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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 7 Minuten

Alarmstufe Rot: Warum Rechte die Klimakrise dennoch wegreden

Die aktu­el­le Hit­ze­wel­le macht die Kli­ma­kri­se kör­per­lich spür­bar. Rech­te Par­tei­en und Netz­wer­ke reden sie den­noch klein oder gar weg: wegen der urei­gens­ten ideo­lo­gi­schen Ver­fasst­heit, der Nei­gung zu Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen und Abnei­gung gegen Wis­sen­schaft, EU und Internationalität.

27. Juni 2026
Eine Hitzeglocke über Österreich (Screenshot Manuel Oberhuber Bluesky 26.6.26)
Eine Hitzeglocke über Österreich (Screenshot Manuel Oberhuber Bluesky 26.6.26)

Öster­reich steht mit­ten in einer Hit­ze­wel­le mit Rekord­tem­pe­ra­tu­ren. Geo­Sphe­re Aus­tria warnt für Tei­le des Lan­des mit der höchs­ten Hit­ze­warn­stu­fe, sogar ein Über­schrei­ten des öster­rei­chi­schen All­zeit­re­kords von 40,5 Grad ist möglich.

Die Wissenschaftslage ist klar

Der Welt­kli­ma­rat IPCC hält fest: Mensch­li­che Akti­vi­tä­ten, vor allem der Aus­stoß von Treib­haus­ga­sen, haben die glo­ba­le Erwär­mung ver­ur­sacht. Die glo­ba­le Ober­flä­chen­tem­pe­ra­tur lag im Zeit­raum 2011 bis 2020 bereits rund 1,1 Grad über dem Niveau von 1850 bis 1900.

Die aktu­ell Hit­ze­wel­le über Euro­pa ist bei­spiel­los in vie­ler­lei Hin­sicht. Dau­er, Inten­si­tät, der frü­he Zeit­punkt schon Anfang Som­mer, Tem­pe­ra­tu­ren, die wir vie­ler­orts noch nie hat­ten, Fol­gen und Schä­den — Die­se Hit­ze wäre ohne men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­wan­del nicht möglich.

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— Mar­cus Wadsak (@marcuswadsak.bsky.social) 23. Juni 2026 um 12:35

Für Öster­reich über­setzt sich die­se glo­ba­le Ent­wick­lung in sehr kon­kre­te Belas­tun­gen. Auch hier wer­den die Hit­ze­wel­len inten­si­ver, häu­fi­ger und län­ger. Die Zahl der Hit­ze­ta­ge steigt in ganz Öster­reich, Städ­te lei­den unter Hit­ze­inseln, ver­sie­gel­ten Flä­chen und feh­len­der Abküh­lung in der Nacht. Beson­ders älte­re Men­schen, Kin­der, Men­schen mit Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen und Per­so­nen mit ein­ge­schränk­ter Mobi­li­tät sind akut gefähr­det. Aber war­um hal­ten rech­te Akteu­re den­noch so hart­nä­ckig an Leug­nung, Ver­harm­lo­sung oder Ver­zö­ge­rung fest?

Wenn die Lösung bedrohlicher erscheint als das Problem

Eine wich­ti­ge Erklä­rung lie­fert die Sozi­al­psy­cho­lo­gie. Stu­di­en beschrei­ben den Mecha­nis­mus als „solu­ti­on aver­si­on“: Wer eine poli­ti­sche Lösung ablehnt, zwei­felt eher am Pro­blem selbst (Campbell/Kay, Jour­nal of Per­so­na­li­ty and Social Psy­cho­lo­gy, 2014). Beim Kli­ma heißt das: Wenn Kli­ma­schutz nach staat­li­cher Regu­lie­rung, CO₂-Abga­be, EU-Vor­ga­ben, Tem­po­li­mit, Aus­stieg aus Öl und Gas oder Umbau der Auto­in­dus­trie klingt, rücken man­che die Wis­sen­schaft zurecht, bis sie zum eige­nen Welt­bild passt.

Der FPÖ-Gene­ral­se­kre­tär Chris­ti­an Hafenecker erklär­te 2024 in der ZiB2: „Dass es kli­ma­ti­sche Ver­än­de­run­gen gibt, ist evi­dent. Das ist in der Geschich­te die­ses Pla­ne­ten immer wie­der auf­ge­fal­len. Das hängt mit Son­nen­stür­men und sons­ti­gen Din­gen zusam­men. Ich bin aber nicht davon über­zeugt, dass das alles men­schen­ge­macht ist.“ (zit. nach kurier.at, 27.6.24) Aus der durch Treib­haus­ga­se ver­ur­sach­ten Erhit­zung kon­stru­iert Hafenecker ein dif­fu­ses Naturgeschehen.

