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Lesezeit: 7 Minuten

Mélange KW 52/25 und 1/26 (Teil 2): FPÖ-Hofer wird PR-Chef für Mini-AKW

Minis­te­ri­um ret­tet die Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­le Stei­er­mark, die FPÖ schäumt. FPÖ-Hofer wird Mini-AKW-PR-Chef. Hau­ser posiert mit Sell­ner, Kickl mit Trumps und Sell­ners „remi­gra­ti­on“. Ste­ger fei­ert mit AfD bei den Young Repu­bli­cans NY, und die Wal­lo­nie zeigt vor, wie Brand­mau­ern wirken.

9. Jan. 2026
Rückblick FPÖ
Rückblick FPÖ

Inhalt

Togg­le
  • Stei­er­mark: Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­le nach För­der­stopp durch die FPÖ vor­erst abgesichert
  • Bur­gen­land: FPÖ-Hofer heu­ert bei Atom­kraft-Start-Up an
  • Hau­ser & Sellner
  • Kickl im Fahr­was­ser von Trump und Sellner
  • FPÖ-EP-Abge­ord­ne­te Petra Ste­ger bei den Young Repu­bli­cans NY
  • Wallonie/Belgien: Wie die Ein­he­gung von rechts­extre­men Par­tei­en funktioniert

Steiermark: Antidiskriminierungsstelle nach Förderstopp durch die FPÖ vorerst abgesichert

Der Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­le Stei­er­mark (ADS) sind im Som­mer 2025 von der FPÖ-geführ­ten stei­ri­schen Lan­des­re­gie­rung sämt­li­che För­de­rungs­mit­tel gestri­chen wor­den. 90 Pro­zent des Bud­gets waren damit weg­ge­bro­chen. Mit Hil­fe der Stadt Graz und der SPÖ Graz konn­te zumin­dest ein Not­be­trieb auf­recht­erhal­ten werden.

Der „Stan­dard“ berich­te­te am 5.1.26 über eine Ret­tungs­ak­ti­on durch das Sozi­al­mi­nis­te­ri­um: „Mit einer För­de­rung aus dem Sozi­al­mi­nis­te­ri­um über 490.000 Euro ist nun der Bestand bis Ende Okto­ber 2027 gesi­chert. Finan­ziert wird damit das Pro­jekt ‚Fight Hate‘, hieß es am Mon­tag sei­tens des Minis­te­ri­ums.“

Die Arbeit der stei­ri­schen Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­le, die über die App „Ban­Ha­te“ auch eine nie­der­schwel­li­ge Mel­de­stel­le für Hass­pos­tings betreibt, ist man­gels an Alter­na­ti­ven in der Stei­er­mark, von beson­de­rer Relevanz.

Mar­co Tril­ler, stei­ri­scher FPÖ-Klub­ob­mann im Land­tag, ließ die Hosen run­ter. Wäh­rend die Strei­chun­gen der För­de­run­gen (nicht nur für die ADS) noch mit bud­ge­tä­ren Grün­den gerecht­fer­tigt wur­den, hetzt Tril­ler offen gegen die Orga­ni­sa­ti­on: „Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­le: SPÖ finan­ziert mit Steu­er­geld lin­ke Gesin­nungs­po­li­zei und Denun­zi­an­ten­ver­ein“, mel­de­te er via Face­book. Solan­ge die FPÖ mit Steu­er­geld sich selbst und wei­te­re rechts­extre­me Struk­tu­ren und Akteu­re spon­sert, ist die blaue Welt in Ordnung!

