Florian Machl probiert es mit einer neuen Firma
Am 18. Dezember 2025 wurde die „Kontrafunk GmbH“ im Firmenbuch eingetragen – Sitz Herrenstraße 29, Linz (Rechtsanwaltskanzlei „helml.quass“), Geschäftszweig „Hörfunk- und Medienproduktion“. Eigentümerin ist die Schweizer „Kontrafunk AG“, als Alleingeschäftsführer fungiert mit Florian Machl ein alter Bekannter. Über Machls eigenartige Geschäftspraktiken hat Stoppt die Rechten zuletzt in dem Beitrag „Stiftung, Krypto, Jobbörse: Wie Report24-Betreiber Florian Machl ein Netz aus Schein-Seriosität knüpft“ berichtet.

Der Rechtsaußen-„Kontrafunk“
Machl war bereits vor dieser Neugründung als Moderator beim „Kontrafunk-Radio“ präsent. „Kontrafunk“ ist ein deutschsprachiges 24/7‑Internetradio, das im Juni 2022 mit Sitz in der Schweiz startete und sich als „Stimme der Vernunft“ gegen „Alt-“ bzw. „Regierungsmedien“ inszeniert. „Übermedien“ (1.7.22) ordnete „Kontrafunk“ kurz nach dessen Start als Sender ein, der „vor allem an ein Publikum rechts von der CDU“ gerichtet sei und der insbesondere Corona-Maßnahmengegner:innen, Klimaleugner:innen und ein AfD-nahes Publikum adressiere.
Über die „Kontrafunk AG” wurde auch die Pranger-Website „Ich habe mitgemacht” betrieben, wo Namen derer gesammelt wurden, die sich am „Corona-Unrecht” beteiligt hätten.
Vom deutschen Gesundheitsminister Karl Lauterbach über seinen Amtskollegen Johannes Rauch bis hin zu Ärzten, Medienleuten und Köpfen aus Kunst, Kultur und Wirtschaft reicht die Liste – auch ein großer Teil der Journalistinnen und Journalisten des STANDARD findet sich hier wieder. (derstandard.at, 3.8.22)
Gründer und zentraler „Kontrafunk”-Kopf ist der ehemalige SWR- und Deutschlandfunk-Journalist Burkhard Müller-Ullrich, AfD-Mitglied seit 2017. Sein Medienprojekt wurde früh von AfD-Rechtsaußen Björn Höcke („eines der großen Erfolgsprojekte der freien Medien“), Hans-Georg Maaßen und anderen Szene-Bekannten empfohlen. Die rechtslibertäre „Hayek-Gesellschaft“ adelte „Kontrafunk“ 2023 mit ihrem „Hayek-Netzwerkpreis“. Es verwundert kaum, dass „Kontrafunk“ im November 2025 auch bei der rechtsextremen Buchmesse „SeitenWechsel“ mit an Bord war.

Schon die „Kontrafunk“-Anfangsphase war von Intransparenz- und „Briefkasten“-Vorwürfen begleitet: „Blick“ (10.7.22)fand am damaligen Schweizer Sitz in Cham „leere Räume“ und wies auf Überschneidungen mit Firmen des rechtskonservativen Kabarettisten Andreas Thiel hin. 2023 verlegte die „Kontrafunk AG“ ihren Sitz nach Steckborn an eine der Privatadressen von Müller-Ullrich.
Pro-russisch und unklare Finanzierung
Müller-Ullrich erklärte in einem Interview mit der „Jungen Freiheit“, etwa ein Drittel der Redaktion komme von „Russia Today“ (RT), während er russische Einflussnahme gleichzeitig bestreitet. Die „Zeit“ (16.11.22) erwähnt, „Kontrafunk“ gebe sich zum russischen Überfall auf die Ukraine „distinguiert (…), lasse aber Interviewpartner wie den Schweizer Ex-Nachrichtendienstler Jacques Baud unkommentiert“ die These verbreiten, die Ukraine und der Westen hätten den Krieg gegen Russland begonnen. Die „Zeit“ (11.9.22) zählt „Kontrafunk“ gemeinsam mit „AUF1“, „Rubikon“ und „Compact“ zu den „Putinverstehern“. In einem Interview mit der österreichischen Ex-Außenministerin Karin Kneissl (1.1.24) darf die Putin-Knickserin nicht nur den Hamas-Überfall auf Israel am 7. Oktober 2023 relativieren und indirekt rechtfertigen, sondern nebenbei auch noch Russlands vermeintliche Wohltaten, etwa in Syrien, loben.