Im Natio­nal­rat ging Susan­ne Fürst 2025 noch wei­ter und ver­band das EU-Kli­ma­ziel für 2040 mit einer angeb­li­chen Reduk­ti­on von Wohl­stand und Wirt­schafts­leis­tung um 90 Pro­zent und sprach von einem „Ver­bre­chen an der Wirt­schaft und der euro­päi­schen Bevöl­ke­rung“ sowie von der „ver­bre­che­ri­schen CO₂-Schrau­be“ (parlament.gv.at, 24.9.25). Kli­ma­schutz wird zur Bedro­hungs­er­zäh­lung. Die Gefahr liegt dann bei „Brüs­sel“, das ohne­hin für alles her­hal­ten muss, was der FPÖ nicht gefällt.

Nationalismus scheitert an einem globalen Problem

Kli­ma­wan­del ist ein Welt­pro­blem. CO₂ hält sich an kei­ne Staats­gren­ze, Hit­ze­wel­len, Dür­ren, Stark­re­gen und Ern­te­aus­fäl­le fol­gen kei­ner natio­na­len Erzäh­lung. Rech­te und rechts­po­pu­lis­ti­sche Poli­tik arbei­ten aber stark mit der Gegen­über­stel­lung von „Volk“ und „Eli­te“, von „Nati­on“ und „Glo­ba­lis­mus“, von „uns“ und „den anderen“.

Eine Stu­die mit Daten des Euro­pean Social Sur­vey aus 15 west­eu­ro­päi­schen Län­dern zeigt, dass sich jene gegen Kli­ma­schutz­maß­nah­men auf­leh­nen, die Poli­tik in ers­ter Linie natio­nal, abschot­tend und gegen inter­na­tio­na­le Koope­ra­ti­on den­ken. Für rech­te Par­tei­en bie­tet das The­ma daher idea­le Angriffs­flä­chen. Kli­ma­schutz wird oft im Zusam­men­hang mit inter­na­tio­na­len Stu­di­en und Abkom­men und EU-Zie­len genannt. Dar­aus las­sen sich schnell Feind­bil­der bau­en: Brüs­sel will ver­bie­ten, Grü­ne wol­len bevor­mun­den, Expert:innen wol­len den All­tag kon­trol­lie­ren. (1)

Verschwörungserzählungen liefern den Klebstoff

Rech­te Kli­ma­wan­del­leug­nung lebt auch von Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gien. Die Kli­ma­wis­sen­schaft ist inter­na­tio­nal, arbei­tet mit Daten­rei­hen, Model­len, For­schungs­ver­bün­den und Insti­tu­tio­nen wie dem IPCC. Gera­de die­se Merk­ma­le machen sie für Ver­schwö­rungs­er­zäh­lun­gen angreif­bar. Aus wis­sen­schaft­li­chem Kon­sens wird dann ver­meint­li­che Gleich­schal­tung, aus Kli­ma­mo­del­len wird Mani­pu­la­ti­on, aus inter­na­tio­na­ler Poli­tik wird „Glo­ba­lis­mus“.

Das Mus­ter ist aus ande­ren Fel­dern bekannt. Wer Medi­en, Wis­sen­schaft, Gerich­te, Uni­ver­si­tä­ten und inter­na­tio­na­le Orga­ni­sa­tio­nen als Teil eines feind­li­chen „Sys­tems“ deu­tet, kann jede Wider­le­gung als wei­te­ren Beweis für die her­bei­fan­ta­sier­te Ver­schwö­rung ver­kau­fen. Ein hei­ßer Som­mer gilt dann als Wet­ter, eine kal­te Woche wird zum Gegen­be­weis sti­li­siert. Eine Dür­re wird zum Zufall, eine Flut wird zur Natur­ka­ta­stro­phe ohne poli­ti­sche Konsequenz.

Die Profis der Leugnung

Kli­ma­wan­del­leug­nung ist nicht vom Him­mel gefal­len. Sie wur­de über Jahr­zehn­te finan­ziert, orga­ni­siert und pro­fes­sio­na­li­siert. Nao­mi Ores­kes und Erik Con­way beschrie­ben in „Mer­chants of Doubt“, wie Tabak‑, Öl- und ande­re Indus­trien Zwei­fel an wis­sen­schaft­li­chen Befun­den streu­ten, sobald Regu­lie­rung droh­te. Der Trick bleibt gleich: Man muss die Wis­sen­schaft nicht wider­le­gen. Es reicht, genug Zwei­fel zu erzeu­gen, damit Poli­tik lang­sa­mer handelt.

