Fünfte Kolonne Putins: Das Suworow Institut

Das Suworow Insti­tut in Wien gibt vor, den Öster­re­ichisch-Rus­sis­chen Dia­log fördern zu wollen. Warum ist es dann aber benan­nt nach einem zaris­tis­chen Gen­er­al des 18. Jahrhun­derts, der zeit seines Lebens haupt­säch­lich Angriff­skriege führte und Auf­stände bekämpfte? Und warum geben sich beim Suworow Insti­tut fast nur Recht­sex­treme die Klinke in die Hand?

Im Sep­tem­ber 2014 wurde das Suworow Insti­tut in Wien gegrün­det. Der Zeit­punkt lässt eben­so wie der Namensge­ber Suworow ver­muten, dass es einen nicht näher for­mulierten Zusam­men­hang mit dem rus­sis­chen Über­fall auf die Krim und den Don­bass im Jahr 2014 geben kön­nte. Bloße bösar­tige Speku­la­tion? Lei­der nein!

Poppel über "humane Kriegsführung" (Screenshot Website Suworow)

Pop­pel über „humane Kriegs­führung” (Screen­shot Web­site Suworow)

Der ehe­ma­lige Gen­er­alsekretär des Suworow Insti­tuts, Patrick Pop­pel, der mit­tler­weile zum einzi­gen Ehren­mit­glied des Insti­tuts avancierte, wird auf der Web­site mit dem Titel „Leit­er der Außeror­dentlichen Kom­mis­sion zur Unter­stützung von Neu­rus­s­land“ und als „Mit­glied des Komi­tees für Frieden in der Ukraine“ ange­führt. Aktiv­itäten der „Außeror­dentlichen Kom­mis­sion“ für Neu­rus­s­land und ihres Leit­ers Pop­pel kon­nten wir nicht find­en, aber uns reicht schon die Beze­ich­nung „Neu­rus­s­land“, die ein ide­ol­o­gis­ch­er Ter­mi­nus für impe­ri­al­is­tis­che rus­sis­che Eroberungsphan­tasien in der Ukraine ist. Das „Komi­tee für Frieden in der Ukraine“ hinge­gen existiert tat­säch­lich und ist ein lebendi­ger Beleg für „Querfront“-Aktivitäten, also die Koop­er­a­tio­nen von Recht­sex­tremen mit Per­so­n­en und Grup­pen, die sich als „links“ beze­ich­nen. Das Suworow Insti­tut hat einige dieser Leim­ruten ausgelegt.

Website Suworow Institut

Web­site Suworow Institut

Die Grün­dung des Instituts

Pop­pel, der mit Stand 2012 als „Offizier“ der Ehren­garde des Lazarus Union auf­scheint, war Mitar­beit­er des blauen (FPÖ, BZÖ) Recht­saußen von Ewald Stadler, der zulet­zt als Rekos-Spitzenkan­di­dat für die Wahl zum Europäis­chen Par­la­ment 2014 ver­glühte. Auf dem weit recht­saußen posi­tion­ierten christlichen Fun­di-Por­tal Gloria.tv betreibt Pop­pel sog­ar einen eige­nen Kanal, um damit zu missionieren.

Poppel als Kommandant der Offiziere der Ehrengarde der Lazarus Union

Pop­pel als Kom­man­dant der Offiziere der Ehren­garde der Lazarus Union

Pop­pel, der auch als Wiener Lan­dessprech­er von Rekos fungierte und im Mai 2015 in dieser Funk­tion die ultra­na­tion­al­is­tis­chen rus­sis­chen „Nachtwölfe“-Biker begrüßte, dürfte da par­al­lel schon an sein­er Kar­riere als Suworow-Gen­er­alsekretär gear­beit­et haben. Obmann des Insti­tuts war in den Anfän­gen der mit­tler­weile ver­stor­bene rus­sis­che Jour­nal­ist Igor Belov, der für das staatliche rus­sis­che Medi­um „Sput­nik“ berichtete, wie der „Stan­dard“ in einem infor­ma­tiv­en Beitrag über die ersten Jahre des Suworow Insti­tuts berichtete.

