Am 1. Dezember postet Haslwanter einen Screenshot aus einer ZDF-Sendung, der eine deutsche Rechtsextremismusforscherin zeigt, dazu den Kommentar: „Der ZDF und seine Rechtsextremismusexpertinnen. Eine bessere Wahlwerbung für die AfD gibt es nicht!“ Keine Auseinandersetzung mit ihren Argumenten, keine Kritik an ihrer Analyse, es geht ausschließlich um ihr Gesicht. Haslwanter liefert ein Bild, ein höhnisches Stichwort und lässt dann seine Community den Rest erledigen. Über 400 Kommentare folgen innerhalb von wenigen Stunden, viele davon blanker Frauenhass. Das Posting wird hundertfach bis zu AfD-Accounts in Deutschland geteilt, wo dann weiter gewütet wird. Gelöscht wird augenscheinlich nichts, Kommentare werden bestenfalls verborgen – nachdem der Mob sich stundenlang austoben konnte und so Haslwanters Reichweite angekurbelt hat.
Der Freibrief zur digitalen Steinigung
Die Kommentare unter Haslwanters Posting sind ein Handbuch misogyner Online-Gewalt. Fast niemand schreibt etwas zum Inhalt der Sendung. Stattdessen: Bodyshaming, Entmenschlichung, sexualisierte Herabsetzung.
Einige der harmloseren Beispiele:
- „Was ist DAS denn für ein Wesen?“
- „Wenn ich so ausschauen würde, würde ich im Keller wohnen.“
- „So sieht wohl Hass auf Männer in Person aus.“
- „Die wurde sicher von keinem richtigen Mann je angefasst.“
Andere phantasieren sie in stereotype Rollen oder sprechen ihr Weiblichkeit ab:
- „Ist das sicher eine Frau?“
- „Typische linksgrüne Kampflesbe.“
Mehrere Kommentare spielen offen mit Gewalt- und Ekelbildern, vergleichen sie mit Tieren oder Monstern, spotten über Falten, Haare, Zähne. Die Frau wird in dieser Logik nicht als Expertin wahrgenommen, sondern als verunstalteter Körper, über den man sich beliebig auslassen darf.
Immer wieder taucht die Botschaft auf: Eine Frau, die sich politisch äußert – noch dazu gegen Rechts –, darf nicht ernst genommen werden. Sie ist „hässlich“, „verbittert“, „frustriert“, „männerfeindlich“. Dieser Frame ist das Produkt von Haslwanters Inszenierung.
Haslwanters Methode: Empörung anzünden, Meute laufen lassen
Wer Haslwanters Social-Media-Auftritt länger beobachtet, erkennt ein Muster: Er postet ein Bild oder Zitat, das gezielt Emotionen triggert – immer zu Personen, die er politisch bekämpft. Er versieht es mit einer spöttischen, aber gerade noch „sauberen“ Bemerkung. Dann lässt er kommentieren: unmoderiert, stunden- oder tagelang. Erst wenn der größte Sturm vorbei ist, wird vereinzelt gelöscht oder versteckt – falls überhaupt.
So kann er sich nach außen die Hände waschen: Er habe ja „nur“ etwas gepostet, verantwortlich seien die Kommentierenden. Tatsächlich aber legt er ihnen mit seinem Posting die Waffe in die Hand. Die Frau auf dem Screenshot ist nicht zufällig das Ziel, sie wird von ihm ganz bewusst „zum Abschuss freigegeben“.
Damit bedient Haslwanter gleich zwei Logiken: die der Plattform-Ökonomie – viel Empörung, viel Reichweite – und die der extremen Rechten, die antifeministische Ressentiments systematisch nutzt.
Haslwanter wurde erst kürzlich wegen Hasskommentaren auf seiner Facebook-Seite nicht rechtskräftig verurteilt. Das Ehepaar Bohrn Mena ist gegen den Tiroler FPÖ-Generalsekretär und Landtagsabgeordneten juristisch vorgegangen.