Welt­weit haben sich schon früh mäch­ti­ge Netz­wer­ke eta­bliert, die Kli­ma­wan­del­leug­nung pro­fes­sio­nell betrei­ben. Die in Deutsch­land sit­zen­de Lob­by­or­ga­ni­sa­ti­on EIKE stellt Kli­ma­po­li­tik seit Jah­ren als Angriff auf Frei­heit und Wirt­schaft dar. 2024 hat sie ihre Jah­res­kon­fe­renz im nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Maria Enzers­dorf abgehalten.

Das US-ame­ri­ka­ni­sche Heart­land Insti­tu­te arbei­tet mit rech­ten Politiker:innen auch in Euro­pa gegen Umwelt- und Kli­ma­schutz­po­li­tik. Der FPÖ-EU-Abge­ord­ne­te Harald Vilims­ky ist Heart­land-Stamm­gast – auf der Web­site des Euro­päi­schen Par­la­ments fin­det sich in der Lis­te von Vilims­kys Mee­tings seit August 2024 acht­mal das Heart­land Insti­tu­te, zuletzt im Mai 2026 in Wien. Mit sei­nem Par­tei­kol­le­gen Roman Hai­der besuch­te er 2023 eine Heart­land-Anti­kli­ma­schutz­kon­fe­renz in Flo­ri­da, spä­ter wur­de Heart­land-Prä­si­dent James Tay­lor auf Ein­la­dung der bei­den ins Euro­päi­sche Par­la­ment geholt (theguardian.com, 22.1.25). Der rech­te Kampf gegen Wind­kraft ist eben­falls in die­sem Kon­text zu sehen.

Auch Stoppt die Rech­ten hat bereits 2019 auf rech­te und markt­ra­di­ka­le Kli­ma­leug­nungs­netz­wer­ke rund um FPÖ, Hay­ek-Insti­tut, Aus­tri­an Eco­no­mics Cen­ter, Heart­land und EIKE hin­ge­wie­sen. Die Ver­bin­dung ist nahe­lie­gend: Lob­by­is­ten fos­si­ler Ener­gie­trä­ger wol­len Öl, Gas, Koh­le, Ver­bren­ner und alte Geschäfts­mo­del­le mög­lichst lan­ge ret­ten. Rech­te Par­tei­en lie­fern dafür den Kul­tur­kampf: gegen „Kli­ma­hys­te­rie“, „Öko­dik­ta­tur“, „Brüs­sel“ und gegen „die Grünen“.

Das wirkt, weil es All­tags­ängs­te auf­greift. Vie­le Men­schen sor­gen sich zu Recht um Mie­ten, Lebens­mit­tel­prei­se, Strom­kos­ten, Pen­deln und Arbeits­plät­ze. Rech­te Poli­tik ver­wan­delt die­se sozia­len Fra­gen in Abwehr gegen Kli­ma­schutz. Statt über gerech­te Ent­las­tung, güns­ti­ge Öffis, Gebäu­de­sa­nie­rung, Hit­ze­schutz, leist­ba­re Ener­gie und die Ver­ant­wor­tung gro­ßer Emit­ten­ten zu spre­chen, insze­niert sie Kli­ma­po­li­tik als Angriff auf „die klei­nen Leute“.

Die andere Dystopie

Die Zukunfts­sze­na­ri­en sind dys­to­pisch, wenn die Erd­er­wär­mung nicht gebremst wird. Rech­te Milieus leh­nen Unter­gangs­er­zäh­lun­gen aber nicht gene­rell ab. Vie­le arbei­ten selbst stark dys­to­pisch – etwa mit Nar­ra­ti­ven von „Bevöl­ke­rungs­aus­tausch“ und dem her­bei­phan­ta­sier­ten „Unter­gang Euro­pas“. Für die­se Dys­to­pie haben sie ihr All­heil­mit­tel aus ‚Gren­zen dicht‘ und Mas­sen­ab­schie­bun­gen gebas­telt. Abge­lehnt wird vor allem jene Kli­ma­dys­to­pie, die als Gegen­maß­nah­me kol­lek­ti­ve, ega­li­tä­re, wis­sen­schafts­ba­sier­te und inter­na­tio­na­le Poli­tik ver­langt. Die rea­le Kli­ma­ka­ta­stro­phe – über­hitz­te Städ­te, Ern­te­aus­fäl­le, Wald­brän­de, Was­ser­knapp­heit, Hit­ze­to­te – wird mit bil­li­gen Tricks, aber den­noch wir­kungs­voll weggeschoben.