2014 war nicht nur wegen des rus­sis­chen Kriegs gegen die Ukraine im Don­bass und der Okku­pa­tion der Krim ein Schlüs­sel für die Grün­dung des Insti­tuts. Im pom­pösen Wiener Palais Liecht­en­stein lagen nur wenige Tage nach der „Grün­dung“ der Union der Volk­sre­pub­liken von Donezk und Lugan­sk, also des Kerns von „Neu­rus­s­land“, recht­sex­treme Poli­tik­er aus Öster­re­ich (Stra­che, Gude­nus) und anderen Staat­en dem Chefide­olo­gen von „Neu­rus­s­land“, Alexan­der Dug­in, und dem Oli­garchen und Organ­isator des Meet­ings, Kon­stan­tin Mal­ofe­jew, zu Füßen. Das offizielle The­ma des Tre­f­fens, die Erin­nerung an den Wiener Kongress vor 200 Jahren, kann man angesichts der poli­tis­chen Umstände get­rost als dürftige Ver­schleierung ein­er engeren Koop­er­a­tion recht­sex­tremer und prorus­sis­ch­er Grup­pen und Parteien auch im Hin­blick auf die rus­sis­che Aggres­sion in der Ukraine betra­cht­en. Mal­ofe­jew war schon zu diesem Zeit­punkt als ein­er der Finanziers dieser Aggres­sion in der Ukraine bekannt.

Wer zahlt?

Nur wenige Monate später, im Sep­tem­ber 2014, ent­stand auch das Suworow Insti­tut – aus dem Nichts um Nichts? Im Gespräch mit dem „Stan­dard“ gab Pop­pel, mit­tler­weile nicht nur Gen­er­alsekretär, son­dern sel­ber Obmann des gle­ich­nami­gen Vere­ins, 2016 zum Besten, dass das Insti­tut „eigentlich gar keine Finanzierung“ benötige, weil seine Tätigkeit­en „nur geringe Mit­tel“ (derstandard.at, 31.7.16) benöti­gen würde. Sehr lieb, aber nicht unbe­d­ingt glaub­würdig. Ob Mal­ofe­jew direkt oder indi­rekt – etwa über Hon­o­rare für Beiträge für seinen Think­tank „Kate­hon“ – zur Finanzierung des Insti­tuts beiträgt, kann nur ver­mutet, aber nicht belegt wer­den. Jeden­falls treten sowohl der Gen­er­alsekretär Pop­pel als auch der frühere „Press­esprech­er“ des Insti­tuts, der Burschen­schafter und Ex-Iden­titäre Alexan­der Markovics, als Ver­fass­er von Beiträ­gen und „Analy­sen“ für Kate­hon auf. Pop­pel durfte etwa zynisch über „Rus­s­lands humane Kriegs­führung gegen unmen­schliche Strate­gien“ schwadronieren, während Markovics getreu sein­er Sozial­i­sa­tion durch die Burschen­schaft „Olympia“ und die Iden­titären, gerne auch den recht­sex­tremen Ide­olo­gen raushän­gen durfte.

Markovics zum Ausgang der Bundespräsidentenwahlen 2016: "The Austrian Olygarchy won" (Screenshot Website Suworow)

Markovics zum Aus­gang der Bun­de­spräsi­den­ten­wahlen 2016: „The Aus­tri­an Oly­garchy won” (Screen­shot Web­site Suworow)

Alexan­der Markovics hat mit­tler­weile den Auf­stieg im Insti­tut geschafft, ist nicht mehr bloß der Press­esprech­er, son­dern seit dem Abgang von Pop­pel 2019 auch der Gen­er­alsekretär des Insti­tuts, sein Obmann und auch der Schrift­führer. Das spricht nicht nur für gewisse per­son­elle Eng­pässe beim Insti­tut oder auch für leicht autokratis­che Ten­den­zen, son­dern für sparsames Wirtschaften. Aber selb­st wenn zumin­d­est der frühere Gen­er­alsekretär, der jet­zt Gen­er­alsekretär der Öster­re­ichisch-Abcha­sis­chen Gesellschaft ist, bei seinen gele­gentlichen Reisen durch rus­sisch beset­zte Ter­ri­to­rien gün­stig verpflegt wurde: Gen­er­alsekretäre kosten auch Geld und in der Regel Ref­er­enten und Ver­anstal­tun­gen eben­falls. Dass „eigentlich gar keine Finanzierung“ für das Insti­tut notwendig sei, weiß der Pop­pel sich­er besser.

