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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Waffen, Waffen, Waffen

Schon unse­re Chro­no­lo­gie der Waf­fen­fun­de mit gesi­cher­tem oder mut­maß­lich rechts­extre­mem Hin­ter­grund seit Juli 2019 zeigt: In Öster­reich wird auf­ge­rüs­tet. Gemeint sind hier nicht ein­zel­ne pri­va­te Waf­fen­an­käu­fe, son­dern gan­ze Arse­na­le, die im Zuge von Haus­durch­su­chun­gen sicher­ge­stellt wur­den. Zwei wei­te­re der­ar­ti­ge Fäl­le sind nun publik gewor­den: einer in Wien und einer im nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Göl­lers­dorf. Ein rechts­extre­mer Hin­ter­grund erscheint im Wie­ner Fall als nicht unwahr­schein­lich, der in Göl­lers­dorf ist klar.

20. Okt. 2021

Es ist oft ein Zufall, wenn wir auf Fäl­le von Waf­fen­fun­den sto­ßen. Manch­mal – wie dies­mal – ist es nur, weil ein Regio­nal­me­di­um über einen Pro­zess schreibt. Aus den Nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Nach­rich­ten (20.10.21, S. 25) ist zu erfah­ren, dass sich ein 52-jäh­ri­ger Göl­lers­dor­fer (Bezirk Hol­la­brunn) vor dem Lan­des­ge­richt Kor­neu­burg ver­ant­wor­ten muss­te – dies­mal schluss­end­lich nur wegen des Ver­dachts auf Wie­der­be­tä­ti­gung, doch das ist eigent­lich ein Neben­schau­platz. Bei dem Ange­klag­ten wur­den im Zuge einer Raz­zia am 16. Dezem­ber 2019 122 groß­teils funk­ti­ons­tüch­ti­ge Waf­fen aus­ge­ho­ben. Da sich auch Kriegs­ma­te­ri­al unter den poli­zei­li­chen Fun­den befand, wur­de das Ver­fah­ren wegen Ver­sto­ßes gegen das Waf­fen­ge­setz aus­ge­schie­den. Der Nie­der­ös­ter­rei­cher betrieb aber auch einen ille­ga­len Han­del und leg­te sei­nen Käu­fern ein beson­de­res Schman­kerl kos­ten­los bei.

Er hat­te den Kun­den beim Waf­fen­kauf – sozu­sa­gen als „Goo­die“ – Nazi-Devo­tio­na­li­en und Nazi-Geschirr oben drauf mit­ge­ge­ben. Das betraf drei Kun­den in Deutsch­land und einen in der Stei­er­mark, gegen den aktu­ell eben­falls ein Unter­su­chungs­ver­fah­ren läuft. „Die kann man zum Tau­schen brau­chen“, so die Erklä­rung des 52- Jäh­ri­gen und außer­dem hät­ten sie sie ja zurück­schi­cken kön­nen, wenn sie ihnen nicht gefal­len hät­ten. (NÖN)

Die prak­ti­schen brau­nen Bei­ga­ben hat­te der Mann, so sei­ne Anga­be vor dem Geschwo­re­nen­ge­richt, auf Floh­märk­ten erstan­den. Zu Hau­se stand auch noch eine Kis­te mit NS-Devo­tio­na­li­en her­um – angeb­lich von sei­nem Groß­va­ter stam­mend. Doch, wie offen­bar mil­dernd fest­ge­stellt wur­de, er hat­te nichts der­glei­chen zur Schau gestellt. Das Ergeb­nis: ein Frei­spruch sowohl für die Kis­te mit den Devo­tio­na­li­en als auch für die den Waf­fen bei­geleg­ten Mor­gen­ga­ben. Ob das über­ra­schen­de Urteil rechts­kräf­tig ist, geht aus dem NÖN-Bericht nicht her­vor. Erwart­bar ist, dass die Staats­an­walt­schaft in Beru­fung geht.

Fall 2: Am 16. Okto­ber rück­te in Wien nach einem Hin­weis aus der Bevöl­ke­rung die Cobra aus. Das Ziel waren die Woh­nun­gen von drei Österreicher*innen – eines 67-Jäh­ri­gen, einer 56-Jäh­ri­gen und eines 29-Jäh­ri­gen – in denen schluss­end­lich jede Men­ge Waf­fen und eine gerin­ge Men­ge Can­na­bis gefun­den wur­den. Geweh­re, Pis­to­len, blitz­blank polier­te Schwer­ter, Mache­ten, Schlag­rin­ge und sogar eine Arm­brust fan­den die Ermitt­ler bei Haus­durch­su­chun­gen auf Anord­nung der Wie­ner Staats­an­walt­schaft in meh­re­ren Woh­nun­gen. (…) Ins­ge­samt han­del­te es sich um 100 Waf­fen. (Kro­nen Zei­tung, 19.10.21, S. 30)

Die Kro­nen Zei­tung weiß auch zu berich­ten, dass „zu den Hin­ter­grün­den Samm­ler­lei­den­schaft und/oder der Han­del mit Schieß­ei­sen [zäh­len]“. Über den poli­ti­schen Back­ground der drei ange­zeig­ten Per­so­nen ist nichts bekannt, doch könn­te allei­ne die Mischung der aus­ge­ho­be­nen Waf­fen ein Hin­weis auf eine rechts­extre­me Gesin­nung der Beschul­dig­ten sein.

Fest steht: Die häu­figs­te Begrün­dung, die dann vor Gericht zum Zug kommt, ist die einer angeb­li­chen Samm­ler­lei­den­schaft. Zah­len dar­über, wie vie­le Waf­fen­ber­ge inkl. Kriegs­ma­te­ria­li­en von der Poli­zei auf­ge­stö­bert wer­den, gibt es nicht, zumin­dest nicht öffent­lich. Doch schon allei­ne das, was publik gewor­den ist, weist dar­auf hin, dass sich die rechts­extre­me Sze­ne zuneh­mend bewaff­net. „Samm­ler­lei­den­schaft“ ist dabei sicher nicht die allei­ni­ge Motivation.

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Schlagwörter: Illegaler Waffenbesitz/Waffenhandel | Niederösterreich | Rechtsextremismus | Verbotsgesetz | Wiederbetätigung | Wien

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