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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 6 Minuten

Klimawandelleugnung: das Geschäft aus der rechten Ecke

Sie erin­nern sich noch, als Stra­che vom eins­ti­gen Wein­an­bau auf Grön­land fasel­te, um damit ver­meint­lich zu bele­gen, dass der Kli­ma­wan­del etwas Natur­ge­ge­be­nes sei und wir uns damit abzu­fin­den hät­ten? Vor der letz­ten Natio­nal­rats­wahl zog er dann zum wie­der­hol­ten Mal auch noch die Saha­ra als eins­ti­ge Korn­kam­mer Roms aus sei­nem Hut, um sei­ne kru­den The­sen zu bele­gen. Hin­ter die­sem Unsinn steht jedoch bein­har­te Poli­tik von der rechts­extre­men Sei­te, wie jetzt auch eine neue Stu­die belegt, in der u.a. das Abstim­mungs­ver­hal­ten von 21 rechts­po­pu­lis­ti­schen und rechts­extre­men Par­tei­en im euro­päi­schen Par­la­ment ana­ly­siert wurde.

1. März 2019

Die in Ber­lin ansäs­si­ge Denk­fa­brik adel­phi beleg­te anhand einer in die­ser Woche prä­sen­tier­ten Ana­ly­se der Wahl- und Par­tei­pro­gram­me, öffent­li­chen Äuße­run­gen. Pres­se­aus­sen­dun­gen und des Abstim­mungs­ver­hal­tens im Euro­päi­schen Par­la­ment (EP) den ein­deu­ti­gen Zusam­men­hang von Kli­ma­wan­del­leug­nung und rechts­po­pu­lis­ti­schen bzw. rechts­extre­men Par­tei­en in Europa.

Die Ergeb­nis­se zei­gen die Vari­anz rechts­po­pu­lis­ti­scher Par­tei­en bei ihren Ein­stel­lun­gen zur Kli­ma- und Ener­gie­po­li­tik: von Kli­ma­wan­del­leug­nern über kon­ser­va­ti­ve Umwelt­schüt­zer bis hin zu Ver­fas­sungs­fein­den am extre­men rech­ten Rand. Zwei von drei rechts­po­pu­lis­ti­schen Abge­ord­ne­ten stim­men regel­mä­ßig gegen kli­ma- und ener­gie­po­li­ti­sche Maß­nah­men. In Euro­pas ein­zi­gem direkt gewähl­tem Organ, dem Euro­päi­schen Par­la­ment, kommt die Hälf­te aller Gegen­stim­men bei Reso­lu­tio­nen zu Kli­ma- und Ener­gie aus dem rechts­po­pu­lis­ti­schen Par­tei­en­spek­trum. (adelphi.de)

Die FPÖ kenn­zeich­net, zusam­men mit sechs ande­ren Par­tei­en (AfD/Deutschland, EKRE/Estland, Däni­sche Volkspartei/Dänemark, PVV/Niederlande, Schwedendemokraten/Schweden, Ukip/GB) den von Men­schen gemach­ten Kli­ma­wan­del gleich über­haupt zu leugnen.

Rechtspopulisten/-extreme und Klimawandel (adelphi, S. 11)
Rechts­po­pu­lis­ten/-extre­me und Kli­ma­wan­del (adel­phi, S. 11)

„Asser­ti­ons that ‚Green­land used to be a green coun­try with viney­ards’ (inter­view with Aus­tri­an FPÖ chief Heinz-Chris­ti­an Stra­che, 2017) or online-news clai­ming that Ant­ar­c­ti­ca is in fact get­ting coo­ler (AfD, 2017) illus­tra­te that some par­ties even pro­mul­ga­te mani­pu­la­ti­ve or fake news.“ (adel­phi, S. 10) Über­setzt: FPÖ und AfD arbei­ten mit Faken­ews, um den men­schen­ge­mach­ten Kli­ma­wan­del zu leugnen.

Schon län­ger wis­sen wir, dass hin­ter den Kli­ma­wan­del­leug­nern ein­fluss­rei­che Lob­bys ste­hen, deren Netz­wer­ke von den USA bis nach Euro­pa und Öster­reich hin­ein rei­chen. Der Fal­ter führt in einem Arti­kel eini­ge die­se Lob­by­or­ga­ni­sa­tio­nen an und zählt für die USA die Heri­ta­ge Foun­da­ti­on, das Heartlnd Insti­tu­te, das Cato Insti­tu­te und das Com­mit­tee for a Con­s­truc­ti­ve Tomor­row (CFACT) auf, für Euro­pa EIKE mit Sitz in Deutsch­land und für Öster­reich das Hay­ek-Insti­tut und das Aus­tri­an Eco­no­mics Cen­ter (AEC).