Markovics mit Lindemann: "unser Mann aus Berlin" (Screenshot FB Suworow)

Markovics mit Lin­de­mann: „unser Mann aus Berlin” (Screen­shot FB Suworow)

Die recht­sex­tremen Referenten

Auch wenn der wegen Wieder­betä­ti­gung verurteilte Arzt Thomas Unden mit dem eige­nen Flugzeug zum Inter­view für „Suworow-TV“ herangeeilt ist und sich ver­mut­lich den Sprit dafür sel­ber bezahlt hat, bei den anderen Ref­er­enten darf man das nicht als selb­stver­ständlich voraus­set­zen und annehmen.

Als im Jän­ner 2018 der Neo­faschist Alexan­der Dug­in (1) aus Rus­s­land anreiste und die Herzen der in diesem Fall zahlre­ich ver­sam­melten Insti­tuts-Fans erglühen ließ, war auch ein Besuch des FPÖ-Akademiker­balls damit ver­bun­den. Wer hat das alles wohl bezahlt? Das Insti­tut aus den nicht vorhan­de­nen Mit­teln? Die FPÖ? Kon­stan­tin Mal­ofe­jew? Wer bezahlte den Besuch von Pop­pel bei Dug­in im Sep­tem­ber 2017 in Moskau?

Im Sep­tem­ber 2020 war ein ander­er Ref­er­ent zu Gast beim Insti­tut, um über das The­ma „Haben die Ser­ben im Koso­vo eine Zukun­ft?“ zu referieren. Maik Müller sprach in sein­er Funk­tion als Leit­er der „Europäis­chen Sol­i­dar­itäts­front für Koso­vo“ und nicht als Neon­azi, der er als Obmann der Dres­d­ner NPD und Aktivist der Dres­d­ner Neon­azi-Aufmärsche zweifel­los auch ist.

Ein beson­ders beliebter Ref­er­ent ist der Berlin­er AfD-Land­tagsab­ge­ord­nete Gun­nar Lin­de­mann, der sog­ar inner­halb der AfD am recht­en Rand ste­ht. Lin­de­mann durfte mit Pop­pel nicht nur die zwangsrus­si­fizierten Regio­nen Krim und Lugan­sk bzw. das nicht inter­na­tion­al anerkan­nte Abchasien bereisen (infor­ma­tive Tweets liefert der Account „Gegen die AfD“), son­dern ist auch ein gern gese­hen­er Gast beim Insti­tut selb­st. (2)

Patrick Poppel und Gunnar Lindemann (Screenshot ARD Kontraste, 31.3.22)

Patrick Pop­pel und Gun­nar Lin­de­mann (Screen­shot ARD Kon­traste, 31.3.22)

Im Sep­tem­ber 2019 hielt Lin­de­mann unter dem Titel „Das Suworow Insti­tut bringt den Men­schen die Wahrheit“ die Fes­tansprache zum fün­fjähri­gen Beste­hen, im Jän­ner 2020 feierte er das rus­sis­che Neu­jahr mit Alexan­der Markovics. Beim Suworow Insti­tut tauchte 2016 auch der Neurechte Jurij Kofn­er auf, als Alexan­der Markovics ger­ade einen sein­er lan­gat­mi­gen Vorträge, in diesem Fall über die Iden­titäre Bewe­gung, hielt.

Lindemann mit Poppel 2019 in Wien: "Das Suworow Institut bringt den Menschen die Wahrheit (Screenshot FB Suworow)

Lin­de­mann mit Pop­pel 2019 in Wien: „Das Suworow Insti­tut bringt den Men­schen die Wahrheit (Screen­shot FB Suworow)

Das Suworow Insti­tut hat auch Gesprächs­for­mate entwick­elt, die als kon­tro­verse Diskus­sio­nen präsen­tiert wer­den, obwohl sie nur der alten recht­sex­tremen „Querfront“-Strategie fol­gen. Dazu ein andermal.

Poppel mit Lindemann in Lugansk (Screenshot FB Suworow)

Pop­pel mit Lin­de­mann in Lugan­sk (Screen­shot FB Suworow)

1 auf­führliche Recherche zu Dug­in: „Dug­in: Der Faschist hin­ter Putin”
2 Der Putin-Pro­pa­gan­dist Lin­de­mann trat am 26. März 22 auch im iden­titären Zen­trum in Steyregg auf, um dort über den Krieg in der Ukraine zu referieren.