Finanziert wurde der Start laut Müller-Ullrich über rund 1,2 Mio. Euro von 36 Investoren, 20 Personen würden fürs Projekt arbeiten. Der Schweizer „Tagesanzeiger“ (28.7.22) zweifelte mit Verweis auf Einträge im Handelsregister an diesen Angaben.
„Kontrafunk“ betreibt einen Shop, spielt Werbungen aus und wirbt laufend um Unterstützungsbeiträge („Kontra-Rundfunkbeitrag“, „Kontrafunk Bund“, Kauf von Aktienpaketen) und nimmt Spenden unter anderem via PayPal, Twint und Bitcoin an, wobei die AG wie andere rechte Verschwörungsmedien mit Kontokündigungen zu kämpfen hatte. Schweizer Medien berichteten, dass eine mit der Wirtschaftsprüfung beauftragte Treuhandfirma ihr Mandat zurückgelegt habe, weil „die Treuhandfirma trotz Anfragen keine Unterlagen erhalten habe“ (St. Galler Tagblatt, 9.8.24, S. 21), ihren Prüfauftrag also nicht erfüllen konnte.
Die Österreicher:innen bei „Kontrafunk“
Wie Vertreter:innen aus der AfD geben sich auch FPÖ-Politiker:innen bei „Kontrafunk“ die Klinke in die Hand. In Interviews waren u.a. die EU-Abgeordneten Harald Vilimsky, Gerald Hauser und Petra Steger sowie die Nationalratsabgeordneten Christian Hafenecker, Susanne Fürst, Dagmar Belakowitsch, Barbara Kolm und Axel Kassegger zu Gast. Audiomitschnitte mit Auftritten von Herbert Kickl wurden im Format „Tondokumente“ ausgeliefert.
Neben Machl traten aus der österreichischen recht(sextrem)en Medienszene auch Thomas Oysmüller (tkp), Andreas Unterberger (Unterbergers Tagebuch), Richard Schmitt (Medienwanderer) und erwartbar auch der Selbstvermarkter Gerald Grosz auf. Zudem: Efgani Dönmez, Ednan Arslan, Andreas Salcher und Bernhard Heinzlmaier. Im Zuge einer Sondersendung im September 2025 „analysierten“ Gerald Markel, Thomas Oysmüller, Christian Klar, Barbara Kolm,Lothar Höbelt (mutig „als einer der renommiertesten Historiker Österreichs“ vorgestellt), Andreas Unterberger, Ralph Schöllhammer, Madeleine Petrovic, Gerald Grosz, Dagmar Belakowitsch und Max Pucher weitgehend erfreut das Wahlergebnis.
Sendungen im Schleifenmodus
„Kontrafunk“, abrufbar über die Website, eine eigene App, Youtube (210.000 Abonnent:innen) Amazon und Spotify, fährt ein Schleifenprogramm mit fixen Ankern und thematischen Slots. Das als Nachrichten getarnte „Kontrafunk aktuell“ läuft in mehreren Ausstrahlungen von in der Früh bis in den Nachmittag hinein, abends folgt live moderiert „18/20 – Das Abendjournal“ „mit wichtigen Originaltönen vom Tag, Ausschnitten aus KONTRAFUNK-Sendungen, Live-Interviews, Höreranrufen und guter Musik“ (Kontrafunk Sendeschema). Thematische Strecken, interviewbasierte Sendungen und Formate mit fixen Personen (etwa Matthias Matussek, Andreas Thiel) wechseln je nach Wochentag.
FPÖ-Radio ein bisschen „Kontrafunk“?
Die FPÖ kündigte ihr Parteiradio „Austria First“ als „Patriotenradio (…) – vollgepackt mit guter Musik und echten Nachrichten statt linker Meinungsmache, wie wir sie aus den Systemmedien kennen“. Es sende „rund um die Uhr und bietet neben live moderierten Sendestrecken in der Früh, zu Mittag und am späten Nachmittag auch umfassende, für Österreich relevante Nachrichten zur vollen Stunde sowie Journale morgens, mittags und abends“. Die Ähnlichkeit in Ton und Versprechen ist auffällig: Wer denkt da nicht an „Kontrafunk“?
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