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Lesezeit: 5 Minuten

Der Verlag mit den Brauntönen

Der Pionier-Verlag gehört zum Firmengeflecht rund um Stefan Magnet. Im Programm finden sich Kinderbücher, Verschwörungsstoff und Texte aus rechtsextremen Zusammenhängen – darunter ein Werk des Neonazis Konrad Windisch und ein revisionistisches Buch von Andreas Thierry. Eine Erkundung.

25. Juni 2026
Kandil, Resinger "der vertuschte Völkermord an den Deutschen" im Pionier-Verlag des Stefan Magnet
Kandil, Resinger „der vertuschte Völkermord an den Deutschen“ im Pionier-Verlag des Stefan Magnet

Als „Pionier“ wird in der Regel eine Person bezeichnet, die etwas Neues, Bahnbrechendes versucht. Aus dem Militärischen kommt die Bedeutung für kriegstechnisch ausgebildete Soldaten, Wegbereiter bzw. Vorkämpfer. Was aber soll der „Pionier“ im Verlagswesen symbolisieren? Vor allem, wenn er unter den Fittichen der „Auf Agentur und Film GmbH“ beheimatet ist, also im Eigentum des Stefan Magnet steht?

Pionier ohne Impressum

Der Pionier-Verlag des Stefan Magnet, das muss vorausgeschickt werden, ist so klein, dass man uns zunächst beim Hauptverband des Österreichischen Buchhandels eine falsche Auskunft erteilt hat: „Beim Pionier-Verlag scheint es sich um einen deutschen Verlag zu handeln.“ Erst, als wir etwas irritiert darauf bestanden, dass es sich um einen Linzer Verlag handeln müsse, erhielten wir die Auskunft, dass es sich beim Pionier-Verlag um einen österreichischen Kleinstverlag handelt. Der Pionier-Verlag ist auch so klein, dass er auf seiner billig gestrickten Website beim Klick auf das Impressum eine Fehlermeldung produziert. Impressum gibt’s also keines.

Der Pionier-Verlag in Linz ist eine „Marke“ der „Auf Agentur und Film GmbH“, die als einzigen Gesellschafter die „4 MT Holding GmbH“ hat, deren einziger Gesellschafter und Geschäftsführer Stefan Magnet ist. (1) Das Verlagsprogramm enthält ein gutes Dutzend Bücher und wird so beworben: „Wie in den AUF1-Programmen und -Sendungen stellt der Pionier-Verlag die bestehenden Dogmen auf allen Ebenen in Frage und sucht zugleich nach neuen Wegen in die Zukunft.“

Schön wär’s! Was der Verlag da als Pionierarbeit verkaufen will, ist – neben Verschwörungsgebrabbel und anderen Unsäglichkeiten – auch der Griff in den braunen Gatsch.

Flecki-Rezept: „Heile Welt“

Da wären einmal die vier Kinderbücher des Autors Peter Petzl. Er bezeichnet sich selbst als Unternehmensberater, Trainer, Coach und Autor. Gefunden haben wir den Coach Petzl, der 2023 den Gemeindevertreterverband der Freiheitlichen und Unabhängigen, Bezirk Gänserndorf, gecoacht und laut „NÖN“ (10.9.23) für einige „Aha“-Erlebnisse gesorgt hat. Bei ihm selbst hat später der Besuch einer Kinderbuchhandlung für ein anderes „Aha“ gesorgt – so geschockt war er darüber, dass in einigen Kinderbüchern Aufklärung über den Körper versucht wird. Sein „Aha“-Erlebnis war anscheinend so traumatisch, dass er sofort mit dem Verfassen und Illustrieren der „Flecki“-Kinderbuchedition begonnen hat, um dagegenzuhalten.

„Die Flecki-Bilderbuchedition besteht aus bezaubernden und lehrreichen Geschichten über Mut, Mitgefühl und das kleine bisschen Anderssein“, heißt es in der Verlagsbeschreibung. Breiten wir den Mantel gütigen Schweigens über diese unsäglichen Heile-Welt-Gschichterln, die selbst Kleinstkinder langweilen. Aber vielleicht findet Herbert Kickl in ihnen die gute alte Zeit wieder?

Im Zwiegespräch mit Stefan Magnet (natürlich bei Auf1) erläutert Petzl, dass er beim Klima-Thema „sehr viel“ gefunden habe, wo man mit sehr viel Druck und Angstmache arbeite. Magnet pflichtet ihm naturgemäß bei und meint, im Kinderfernsehen und wohl auch in Kinderbüchern müsse erwähnt werden, dass mehr als 1.000 Wissenschafter das anders sehen. (2)

Höhepunkt dieses aufschlussreichen Auf1-Talks mit Video-Beispielen (Magnet: „Diese Beispiele, da müssen Sie jetzt dranbleiben, das müssen Sie gesehen haben!“) war neben dieser aufreizenden Einleitung die Besprechung des Kinderbuchs „Wuschelkopf und Pupspopo“, die wegen ihrer Darstellung von Körperteilen und -funktionen Magnet zur Behauptung veranlassten, in Europa sei es Staatskonsens, dass man Kinder gehirnwaschen soll und der Nachwuchs durch solche Bücher auf Operationen bzw. „Umoperationen“ vorbereitet würde.