FPÖ-Klubobmann Marco Triller hetzt gegen die Antidiskriminierungsstelle Steiermark (Screenshot FB)
FPÖ-Klub­ob­mann Mar­co Tril­ler hetzt gegen die Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­le Stei­er­mark (Screen­shot FB)

Burgenland: FPÖ-Hofer heuert bei Atomkraft-Start-Up an

Nor­bert Hofer, der­zeit noch Klub­ob­mann der FPÖ im bur­gen­län­di­schen Land­tag, legt mit 14. Jän­ner die­se Funk­ti­on zurück, weil er am 1. Febru­ar bei der „Emer­ald Hori­zon AG“ in Graz „die Funk­ti­on des Vice Pre­si­dent for Stra­te­gic Com­mu­ni­ca­ti­ons über­neh­men“ (burgenland.orf.at, 27.12.25) über­neh­men wird. Sein Land­tags­man­dat will er neben sei­nem Beruf aus­üben, teil­te Hofer der Öffent­lich­keit mit. Das habe er auch so mit FPÖ-Gene­ral­se­kre­tär Schned­litz „abge­stimmt“. Ver­mut­lich hat er mit dem eben­falls „abge­stimmt“, dass er noch einen drit­ten Job annimmt: „Er wird zwei­ter Geschäfts­füh­rer bei der Bin­der Leitl Invest­ment GmbH.“ (burgenland.orf.at)

Die „Bin­der-Leitl-Invest­ment GmbH“ ist ein Unter­neh­men der beson­de­ren Art, ver­eint sie doch neben dem frü­he­ren Prä­si­den­ten der Wirt­schafts­kam­mer Öster­reich und Putin-Freund Chris­toph Leitl noch wei­te­re Poli­ti­ker von ÖVP, FPÖ, SPÖ und Neos, wie der „Stan­dard“ (31.1.25) schon vor einem Jahr berich­tet hat.

Der Voll­stän­dig­keit hal­ber sei noch erwähnt, dass Nor­bert Hofer auch an der „Vites­se Manage­ment und Con­sul­ting GmbH“ als Gesell­schaf­ter betei­ligt ist, bei der er bis zu sei­nem Amts­an­tritt als Klub­ob­mann im Febru­ar 2025 eben­so Geschäfts­füh­rer war wie bei der „Bin­der-Leitl-Invest­ment GmbH“. Nach dem Abgang von Hofer als Geschäfts­füh­rer bei der „Vites­se“ durf­te für kur­ze Zeit der frü­he­re FPÖ-Bezirks­rat Peter Sid­lo, über­re­gio­nal bekannt aus der „Casi­nos-Affä­re“über­neh­men, bis die GmbH im Herbst liqui­diert wur­de. Mitt­ler­wei­le ist sie wie­der auf­er­stan­den – mit Fir­men­sitz in Pin­ka­feld, Hofers Wohnort.

Wäh­rend sich die „Vites­se“ im Bereich erneu­er­ba­re Ener­gien ver­sucht, soll Hofer bei der „Emer­ald Hori­zon“ einen angeb­lich rück­stands­frei arbei­ten­den Mini-Atom­kraft-Reak­tor ver­mark­ten. Schon in frü­he­ren Jah­ren hat­te sich Hofer in einem Inter­view mit der säch­si­schen NPD-Zeit­schrift „hier & jetzt“ aner­ken­nend zu den Leis­tun­gen deut­scher Inge­nieu­re in Sachen Atom­kraft geäu­ßert. 2016 erfolg­te im Zuge des Bun­des­prä­si­dent­schafts­wahl­kampfs eine rhe­to­ri­sche Wand­lung: „Ich bin gene­rell gegen die Nut­zung von Kern­kraft, egal wo das AKW steht.“ (kurier.at, 9.9.16)

Soll­te es mit den Mini-AKWs aus Graz nicht klap­pen, bleibt Nor­bert Hofer – neben den ande­ren Geschäf­ten – noch immer die Rück­ver­si­che­rung als neben­be­ruf­li­cher Land­tags­ab­ge­ord­ne­ter: ali­men­tiert mit 14 mal 7.500 Euro brut­to im Jahr.

Hauser & Sellner

Eigent­lich heißt der Tiro­ler FPÖ-EP-Abge­ord­ne­te Hau­ser mit sei­nem Vor­na­men ja Gerald, aber er wird sich über das dicke Lob vom Mar­tin Sell­ner ver­mut­lich auch freu­en, obwohl ihn der zum „Ger­hard“ umge­tauft hat. Sell­ner hob Hau­ser zu einem „der sta­bils­ten FPÖ-Poli­ti­ker“ hoch.

