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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 5 Minuten

Wie FPÖ-Haslwanter eine Frau zur Zielscheibe einer digitalen Steinigung macht

Wäh­rend wir noch fas­sungs­los auf den Mord an Ste­fa­nie P. bli­cken, eine Frau, die von ihrem Ex-Part­ner erwürgt und in einem Kof­fer gepackt ver­gra­ben wur­de, insze­niert der Tiro­ler FPÖ-Poli­ti­ker Patrick Haslwan­ter auf Face­book sein eige­nes klei­nes Tri­bu­nal über eine ande­re Frau: eine deut­sche Rechts­extre­mis­mus­exper­tin, die im ZDF auftritt.

8. Dez. 2025
Patrick Haslwanter Facebook-Seite
Patrick Haslwanter Facebook-Seite

Am 1. Dezem­ber pos­tet Haslwan­ter einen Screen­shot aus einer ZDF-Sen­dung, der eine deut­sche Rechts­extre­mis­mus­for­sche­rin zeigt, dazu den Kom­men­tar: „Der ZDF und sei­ne Rechts­extre­mis­mus­exper­tin­nen. Eine bes­se­re Wahl­wer­bung für die AfD gibt es nicht!“ Kei­ne Aus­ein­an­der­set­zung mit ihren Argu­men­ten, kei­ne Kri­tik an ihrer Ana­ly­se, es geht aus­schließ­lich um ihr Gesicht. Haslwan­ter lie­fert ein Bild, ein höh­ni­sches Stich­wort und lässt dann sei­ne Com­mu­ni­ty den Rest erle­di­gen. Über 400 Kom­men­ta­re fol­gen inner­halb von weni­gen Stun­den, vie­le davon blan­ker Frau­en­hass. Das Pos­ting wird hun­dert­fach bis zu AfD-Accounts in Deutsch­land geteilt, wo dann wei­ter gewü­tet wird. Gelöscht wird augen­schein­lich nichts, Kom­men­ta­re wer­den bes­ten­falls ver­bor­gen – nach­dem der Mob sich stun­den­lang aus­to­ben konn­te und so Haslwan­ters Reich­wei­te ange­kur­belt hat.

Der Freibrief zur digitalen Steinigung

Die Kom­men­ta­re unter Haslwan­ters Pos­ting sind ein Hand­buch miso­gy­ner Online-Gewalt. Fast nie­mand schreibt etwas zum Inhalt der Sen­dung. Statt­des­sen: Body­s­ha­ming, Ent­mensch­li­chung, sexua­li­sier­te Herabsetzung.

Eini­ge der harm­lo­se­ren Beispiele:

  • „Was ist DAS denn für ein Wesen?“
  • „Wenn ich so aus­schau­en wür­de, wür­de ich im Kel­ler wohnen.“
  • „So sieht wohl Hass auf Män­ner in Per­son aus.“
  • „Die wur­de sicher von kei­nem rich­ti­gen Mann je angefasst.“

Ande­re phan­ta­sie­ren sie in ste­reo­ty­pe Rol­len oder spre­chen ihr Weib­lich­keit ab:

  • „Ist das sicher eine Frau?“
  • „Typi­sche links­grü­ne Kampflesbe.“

Meh­re­re Kom­men­ta­re spie­len offen mit Gewalt- und Ekel­bil­dern, ver­glei­chen sie mit Tie­ren oder Mons­tern, spot­ten über Fal­ten, Haa­re, Zäh­ne. Die Frau wird in die­ser Logik nicht als Exper­tin wahr­ge­nom­men, son­dern als ver­un­stal­te­ter Kör­per, über den man sich belie­big aus­las­sen darf.

Immer wie­der taucht die Bot­schaft auf: Eine Frau, die sich poli­tisch äußert – noch dazu gegen Rechts –, darf nicht ernst genom­men wer­den. Sie ist „häss­lich“, „ver­bit­tert“, „frus­triert“, „män­ner­feind­lich“. Die­ser Frame ist das Pro­dukt von Haslwan­ters Inszenierung.

Haslwanters Methode: Empörung anzünden, Meute laufen lassen

Wer Haslwan­ters Social-Media-Auf­tritt län­ger beob­ach­tet, erkennt ein Mus­ter: Er pos­tet ein Bild oder Zitat, das gezielt Emo­tio­nen trig­gert – immer zu Per­so­nen, die er poli­tisch bekämpft. Er ver­sieht es mit einer spöt­ti­schen, aber gera­de noch „sau­be­ren“ Bemer­kung. Dann lässt er kom­men­tie­ren: unmo­de­riert, stun­den- oder tage­lang. Erst wenn der größ­te Sturm vor­bei ist, wird ver­ein­zelt gelöscht oder ver­steckt – falls überhaupt.

So kann er sich nach außen die Hän­de waschen: Er habe ja „nur“ etwas gepos­tet, ver­ant­wort­lich sei­en die Kom­men­tie­ren­den. Tat­säch­lich aber legt er ihnen mit sei­nem Pos­ting die Waf­fe in die Hand. Die Frau auf dem Screen­shot ist nicht zufäl­lig das Ziel, sie wird von ihm ganz bewusst „zum Abschuss freigegeben“.

Damit bedient Haslwan­ter gleich zwei Logi­ken: die der Platt­form-Öko­no­mie – viel Empö­rung, viel Reich­wei­te – und die der extre­men Rech­ten, die anti­fe­mi­nis­ti­sche Res­sen­ti­ments sys­te­ma­tisch nutzt.

Haslwan­ter wur­de erst kürz­lich wegen Hass­kom­men­ta­ren auf sei­ner Face­book-Sei­te nicht rechts­kräf­tig ver­ur­teilt. Das Ehe­paar Bohrn Mena ist gegen den Tiro­ler FPÖ-Gene­ral­se­kre­tär und Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten juris­tisch vorgegangen.

