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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Henndorf am Wallersee: Eine schrecklich braune Familie

Seit Jah­ren schon gab es Gerüch­te über das angeb­li­che brau­ne Trei­ben einer Fami­lie in Henn­dorf im Salz­bur­ger Flach­gau. Als die Gra­tis­zei­tung „Salz­bur­ger Fens­ter“ 2018 im Ort recher­chier­te, woll­te aber nie­mand klar Stel­lung bezie­hen. Die Fami­lie galt als mäch­tig – die zwei jun­gen Brü­der waren Funk­tio­nä­re der loka­len FPÖ. Bis 2018. Bis das KFZ-Kenn­zei­chen des einen Bru­ders, Josef B., Gegen­stand einer öffent­li­chen Debat­te wurde.

19. Okt. 2021
Henndorf/Wallersee
Henndorf/Wallersee

Es kommt nicht all­zu oft vor, dass gleich vier Mit­glie­der einer Fami­lie vor Gericht antan­zen müs­sen. Letz­te Woche war es aber in Salz­burg so weit: Zwei Brü­der, deren Mut­ter und auch der Onkel hat­ten sich am Lan­des­ge­richt wegen Wie­der­be­tä­ti­gung zu ver­ant­wor­ten, der erstan­klag­te Bru­der auch wegen Verhetzung.

Das Fami­li­en-Unheil nahm Anfang 2018 sei­nen Lauf: Der Salz­bur­ger Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Simon Hei­lig-Hof­bau­er mach­te öffent­lich, dass der dama­li­ge Orts­chef der Henn­dor­fer FPÖ, Josef B., sein Auto mit einem 88er-Wunsch­kenn­zei­chen geschmückt und ein Foto davon, auf das ein­deu­ti­ge Kom­men­ta­re folg­ten, auch noch auf Face­book gepos­tet hatte.

Josef B. bot damals eine blau(äugig)e Erklä­rung für die „88“ an: Es hand­le sich dabei um das Ken­nen­lern­da­tum (8. August) von ihm und sei­ner Freun­din. Und weil sich Josef B. koope­ra­tiv zei­gen woll­te, bot er den Ermitt­lern sein Smart­phone als Beweis an. Das war Dode­lirr­tum Nr. 1., den spä­ter sogar ein Gene­ral­se­kre­tär im Finanz­mi­nis­te­ri­um wie­der­hol­te: näm­lich zu glau­ben, dass eine Löschung der Whats­App-Chats die Mel­dun­gen tat­säch­lich unwie­der­bring­lich vernichtet.

Unverständnis und Empörung bei Josef. B. und ParteifreundInnen, darunter Alexandra S., Obmann-Stellvertreterin der Freiheitlichen Arbeitnehmer Salzburg
Unver­ständ­nis und Empö­rung bei Josef. B. und Par­tei­freun­dIn­nen, dar­un­ter Alex­an­dra S., Obmann-Stell­ver­tre­te­rin der Frei­heit­li­chen Arbeit­neh­mer Salzburg
Ein Like von Josef B. für den Hinweis, die "88" auf seinem Autokennzeichen sei ein Gruß an Adolf
Ein Like von Josef B. für den Hin­weis, die „88” auf sei­nem Auto­kenn­zei­chen sei ein Gruß an Adolf

Die Chat-Ver­läu­fe des Josef B. wur­den genau­so rekon­stru­iert wie die des tür­ki­sen Che­f­in­tri­gan­ten. Dum­mer­wei­se erga­ben sie ein ganz ande­res Bild von B., sei­ner „88“-Interpretation und sei­ner Fami­lie. Auf ein­mal waren die wider­li­chen Pos­tings, die Glück­wün­sche und Fei­ern zu Hit­lers Geburts­tag samt „Füh­rer­wein“ und Hit­ler­tor­te in Wort und Bild rekon­stru­iert und damit die Beteue­run­gen von Josef B. aus dem Jahr 2018 Schnee von ges­tern: „Ich habe noch nie etwas von sol­chen Fei­ern gehört. Ich sit­ze Jahr und Tag nicht in dem Gast­haus. Hät­te ich so einen Scheiß gese­hen, wären alle hoch­kant hin­aus­ge­flo­gen“, säu­sel­te er damals.

Familienchat: „Scheiß Ausländer hat Anhänger gegen LKW gefahren 88“ „Saublöder Ausländer“ „Sieg Heil“
Fami­li­en­chat: „Scheiß Aus­län­der hat Anhän­ger gegen LKW gefah­ren 88“ „Sau­blö­der Aus­län­der“ „Sieg Heil“

Dode­lirr­tum Nr. 2 erfolg­te dann beim Schwur­ge­richts­ver­fah­ren wegen NS-Wie­der­be­tä­ti­gung gegen vier Fami­li­en­mit­glie­der: die zwei Brü­der, den Onkel und die Mut­ter. Mama B. hat­te sich bei der Ver­hand­lung noch ganz klein und unschul­dig zu machen ver­sucht: „‚Wir haben ein bissl eine salop­pe­re Aus­spra­che, aber das ist nichts Schlim­mes. Wir mei­nen das nicht bös‘, erklärt die Mut­ter einen Chat, wo es um ‚Scheiß Aus­län­der‘ ging. Es habe nie­mand ernst genom­men“, berich­tet der „Stan­dard“.

Aber auch die Män­ner beteu­er­ten, sie sei­en alle­samt weder Nazis noch aus­län­der­feind­lich, es sei alles nur Spaß gewe­sen. Nutz­te nichts: Alle vier Ange­klag­ten wur­den von den Geschwo­re­nen für schul­dig im Sin­ne der Ankla­ge befun­den. Weil sie nicht vor­be­straft waren, fass­ten sie sehr mil­de beding­te Stra­fen aus: der Erst­an­ge­klag­te 21 Mona­te, sein Bru­der 18 Mona­te, sein Onkel 14 Mona­te und sei­ne Mut­ter zwölf Mona­te. Alle Urtei­le sind rechtskräftig.

Sein jetzt von der Ver­ur­tei­lung betrof­fe­nes KFZ-Kenn­zei­chen mit der „88“ hat Josef bis nach der Ver­ur­tei­lung noch auf sei­nem FB-Pro­fil prä­sen­tiert – mitt­ler­wei­le hat er sei­nen Account kom­plett gelöscht. Gegen die Lebens­ge­fähr­tin wur­de bereits geson­dert ver­han­delt; sie erhielt für ihre fal­sche Zeu­gen­aus­sa­ge eine Diver­si­on. Ein wei­te­rer Ange­klag­ter, der offen­bar beim Hit­ler-Geburts­tags­fest dabei war, sei nicht ver­hand­lungs­fä­hig, hieß es.

Die FPÖ Henndorf mit den Brüdern B. noch in hoffnungsfrohen Zeiten
Die FPÖ Henn­dorf mit den Brü­dern B. noch in hoff­nungs­fro­hen Zeiten

➡️ https://www.stopptdierechten.at/2019/12/12/eine-ziemlich-braune-familie/
➡️ https://www.stopptdierechten.at/2018/11/05/wochenschau-kw-44/#henndorf
➡️ https://www.stopptdierechten.at/2018/09/24/wochenschau-kw-38–2/#henndorf

 

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Schlagwörter: FPÖ | Neonazismus/Neofaschismus | Salzburg | Verbotsgesetz | Verhetzung | Wiederbetätigung

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