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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 7 Minuten

Rechtsextremer Kongress in Linz: Zahlreiche Prominente fordern von LH den Rauswurf

Mehr als 60 Per­sön­lich­kei­ten wand­ten sich ges­tern (18.10.16) an den Lan­des­haupt­mann von Ober­ös­ter­reich Josef Püh­rin­ger und for­der­ten die Zurück­nah­me der Ver­mie­tung des lan­des­ei­ge­nen Ver­an­stal­tungs­orts. Wir geben den Brief in gan­zer Län­ge wie­der. Gleich­zei­tig hat sich auch mein Kol­le­ge Harald Wal­ser zu Wort gemel­det – hier auch sei­ne Aussendung.

19. Okt. 2016

MAUTHAUSEN KOMITEE ÖSTERREICH
OÖ. NETZWERK GEGEN RASSISMUS UND RECHTSEXTREMISMUS

(Linz, im Oktober 2016)

Herrn Lan­des­haupt­mann
Dr. Josef Pühringer
per E‑Mail

Kein Rechts­extre­mis­ten-Tref­fen in den Räu­men des Lan­des Oberösterreich!

Sehr geehr­ter Herr Landeshauptmann!

Am 29. Okto­ber soll in Linz mit dem Kon­gress „Ver­tei­di­ger Euro­pas“ ein inter­na­tio­na­les Tref­fen von Rechts­extre­mis­ten statt­fin­den. Unver­ständ­li­cher­wei­se stellt das Land Ober­ös­ter­reich für die­ses Tref­fen sei­ne Reprä­sen­ta­ti­ons­räu­me, die Redou­ten­sä­le, zur Verfügung.

Die ras­sis­ti­schen und anti­de­mo­kra­ti­schen Bezü­ge der Orga­ni­sa­tio­nen, die am Kon­gress teil­neh­men, sind zahl­reich. So hat die deutsch­na­tio­na­le Bur­schen­schaft „Armi­nia Czer­no­witz zu Linz“, auf die der Miet­ver­trag für die Redou­ten­sä­le läuft, eine lan­ge ein­schlä­gi­ge Geschich­te. Bei der Bun­des­prä­si­den­ten­wahl 1980 unter­stütz­te sie geschlos­sen den rechts­extre­men Kan­di­da­ten Nor­bert Bur­ger. Die­ser hat­te in Süd­ti­rol Bom­ben­an­schlä­ge ver­übt und war Bun­des­spre­cher der „Natio­nal­de­mo­kra­ti­schen Par­tei“ (NDP), die 1988 wegen Wie­der­be­tä­ti­gung behörd­lich auf­ge­löst wur­de. Zuletzt mach­te die „Armi­nia Czer­no­witz“ 2010 über­re­gio­na­le Schlag­zei­len, als sie eine Ver­an­stal­tung mit dem anti­se­mi­ti­schen Publi­zis­ten Richard Melisch durch ein Pla­kat mit einem nur gering­fü­gig ver­än­der­ten NSDAP-Motiv bewarb.

Am Kon­gress teil­neh­men wird auch die „Iden­ti­tä­re Bewe­gung Öster­reich“. Die­se zeich­net, wie die EU-Grund­rech­te­agen­tur erst kürz­lich fest­stell­te, für einen gro­ßen Teil der in Öster­reich statt­fin­den­den flücht­lings- und migran­ten­feind­li­chen Aktio­nen ver­ant­wort­lich. In Deutsch­land, wo die „Iden­ti­tä­ren“ eben­falls agie­ren, ste­hen sie nun unter der Beob­ach­tung des Bun­des­am­tes für Verfassungsschutz.

Schon die­se bei­den Bei­spie­le zei­gen, dass es nicht trag­bar ist, ewig­gest­ri­gen Het­zern in Räu­men des Lan­des ein Forum zu bie­ten. Dies umso mehr, als Ober­ös­ter­reich bei der Zunah­me rechts­extre­mer Straf­ta­ten an der Spit­ze aller Bun­des­län­der liegt. Wir erin­nern an den Brand­an­schlag auf die Flücht­lings­un­ter­kunft des Roten Kreu­zes in Alten­fel­den, der heu­er im Juni die Gefähr­lich­keit die­ser Ent­wick­lung wie­der deut­lich gemacht hat. Von den Hass­pa­ro­len auf rechts­extre­men Ver­an­stal­tun­gen bis zu men­schen­ver­ach­ten­den Gewalt­ak­ten ist es nur ein klei­ner Schritt.

