Bayern-Delegation mit viel einschlägigem Gepäck
Die AfD-Bayern hat es zuhauf nach Wien gezogen. Mindestens sieben Landtags- und Bundestagsabgeordnete pfiffen auf die Fastenzeit und zeigten sich am 20. Februar in der Wiener Hofburg. Der Landtagsabgeordnete Daniel Halemba konnte eine Anfang Februar vom Amtsgericht Würzburg (nicht rechtskräftig) ausgesprochene Verurteilung wegen Nötigung und Geldwäsche zu einer Geldstrafe von 30.400 Euro hinunterschwemmen. Halemba war nach einer Razzia bei seiner weit rechtsstehenden Burschenschaft Teutonia Prag zu Würzburg zusätzlich mit Nazi-Vorwürfen konfrontiert.
Ebenfalls am Ball: Die Fraktionschefin der AfD im bayerischen Landtag Katrin Ebner-Steiner und Markus Walbrunn, AFD-Oberbürgermeisterkandidat in München, der vor kurzem erklären musste, warum sich auf seiner Wahlliste ein verurteilter Mörder befand. Beide lassen sich nun von der MAGA-Bewegung „Turning Point USA“ einen Trip in das Trump-Land finanzieren.
Neben Halemba fiel auch der Burschenschafter Franz Schmid (Danubia München) auf, der als Person das doch bemerkenswerte Privileg genießt, vom Verfassungsschutz wegen seiner rechtsextremistischen Aktivitäten beobachtet zu werden.
Auch aus Bayern angereist war der Bundestagsabgeordnete Christoph Birghan. Der „Alte Herr“ der wegen ihrer Rechtsaußen-Vorfälle skandalträchtigen Burschenschaft Gothia Berlin versuchte, nach Vorbild der FPÖ („FAV“) einen AfD-Akademikerverband („DAV“) zu gründen. Das Vorhaben soll bereits am Start in ein ziemliches Fiasko gemündet sein, Birghans Verein kommt auch mehr als sieben Jahre nach seiner Gründung nicht vom Fleck.
Ein Ausgeschlossener, die Hochstapel-Affäre und ein Helmut, der kein Helmut ist
Von seiner Burschenschaft hinausbefördert wurde der aus Nordrhein-Westfalen kommende Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich, der selbst innerhalb der AfD als Konfliktfigur gilt. 2025 beschloss das Landesschiedsgericht der NRW-AfD seinen Parteiausschluss. Aufgetauchte Chats und E‑Mails mit NS-Anspielungen und antisemitischen bzw. rassistischen Passagen aus früheren Zeiten seien manipuliert, behauptet der unter der angeblichen Selbstbezeichnung „das freundliche Gesicht des NS“ firmierende Abgeordnete. Er posierte am Ball provokant mit Martin Sellner, um seinen Parteioberen auszurichten, was er vom „Kontaktverbot“ hält.
Aus Brandenburg kamen der Landtagsabgeordnete Dennis Hohloch samt Gattin Mary Khan-Hohloch, die im Europaparlament sitzt. Hohloch wurde vom Verfassungsschutz Brandenburg als rechtsextrem eingestuft. Seine Frau geriet im Vorfeld der Europawahl in die sogenannte Hochstapler-Affäre: Sie hatte in ihrem Lebenslauf für die Kandidatur einen Studienabschluss erfunden. Die AfD verhängte über sie zwar eine Ämtersperre, ins Europaparlament konnte sie dennoch einziehen.
Neben Mandatsträger:innen war Personal aus der neuen AfD-Jugendstruktur „Generation Deutschland“ (GD) präsent – drei Beisitzer aus dem Bundesvorstand, darunter der Burschenschafter Helmut Strauf, der, wie deutsche Medien aktuell berichten, kein echter „Helmut“ sei und unter diesem Aliasnamen seinen „undeutsch“ klingenden Namen „Luca Maurice“ samt migrantischer Familienherkunft verschleiern wolle. Strauf sei mit tatkräftiger Unterstützung von Halemba und Schmid in den GD-Vorstand gehievt worden und hatte in seiner Bewerbungsrede „millionenfache Remigration“ gefordert.
Digitaler Mob
Erst gar nicht in eine Burschenschaft geschafft hat es der Ballbesucher Patrick Kolek. Als Fuchs der „Alemannia Köln“ soll er durch einen Schuss mit einer Schreckschusswaffe seine Bundesbrüder dermaßen verstört haben, dass die befanden, er sei „auf keinen Fall geeignet (…) eine Waffe zu führen und [stelle] eine hohe Gefahr für sich selbst und alle anderen Personen auf unserem Haus dar“ (internes Schreiben zit. nach autonome-antifa.org, 16.9.25).
