Wie Gerald Grosz und oe24 einander verstärken
Eine aktuelle Recherche von „Dossier“ (20.10.26) beleuchtet das Geschäftsmodell der Fellners, der Herausgeber und Macher von „oe24“ ebenso wie jenes von Gerald Grosz, der dort nicht nur als Kolumnist und Kommentator, sondern auch als Tippgeber für redaktionelle Beiträge fungiert, die er dann auf seinen Plattformseiten wieder weiter teilen und verarbeiten kann.
In der Vergangenheit war Grosz zunächst parlamentarischer Mitarbeiter, später Pressesprecher von FPÖ-Sozialminister und Vizekanzler Herbert Haupt. Nach dem Bruch von Jörg Haider mit der FPÖ schlug sich Grosz auf die Seite des BZÖ, wurde dessen Abgeordneter, zwischen 2013 und 2015 sogar Bundesparteiobmann des Bündnis Zukunft Österreich, das unter ihm zur Bedeutungslosigkeit verkam. Das war nicht die erste Niederlage im politischen Business für Grosz. 2008 hatte er für den Grazer Gemeinderat mit der Parole „Wir säubern Graz“ und dem damaligen BZÖ-Parteichef Westenthaler am Foto kandidiert, ging aber mit bescheidenen 4,3 Prozent unter.

Grosz mit und gegen Westenthaler
Westenthaler hatte 2006 die Abschiebung von 300.000 Ausländern gefordert. Grosz hat eine sehr ähnliche Forderung im Grazer Gemeinderatswahlkampf 2026 erhoben:
Jene, die Gefährder sind, jene, die sich gegen unsere Gesellschaftsordnung stellen, ab nach Hause (…) in Graz kannst rechnen, sind das 15.000, 20.000 Leute. (zit. nach Ingrid Brodnig)
Drei bis vier Prozent der österreichischen Wohnbevölkerung wollte Westenthaler 2006 abschieben, rund fünf bis sechseinhalb Prozent der Grazer Hauptwohnsitzbevölkerung sind es 20 Jahre später bei Grosz – eine große Zahl an Menschen, deren Gemeinsamkeit nicht irgendeine begangene Straftat ist, sondern dass sie „Ausländer“ sind.
Grosz und Westenthaler verbindet ihre BZÖ-Vergangenheit, ihre rechtsextremen Positionen und ihre heutige Präsenz als Kommentatoren bei „oe24“. Zwischenzweitlich waren sie aber auch durch eine Klage verbunden, die Westenthaler gegen Grosz angestrengt hatte. Grosz hatte in einem ORF-Interview wenige Tage vor der Bundespräsidentschaftswahl 2022 (bei der er selber kandidierte) seinen damaligen BZÖ-Chef Westenthaler als „verrückt“ bezeichnet und außerdem beschuldigt, 2007 in dessen Auftrag beleidigende (und frei erfundene) Aussagen über sexuelle Kontakte einer ORF-Redakteurin zu FPÖ-Politikern getätigt zu haben. Die ORF-Redakteurin hatte Grosz damals wegen Kreditschädigung und Ehrenbeleidigung zivilrechtlich geklagt; er wurde zu einer Schadenersatzzahlung verurteilt.
Von der Klage Westenthalers gegen Grosz ist nur bekannt, dass dem in einer einstweiligen Verfügung bis zu einer endgültigen Klärung durch ein Hauptverfahren die Behauptung untersagt wurde, er habe im Auftrag eines „verrückten Parteichefs“ 2007 die ORF-Redakteurin diffamiert. Von einem Hauptverfahren oder anderen gerichtlichen Entscheidungen – einer „endgültigen Klärung“ – in dieser Causa ist öffentlich nichts bekannt. Ihre wiedergefundene Nähe zur FPÖ könnte auch die Beziehung gekittet haben.
Beschimpfungen als Dauerprogramm
Bei Westenthaler hat sich Grosz zumindest kurzfristig verrechnet. Andere Personen des politischen Lebens überzieht er nahezu ungebremst mit Beschimpfungen. Die frühere deutsche Bundeskanzlerin Merkel ist für ihn eine Verbrecherin, an deren Händen Blut klebt. Annalena Baerbock nannte er „Stotteranni“ und „Frau Pinnocchia“, Bundespräsident Van der Bellen einen „rauchender Aschenbecher“ und „Staatsgerontokrat“, den Wiener Bürgermeister Ludwig ein „Schnitzelgesicht“ und den ukrainischen Präsidenten einen ukrainischen „Wodka-Oligarch“ und Vertreter eines korrupten faschistischen Regimes, der „ukrainischen Kleptokratur“. Putin und Trump sind für ihn Friedenshelden, „diesen Wahnsinn in der Ukraine“ – Grosz meint damit den russischen Überfall auf die Ukraine – „haben wir Joe Biden zu verdanken!“

Noch ärger als gegen Politiker:innen hetzt Grosz gegen „Klimakommunismus“, gegen queere Menschen und gegen alles, was er als „Gender-Ideologie“ und „Wokeness“ denunzieren kann:
Die Regenbogenfahne schwenkt man im Kreise der toleranzbewegten, zwanziggeschlechtlichen Ritter von der einen Gehirnzelle, aber nur in Ländern wo es schick ist. (oe24.at, 21.11.22)
MeToo-Aktivistinnen verspottet er als „Krampfadern- und Cellulitis-Regimenter“ und gegen Türken hetzt er, weil sie „bei uns ihr Land in Legebatterien verwandeln“ wollten. „Abschieben“ und „Remigration“ sind seit geraumer Zeit seine Lieblingsforderungen, die ihn als waschechten Rechtsextremen ausweisen.
Krebserkrankung ein „Lercherl“?
Einen besonders zynischen Tiefpunkt erreichte Grosz aber mit seiner Entgleisung, wonach die Krebserkrankung für Marterbauer im Vergleich zu einem SPÖ-Vorsitz“ ein „Lercherl“ sei. Er selbst würde lieber die Onkologie wählen, erklärte er bei „oe24“-TV. Das kommt einer Verhöhnung aller krebskranken Menschen gleich. Für diese Entgleisung hat sich Grosz unseres Wissens bisher nicht entschuldigt. Eine öffentliche Entschuldigung des Senders ist uns ebenfalls nicht bekannt.
„Stalinorgel“ wurden sowjetische Mehrfachraketenwerfer genannt, die mit ihren Raketensalven große Flächen abdecken konnten. Grosz arbeitet mit verbalen Stinkbomben. Seine Reichweite ist damit beträchtlich gewachsen: 2019 hatte er auf Facebook rund 100.000 Follower, 2026 sind es mehr als 400.000.
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