Um 149 Euro aufwärts bei den Talks
„Entdecke neue Perspektiven“, verspricht Petra Führichs Interviewformat auf YouTube. Neu ist daran wenig, insbesondere dann, wenn die Gastronomin altbekannte Hetzer einlädt. Neue Perspektiven ergeben sich allenfalls auf die bislang wenig beachtete Gastgeberin selbst – durch die Auswahl ihrer Gäste.
Petra Führich ist Unternehmerin und Gastronomin. Seit über 30 Jahren führt sie, mittlerweile gemeinsam mit ihrer Tochter, das Restaurant Führich in der Wiener Innenstadt. Während der Corona-Pandemie begann sie mit ihrer Interviewreihe „Petra Führich Talks“, zu der sie ihre Gäste meist in ihr eigenes Restaurant einlädt.
Mittlerweile hat sie dort zahlreiche bekannte Akteure der rechten Szene und des verschwörungsideologischen Milieus begrüßt. Derzeit kann man den Talks für einen Eintrittspreis ab 149 Euro aufwärts auch live beiwohnen. Getragen wird die Interviewreihe von Führichs eigenem „Wissenschaftsverein“. Ob dieser Verein seinem Bildungsanspruch gerecht wird, ist fraglich. Dazu später mehr.

Der Eso-Mentor mit Vorgeschichte
Ihren eigenen Angaben zufolge fand Führich während der Corona-Pandemie zur rechten Szene. Seither gehen bei ihr bekannte Gegner der Corona-Schutzmaßnahmen ein und aus: Daniele Ganser, Sucharit Bhakdi, Wolfgang Wodarg, Reiner Fuellmich, Andreas Sönnichsen, Ulrike Guérot oder auch der selbsternannte Bildungsexperte Ricardo Leppe.
Als ihren „Mentor“ bezeichnet die Gastgeberin den Mentaltrainer Kurt Tepperwein: „Er hat mich gelehrt, dass ALLES im Leben möglich ist.“ Tepperwein musste bereits 2005 erfahren, dass doch nicht alles möglich ist – etwa das unberechtigte Führen akademischer Titel. Damals erging gegen den Esoteriker ein rechtskräftiger Strafbefehl, weil er sich als „Prof. Dr. phil. Kurt Tepperwein“ ankündigen ließ, obwohl er diese Titel nicht führen durfte.
Problematischer sind Tepperweins Lehren, wie die Schweizer Kirchliche Fachstelle Religionen, Sekten und Weltanschauungen beschreibt:
Kurt Tepperweins Lehren bauen einen subtilen Druck auf, der in toxische Positivität und Victim Blaming ausarten kann. Nach Tepperwein seien alle Krankheiten und Lebensumstände durch die eigenen Gedanken selbst verursacht. (relinfo.ch, 20.10.26)
Abgesehen davon produzierte Führichs Mentor eine ganze Schwemme von Büchern, in denen es um Mentaltraining, Geistheilung, Selbsterlösung bis hin zur Selbstvergöttlichung geht.
Pseudowissenschaftlichkeit & Verschwörungsideologie
Es verwundert daher wenig, dass Petra Führich in ihren „Talks“ pseudowissenschaftlichen und verschwörungsideologischen Positionen breiten Raum gibt. Schon die Titel der daraus entstandenen Videos sind aufschlussreich: „Die Wahrheit über Tumore. Warum eine OP oft nicht nötig ist?“ Oder: „Wer hat unsere Pyramiden wirklich erschaffen?“ Mit solchen Fragen lassen sich unbelegte Behauptungen als vermeintlich offene Debatten präsentieren.
Auch ein anderer Videotitel ist als Frage formuliert: „CO₂, Sonne oder Vulkane – was beeinflusst das Erdklima wirklich?“ Im Gespräch darf Führichs Gast, der promovierte Atom- und Strahlenphysiker Bernhard Strehl, über eine Stunde lang seine Thesen verbreiten. MOMENT.at bezeichnet Strehl als „Klimakrisen-Verleugner, der keiner sein möchte“. Er beschäftige sich eigenen Angaben zufolge zwar seit zwei Jahrzehnten mit dem Klimawandel, „aber nicht wissenschaftlich“.
Bernhard Strehls zentrale Botschaft wird dort so zusammengefasst:
Zusätzliches CO2 habe nahezu keinen Effekt auf die Temperatur, da es zu einer Sättigung komme. In den nächsten Jahrzehnten könne es sogar zu einer „kleinen Eiszeit“ kommen, in der es um 0,5 bis 0,7 Grad kühler werde. Für Strehl gibt es keinen menschengemachten Klimawandel – obwohl 99 Prozent aller Klimastudien genau das zeigen. (moment.at, 4.1.24)
Bernhard Strehl war mit seiner Masche nicht nur Gastredner bei der FPÖ in Osttirol. Er wird generell dort herumgereicht, wo die Klimakrise kleingeredet oder geleugnet wird: bei der Partei MFG, auf den rechtsextremen Verschwörungsplattformen AUF1 und RTV ebenso wie bei der umtriebigen Klimawandelleugner-Lobbyorganisation Eike. Im Gespräch mit Petra Führich warnt Strehl vor einer „Klimadiktatur“ und verdreht bekannte Fakten: „Jetzt redet man uns ein, wenn es 1,5 Grad wärter wird, gehen wir in die Klimahölle. Das genaue Gegenteil ist der Fall.“

