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Lesezeit: 4 Minuten

Völkischer Rassismus im Identitären-Treff in Steyregg/OÖ

Mit­te April ver­sam­mel­te sich im Cas­tell Auro­ra eine Mischung aus AfD, Iden­ti­tä­ren und deren Umfeld und phi­lo­so­phier­te über ein wei­ßes Euro­pa und sei­ne „volk­li­che Grundsubstanz“.

6. Mai 2026
"Castell Aurora" in Steyregg (Foto: Markus Sulzbacher)
"Castell Aurora" in Steyregg (Foto: Markus Sulzbacher)

All­zu viel preis­ge­ben woll­ten die Rechts­extre­men nicht, was am 18. April im ober­ös­ter­rei­chi­schen Steyr­egg bespro­chen wur­de und wer im Publi­kum saß – aus gutem Grund!

Der Iden­ti­tä­ren-Treff­punkt Cas­tell Auro­ra hat­te groß­spu­rig einen „Schwer­punkt­tag Links­extre­mis­mus” ange­kün­digt, mit vier Red­nern – sze­ne­ty­pisch nur Män­ner. Seit Jah­ren ist das Haus mit­ten in Steyr­egg ein Ver­an­stal­tungs­ort, wo die Iden­ti­tä­ren und ihr Umfeld agie­ren. So auch Mit­te April: Der Inhalt war erwart­bar, die Unge­niert­heit, mit der völ­ki­scher Ras­sis­mus in einem von der Ver­an­stal­tung ver­öf­fent­lich­ten Video aus­ge­spro­chen wur­de, war aber den­noch etwas verblüffend.

„Anti­fa: Geför­der­ter Extre­mis­mus“ hieß die Halb­tags­ver­an­stal­tung. Durch den Nach­mit­tag führ­te der offi­zi­el­le Eigen­tü­mer der Immo­bi­lie und Haupt­ak­ti­vist vor Ort: der Deut­sche Ste­ve Henschke. Dass Henschke, wie durch die Ver­an­stal­tung bekannt wur­de, beim bay­ri­schen AfD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Rene Dier­kes beschäf­tigt ist, gibt eine Idee, war­um der Groß­teil der Anwe­sen­den aus eben die­sem Dunst­kreis war.

Eine ver­meint­li­che Aus­nah­me war Matis­se Roy­er. Der jun­ge Fran­zo­se, ein rech­ter Schrei­ber­ling, belie­fert nicht nur die rechts­extre­me Pos­til­le Com­pact mit sei­ner „Frank­reich-Kor­re­spon­denz“, son­dern auch das Gra­zer Frei­lich-Maga­zin. Roy­er betreibt aber auch selbst eine Platt­form. Auf der will er, wie er sagt, „denen eine Stim­me geben, die mar­gi­na­li­siert sind“. In sei­nem Welt­bild sind dies Rechts­extre­mis­ten wie Mar­tin Sell­ner oder der AfD-Co-Vor­sit­zen­de Tino Chrup­al­la. 2024 war er bei der iden­ti­tä­ren Som­mer­de­mo in Wien. Am Ende bleibt also auch Roy­er im übli­chen Identitären-AfD-Umfeld.

In Steyr­egg auch auf­ge­tre­ten ist Micha­el Schä­fer. Der Mann blickt auf eine lan­ge Kar­rie­re in der radi­ka­len Rech­ten zurück. Er war bei der gewalt­tä­ti­gen Neo­na­zi-Kame­rad­schaft Wer­ni­ge­ro­der Akti­ons­front, spä­ter Funk­tio­när der rechts­extre­men Par­tei NPD und schließ­lich Bun­des­vor­sit­zen­der ihrer Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on. Heu­te ist Schä­fer bei der neu­rech­ten „Wider­stands­platt­form“ Ein­Pro­zent. Der Ver­ein wur­de vom deut­schen Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz als gesi­chert rechts­extre­mis­tisch und ver­fas­sungs­feind­lich ein­ge­stuft.

Wolfgang Droese und Simon Thiele in Steyregg (Screenshot Youtube 26.4.26)
Wolf­gang Drö­se und Simon Thie­le in Steyr­egg (Screen­shot You­tube 26.4.26)

Mit Wolf­gang Drö­se sprach zudem ein Funk­tio­när der AfD am Podi­um, wenn auch aus der drit­ten Rei­he der Par­tei. Mit ihm dis­ku­tier­te der You­Tuber Simon Thiele.

