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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 6 Minuten

Braune Offlinevernetzung auch in Österreich

„Die Fascho-Söld­ner toben sich noch ein­mal aus, bevor sie hin­ge­rich­tet wer­den. Sie win­seln wie schul­di­ge Hun­de, bevor sie erschos­sen wer­den.“ Die Dro­hung ist an die Poli­zei gerich­tet und stammt aus der ober­ös­ter­rei­chi­schen Tele­gram-Grup­pe „Gmun­den Off­lin­ever­net­zung“. Die Schwes­ter­grup­pe „Dres­den Off­lin­ever­net­zung“ ist im Dezem­ber hoch­ge­gan­gen, da dort unver­hoh­len von Mord­plä­nen gegen den säch­si­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Kret­schmer die Rede war. Im Hin­ter­grund steht das neo­na­zi­ti­sche Netz­werk des John de Nugent.

13. Jan. 2022

Es gibt sie mehr­fach in Deutsch­land und ein­mal in Öster­reich: loka­le Grup­pen, die den Titel „Off­lin­ever­net­zung“ füh­ren und sich vor­der­grün­dig gegen die Coro­na-Maß­nah­men wen­den. Recher­chen des ZDF-Maga­zins „Fron­tal 21“ haben im letz­ten Dezem­ber dazu geführt, dass bei Mit­glie­dern des Dresd­ner Able­gers die Ermitt­lungs­be­hör­den vor­stel­lig gewor­den sind. Gefun­den wur­den dort Waf­fen und Spreng­mit­tel. Unter­stüt­zung erhielt „Dres­den Off­lin­ever­net­zung“ aus dem Netz­werk des US-ame­ri­ka­ni­schen Neo­na­zis John de Nugent „MZW­News“, das die ein­zel­nen Grup­pen mit Lite­ra­tur und Anlei­tun­gen zum bewaff­ne­ten Auf­stand und mit Nazi-Müll der übels­ten Sor­te versorgte.

Der 67-Jäh­ri­ge, der sich auf sei­ner Web­site als „Akti­vist für die wei­ße Ras­se” beschreibt, ist Betrei­ber des deutsch­spra­chi­gen Tele­gram-Kanals MZWNEWS. Die­ses Netz­werk war laut den Recher­chen dabei behilf­lich, wei­te­re Grup­pen für die Off­lin­ever­net­zung von Impf­geg­nern zu bil­den – also für Zusam­men­schlüs­se, die sich auch außer­halb von Tele­gram tref­fen. Mehr als zehn wei­te­re Netz­wer­ke die­ser Art hät­ten sich dar­auf­hin in ganz Deutsch­land gegrün­det. Bei MZWNEWS sei­en die­se dann bewor­ben wor­den. (zeit.de , 11.1.21)

Es gab einen Auf­ruf von MZW-News, Klein­grup­pen von 15 Per­so­nen zu bil­den, um „effek­tiv auf­zu­räu­men”. Die Auf­for­de­rung ver­bun­den mit dem Buch „Der tota­le Wider­stand”. Das ist eine Anlei­tung zum Kleinkrieg.

Tat­säch­lich haben sich anschlie­ßend bun­des­weit Grup­pen gebil­det. pic.twitter.com/1tm5DHvXHq

— Hen­rik Mer­ker (@HRMRKR) Janu­ary 11, 2022

Offlinevernetzung Ortsgruppen mit Gmunden über MZWNews
Off­lin­ever­net­zung Orts­grup­pen mit Gmun­den über MZWNews
MZWNews definiert die Ziele der "Offlinevernetzung": "Widerstand, Vernetzung und Bildung einer Volksgemeinschaft. Völkische Revolution - jetzt!"
MZW­News defi­niert die Zie­le der „Off­lin­ever­net­zung”: „Wider­stand, Ver­net­zung und Bil­dung einer Volks­ge­mein­schaft. Völ­ki­sche Revo­lu­ti­on — jetzt!”

Eine Grup­pe hat sich in Öster­reich gegrün­det, im Raum Gmun­den. „Hal­lo! Bei mir hat sich auto­ma­tisch eine neue Tele­gram-Ver­si­on (blau-weiss) geöff­net. Jetzt steht: Gmunden/Offlinevernetzung und davor ein roter Kreis der durch­ge­stri­chen ist. Weiß jemand wie das mög­lich ist??“, fragt B., eine Admi­nis­tra­to­rin der Grup­pe, am 25. Novem­ber 2021 im ers­ten Pos­ting der Telegram-Gruppe.