Das Argu­ment, der Kon­gress müs­se im Sin­ne des Grund­rechts auf Mei­nungs­frei­heit tole­riert wer­den, wider­le­gen die Orga­ni­sa­to­ren selbst. Sie haben ange­kün­digt, „dass Ver­tre­tern der deutsch­spra­chi­gen Main­stream­m­e­di­en kei­ne Pres­se­ak­kre­di­tie­run­gen für den Kon­gress aus­ge­stellt wer­den”. Und wei­ter heißt es: „Den Teil­neh­mern und Aus­stel­lern kön­nen wir also ver­si­chern, dass sie wäh­rend des Kon­gres­ses von offi­zi­el­len Ver­tre­tern der Lügen­pres­se unbe­hel­ligt blei­ben wer­den…”. Wer die Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit mit Füßen tritt, kann sich nicht auf sie beru­fen. Die­ses Miss­brauchs­ver­bot ent­spricht auch Geist und Wort­laut der Euro­päi­schen Menschenrechtskonvention.

Sehr geehr­ter Herr Lan­des­haupt­mann! Die Abhal­tung eines Rechts­extre­mis­ten-Tref­fens in den Räu­men des Lan­des Ober­ös­ter­reich wäre eine För­de­rung anti­de­mo­kra­ti­scher Umtrie­be und geeig­net, dem Ruf des Lan­des nach­hal­ti­gen Scha­den zuzu­fü­gen. Sie tra­gen die poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung dafür, dass es nicht soweit kommt. Des­halb rich­ten wir Unter­zeich­ne­rin­nen und Unter­zeich­ner die­ses Offe­nen Brie­fes an Sie den drin­gen­den Appell, für die ein­sei­ti­ge Auf­lö­sung des Miet­ver­tra­ges zu sorgen!

In Köln soll­te eben­falls am 29. Okto­ber ein rechts­extre­mer Kon­gress unter dem Titel „Für ein Euro­pa der Vater­län­der“ durch­ge­führt wer­den. Als der Ver­mie­ter von den Inhal­ten der Ver­an­stal­tung erfuhr, lös­te er den Miet­ver­trag ein­sei­tig auf. Er blieb auch dabei, als er Dro­hun­gen von Neo­na­zis erhielt. Der Kon­gress muss­te abge­sagt wer­den. Aber nicht nur die­ser pri­va­te Ver­mie­ter hat vor­bild­lich gehandelt.

Im Novem­ber 2013 sorg­te die Inns­bru­cker Bür­ger­meis­te­rin Chris­ti­ne Oppitz-Plö­rer dafür, dass die Inns­bru­cker Mes­se einen Miet­ver­trag für ein Tref­fen deutsch­na­tio­na­ler Bur­schen­schaf­ten ein­sei­tig auf­lös­te. Die Ent­schei­dung wur­de vom Land Tirol voll­in­halt­lich mit­ge­tra­gen, wie Wirt­schafts­lan­des­rä­tin Patri­zia Zol­ler-Frischauf (ÖVP) damals betonte.

Bit­te fol­gen Sie die­sen Vor­bil­dern und erspa­ren Sie Ober­ös­ter­reich das bla­ma­ble Rechts­extre­mis­ten-Tref­fen in den Redoutensälen!