Die bei­den Rechts­extre­men haben sich beim AUF1-Ver­net­zungs­tref­fen von ande­ren Rechts­extre­men und Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gen im Dezem­ber in Prag getrof­fen und für ein gemein­sa­mes Video gefun­den. Sell­ner zeig­te sich über den Mut von Hau­ser, sich mit ihm gemein­sam vor eine Kame­ra zu stel­len, begeis­tert. Weni­ger ange­tan vom Hau­ser-Sell­ner-Video zeig­ten sich Vertreter:innen ande­rer Parteien.

Der Tiro­ler ÖVP-Migra­ti­ons­spre­cher Sebas­ti­an Kol­land meint, das Video zei­ge, war­um eine „Abgren­zung“ zur FPÖ nötig sei. Laut Grü­nen-Lan­des­spre­cher Gebi Mai begibt sich die FPÖ „bewusst in die Nähe von Ras­sis­mus und Anti­se­mi­tis­mus“, wenn sie mit Sell­ner auf­tre­te. Bir­git Ober­mül­ler, Tiro­ler Neos-Che­fin, irri­tie­ren Hau­sers feh­len­de Berüh­rungs­ängs­te zu den Iden­ti­tä­ren und die SPÖ-Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Sabi­ne Schatz bilan­ziert, die FPÖ sei einer Par­la­ments­par­tei unwür­dig. (kurier.at, 7.1.26)

Kickl im Fahrwasser von Trump und Sellner

Zum Jah­res­wech­sel 2026 hat Donald Trump auf sei­nem X‑Account ein Foto von sich mit dem Text „remi­gra­ti­on“ ver­öf­fent­licht. Seit­her rät­selt die Welt, wohin sich Trump depor­tie­ren will. Sell­ner aber, der sein Buch„Remigration“ ver­kau­fen und die Depor­ta­ti­on von Men­schen vor­an­trei­ben will, freu­te es sehr. Er rief zu einer Kam­pa­gne mit dem Signal­wort auf: „Pos­tet wei­te­re Bil­der, die ihr gese­hen habt, oder mar­kiert Poli­ti­ker, die mit­ma­chen soll­ten.“

Und tat­säch­lich befolg­te Her­bert Kickl den Sell­ner­schen Appell und ver­öf­fent­li­che am 3.1. auf sei­nen Social Media-Kanä­len kreuz­brav ein Foto mit sich samt „remi­gra­ti­on“ (klein­ge­schrie­ben wie bei Trump). „Geni­al“, jubel­te Sell­ner. Kick­ls Bei­spiel folg­ten fast die gesam­te Par­tei­spit­ze mit­samt dem blau­en Fußvolk.

FPÖ-EP-Abgeordnete Petra Steger bei den Young Republicans NY

Es ist erst weni­ge Mona­te her, als die Young Repu­bli­cans, vor allem der New Yor­ker Able­ger, durch Tau­sen­de übels­te sexis­ti­sche, ras­sis­ti­sche und anti­se­mi­ti­sche Chat-Nach­rich­ten mit Hit­ler-Touch („Ich lie­be Hit­ler“) auf­ge­fal­len sind. Die Young Repu­bli­cans NY wehr­ten sich mit der Unter­stel­lung, die Chats könn­ten mani­pu­liert wor­den sein.

Im Dezem­ber fei­er­ten die New Yor­ker Jung­re­pu­bli­ka­ner ihre jähr­li­che Gala mit vie­len Gäs­ten von der AfD. Petra Ste­ger, EP-Abge­ord­ne­te der FPÖ und Rechts­ver­bin­de­rin zur AFD, fei­er­te mit, wie der „Stan­dard“ (5.1.26) schreibt.