Und da taucht immer wie­der ein Name auf, näm­lich Bar­ba­ra Kolm, die in engen Ver­bin­dun­gen zur FPÖ und auch zu den US-Lob­by­or­ga­ni­sa­tio­nen steht:

Kolm ist nicht nur Prä­si­den­tin des Hay­ek-Insti­tuts, sie ist auch Direk­to­rin des Aus­tri­an Eco­no­mics Cen­ter. Mit die­sem ver­an­stal­tet sie seit eini­gen Jah­ren ‚Free Mar­ket Road­shows’ in Euro­pa und den USA, die immer wie­der auch an der Uni­ver­si­tät Wien Sta­ti­on machen. Im Mai 2011 war Richard Rahn vom Cato Insti­tu­te dabei, ein Öko­nom, der meint, hät­te ein Stu­dent ihm den Kio­to-Ver­trag, das 1997 geschlos­se­ne inter­na­tio­na­le Kli­ma­schutz­ab­kom­men, als Lösungs­an­satz vor­ge­legt, hät­te er ein Nicht genü­gend bekom­men. Rahn war zuvor auch Vor­tra­gen­der auf der ers­ten Kli­ma­leug­ner­kon­fe­renz, zu der das Heart­land Insti­tu­te 2008 ins Mar­riott Hotel in New York einlud.

Die­se Kon­fe­ren­zen, auf der die Crè­me de la Crè­me der inter­na­tio­na­len Leug­ner der von der Mensch­heit ange­heiz­ten Erd­er­wär­mung auf­tritt, wur­den in der Ver­gan­gen­heit auch von den FPÖ-Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen Hay­ek-Insti­tut und Aus­tri­an Eco­no­mics Forum mit­fi­nan­ziert. Zumin­dest in den Jah­ren 2009, 2010 und 2012 tra­ten sie als Spon­so­ren oder Co-Spon­so­ren die­ser Heart­land-Kon­fe­ren­zen auf.“ (Fal­ter, 9/19, S. 14)

Kolms Treue zur FPÖ wur­de inzwi­schen auch mit einem ein­träg­li­chen Pos­ten belohnt: Nach­dem sie zuvor bereits als wirt­schafts­po­li­ti­sche Bera­te­rin für die FPÖ tätig war und in den Koali­ti­ons­ver­hand­lun­gen 2017 auf FPÖ-Sei­te teil­ge­nom­men hat­te, wur­de sie im Sep­tem­ber 2018 zur Vize­gou­ver­neu­rin der Öster­rei­chi­schen Natio­nal­bank beför­dert. Ihre Ein­stel­lung zum Kli­ma­wan­del hat­te Kolm bereits 2007 kundgetan:

Auch an der Kli­ma­kri­se hat Bar­ba­ra Kolm ihre Zwei­fel. Das Kli­ma unter­lie­ge einem stän­di­gen Wan­del, das sei nichts Neu­es, schrieb sie 2007. Sinn­vol­le Gegen­maß­nah­men, etwa das Ende von Ener­gie­ge­win­nung aus Koh­le, wür­den ‚für die Mensch­heit viel schlech­te­re Aus­wir­kun­gen haben als jede mög­li­che Kli­ma­än­de­rung’. Der Ein­satz dafür, dass unser Pla­net für Men­schen bewohn­bar bleibt, hat für Kolm ‚nur noch ideo­lo­gi­schen Cha­rak­ter’. Eine sol­che Poli­tik wür­de ‚freie Märk­te und freie Gesell­schaf­ten unter­gra­ben und sie in einen grü­nen glo­ba­len Sozia­lis­mus füh­ren.’ (mosaik-blog.at)

Inner­halb der FPÖ posi­tio­nier­te sich nicht nur die Par­tei­spit­ze mit Stra­che als Kli­ma­wan­del­leug­ner, zu den Hard­core-Ableh­nern einer Kli­ma­schutz­po­li­tik zählt seit län­ge­rer Zeit auch der ober­ös­ter­rei­chi­sche Vize-Lan­des­haupt­mann Man­fred Haim­buch­ner, der bereits im Jahr 2012 mit der Aus­sa­ge, es sei ihm „nicht das größ­te Anlie­gen, den Kli­ma­schutz zu bekämp­fen“ (derstandard.at, 14.11.12) die Linie vor­sich­tig vor­gab. Vier Jah­re spä­ter klang das schon schärfer:

Natur­schutz gehe ihm ‚so auf den Keks’. Durch den Pari­ser Welt­kli­ma­ver­trag wür­de sich der Wohn­bau wei­ter ver­teu­ern, beton­te der für Wohn­bau zustän­di­ge FPÖ-Poli­ti­ker, dem der Spa­gat zwi­schen Natur­schutz und Wohn­bau dann viel­leicht doch zu breit wur­de. Schon jetzt sei­en ‚die Auf­la­gen ein Wahn­sinn.’ Er hal­te das nicht mehr aus – durch den ‚Lob­by­is­mus von jenen, die die Welt ret­ten wol­len’ wer­de es zu ‚einer Ent­in­dus­tria­li­sie­rung der Welt und Ober­ös­ter­reichs’ kom­men. (vice.at, 18.3.17)

Eines ist klar: Mit der zu befürch­ten­den Erstar­kung von rechts­po­pu­lis­ti­schen und rechts­extre­men Par­tei­en im EP wird nicht nur die EU selbst in Bedräng­nis kom­men, son­dern auch der Klimaschutz:

Nach der Euro­pa­wahl im Mai könn­te das zum ech­ten Pro­blem für den Kli­ma­schutz wer­den. ‚Die EU muss in den kom­men­den Jah­ren viel tun, um das Zwei-Grad-Ziel zu errei­chen’, erklärt Alex­an­der Cari­us, Geschäfts­füh­rer von Adel­phi. ‚Aber Kli­ma­po­li­tik war auf euro­päi­scher Ebe­ne schon immer schwie­rig. Und sie dürf­te nach der Euro­pa­wahl unter den neu­en poli­ti­schen Kon­stel­la­tio­nen noch schwie­ri­ger wer­den.’ Im neu­en Euro­pa­par­la­ment wür­den Pro­gno­sen zufol­ge bis zu 25 Pro­zent Rechts­po­pu­lis­ten sit­zen. Dazu kom­me, dass in sie­ben EU-Mit­glied­staa­ten bereits jetzt Rechts­po­pu­lis­ten in der Regie­rung sei­en. ‚Das Ambi­ti­ons­ni­veau euro­päi­scher Kli­ma­po­li­tik droht daher deut­lich zu sin­ken’, meint Cari­us. (tagesspiegel.de, 26.2.19)

Abstimmungsverhalten im EP Klimaschutz- und Energiemaßnahmen (adelphi, S. 30)
Abstim­mungs­ver­hal­ten im EP Kli­ma­schutz- und Ener­gie­maß­nah­men (adel­phi, S. 30)

Wir bezwei­feln nicht, dass die FPÖ dar­an ihren Anteil haben wird und damit genau das Gegen­teil von dem tut, was sie nach außen hin so ger­ne ver­spricht: Sie wet­tert ver­bal gegen glo­ba­le Kon­zer­ne, stützt sie real­po­li­tisch aber in deren Interessen:

‚Wenn man sich die per­so­nel­len Ver­flechtun­gen zwi­schen neo­li­be­ra­len Denk­fa­bri­ken und der FPÖ ansieht, wird schnell klar, für wen die Frei­heit­li­chen Poli­tik machen: für die gro­ßen Kon­zer­ne’, sagt der Green­peace-Kli­ma­ex­per­te Adam Pawl­off. Da ver­wun­dere es nicht, dass die FPÖ im EU-Par­la­ment gegen Kli­ma­schutz, sau­be­re Luft oder gen­tech­nik­freie Lebens­mit­tel stimmt „und damit die Macht von Kon­zer­nen wei­ter ein­ze­men­tiert’. (Fal­ter 9/19, S. 15)

Dass im letz­ten Som­mer mit­ten in der Hit­ze­pe­ri­ode die poli­ti­sche Aka­de­mie der ÖVP mit Tim Phil­lips einem US-Lob­by­is­ten, der gegen Kli­ma­schüt­zer mobil macht, die Büh­ne bot, soll­te in die­sem Zusam­men­hang nicht ver­ges­sen werden.

Strache und die Sahara als angebliche Kornkammer Roms (Facebook vor der NR-Wahl 2013)
Stra­che und die Saha­ra als angeb­li­che Korn­kam­mer Roms (Face­book vor der NR-Wahl 2013)
Strache "Klimawandelhysterie" (Facebook 2014)
Stra­che „Kli­ma­wan­del­hys­te­rie” (Face­book 2014)
Strache "natürlich verursachter Klimawandel" (Facebook 2017)
Stra­che „natür­lich ver­ur­sach­ter Kli­ma­wan­del” (Face­book 2017)

➡️ adel­phi-Stu­die zum Download

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