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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Blaues Stelldichein mit Helferich

Die Ent­hül­lung von „Stoppt die Rech­ten“, dass der deut­sche rechts­extre­me Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te Mat­thi­as Hel­fe­rich als Red­ner am Stif­tungs­fest der Ald­ania, der Haus­bur­schen­schaft der Wie­ner FPÖ, auf­tre­ten wür­de, hat hohe Wel­len geschla­gen. Die blau­en Ald­anen haben geschwie­gen, ande­re aus der Par­tei posier­ten mit Hel­fe­rich und ver­öf­fent­lich­ten davon Fotos. 

4. Juni 2024
Matthias Helferich, fraktionslos (Screenshot Mediathek Dt. Bundestag 17.4.24)
Matthias Helferich, fraktionslos (Screenshot Mediathek Dt. Bundestag 17.4.24)

Die deut­sche Hotel­grup­pe „Arcotel“ sah sich ver­an­lasst, nicht nur den vor­ge­se­he­nen Ver­an­stal­tungs­saal für die Ald­anen, son­dern auch die Zim­mer­bu­chung für Hel­fe­rich zu stornieren.

ARCOTEL Hotels distan­ziert sich klar und ent­schie­den von Rechts­extre­mis­mus. Nach ein­ge­hen­der Prü­fung der nicht ganz trans­pa­rent erfolg­ten Buchungs­an­fra­ge haben wir die Ver­an­stal­tung selbst­ver­ständ­lich abge­sagt. Jetzt und in Zukunft wer­den Ver­an­stal­tun­gen mit Ver­dacht auf rechts­extre­mis­ti­sche Prä­gung in kei­nem der 11 ARCOTEL Hotels in Deutsch­land und Oster­reich Zutritt fin­den. (Insta­gram, 29.5.24)

Nach­dem die Wie­ner Depen­dance der Arcotel zuletzt auch den Schwur­bel­kon­gress der FPÖ mit Star­schwurb­ler Sucha­rit Bhak­di aus­ge­rich­tet hat­te, wird zu beob­ach­ten sein, ob sich die Hotel­grup­pe, ins­be­son­de­re das Wie­ner Hotel Wim­ber­ger, zukünf­tig an ihr Bekennt­nis, kei­ne Ver­an­stal­tun­gen rechts­extre­mer Prä­gung mehr beher­ber­gen zu wol­len, hal­ten wird.

Schweigsame Blaue

Die aus der FPÖ betei­lig­ten Ald­anen – ange­führt vom Wie­ner Par­tei­chef Domi­nik Nepp – ver­wei­ger­ten auf Anfra­gen der Medi­en jeg­li­che Stel­lung­nah­men, und auch der blaue EU-Spit­zen­kan­di­dat Harald Vilims­ky zog es vor, einen Skan­dal gegen­über dem ORF zu insze­nie­ren und Hel­fe­richs Auf­tritt in Wien nicht zu kommentieren.

Das Ö1-Mor­gen­jour­nal hat den Wie­ner FPÖ-Obmann und Stadt­rat Domi­nik Nepp ges­tern um eine Stel­lung­nah­me zu sei­ner Bur­schen­schaft gebe­ten, die Anfra­ge blieb unbe­ant­wor­tet. EU-Spit­zen­kan­di­dat Harald Vilims­ky woll­te sich zu der Sache nicht äußern. Auch Edu­ard Schock, 2019 als lang­jäh­ri­ger Wie­ner FPÖ-Poli­ti­ker ins Direk­to­ri­um der Natio­nal­bank gehievt, ist ein Ald­ane. Schock war für ein State­ment zum Auf­tritt Hel­fe­richs bei sei­ner Bur­schen­schaft nicht erreich­bar. (Tran­skript Ö1-Mor­gen­jour­nal, 28.5.24)

Posierende Blaue

Anders hielt es die FPÖ-Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Dag­mar Bela­ko­witsch, die auf Face­book ein Foto mit Hel­fe­rich ver­öf­fent­lich­te: „Ges­tern [31.5.; Anmk. SdR] habe ich den AfD-Abge­ord­ne­te Mat­thi­as Hel­fe­rich in Wien zum Gedan­ken­aus­tausch getrof­fen. Es ist immer bes­ser mit­ein­an­der als über­ein­an­der zu spre­chen!“ Gegen­über der „APA“ ver­harm­los­te Bela­ko­witsch das Tref­fen: „Der Aus­tausch mit Abge­ord­ne­ten ande­rer Län­der ist Teil des poli­ti­schen All­tags.“ (APA via puls24.at, 2.6.24) Das lös­te erneut empör­te Reak­tio­nen aus. Unter dem Radar flog dabei der bur­gen­län­di­sche Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Chris­ti­an Ries, der zwar auch neben Hel­fe­rich posie­ren durf­te, dann aber man­gels Bekannt­heit nir­gend­wo genannt wurde.

Belakowitsch postet Foto nit Ries und Helferich (Schreenshot FB 1.6.24)
Bela­ko­witsch pos­tet Foto nit Ries und Hel­fe­rich (Screen­shot FB 1.6.24)

Die Frei­heit­li­che Jugend Wien ver­öf­fent­lich­te auf ihren Social Media-Kanä­len Fotos von einem Tref­fen mit Hel­fe­rich im Lokal „Schwei­zer­haus”. Zu sehen sind dort u.a. der ober­ös­ter­rei­chi­sche FJ-Obmann Sil­vio Hem­mel­mayr und zwei iden­ti­tä­re Kader, die iden­ti­tä­ren Akti­ons­grup­pen zuzu­rech­nen sind.

FJ Wien postet Foto mit Hemmelmayr, Barth und Helferich (Schreenshot FB 1.6.24)
FJ Wien pos­tet Foto mit Hem­mel­mayr, Barth und Hel­fe­rich (Screen­shot FB 1.6.24)

Helferich vor dem Parteiausschluss?

Span­nend wird sein, wie das gegen Hel­fe­rich kürz­lich ein­ge­lei­te­te Par­tei­aus­schluss­ver­fah­ren des AfD-Lan­des­ver­ban­des Nord­rhein-West­fa­len ver­lau­fen wird. Das hat jeden­falls Poten­ti­al, die Lan­des­grup­pe zu zer­rei­ßen. Für die einen ist Hel­fe­rich zu rechts­extrem, ande­re Tei­le aus der Par­tei unter­stüt­zen das selbst­er­nann­te „freund­li­che Gesicht des NS“. Dazu der Jour­na­list Rai­ner Roeser auf Nor­stadt­blog­ger (2.6.24):

Mat­thi­as Hel­fe­rich ist bes­tens ver­netzt. Beson­ders gut mit der ‚Jun­gen Alter­na­ti­ve‘, mit Flü­gel-Kader Björn Höcke, den rech­tes­ten Bur­schen­schaf­ten aus der ‚Deut­schen Bur­schen­schaft‘ und mit soge­nann­ten ‚Alter­na­ti­ven Medi­en‘ – was die letz­ten bei­den Punk­te anbe­langt: Nicht nur in Deutsch­land, son­dern auch in Österreich.

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Schlagwörter: AfD | Burschen-/Mädelschaften/Korporationen | FPÖ | Identitäre | Rechtsextremismus | RFJ | Weite Welt | Wien

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