Thie­le gehör­te zur mitt­ler­wei­le auf­ge­lös­ten rechts­extre­men Revol­te Rhein­land, bekannt für aggres­si­ve Stör­ak­tio­nen. Er posiert gern mit der White-Power-Ges­te der Neo­na­zi-Sze­ne, die für eine angeb­li­che „Über­le­gen­heit und Vor­herr­schaft wei­ßer Men­schen” steht. Die „Revol­te Rhein­land” steht auf der Unver­ein­bar­keits­lis­te der AfD. (1.wdr.de, 20.11.25)

Viel­leicht ist es Simon Thie­les Art sich aus­zu­drü­cken geschul­det, dass er Pro­ble­me mit der Jus­tiz gera­de­zu anzieht. Thie­le plä­dier­te in Steyr­egg für den „Auf­bau einer rech­ten Zivil­ge­sell­schaft“, die mit­tels „Mikro­ter­ror­an­schlag gegen die vor­herr­schen­de Mei­nung“ vor­ge­hen sol­le. Da meint er etwa „am Dorf­fest Prä­senz zu zei­gen“ mit einem Pul­li „mit einer lus­ti­gen Dar­stel­lung von einer Son­ne“. Die Lacher im Publi­kum las­sen ver­mu­ten, dass nicht nur wir dabei an das Neo­na­zi-Sym­bol der Schwar­ze Son­ne denken.

Er wol­le „Deutsch­land in sei­ner volk­li­chen Grund­sub­stanz“ erhal­ten, mein­te er am Podi­um. „Wir wol­len ein wei­ßes Volk im Her­zen Euro­pa blei­ben, in einem wei­ßen Euro­pa.“ Schlicht völ­ki­scher Ras­sis­mus, den der rechts­extre­me You­tuber im Steyr­eg­ger Iden­ti­tä­ren-Treff von sich gab.

Simon Thiele posiert mit Tim Schulz (Screenshot Telegram 19.4.2026)
Rechts: Simon Thie­le posiert mit Tim Schulz (Screen­shot Tele­gram 19.4.26)

Beim Publi­kum aber wer­den sei­ne Ansa­gen gut ange­kom­men sein. Dort fand sich näm­lich auch einer, der Stamm­gast in Öster­reich ist und zuletzt in den Schlag­zei­len lan­de­te: Tim Schulz. Erst im Dezem­ber letz­ten Jah­res wur­de Schulz in Bay­ern stell­ver­tre­ten­der Lei­ter der AfD-Jugend­or­ga­ni­sa­ti­on Gene­ra­ti­on Deutsch­land. Nach­dem aber im März Vide­os von ihm mit einem Neo­na­zi, der sich selbst als „Natio­nal­so­zia­list” titu­liert und in Buda­pest auf „Juden­jagd” gegan­gen sei, auf­ge­taucht waren, kam Schulz in Bedräng­nis und muss­te sein Amt zurück­le­gen. Die „Münch­ner Abend­zei­tung” (3.3.26) zitiert auch noch ein ande­res Vorkommnis:

Zwei Mona­te nach Buda­pest, am 11. und 12. Mai 2025, zeigt wei­te­res der AZ vor­lie­gen­des Mate­ri­al Schulz unter ande­rem in einem Casi­no in Kärn­ten (…). Eine Per­son setzt am Rou­lette­tisch Geld auf die Zahl 18 und sagt: „Ich schwör‘ auf 18 gleich – für Adolf Hit­ler.” Die Anwe­sen­den lachen. Schulz ist auf die­ser Auf­nah­me nicht erkenn­bar – jedoch zei­gen wei­te­re Sequen­zen, dass er mit der Grup­pe vor Ort war: Er ist im sel­ben Raum zu sehen. In der Nacht trinkt er neben ihnen einen Ape­ri­tif auf einem Sofa.

Aber kein Pro­blem für sei­ne Freun­de in Ober­ös­ter­reich: Weni­ge Wochen spä­ter posier­te Tim Schulz mit Simon Thie­le vor dem Cas­tell Auro­ra in Steyr­egg, mit Bier und Grin­ser, für Social Media.

➡️ endstation.rechts.de (30.4.26): AfD Bay­ern und Iden­ti­tä­re Bewe­gung: eng ver­zahnt in der Praxis

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