„Raul Jaubein“ und die frühen Identitären
„Raul Jaubein“, dieses Buchstabenrätsel ist leicht aufzulösen: Es steht für Julian Bauer. Bauer war stellvertretender Obmann vom „Verein zur Erhaltung und Förderung der kulturellen Identität“, der im August 2012 gegründet wurde. Obmann war Alexander Markovics. Heute heißt der Verein noch immer so – nur hat er als Vorspann die Bezeichnung „Identitäre Bewegung“ und wird von Martin Sellner geführt. Als Kassier des identitären Vereins war schon in der Gründungsphase Fabian Rusnjak verzeichnet, der heute parlamentarischer Mitarbeiter für den FPÖ-Abgeordneten Sebastian Schwaighofer ist.

Unter dem Namen „Raul Jaubein“ legte Julian Bauer für das damals noch zugängliche Forum der „Identitären Generation“ sogar ein eigenes Konto an. Auf Facebook scherzte er mit seinem Obmann Markovics über die wahre Identität des „Julian Bauer“. Ein Foto zeigt ihn neben einem anderen identitären Julian, der in einer Antifa-Recherche kurzfristig irrtümlich als Julian Bauer bezeichnet worden war. Ein weiteres Foto von „Raul Jaubein“ und der grinsende Julian Bauer mit dem V‑Zeichen machen die Sache klar. „Raul Jaubein“ existiert auch als Julian Bauer.

Julian Bauer taucht auch auf einer Liste von Beitragszahler:innen (bzw. Spender:innen) für die IBÖ auf, intern in der „Koordinationsgruppe“ gemeinsam mit „Tyrtalos“ und „Karl Mart“. 2015 zeigte ihn ein Foto von „Recherche Wien“ als Teilnehmer der provokant inszenierten Identitären-Demo in Favoriten, an der auch zahlreiche Neonazis beteiligt waren.
Vandalia und rechtsextreme Publizistik
Für einige der folgenden Jahre konnten wir keine öffentlichen Aktivitäten von Julian Bauer feststellen. Es scheint, als habe sich Bauer, der auch Mitglied der pennalen Burschenschaft Vandalia Wien ist, tatsächlich dem Studium zugewandt. Bauer sammelt jedenfalls akademische Titel. Als er im DÖW-Rechtsextremismus-Bericht 2023 zitiert wurde, war er allerdings schon wieder einige Jahre publizistisch aktiv. Im Bericht (S. 78) heißt es:
Am Stiftungsfest einer weiteren Pennalie, der Wiener Burschenschaft Vandalia, beklagte Festredner Julian Bauer in antisemitischer Manier die „Auswirkungen des globalistischen, nomadischen, eben nicht in der Heimat verwurzelten Geistes“ auf die Jugend.
Im Rechtsextremismus-Bericht 2023 und 2024 wird Bauer als Autor für die rechtsextreme Postille „Eckart“ der Österreichischen Landsmannschaft (ÖLM) angeführt. Der „Eckart“ hat nach der interimistischen Chefredaktion von Andreas Thierry alias Konrad Reisinger, also ab 2022, wieder eine deutliche identitäre Schlagseite bekommen, während unter Thierry die dumpfen Brauntöne bestimmend waren. Julian Bauer hatte aber schon unter Thierry einen Platz zum Schreiben im „Eckart“ gefunden. Wir haben ihn jedenfalls bereits seit 2020 als Autor registriert.
2023 verfasste Bauer für den „Eckart“ (Nr. 3/23) einen Beitrag über den österreichischen Politiker und „Bauernbefreier“ Hans Kudlich. Wortident erschien dieser Beitrag später auch in der Zeitschrift „Junges Leben“ des „Österreichischen Pennäler Ring“ (ÖPR), allerdings unter dem Namen Julian Konrad. „Mit freundlicher Genehmigung des Eckart, wo dieser Beitrag in der März-Ausgabe erschienen ist“, heißt es dazu in „Junges Leben“.
Als Julian Konrad im FPÖ-Parlamentsklub
Julian Bauer alias Raul Jaubein existiert also auch als Julian Konrad. Jedenfalls zeitweise. Als Julian Konrad heuerte Raul Jaubein alias Julian Bauer 2019 im FPÖ-Parlamentsklub an – just in jener Zeit, als die Spende des Christchurch-Attentäters an Martin Sellner publik wurde und sich die FPÖ – nach außen – von den Identitären distanzierte. Konrad werkt als parlamentarischer Mitarbeiter für den Abgeordneten und Klubdirektor Norbert Nemeth, der neben seiner Mitgliedschaft bei der deutschen Burschenschaft Olympia auch Alter Herr der pennalen Burschenschaft Vandalia ist. Man kennt sich also von früher.
Auch die Verbindung zu Alexander Markovics dürfte weiterhin aufrecht sein – nicht nur auf Facebook. Markovics, der seit geraumer Zeit das prorussische und Dugin verehrende Suworow-Institut in Wien stolz als Generalsekretär anführt, ist auch Chefredakteur der rechtsextremen Zeitschrift „Agora Europa“ des MetaPol-Verlags. Um Verlag und Zeitschrift einzuordnen, verweisen wir hier nur auf eine Anfrage der früheren Bundestagsabgeordneten Martina Renner (Die Linke) und die Antwort der deutschen Bundesregierung.
In der Nr. 6 der Zeitschrift (August 2025), die über die „Rückkehr des Volkes und der echten Rechten“ sinniert, publiziert neben dem russischen Faschisten Alexander Dugin und Chefredakteur Alexander Markovics auch ein Julian Bauer. Es wird doch nicht „unser“ Julian Bauer alias Konrad alias Jaubein, der Freund von Alexander Markovics und der parlamentarische Mitarbeiter von Norbert Nemeth im FPÖ-Klub sein?

P.S.: Die AfD hat MetaPol und „Agora Europa“ auf die Unvereinbarkeitsliste gesetzt. Die wird zwar permanent missachtet, bemerkenswert bleibt dieser Fakt dennoch.
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