1. Posting in "Gmunden Offlinevernetzung" am 25.11.21
1. Pos­ting in „Gmun­den Off­lin­ever­net­zung” am 25.11.21

Ob ihre tech­ni­sche Fra­ge off­line beant­wor­tet wur­de, ist uns nicht bekannt, wohl aber, dass dort tat­säch­lich Off­line-Ver­net­zung statt­fand. Weni­ge Tage spä­ter erin­nert der Grup­pen­in­ha­ber F.R. an ein Tref­fen: „Noch­mal zur Erin­ne­rung, mor­gen wie­der Treff­punkt um 17.00 Uhr Kir­chen­platz Viech­t­wang!“ Ein­la­dun­gen zu Prä­senz­tref­fen erfol­gen dann immer wie­der, es wird auch Geld kas­siert für die Raummiete.

Von einem kon­kre­ten bewaff­ne­ten Auf­stand ist in der Grup­pe nicht die Rede, die ein­zel­nen Chat-Nach­rich­ten zeu­gen jedoch von einer Mischung aus tie­fem ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­schen Den­ken, Anti­se­mi­tis­mus, aus rechts­extre­men Ten­den­zen, die auch ins Neo­na­zis­ti­sche gehen und zuwei­len aggres­si­ven Phantasien.

Die Fascho-Söld­ner toben sich noch ein mal aus, bevor sie hin­ge­rich­tet wer­den. Wie sag­te Johan­nes? Sie win­seln wie schul­di­ge Hun­de, bevor sie erschos­sen wer­den. Kein Wun­der — es sind fei­ge Psy­cho­pa­then, die nur mit Waf­fe und im Rudel stark sind. Ich wer­de nie ver­ste­hen, war­um sich Men­schen das gefal­len las­sen. Stellt Euch vor, eini­ge hun­dert Men­schen wür­den das Pack stür­men — sie wür­den lau­fen wie die Hasen. Von eini­gen tau­send Men­schen ganz zu schwei­gen. Sie hät­ten nicht die gerings­te Chan­ce. Wie heißt es so schön: Es gehö­ren immer zwei dazu…Sie wol­len Opfer sein. [Feh­ler im Ori­gi­nal, Anmk. SdR] 

S.Z. in "Gmunden Offlinevernetzung" an Polizisten: "Fascho-Söldner (...) bevor sie hingerichtet werden"
S.Z. in „Gmun­den Off­lin­ever­net­zung” an Poli­zis­ten: „Fascho-Söld­ner (…) bevor sie hin­ge­rich­tet werden”

Das pos­tet S.Z. mit einem Video, in dem ein AfD-Poli­ti­ker sich über den Umgang der Poli­zei mit Frank­furt Demoteilnehmer*innen empört, die „Soli­da­ri­tät mit Öster­reich“ zei­gen woll­ten – oder mit jenem Teil Öster­reichs, den sie dort mei­nen, wenn sie gegen die Impf­pflicht auf die Stra­ße gehen. Es sind Gewalt­vor­stel­lun­gen, die in der Grup­pe unwi­der­spro­chen bleiben.

Antisemitismus in "Gmunden Offlinevernetzung": "Zionist Lord Rothschild": "ein Krieg (...), um danach Großisrael zu schaffen"
Anti­se­mi­tis­mus in „Gmun­den Off­lin­ever­net­zung”: „Zio­nist Lord Roth­schild”: „ein Krieg (…), um danach Groß­is­ra­el zu schaffen”

Dafür fin­det dort jede Men­ge Ver­schwö­rungs­ge­la­be­re Platz, von loka­len „Grö­ßen“ wie Klau­nin­ger, Müll­ner, dem „Gesund­heits­me­cha­ni­ker, Johann Loib­ner, Moni­ka Don­ner und von der FPÖ, viel­fach aus QAnon-Kanä­len, aber auch aus dem Neo­na­zi-Kanal „MZW­News“.