Im Som­mer 2025 wur­den Vide­os mit ras­sis­ti­schen Anspie­lun­gen und NS-Bezü­gen, die die Tiro­ler FPÖ über Social Media-Accounts von Par­tei­chef Abwerz­ger aus­ge­spie­len ließ, öffent­lich the­ma­ti­siert. Mitt­ler­wei­le wird gegen Abwerz­ger wegen des Ver­dachts auf Ver­het­zung ermit­telt. Der Mit­ar­bei­ter, der die Vide­os pro­du­ziert haben soll, war oder ist Ange­stell­ter der FPÖ Tirol – steht also im Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Gene­ral­se­kre­tärs, der sich beeilt hat­te fest­zu­stel­len, dass die FPÖ nichts mit einer radi­ka­len Sze­ne zu tun habe. Frei­lich ist das Gegen­teil der Fall.

Antifeminismus als Scharnier der extremen Rechten

Die Kom­men­ta­re sind Aus­druck eines Welt­bilds. In ihm sind Frau­en, die öffent­lich auf­tre­ten, ana­ly­sie­ren, kri­ti­sie­ren, ein Pro­blem: Sie stö­ren die männ­li­che Deu­tungs­ho­heit. Also wer­den sie klein gemacht – über ihr Äuße­res, ihre (unter­stell­te) Sexua­li­tät, ihren Körper.

Die Exper­tin wird nicht zur Bedro­hung, weil sie klu­ge Ana­ly­sen lie­fert, son­dern weil sie als Frau Auto­ri­tät bean­sprucht. Die Ant­wort: „Mit der will doch eh kei­ner was zu tun haben“, „Kein Wun­der, dass die so gegen Män­ner hetzt“ – als wäre poli­ti­sches Enga­ge­ment nur eine Kom­pen­sa­ti­on dafür, dass eine „kein rich­ti­ger Mann“ wolle.

Das ist der Kern von rech­tem Anti­fe­mi­nis­mus: Frau­en sol­len hübsch sein, dank­bar, lei­se und Kin­der gebä­ren. Wer statt­des­sen unbe­quem ist, wird zur „Furie“, zur „Hexe“, zur „Kampf­les­be“, zur „Trul­la“ erklärt. Voka­bu­lar die­ser Art durch­zieht Haslwan­ters Kommentarspalte.

Von der Kommentarspalte zum gesellschaftlichen Klima

Sol­che digi­ta­len Stei­ni­gun­gen sind Teil eines Kli­mas, in dem Gewalt gegen Frau­en ver­harm­lost oder nor­ma­li­siert wird. Wenn Frau­en, die den Mund auf­ma­chen, reflex­ar­tig mit Hass über­schüt­tet wer­den, über­le­gen sich ande­re zwei­mal, ob sie das auch tun. Das trifft Jour­na­lis­tin­nen, Poli­ti­ke­rin­nen, Wis­sen­schaf­te­rin­nen und letzt­lich alle Frau­en, die sicht­bar werden.

Weni­ge Tage vor Haslwan­ters Pos­ting wur­de in Tirol ein Fall über den Mord an einer syri­schen Frau und deren zehn­jäh­ri­ger Toch­ter bekannt. Die Leich­na­me wur­den in Tief­kühl­tru­hen ver­steckt. Ein der Frau nahe­ste­hen­der tat­ver­däch­ti­ger Mann und des­sen Bru­der wer­den ver­haf­tet. Kurz dar­auf, als die Zei­tun­gen noch voll mit Schlag­zei­len zum Femi­zid an der Gra­ze­rin Ste­fa­nie P. waren, setz­te Haslwan­ter sein Pos­ting ab.

In die­sem Land, in dem immer und immer wie­der Frau­en getö­tet wer­den, weil ein Mann glaubt, Anspruch auf sie zu haben, schaut ein FPÖ-Poli­ti­ker zu, wie sei­ne Anhänger:innen eine Frau öffent­lich zer­rei­ßen und schlägt dar­aus poli­ti­schen Pro­fit. Wer so han­delt, hat jedes Recht ver­wirkt, sich in Pres­se­aus­sen­dun­gen als „Schüt­zer unse­rer Frau­en“ auf­zu­spie­len. Haslwan­ter schürt ein Kli­ma, in dem Frau­en als Objek­te, als Ziel­schei­ben, als Ven­ti­le für Frust und Hass die­nen. Er muss sich den Vor­wurf gefal­len las­sen, Teil des Pro­blems zu sein, nicht der Lösung.

Wer Femi­zi­de und Gewalt gegen Frau­en wirk­lich ernst nimmt, hört auf, Frau­en zur Ziel­schei­be zu machen. Und sorgt dafür, dass Poli­ti­ker wie Patrick Haslwan­ter sich nicht län­ger hin­ter der fei­gen Aus­re­de, die Abge­ord­ne­ten sei­en nicht ver­ant­wort­lich und die für die Kom­men­tar­mo­de­ra­ti­on zustän­di­gen Per­so­nen kämen mit dem Löschen nicht nach (vgl. tt.com, 7.12.25), ver­ste­cken dür­fen. Haslwan­ter ist Medi­en­in­ha­ber der Face­book-Sei­te und tritt als Anhei­zer auf. Er trägt für den Hass, der bei ihm pro­du­ziert wird, die vol­le Verantwortung.

„Stoppt die Rech­ten” hat alle Kom­men­ta­re gesichert.

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Schlagwörter: Antifeminismus/Sexismus/Maskulinismus | FPÖ | Hetze | Rechtsextremismus | Tirol

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