Im Sommer 2025 wurden Videos mit rassistischen Anspielungen und NS-Bezügen, die die Tiroler FPÖ über Social Media-Accounts von Parteichef Abwerzger ausgespielen ließ, öffentlich thematisiert. Mittlerweile wird gegen Abwerzger wegen des Verdachts auf Verhetzung ermittelt. Der Mitarbeiter, der die Videos produziert haben soll, war oder ist Angestellter der FPÖ Tirol – steht also im Verantwortungsbereich des Generalsekretärs, der sich beeilt hatte festzustellen, dass die FPÖ nichts mit einer radikalen Szene zu tun habe. Freilich ist das Gegenteil der Fall.
Antifeminismus als Scharnier der extremen Rechten
Die Kommentare sind Ausdruck eines Weltbilds. In ihm sind Frauen, die öffentlich auftreten, analysieren, kritisieren, ein Problem: Sie stören die männliche Deutungshoheit. Also werden sie klein gemacht – über ihr Äußeres, ihre (unterstellte) Sexualität, ihren Körper.
Die Expertin wird nicht zur Bedrohung, weil sie kluge Analysen liefert, sondern weil sie als Frau Autorität beansprucht. Die Antwort: „Mit der will doch eh keiner was zu tun haben“, „Kein Wunder, dass die so gegen Männer hetzt“ – als wäre politisches Engagement nur eine Kompensation dafür, dass eine „kein richtiger Mann“ wolle.
Das ist der Kern von rechtem Antifeminismus: Frauen sollen hübsch sein, dankbar, leise und Kinder gebären. Wer stattdessen unbequem ist, wird zur „Furie“, zur „Hexe“, zur „Kampflesbe“, zur „Trulla“ erklärt. Vokabular dieser Art durchzieht Haslwanters Kommentarspalte.
Von der Kommentarspalte zum gesellschaftlichen Klima
Solche digitalen Steinigungen sind Teil eines Klimas, in dem Gewalt gegen Frauen verharmlost oder normalisiert wird. Wenn Frauen, die den Mund aufmachen, reflexartig mit Hass überschüttet werden, überlegen sich andere zweimal, ob sie das auch tun. Das trifft Journalistinnen, Politikerinnen, Wissenschafterinnen und letztlich alle Frauen, die sichtbar werden.
Wenige Tage vor Haslwanters Posting wurde in Tirol ein Fall über den Mord an einer syrischen Frau und deren zehnjähriger Tochter bekannt. Die Leichname wurden in Tiefkühltruhen versteckt. Ein der Frau nahestehender tatverdächtiger Mann und dessen Bruder werden verhaftet. Kurz darauf, als die Zeitungen noch voll mit Schlagzeilen zum Femizid an der Grazerin Stefanie P. waren, setzte Haslwanter sein Posting ab.
In diesem Land, in dem immer und immer wieder Frauen getötet werden, weil ein Mann glaubt, Anspruch auf sie zu haben, schaut ein FPÖ-Politiker zu, wie seine Anhänger:innen eine Frau öffentlich zerreißen und schlägt daraus politischen Profit. Wer so handelt, hat jedes Recht verwirkt, sich in Presseaussendungen als „Schützer unserer Frauen“ aufzuspielen. Haslwanter schürt ein Klima, in dem Frauen als Objekte, als Zielscheiben, als Ventile für Frust und Hass dienen. Er muss sich den Vorwurf gefallen lassen, Teil des Problems zu sein, nicht der Lösung.
Wer Femizide und Gewalt gegen Frauen wirklich ernst nimmt, hört auf, Frauen zur Zielscheibe zu machen. Und sorgt dafür, dass Politiker wie Patrick Haslwanter sich nicht länger hinter der feigen Ausrede, die Abgeordneten seien nicht verantwortlich und die für die Kommentarmoderation zuständigen Personen kämen mit dem Löschen nicht nach (vgl. tt.com, 7.12.25), verstecken dürfen. Haslwanter ist Medieninhaber der Facebook-Seite und tritt als Anheizer auf. Er trägt für den Hass, der bei ihm produziert wird, die volle Verantwortung.
„Stoppt die Rechten” hat alle Kommentare gesichert.
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