Kolek, auf Musks X unter „RealWuppi“ unterwegs, verkörpert den Übergang vom Online-Mob zur Parteiarbeit und steht für eine arbeitsteilige Infrastruktur: digitale Attacke, öffentliche Inszenierung, flankiert von Einschüchterung. Nicht nur die Plattform „Belltower“ (12.9.25) beschreibt Methoden wie Doxxing, koordinierte Shitstorms und Drohkulissen, verpackt als vermeintlicher „Journalismus“. Der in Koblenz ansässige und der Vorfeldriege des AfD-Landtagsabgeordneten Joachim Paul zugerechnete Kolek stehe
exemplarisch für eine Strategie, die nicht nur politische Gegner*innen zum Schweigen bringen soll, sondern auch die Grenzen des Sagbaren Schritt für Schritt nach rechts verschiebt. Dabei ist Kolek wohl ein Akteur mit AfD-Parteibuch, der derart offen seine rechtsextreme Ideologie aufzeigt wie wenige.
Der deutsche Anwalt Chan-jo Jun fragt nach einem juristischen Sieg gegen Kolek in einem Bluesky-Posting: „Wie viel digitale oder reale Gewalt sind Mitglieder und Anhänger der AfD bereit anzuwenden um ihre verfassungsfeindlichen Ziele gegen mich und mein Tram umzusetzen? Staatsschutz ist besorgt. Der Rechtsstaat wird herausgefordert, wenn Urteil nicht durch Berufung, sondern Bedrohung angefochten werden.“ (Fehler im Original) Es wundert nicht, dass Kolek nach dem Ball zur Veranstaltung mit dem von Gewaltphantasien durchtränkten US-Faschisten Curtis Yarvin in den Ferdinandihof gepilgert ist.
Einschlägiges Rahmenprogramm mit einschlägigen Figuren
Auffällig ist auch die Rückkehr einer alten Tradition von Veranstaltungen rund um den Balltermin: Während die Stiftung der FPÖ-Fraktion im Europaparlament „Patriots for Europe Foundation“ mit ihrem Präsidenten, dem Fidesz-Politiker András László, über den „Angriff auf die Medien- und Meinungsfreiheit“ diskutierte – ein Thema, über das László angesichts der deprimierenden Lage in Ungarn viel sagen könnte, aber naturgemäß nichts gesagt hat – und auch die anderen Diskutant:innen, darunter die Ballbesucher:innen Petra Steger, René Aust und Eva Vlaardingerbroek, nur die übliche Leier gegen die etablierten Medien abgelassen haben, waren einige aus der AfD ebenfalls beim Event mit Yarvin Curtis zugegen.
Vlaardingerbroek, die in sozialen Medien als rechtsextreme Influencerin agiert, verbreitet seit Jahren „Great Replacement“-Erzählungen und ist auf dem europäischen Rechtsaußen-Speaker-Circuit präsent. Der „Guardian“ (15.1.26) berichtete zuletzt über den Entzug ihres visafreien Reisezugangs nach Großbritannien. Ein „Visum“ fürs Parlament wurde vor dem Ball dafür vom Nationalratspräsidenten Walter Rosenkranz erteilt, der die Niederländerin persönlich durchs Haus am Ring führte.
Davor wurde die niederländische Rechtsextremistin Eva Vlaardingerbroek von Rosenkranz persönlich im Parlament empfangen. Rosenkranz macht aus dem Parlament eine Rechtsextremen-Bude.
— Stoppt die Rechten (@stopptdierechten.at) 20. Februar 2026 um 21:44
Inszenierungen und Selbstentlarvung
Aus der Schweiz reisten Aktivisten von der neonazistischen „Jungen Tat“ an, darunter der bereits vorbestrafte Manuel Corchia, der sich bald vor einem Schweizer Gericht wegen einer Reihe von Delikten verantworten wird müssen. Corchia ließ sich vor der Hofburg mit Sellner, Vlaardingerbroek und dem deutschen IB-Kader Maximilian Märkl ablichten.
Die neurechte identitären-nahe Szene nützte ihr Zusammenkommen, um Podcasts und Videos zu produzieren und sich nach dem Ball vor der französischen Botschaft anlässlich des gewaltsamen Todes von Quentin Deranque zu inszenieren.
Die AfD-Spitzenkandidatin für die bevorstehende Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, Catalina Monzon, resümierte auf X zum Ball: „Während draußen die Antifa friert, ertränkt in ihrem Neid und Hass, tanzen wir durch die Nacht.“ Garniert ist der Tweet mit einem Foto, auf dem sie ausgerechnet mit dem Hassprediger Kolek posiert. Was für eine Selbstentlarvung aus dem rechtsextremen Mordor!
➡️ Fotostrecken Theo Winkler:
Akademikerball
Veranstaltung mit Curtis Yarvin 19.2.26
Veranstaltung mit Curtis Yarvin 21.2.26
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