar­beit­er von Jus­tizmin­is­ter Krüger. Die FPÖ und Krüger erzählten der Öffentlichkeit die Geschichte mit dem Aushil­f­sjob, und Krüger war nach einem Monat selb­st Geschichte als Jus­tizmin­is­ter. Rene Schi­manek arbeit­ete im FPÖ-Par­la­mentsklub. Dort störte seine Geschichte schon damals nie­man­den. Dann arbeit­ete und kan­di­dierte er für das BZÖ. Später wech­selte er dann wieder zur FPÖ – anscheinend problemlos.


Got­tfried Küs­sel, Hans-Jörg Schi­manek jun. und Rene Schi­manek; © Robert Newald

Im Herb­st 2015 ent­deckt ihn der Fal­ter (Nr. 43/ 2015) im Kabi­nett des Drit­ten Präsi­den­ten Hofer. Rene Schi­manek erzählt der Redak­teurin, wie und was der Zufall so spielt im Leben. Bei Krüger habe er sich nur deshalb um die Post geküm­mert, weil dessen Mitar­bei­t­erin länger nicht da war (Krüger selb­st war nur kurz da: Jus­tizmin­is­ter vom 4.–29. 2.2000). Für das BZÖ habe er nur deshalb 2006 kan­di­diert, weil er zufäl­lig damals im Presse­büro des BZÖ beschäftigt war „und wir mussten alle kan­di­dieren“ (Fal­ter).

Auch seine Beteili­gung an den Wehrsportübun­gen sei nur zufäl­lig gewesen:

Die Lager, die mein Brud­er ver­anstal­tet hat, waren an unserem Wohnort, natür­lich habe ich dort vor­beigeschaut.” Auch Neon­azi Küs­sel habe er getrof­fen, „aber als Fre­und­schaft würde ich das nicht beze­ich­nen. Dafür war nicht nur der Alter­sun­ter­schied zu groß, ich teile auch Küs­sels Ide­olo­gie nicht. In ein­er gefes­tigten Demokratie hat der Nation­al­sozial­is­mus keinen Platz. (Fal­ter Nr. 43/2015)

Das Foto erzählt nicht von ein­er zufäl­li­gen Begeg­nung. Es zeigt vorne den mehrfach verurteil­ten Neon­azi Got­tfried Küs­sel, hin­ter ihm Hans-Jörg Schi­manek jun. in Kamp­fad­justierung und Springer­stiefeln, dann eine Per­son, die von ihm verdeckt wird, und dahin­ter den späteren Büroleit­er – mit Schlag­stock. Da ist nichts von Zufall und „Vor­beis­chauen“ bemerkbar.