Mit freund­li­chen Grüßen

Wil­helm ACHLEITNER, Lei­ter des Bil­dungs­hau­ses Schloss Puch­berg, Diö­ze­se Linz
Irm­gard ASCHBAUER, Vor­sit­zen­de der Öster­rei­chi­schen Lager­ge­mein­schaft Mauthausen
Nuray BAHCETEPE, stv. Vor­sit­zen­de der Wel­ser Initia­ti­ve gegen Faschismus
Chris­ta BAUER, Geschäfts­füh­re­rin des Maut­hau­sen Komi­tees Österreich
Andre­as BAUMGARTNER, Gene­ral­se­kre­tär des Inter­na­tio­na­len Maut­hau­sen Komitees
Ger­hard BAUMGARTNER, Lei­ter des Doku­men­ta­ti­ons­ar­chivs des österr. Widerstandes
Maxi BLAHA, Schauspielerin
Bert BRANDSTETTER, Prä­si­dent der Katho­li­schen Akti­on Oberösterreich
Erwin BUCHINGER, Bundesbehindertenanwalt
Erhard BUSEK, Vize­kanz­ler a.D.
Guy DOCKENDORF, Prä­si­dent des Inter­na­tio­na­len Maut­hau­sen Komitees
Hein­rich EHLERS, Holocaust-Überlebender
Robert EITER, Spre­cher des OÖ. Netz­werks gegen Ras­sis­mus und Rechtsextremismus
Micha­el ETLINGER, Lan­des­lei­ter der Pfad­fin­de­rin­nen und Pfad­fin­der OÖ
Mar­ko FEINGOLD, Über­le­ben­der des KZ Auschwitz
Peter FLORIANSCHÜTZ, Prä­si­dent der Öster­rei­chisch-Israe­li­schen Gesellschaft
Erich FOGLAR, Prä­si­dent des Öster­rei­chi­schen Gewerkschaftsbundes
FRANZOBEL, Schriftsteller
Karl-Mar­kus GAUSS, Schriftsteller
Rudolf GELBARD, Über­le­ben­der des KZ Theresienstadt
Heimo GRUBER, Prä­si­di­ums­mit­glied der Öster­rei­chisch-Israe­li­schen Gesellschaft
Harald GRÜNN, Bun­des­vor­sit­zen­der des KZ-Verbandes
Maria HOFSTÄTTER, Schauspielerin
Elfrie­de JELINEK, Literaturnobelpreisträgerin
Micha­el JOHN, His­to­ri­ker und Obmann der Öster­rei­chi­schen Lager­ge­mein­schaft Auschwitz
Gün­ter KAINDLSTORFER, Jour­na­list und Schriftsteller
Johann KALLIAUER, Prä­si­dent der Arbei­ter­kam­mer OÖ und Lan­des­vor­sit­zen­der des ÖGB OÖ
Rein­hard KANNONIER, Rek­tor der Kunst­uni­ver­si­tät Linz
Rudolf KASKE, Prä­si­dent der Bun­des­ar­beits­kam­mer und der Arbei­ter­kam­mer Wien
Eri­ka KIRCHWEGER, Vor­sit­zen­de der Katho­li­schen Frau­en­be­we­gung Oberösterreich
Mar­tin KRANZL-GREINECKER, Jour­na­list und Initia­tor der Gedenk­stät­te „Kin­der von Etzelsdorf“
Harald KRASSNITZER, Schauspieler
Lud­wig LAHER, Schrift­stel­ler und Trä­ger des Kul­tur­prei­ses des Lan­des Oberösterreich
Albert LANGANKE, Trä­ger des Men­schen­rechts­prei­ses des Lan­des Oberösterreich
Felix LEE, Musi­ker und Komponist
Andre­as MAISLINGER, Poli­tik­wis­sen­schaf­ter und Begrün­der des Gedenkdienstes
Karl MARKOVICS, Schauspieler
Robert MENASSE, Schriftsteller
Wil­li MERNYI, Vor­sit­zen­der des Maut­hau­sen Komi­tees Österreich
Hein­rich NEISSER, Zwei­ter Natio­nal­rats­prä­si­dent a.D.
Wolf­gang NEUGEBAUER, Historiker
Cor­ne­li­us OBONYA, Schauspieler
Eli­sa­beth ORTH, Schau­spie­le­rin und Prä­si­den­tin der Akti­on gegen den Antisemitismus
Wal­ter ÖTSCH, Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ter und Kulturhistoriker
Andre­as PEHAM, Autor und Rechtsextremismus-Experte
Anton PELINKA, Politikwissenschafter
Vero­ni­ka PERNSTEINER, Vor­sit­zen­de der Katho­li­schen Frau­en­be­we­gung Österreich
Robert PFALLER, Philosoph
Mar­tin POLLACK, Schriftsteller
Wolf­gang QUATEMBER, Lei­ter des Zeit­ge­schich­te­mu­se­ums und der KZ-Gedenk­stät­te Ebensee
Doron RABINOVICI, Schriftsteller
Tho­mas RAMMERSTORFER, Autor und Rechtsextremismus-Experte
Karl RAMSMAIER, Trä­ger des Men­schen­rechts­prei­ses des Lan­des Oberösterreich
Wer­ner RETZL, Vor­sit­zen­der der Wel­ser Initia­ti­ve gegen Faschismus
Ger­hard RUISS, Schrift­stel­ler und Spre­cher der IG Autorin­nen und Autoren
Uwe SAILER, Trä­ger des Ute-Bock-Prei­ses für Zivilcourage
Käthe SASSO, Über­le­ben­de des KZ Ravensbrück
Hans-Hen­ning SCHARSACH, Autor und Rechtsextremismus-Experte
Tho­mas SCHMIDINGER, Politikwissenschafter
Raf­fa­el SCHÖBERL, stv. Bun­des­vor­sit­zen­der der Öster­rei­chi­schen Gewerkschaftsjugend
Susan­ne SHAKED, Ers­te Gene­ral­se­kre­tä­rin der Öster­rei­chisch-Israe­li­schen Gesellschaft
Erwin STEINHAUER, Schauspieler
Mar­le­ne STREERUWITZ, Schriftstellerin
Kat­ja STURM-SCHNABL, Sprach­wis­sen­schaf­te­rin und Über­le­ben­de eines NS-Lagers
Hans-Jür­gen TEMPLMAYR, Zwei­ter Gene­ral­se­kre­tär der Öster­rei­chisch-Israe­li­schen Gesellschaft
Gun­ther TRÜBSWASSER, Vor­sit­zen­der von SOS Menschenrechte
Peter WEIDNER, Bei­rats­mit­glied der Öster­rei­chisch-Israe­li­schen Gesellschaft
Robert ZINTERHOF, Trä­ger des Men­schen­rechts­prei­ses des Lan­des Oberösterreich

