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Lesezeit: 4 Minuten

Identitärenmitgründer als Mitarbeiter im FPÖ-Parlamentsklub

In ihren Anfän­gen fan­den es man­che Iden­ti­tä­re lus­tig oder auch nütz­lich, mit ihren Namens­iden­ti­tä­ten zu spie­len. „Mein ech­ter Name ist“ war so ein Nick­na­me auf Face­book, „Sepp Unter­rai­ner“ ein ande­rer. Und dann gab es noch „Raul Jau­bein“. Die­ses Pseud­onym inter­es­siert uns, weil sich dahin­ter ein Mit­grün­der der Iden­ti­tä­ren in Öster­reich ver­birgt, der heu­te als Mit­ar­bei­ter im FPÖ-Par­la­ments­klub tätig ist.

27. Apr. 2026
"Raul Jaubein" alias Julian Bauer auf Facebook mit Kommentar Markovics: "Wer wohl der echte Julian Bauer ist?"
"Raul Jaubein" alias Julian Bauer auf Facebook mit Kommentar Markovics: "Wer wohl der echte Julian Bauer ist?"

„Raul Jaubein“ und die frühen Identitären

„Raul Jau­bein“, die­ses Buch­sta­ben­rät­sel ist leicht auf­zu­lö­sen: Es steht für Juli­an Bau­er. Bau­er war stell­ver­tre­ten­der Obmann vom „Ver­ein zur Erhal­tung und För­de­rung der kul­tu­rel­len Iden­ti­tät“, der im August 2012 gegrün­det wur­de. Obmann war Alex­an­der Mar­ko­vics. Heu­te heißt der Ver­ein noch immer so – nur hat er als Vor­spann die Bezeich­nung „Iden­ti­tä­re Bewe­gung“ und wird von Mar­tin Sell­ner geführt. Als Kas­sier des iden­ti­tä­ren Ver­eins war schon in der Grün­dungs­pha­se Fabi­an Rusn­jak ver­zeich­net, der heu­te par­la­men­ta­ri­scher Mit­ar­bei­ter für den FPÖ-Abge­ord­ne­ten Sebas­ti­an Schwaig­ho­fer ist.

Der IBÖ-Gründungsvorstand mit Julian Bauer als Obmann-Stellvertreter und Fabian Rusnjak als Kassier (Vereinregisterauszug 3.3.13)
Der IBÖ-Grün­dungs­vor­stand mit Juli­an Bau­er als Obmann-Stell­ver­tre­ter und Fabi­an Rusn­jak als Kas­sier (Ver­ein­re­gis­ter­aus­zug 3.3.13)

Unter dem Namen „Raul Jau­bein“ leg­te Juli­an Bau­er für das damals noch zugäng­li­che Forum der „Iden­ti­tä­ren Gene­ra­ti­on“ sogar ein eige­nes Kon­to an. Auf Face­book scherz­te er mit sei­nem Obmann Mar­ko­vics über die wah­re Iden­ti­tät des „Juli­an Bau­er“. Ein Foto zeigt ihn neben einem ande­ren iden­ti­tä­ren Juli­an, der in einer Anti­fa-Recher­che kurz­fris­tig irr­tüm­lich als Juli­an Bau­er bezeich­net wor­den war. Ein wei­te­res Foto von „Raul Jau­bein“ und der grin­sen­de Juli­an Bau­er mit dem V‑Zeichen machen die Sache klar. „Raul Jau­bein“ exis­tiert auch als Juli­an Bauer.

"Raul Jaubein" im Forum der Identitären Generation (Screenshot 2013)
„Raul Jau­bein” im Forum der Iden­ti­tä­ren Gene­ra­ti­on (Screen­shot 2013)

Juli­an Bau­er taucht auch auf einer Lis­te von Beitragszahler:innen (bzw. Spender:innen) für die IBÖ auf, intern in der „Koor­di­na­ti­ons­grup­pe“ gemein­sam mit „Tyr­ta­los“ und „Karl Mart“. 2015 zeig­te ihn ein Foto von „Recher­che Wien“ als Teil­neh­mer der pro­vo­kant insze­nier­ten Iden­ti­tä­ren-Demo in Favo­ri­ten, an der auch zahl­rei­che Neo­na­zis betei­ligt waren.

Vandalia und rechtsextreme Publizistik

Für eini­ge der fol­gen­den Jah­re konn­ten wir kei­ne öffent­li­chen Akti­vi­tä­ten von Juli­an Bau­er fest­stel­len. Es scheint, als habe sich Bau­er, der auch Mit­glied der pen­na­len Bur­schen­schaft Van­da­lia Wien ist, tat­säch­lich dem Stu­di­um zuge­wandt. Bau­er sam­melt jeden­falls aka­de­mi­sche Titel. Als er im DÖW-Rechts­extre­mis­mus-Bericht 2023 zitiert wur­de, war er aller­dings schon wie­der eini­ge Jah­re publi­zis­tisch aktiv. Im Bericht (S. 78) heißt es:

Am Stif­tungs­fest einer wei­te­ren Pen­na­lie, der Wie­ner Bur­schen­schaft Van­da­lia, beklag­te Fest­red­ner Juli­an Bau­er in anti­se­mi­ti­scher Manier die „Aus­wir­kun­gen des glo­ba­lis­ti­schen, noma­di­schen, eben nicht in der Hei­mat ver­wur­zel­ten Geis­tes“ auf die Jugend.