Strehl verbreitete in Führichs Lokal auch die Mär, es sollen personenbezogene „CO2-Konten“ eingeführt werden:
Das gibt’s ja, glaube ich, von Visa schon in irgendeinem Land in Europa, wo man die Einkäufe überwacht und dann sagt, jetzt hast du so und so viel von deinem CO2-Konto bereits verbraucht. Und dann darf man einfach nicht mehr einkaufen.
In Österreich ist das „wahrscheinlich sogar schon da, … Das kommt hundertprozentig.“ Der Pseudo-Klimaerklärer meint dabei wahrscheinlich ein Projekt von Mastercard, eine Kreditkarte mit CO2-Limit einzuführen. Das Projekt aber wurde schon im Jahr 2022 beendet und war ausschließlich freiwillig. So viel also zur Verlässlichkeit von Strehls Aussagen.
Eine Gasthaus-Akademie für die Petra Führich Talks
Petra Führichs erst 2026 gegründeter Verein nennt sich hochtrabend „Führich Akademie – Wissenschaftsverein zur Förderung der Bildung“ – „Präsidentin“ des Vereins ist Petra Führich, als Vize fungiert ihre Tochter Laura. Wie weit Anspruch und Inhalt auseinanderklaffen, zeigt ein weiterer Gesprächspartner. Im Jänner 2023 war Wilhelm Mohorn bei Führich zu Gast. Der war damals nicht nur seit vielen Jahren mit Scientology verbunden und gehörte zu den finanziellen Förderern der Organisation.
Mohorn ist auch Gründer eines Unternehmens, das Geräte vertreibt, die feuchte Mauern angeblich mithilfe sogenannter „Raumenergie“ trockenlegen – ohne Strom, Chemikalien oder bauliche Eingriffe. 2013 untersagte das Oberlandesgericht Frankfurt am Main dem Unternehmen Aquapol bestimmte Werbeaussagen, weil es die behauptete Wirksamkeit der Geräte nicht wissenschaftlich belegen konnte. Die esoterikkritische Website Psiram bezeichnet Mohorns vermeintlichen Wunderentfeuchter als „Scharlatanerieprodukt“.
Bei den „Petra Führich Talks“ durfte der Mann über eine halbe Stunde seine wissenschaftsfernen Thesen verbreiten. Das brachte Mohorn einen Eintrag im Standard-„Esoterik-Adventkalender“ ein. Dort heißt es:
Weiters lesen wir auf der Webseite [von Mohorns Unternehmen, SdR]: „Komplementärwissenschaftliche Untersuchungen, unsere eigene empirische Forschung sowie die positiven Erfahrungsberichte unserer Kunden bestätigen den nachhaltigen Erfolg.“ Nur die „klassische Naturwissenschaft“ erkenne die Wirkungen der Entfeuchtungswundertüte leider nicht an. (derstandard, 21.12.23)
Doch laut Wilhelm Mohorn sind es natürlich die etablierten Wissenschaftler, die „verbildet“ seien. Führich nimmt das Gespräch ihrerseits zum Anlass, von „mehreren Menschen“ aus ihrem Bekanntenkreis zu berichten, die mit dem Zauberentfeuchter „zufrieden“ seien.
Rechtsaußen-Who-is-who
Petra Führich lädt auch Rechtsextreme und rechte Provokateure in ihr Format ein. Der Beschimpfer in Dauerschleife, Gerald Grosz, stand gleich zweimal auf Führichs Bühne.
Die rechtsextreme Ex-Ministerialrätin Monika Donner durfte die Corona-Schutzmaßnahmen kommentieren: „Es muss nicht Diktatur drauf stellen, damit es eine ist. Es kann auch Demokratie heißen als Etikette.“ Florian Machl von Report24 steuerte 2022 seine kruden Thesen zu Corona-Nasenabstrichtests bei:
Kann man auch einmal hinterfragen, warum ist eigentlich der Staat so erpicht darauf, dass man sich da in den Körper reinfährt damit. Also wenn man jetzt ganz streng ist, kann man sagen, das hat irgendeinen Beigeschmack einer Vergewaltigung.
Fast schon ein Schmankerl war der Auftritt von Heinz-Christian Strache. Unter dem Titel „Im Nachhinein hätte ich vieles anders gemacht“ durfte er seine Version des Ibiza-Gates darlegen, Strache redete von einem „politischen Attentat“ und der „gestellten Falle auf Ibiza“. Und natürlich: „Ich habe mir in Wahrheit nichts zu schulden kommen lassen.“
Petra Führich schmeichelte Strache ausgiebig: „Du hast durch diese ganze Geschichte, trotzdem glaube ich sehr, sehr viele Menschen, die immer noch dir zur Seite stehen.“ Das brachte Strache erst richtig in Fahrt: „Moral und Anstand, wie ich es gelebt habe, wird nicht immer unbedingt bedankt.“ Führich nickte verständnisvoll.

Die Oma als frühe Kronzeugin
Oft hält aber auch Petra Führich ihre eigene Meinung nur wenig hinterm Berg. Wenn sie den Wiener Rechtsextremisten Martin Sellner im violetten Samtsessel befragt, streut sie ihre eigenen, kruden Sichtweisen ein. Etwa dann, wenn es um die Migration geht: „Wer, was meinst du, wer steckt dahinter? Das muss ja gesteuert sein.“
Pseudowissenschaft, Geschichtsverdrehung und rechte Hetze bekommen im Wiener Innenstadtlokal einen ebenso gemütlichen wie unkritischen Rahmen. Dass Führich das Ganze unter dem Dach eines „Wissenschaftsvereins zur Förderung der Bildung“ betreibt, ist der eigentliche Witz: Hier scheint Unbildung zur Vereinsaufgabe erhoben worden zu sein.
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