Walser: Rechtsextremer Kongress in Linz wäre verheerendes Signal. Grüne fordern LH Pühringer auf, Mietvertrag mit Veranstaltern zu lösen.

Wien (OTS) — „Wenn zahl­rei­che Per­sön­lich­kei­ten aus Wis­sen­schaft, Kul­tur und Poli­tik und vor allem der NS-Opfer­or­ga­ni­sa­tio­nen gegen die Ver­mie­tung der Lin­zer Redou­ten­sä­le an die Ver­an­stal­ter des Kon­gres­ses der ‚Ver­tei­di­ger Euro­pas‘ auf­tre­ten, soll­te das nicht nur Lan­des­haupt­mann Püh­rin­ger ernst­neh­men, son­dern auch die Orga­ne der Repu­blik inter­es­sie­ren. Alles ande­re als die Lösung des Miet­ver­tra­ges mit den rechts­extre­men Orga­ni­sa­to­ren wäre ein ver­hee­ren­des Signal nach außen, aber auch nach innen“, kom­men­tiert der ver­gan­gen­heits­po­li­ti­sche Spre­cher der Grü­nen, Harald Wal­ser, die bis­he­ri­ge Wei­ge­rung von Lan­des­haupt­mann Josef Püh­rin­ger, den der­zeit bestehen­den Miet­ver­trag aufzukündigen.

Wal­ser bezieht sich auf einen heu­te ver­öf­fent­lich­ten Appell des „Maut­hau­sen Komi­tee Öster­reich“, den zahl­rei­che Per­sön­lich­kei­ten unter­zeich­net haben – dar­un­ter die KZ-Über­le­ben­den Mar­ko Fein­gold, Rudolf Gel­bard und Käthe Sas­so, der Prä­si­dent des Inter­na­tio­na­len Maut­hau­sen Komi­tees Guy Docken­dorf – in dem Püh­rin­ger auf­ge­for­dert wird, den Ver­trag zu lösen und damit dem Land Ober­ös­ter­reich das bla­ma­ble Recht­ex­tre­mis­ten-Tref­fen zu ersparen.

„Ich fra­ge Josef Püh­rin­ger, was er sich dabei denkt, wenn er sich sym­bo­lisch mit Per­so­nen ins Bett legt, die laut Doku­men­ta­ti­ons­ar­chiv des öster­rei­chi­schen Wider­stands zahl­rei­che Über­schnei­dun­gen zum orga­ni­sier­ten Neo­na­zis­mus und eine neo­fa­schis­ti­sche Schlag­sei­te auf­wei­sen“, sagt Wal­ser. Er legt Lan­des­haupt­mann Püh­rin­ger auch drin­gend nahe, sich bei der Stadt Mar­burg zu erkun­di­gen, war­um etwa an die Bur­schen­schaft Ger­ma­nia Mar­burg, die den geplan­ten Lin­zer Kon­gress maß­geb­lich mit­or­ga­ni­siert, sei­tens der Stadt kei­ne Räum­lich­kei­ten mehr ver­mie­tet wer­den: „Die Ant­wort könn­te für Püh­rin­ger sehr erhel­lend sein. Wir haben jeden­falls schon genü­gend Pro­ble­me mit den hei­mi­schen Rechts­extre­men und Neo­na­zis und müs­sen sie daher nicht auch noch in Mas­sen zu einem Tref­fen impor­tie­ren. Daher gibt es aus Grü­ner Sicht nur ein ein­zi­ges rich­ti­ges Zeichen:
Die Ver­hin­de­rung, dass die­ser Kon­gress der Schan­de in Öster­reich statt­fin­den kann.“

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