Im Rechts­extre­mis­mus-Bericht 2023 und 2024 wird Bau­er als Autor für die rechts­extre­me Pos­til­le „Eck­art“ der Öster­rei­chi­schen Lands­mann­schaft (ÖLM) ange­führt. Der „Eck­art“ hat nach der inte­ri­mis­ti­schen Chef­re­dak­ti­on von Andre­as Thier­ry ali­as Kon­rad Rei­sin­ger, also ab 2022, wie­der eine deut­li­che iden­ti­tä­re Schlag­sei­te bekom­men, wäh­rend unter Thier­ry die dump­fen Braun­tö­ne bestim­mend waren. Juli­an Bau­er hat­te aber schon unter Thier­ry einen Platz zum Schrei­ben im „Eck­art“ gefun­den. Wir haben ihn jeden­falls bereits seit 2020 als Autor registriert.

2023 ver­fass­te Bau­er für den „Eck­art“ (Nr. 3/23) einen Bei­trag über den öster­rei­chi­schen Poli­ti­ker und „Bau­ern­be­frei­er“ Hans Kud­lich. Wort­ident erschien die­ser Bei­trag spä­ter auch in der Zeit­schrift „Jun­ges Leben“ des „Öster­rei­chi­schen Pen­nä­ler Ring“ (ÖPR), aller­dings unter dem Namen Juli­an Kon­rad. „Mit freund­li­cher Geneh­mi­gung des Eck­art, wo die­ser Bei­trag in der März-Aus­ga­be erschie­nen ist“, heißt es dazu in „Jun­ges Leben“.

Als Julian Konrad im FPÖ-Parlamentsklub

Juli­an Bau­er ali­as Raul Jau­bein exis­tiert also auch als Juli­an Kon­rad. Jeden­falls zeit­wei­se. Als Juli­an Kon­rad heu­er­te Raul Jau­bein ali­as Juli­an Bau­er 2019 im FPÖ-Par­la­ments­klub an – just in jener Zeit, als die Spen­de des Christ­church-Atten­tä­ters an Mar­tin Sell­ner publik wur­de und sich die FPÖ – nach außen – von den Iden­ti­tä­ren distan­zier­te. Kon­rad werkt als par­la­men­ta­ri­scher Mit­ar­bei­ter für den Abge­ord­ne­ten und Klub­di­rek­tor Nor­bert Neme­th, der neben sei­ner Mit­glied­schaft bei der deut­schen Bur­schen­schaft Olym­pia auch Alter Herr der pen­na­len Bur­schen­schaft Van­da­lia ist. Man kennt sich also von früher.

Auch die Ver­bin­dung zu Alex­an­der Mar­ko­vics dürf­te wei­ter­hin auf­recht sein – nicht nur auf Face­book. Mar­ko­vics, der seit gerau­mer Zeit das pro­rus­si­sche und Dugin ver­eh­ren­de Suwo­row-Insti­tut in Wien stolz als Gene­ral­se­kre­tär anführt, ist auch Chef­re­dak­teur der rechts­extre­men Zeit­schrift „Ago­ra Euro­pa“ des Meta­Pol-Ver­lags. Um Ver­lag und Zeit­schrift ein­zu­ord­nen, ver­wei­sen wir hier nur auf eine Anfra­ge der frü­he­ren Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mar­ti­na Ren­ner (Die Lin­ke) und die Ant­wort der deut­schen Bun­des­re­gie­rung.

In der Nr. 6 der Zeit­schrift (August 2025), die über die „Rück­kehr des Vol­kes und der ech­ten Rech­ten“ sin­niert, publi­ziert neben dem rus­si­schen Faschis­ten Alex­an­der Dugin und Chef­re­dak­teur Alex­an­der Mar­ko­vics auch ein Juli­an Bau­er. Es wird doch nicht „unser“ Juli­an Bau­er ali­as Kon­rad ali­as Jau­bein, der Freund von Alex­an­der Mar­ko­vics und der par­la­men­ta­ri­sche Mit­ar­bei­ter von Nor­bert Neme­th im FPÖ-Klub sein?

Julian Bauer als Autor bei "Agora" (August 25)
Juli­an Bau­er als Autor bei „Ago­ra” (August 25)

P.S.: Die AfD hat Meta­Pol und „Ago­ra Euro­pa“ auf die Unver­ein­bar­keits­lis­te gesetzt. Die wird zwar per­ma­nent miss­ach­tet, bemer­kens­wert bleibt die­ser Fakt dennoch.

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Schlagwörter: Antisemitismus | Burschen-/Mädelschaften/Korporationen | FPÖ | Identitäre | Rechtsextremismus | Wien

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