Jähr­lich fei­ert man sich selbst bei einer groß­an­ge­leg­ten Gala, bei der laut Poli­ti­co „so gut wie jeder will­kom­men” ist. Gemeint ist damit, dass auch anti­se­mi­ti­sche Äuße­run­gen kein Hin­der­nis für einen Besuch sind: Zu sehen war etwa ein Ex-Mit­ar­bei­ter des ver­ur­teil­ten Abge­ord­ne­ten Geor­ge San­tos, der in einem Video zuletzt Juden mit Kaker­la­ken ver­gli­chen hat­te. Oder Jared Tay­lor, der Pseudo-„Rassenlehre” betreibt. Auch der neo­na­zis­ti­sche Influen­cer Nick Fuen­tes behaup­te­te, ursprüng­lich ein­ge­la­den wor­den zu sein.

Wie Stoppt die Rech­ten vor­lie­gen­de Fotos zei­gen, prä­sen­tier­te sich Petra Ste­ger in Beglei­tung des aus Thü­rin­gen stam­men­den AfD-Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ten René Aust, der als „rech­te Hand“ (zeit.de, 31.5.24) von Björn Höcke gilt. Ste­ger bestä­tigt damit ein­mal mehr den Ein­druck, dass sie sich mehr in AfD‑, denn in FPÖ-Krei­sen aufhält.

Auch bei vor­her­ge­hen­den Gala-Events der Young Repu­bli­cans war immer wie­der FPÖ-Pro­minz anwe­send. Aller­dings scheint Dau­er­gast Harald Vilims­ky letz­ten Dezem­ber sei­ne Pil­ger­rei­se zu den Repu­bli­ka­nern nicht ange­tre­ten zu haben.

Wallonie/Belgien: Wie die Einhegung von rechtsextremen Parteien funktioniert

„Das Wun­der der Wal­lo­nie: War­um Rechts­extre­me im bel­gi­schen Süden seit 30 Jah­ren schei­tern“, beti­telt das Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land“ (rnd.de, 1.1.26) sei­nen Arti­kel über den Umgang nicht nur der poli­ti­schen Par­tei­en, son­dern auch der Medi­en Wal­lo­ni­ens mit den Rechts­extre­men, nach­dem 1991 bei der Par­la­ments­wahl der Rechts­extre­me Vlaams Blok mehr als zehn Pro­zent der Stim­men abge­räumt hatte:

Die demo­kra­ti­schen Par­tei­en beschlos­sen nach der ein­schnei­den­den Wahl, kei­ne Koali­ti­on mit der extre­men Rech­ten zu bil­den, sich nicht an Debat­ten mit ihnen zu betei­li­gen und kei­ne ihrer Anträ­ge zu unter­stüt­zen, um die Nor­ma­li­sie­rung der Rechts­extre­men zu ver­hin­dern. Neben die­ser poli­ti­schen Cor­don sani­taire ent­stand auch eine media­le Brand­mau­er im fran­zö­sisch­spra­chi­gen Teil der Regi­on. Der öffent­lich-recht­li­che Sen­der RTBF führ­te ihn als Selbst­ver­pflich­tung ein, spä­ter über­nahm ihn die regio­na­le Medi­en­auf­sicht. Das Prin­zip ist klar: Par­tei­en, die demo­kra­ti­sche Wer­te ver­ach­ten und sich ras­sis­tisch oder dis­kri­mi­nie­rend äußern oder den Holo­caust leug­nen, erhal­ten kei­ne freie Sen­de­zeit.

Hat bis­her gut funk­tio­niert. Aber:

Heu­te steht die wal­lo­ni­sche Stra­te­gie vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen. Rechts­extre­me Grup­pen umge­hen klas­si­sche Medi­en zuneh­mend über Tik­Tok oder X. Trotz die­ser Kanä­le wüss­ten vie­le Bel­gi­er im Süden nicht ein­mal, dass es dort rechts­extre­me Par­tei­en gibt.

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Schlagwörter: Burgenland | FPÖ | Hetze | Identitäre | Rechtsextremismus | Steiermark | Weite Welt

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