Ein Sujet, das immer wieder bei Hitzewellen kursiert – auch aktuell. Der österreichische Meteorologe Marcus Wadsak schreibt dazu auf Bluesky: "übrigens finde ich gerade 1975 so schön (posten mir ja auch ein paar Fakten-Feinde) - weil 1975 just das letzte Jahr war wo wir in Wien (Hohe Warte) KEIN EINZIGES MAL 30 Grad erreicht haben..... soviel zum Sommer von damals."
Ein Sujet, das immer wie­der bei Hit­ze­wel­len kur­siert – auch aktu­ell. Der öster­rei­chi­sche Meteo­ro­lo­ge Mar­cus Wadsak schreibt dazu auf Blues­ky (23.6.26): „übri­gens fin­de ich gera­de 1975 so schön (pos­ten mir ja auch ein paar Fak­ten-Fein­de) — weil 1975 just das letz­te Jahr war wo wir in Wien (Hohe War­te) KEIN EINZIGES MAL 30 Grad erreicht haben.…. soviel zum Som­mer von damals.”

Die­se Ver­schie­bung ist poli­tisch nütz­lich. Wer die Kli­ma­kri­se aner­kennt, muss über Ver­ant­wor­tung spre­chen: über fos­si­le Kon­zer­ne, Ver­kehrs­po­li­tik, Boden­ver­sie­ge­lung, Ener­gie­ver­brauch, sozia­le Ungleich­heit und inter­na­tio­na­le Ver­pflich­tun­gen. Wer sie als „Hys­te­rie“ abtut, kann beim alten Geschäfts­mo­dell blei­ben und zugleich Empö­rung mobilisieren.

Die Klimakrise ist spürbar

Die aktu­el­le Hit­ze­wel­le macht die Belas­tung kör­per­lich spür­bar. Sie trifft Pfleger:innen, Bau­ar­bei­ter, älte­re Men­schen in Dach­ge­schoß­woh­nun­gen, Kin­der in auf­ge­heiz­ten Klas­sen­zim­mern, Men­schen ohne Gar­ten, ohne Kli­ma­an­la­ge, ohne küh­le Woh­nung, ohne Mög­lich­keit, auf einen Zweit­wohn­sitz in den Ber­gen oder an einem See aus­zu­wei­chen. Kli­ma­po­li­tik ist daher kei­ne abs­trak­te Moral­fra­ge. Sie ist Gesundheits‑, Sozial‑, Arbeits- und Demokratiepolitik.

Rech­te Kli­ma­leug­nung schützt kei­ne Frei­heit. Sie schützt Öl- und Gas-Indus­trie, alte Macht­ver­hält­nis­se und poli­ti­sche Geschäfts­mo­del­le, die aus Angst Stim­men machen. Aber wäh­rend Euro­pa schwitzt und die Kli­ma­kri­se deut­li­cher denn je spür­bar ist, reden Rech­te wei­ter von „Kli­ma­hys­te­rie“.

Fußnote

1 Ein For­schungs­strang beschreibt den Zusam­men­hang von Kli­ma­leug­nung, fos­si­len Ener­gien und Männ­lich­keits­bil­dern. Die Poli­tik­wis­sen­schaf­ter in Cara Dag­gett präg­te dafür den Begriff „petro-mas­cu­li­ni­ty“: Fos­si­le Ener­gie steht dem­nach nicht nur für Pro­fit und Indus­trie, son­dern auch für Iden­ti­tät, Macht, Auto­ri­ta­ris­mus und eine Abwehr gegen Kli­ma­po­li­tik. In einem 2018 publi­zier­ten Auf­satz (aber auch danach) ver­bin­det sie Kli­ma­wan­del­leug­nung, Ras­sis­mus und Miso­gy­nie in neu­en auto­ri­tä­ren Bewe­gun­gen und beschreibt fos­si­le Ener­gien als iden­ti­täts­stif­tend für wei­ße patri­ar­cha­le Herr­schaft. Auch ande­re For­schungs­teams haben den Zusam­men­hang zwi­schen Mas­ku­li­ni­tät und Kli­ma­wan­del­leug­nung untersucht.

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