Die „Off­lin­ever­net­zung“ von MZW
Wer in der Tele­gram-Suche „Off­lin­ever­net­zung“ ein­gibt, sieht als ers­te Mel­dung die Grup­pe „Gmun­den /Offlinevernetzung“. Die Dach­grup­pe „Off­lin­ever­net­zung“, unter deren Schirm die ver­schie­de­nen, Bun­des­län­dern oder Städ­ten zuge­ord­ne­ten Grup­pen fir­mie­ren, taucht nur mehr mit einer dür­ren Nach­richt auf.
Beim neo­na­zis­ti­schen Tele­gram-Kanal „MZW­News“ (MZW steht für „Mut zur Wahr­heit“) von John de Nugent, auf den die Grün­dung der Stamm­grup­pe und ihr Netz­werk­kon­zept zurück­geht, ist man nicht so zurück­hal­tend: „Off­lin­ever­net­zung dient zum Wider­stand, Ver­net­zung und Bil­dung einer Volks­ge­mein­schaft. Völ­ki­sche Revo­lu­ti­on- jetzt“, wird dort etwas holp­rig, dafür jedoch stramm nazis­tisch for­mu­liert. Weil Nazis ande­re Nazis sowie den Rest der Bevöl­ke­rung für etwas beschränkt hal­ten, wird das auch bild­lich aufbereitet.
Der TG-Kanal MZW­News mit rund 10.000 Abonnent*innen quillt über vor brau­nem und anti­se­mi­ti­schem Müll. Für das beson­ders enga­gier­te Nazi-Publi­kum wur­de auch eine MZW­News-Grup­pe eige­rich­tet, in der es etwas inti­mer zugeht. Unter den aktu­ell 379 Mit­glie­dern die­ser Nazi-Grup­pe dür­fen natür­lich Neo­na­zis aus Öster­reich nicht feh­len. Der amts­be­kann­te Franz R. etwa, aber auch noch eini­ge ande­re tum­meln sich dort.
Franz R. in MZWNews-Gruppe: Bekanntlich existoert auf dem Gebiet der Republik Österreich ein Wahrheitsverbotsgesetz, das diesen Kanal und dessen Verbreitung mit bis zu 20 Jahren Gefängnis bedroht. Nichtsdestotrotz!"
Franz R. in MZW­News-Grup­pe: Bekannt­lich exis­tiert auf dem Gebiet der Repu­blik Öster­reich ein Wahr­heits­ver­bots­ge­setz, das die­sen Kanal und des­sen Ver­brei­tung mit bis zu 20 Jah­ren Gefäng­nis bedroht. Nichtsdestotrotz!”

MZW­News erklär­te in einer Pres­se­mit­tei­lung als Ant­wort auf die bri­san­ten Recher­chen des ZDF in einer öffent­li­chen Stel­lung­nah­me: „Wir sind Natio­nal­so­zia­lis­ten und kei­ne Ter­ro­ris­ten.“ Zumin­dest ein Teil des Sat­zes stimmt!

Der Grup­pen-Inha­ber F.R. teil­te das NS-glo­ri­fi­zie­ren­de Video aus MZW­News „Ver­gesst uns nicht! Ver­gesst nicht, war­um wir gestor­ben sind!“, des­sen Macher sich im Abspann „Schiggl Grou­ba“, also nach dem Fami­li­en­na­men des Vaters von Adolf Hit­ler, Schick­lgru­ber, nennt. Das Mach­werk zeigt mar­schie­ren­de Trup­pen, ver­mut­lich Ein­hei­ten der Waf­fen-SS, die dann vor Wap­pen mit der Schwar­zen Son­ne para­die­ren. Es fol­gen NS-hul­di­gen­de Bil­der, unter­legt mit Aus­zü­gen aus zwei Hit­ler-Reden, die musi­ka­lisch hym­nisch unter­malt mit „Deutsch­land – Sieg Heil!“ enden.

F.R. teilt NS-glorifizierendes Video aus MZWNews
F.R. teilt NS-glo­ri­fi­zie­ren­des Video aus MZWNews
NS-Video mit Reichsadler und Schwarzer Sonne
NS-Video mit Reichs­ad­ler und Schwar­zer Sonne
Abspann NS-Video "Schiggl Grouba" dankt fürs Anschauen
Abspann NS-Video „Schiggl Grou­ba” dankt fürs Anschauen

33 Mit­glie­der hat die Grup­pe der­zeit, jene, die wir zuord­nen konn­ten, stam­men meist aus dem Gmund­ner Raum. Der gesam­te Chat­ver­lauf ist gesi­chert, „Stoppt die Rech­ten“ wird eine Anzei­ge wegen des Ver­dachts auf Wie­der­be­tä­ti­gung einbringen.

Fron­tal 21: TELEGRAM: Was steckt hin­ter den Mord­dro­hun­gen von “Dres­den Off­lin­ever­net­zung”? (2022, 14′36″)

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