Allzu viel preisgeben wollten die Rechtsextremen nicht, was am 18. April im oberösterreichischen Steyregg besprochen wurde und wer im Publikum saß – aus gutem Grund!
Der Identitären-Treffpunkt Castell Aurora hatte großspurig einen „Schwerpunkttag Linksextremismus” angekündigt, mit vier Rednern – szenetypisch nur Männer. Seit Jahren ist das Haus mitten in Steyregg ein Veranstaltungsort, wo die Identitären und ihr Umfeld agieren. So auch Mitte April: Der Inhalt war erwartbar, die Ungeniertheit, mit der völkischer Rassismus in einem von der Veranstaltung veröffentlichten Video ausgesprochen wurde, war aber dennoch etwas verblüffend.
„Antifa: Geförderter Extremismus“ hieß die Halbtagsveranstaltung. Durch den Nachmittag führte der offizielle Eigentümer der Immobilie und Hauptaktivist vor Ort: der Deutsche Steve Henschke. Dass Henschke, wie durch die Veranstaltung bekannt wurde, beim bayrischen AfD-Landtagsabgeordneten Rene Dierkes beschäftigt ist, gibt eine Idee, warum der Großteil der Anwesenden aus eben diesem Dunstkreis war.
Eine vermeintliche Ausnahme war Matisse Royer. Der junge Franzose, ein rechter Schreiberling, beliefert nicht nur die rechtsextreme Postille Compact mit seiner „Frankreich-Korrespondenz“, sondern auch das Grazer Freilich-Magazin. Royer betreibt aber auch selbst eine Plattform. Auf der will er, wie er sagt, „denen eine Stimme geben, die marginalisiert sind“. In seinem Weltbild sind dies Rechtsextremisten wie Martin Sellner oder der AfD-Co-Vorsitzende Tino Chrupalla. 2024 war er bei der identitären Sommerdemo in Wien. Am Ende bleibt also auch Royer im üblichen Identitären-AfD-Umfeld.
In Steyregg auch aufgetreten ist Michael Schäfer. Der Mann blickt auf eine lange Karriere in der radikalen Rechten zurück. Er war bei der gewalttätigen Neonazi-Kameradschaft Wernigeroder Aktionsfront, später Funktionär der rechtsextremen Partei NPD und schließlich Bundesvorsitzender ihrer Jugendorganisation. Heute ist Schäfer bei der neurechten „Widerstandsplattform“ EinProzent. Der Verein wurde vom deutschen Bundesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch und verfassungsfeindlich eingestuft.

Mit Wolfgang Dröse sprach zudem ein Funktionär der AfD am Podium, wenn auch aus der dritten Reihe der Partei. Mit ihm diskutierte der YouTuber Simon Thiele.
Thiele gehörte zur mittlerweile aufgelösten rechtsextremen Revolte Rheinland, bekannt für aggressive Störaktionen. Er posiert gern mit der White-Power-Geste der Neonazi-Szene, die für eine angebliche „Überlegenheit und Vorherrschaft weißer Menschen” steht. Die „Revolte Rheinland” steht auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD. (1.wdr.de, 20.11.25)
Vielleicht ist es Simon Thieles Art sich auszudrücken geschuldet, dass er Probleme mit der Justiz geradezu anzieht. Thiele plädierte in Steyregg für den „Aufbau einer rechten Zivilgesellschaft“, die mittels „Mikroterroranschlag gegen die vorherrschende Meinung“ vorgehen solle. Da meint er etwa „am Dorffest Präsenz zu zeigen“ mit einem Pulli „mit einer lustigen Darstellung von einer Sonne“. Die Lacher im Publikum lassen vermuten, dass nicht nur wir dabei an das Neonazi-Symbol der Schwarze Sonne denken.
Er wolle „Deutschland in seiner volklichen Grundsubstanz“ erhalten, meinte er am Podium. „Wir wollen ein weißes Volk im Herzen Europa bleiben, in einem weißen Europa.“ Schlicht völkischer Rassismus, den der rechtsextreme Youtuber im Steyregger Identitären-Treff von sich gab.

Beim Publikum aber werden seine Ansagen gut angekommen sein. Dort fand sich nämlich auch einer, der Stammgast in Österreich ist und zuletzt in den Schlagzeilen landete: Tim Schulz. Erst im Dezember letzten Jahres wurde Schulz in Bayern stellvertretender Leiter der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland. Nachdem aber im März Videos von ihm mit einem Neonazi, der sich selbst als „Nationalsozialist” tituliert und in Budapest auf „Judenjagd” gegangen sei, aufgetaucht waren, kam Schulz in Bedrängnis und musste sein Amt zurücklegen. Die „Münchner Abendzeitung” (3.3.26) zitiert auch noch ein anderes Vorkommnis:
Zwei Monate nach Budapest, am 11. und 12. Mai 2025, zeigt weiteres der AZ vorliegendes Material Schulz unter anderem in einem Casino in Kärnten (…). Eine Person setzt am Roulettetisch Geld auf die Zahl 18 und sagt: „Ich schwör‘ auf 18 gleich – für Adolf Hitler.” Die Anwesenden lachen. Schulz ist auf dieser Aufnahme nicht erkennbar – jedoch zeigen weitere Sequenzen, dass er mit der Gruppe vor Ort war: Er ist im selben Raum zu sehen. In der Nacht trinkt er neben ihnen einen Aperitif auf einem Sofa.
Aber kein Problem für seine Freunde in Oberösterreich: Wenige Wochen später posierte Tim Schulz mit Simon Thiele vor dem Castell Aurora in Steyregg, mit Bier und Grinser, für Social Media.
➡️ endstation.rechts.de (30.4.26): AfD Bayern und Identitäre Bewegung: eng verzahnt in der Praxis
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