Elsa Mittmannsgruber, Stefan Magnets Ehefrau und frühere Chefredakteurin des verblichenen „Wochenblick“, steuert ebenfalls zwei Büchlein zum Verlagserfolg bei. „Worte der Hoffnung“ hat sie gemeinsam mit Magnet zusammengestellt, wo eine bloße Zitatesammlung auf 69 Seiten zum stolzen Preis von 14,90 Euro verscherbelt wird. Ihr zweites Buch „Rechtsextrem? Oder: Unkorrekt, aber richtig! Eine Abrechnung mit 8 x 8 Tabus“ (3) holpert schon im Titel heftig. Dann auch noch die verhatschte Anspielung mit 8 und 8! Aber bitte!

„Sind Sie rechtsextrem, weil Sie Impfungen verweigern? Sind Sie rechtsextrem, weil Sie Angst vor der Massenmigration haben? Sind Sie rechtsextrem, weil Sie den Klima-Notstand hinterfragen?“, fragt die Autorin. Die besseren Antworten: Sollte der Klima-Notstand nicht nur hinterfragt, sondern geleugnet werden, ist man bestenfalls verhetzt, im ungünstigeren Fall dumm. Sollte man Impfungen verweigern, weil dabei angeblich Chips implantiert werden oder Geimpfte massenhaft sterben, ist es gesundheitsgefährdend. Angst vor Migration kann man auch haben, ohne rechtsextrem zu sein – wer man aber gegen Migrant:innen hetzt, muss sich gefallen lassen, als rechtsextrem bezeichnet zu werden.

Weitere „Pionier“-Autoren sind der Verschwörungsautor Guido Grandt und der Homöopath und Geschäftsmann Rüdiger Dahlke, der auch an Chemtrails, Lichtfasten und „Geistheilung“ glaubt und „trotz Kritik in Einzelfragen (…) zu den Befürwortern der Germanischen Neuen Medizin (GNM)“ gehört.

Die Brauntöne

Für die starke braune Note sorgt dann Konrad Windisch, der 2024 verstorbene Rechtsextremist und Neonazi. 2022, zu seinem 90. Geburtstag, edierte der „Pionier“-Verlag sein Geschichtlein „Als man sich auf Weihnachten noch freuen konnte“. Windisch war für Stefan Magnet und Michael Scharfmüller („info-direkt“) „eine Art politischer Ziehvater und Mentor“ (doew.at, 5.25) – beide Kader im neonazistischen „Bund freier Jugend“ , der von Windisch und seiner Aktionsgemeinschaft für Politik (AfP) betreut wurde. Windisch firmierte als eine Art Chefideologe und -publizist der AfP, die über ihre jährlichen Treffen, hochtrabend „Akademien“ genannt, die rechtsextreme und Neonazi-Szene international vernetzte.

Es ist daher auch kein Zufall, dass ein anderer Neonazi, der Publizist Andreas Thierry, just während seiner Incognito-Tätigkeit als Chefredakteur des „Eckart“ die rührselige Weihnachtsgeschichte von Windisch dort ebenfalls veröffentlichte. Thierry war (oder ist) im Firmen- und Vereinskonglomerat von Auf1 beschäftigt.

Thierry war unter dem Pseudonym „Konrad Reisinger“ beim „Eckart“ als Chefredakteur („Schriftleiter“) tätig. Im „Pionier“-Verlag veröffentlichte „Konrad Reisinger“ 2025 gemeinsam mit dem revisionistischen Autor Mario Kandil das Buch „Der vertuschte Völkermord an den Deutschen“. Tenor der Geschichtslüge: Die Vertreibung von Deutschen während bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg sei ein „Jahrtausendverbrechen“ mit Millionen Toten gewesen – ein schamloser Versuch, den Holocaust zu relativieren.

Oben das Buchcover mit Konrad Reisinger als Autor, unten die "Buchempfehlung mit Andreas Thierry als Autor (Screenshots AUF1-Shop und GfP)
Oben das Buchcover mit Konrad Reisinger als Autor, unten die „Buchempfehlung mit Andreas Thierry als Autor (Screenshots AUF1-Shop und GfP)

Während der „Pionier“-Verlag nach wie vor am Fake-Namen „Reisinger“ festhält, hat die rechtsextreme „Gesellschaft für freie Publizistik“ die Deckung aufgegeben und nennt in ihrer „Buchempfehlung“ den richtigen Namen: Andreas Thierry.

Geschichtslügen unter falschem Namen verbreiten – das ist keine Pionierarbeit!

Fußnoten

1 Siehe die Grafik zu den Konstruktionen rund um AUF1 hier
2 Zu den 1000 Wissenschafter:innen: Pseudo-Experten schaffen Glaubwürdigkeit (tagesschau.de, 5.9.22)
3 Titeldarstellung am Cover:
RECHT
SEX?
TREM
Oder: Unkorrekt, aber richtig!

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abgelegt unter: Dokumentation, Rechtsextreme Medien
Schlagwörter: AUF1 | Neonazismus/Neofaschismus | Oberösterreich | Rechtsextremismus | Verschwörungsideologien

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