Doku-Tipp: So trickst der Reichsbürger-König den Staat aus

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Wem ist das „König­reich Deutsch­land” bekannt und des­sen Mon­arch, der aber in der Yel­low Press kei­ne Erwäh­nung fin­det? Vor zehn Jah­ren hat­te sich der gelern­te Koch Peter Fit­zek in der Luther­stadt Wit­ten­berg selbst gekrönt. Dort erwarb er ein auf­ge­las­se­nes Kran­ken­haus­ge­län­de: Das waren die Anfän­ge sei­nes Reichs­ge­bie­tes und der Reichs­bür­ger­be­we­gung, die auch als Blau­pau­se für die öster­rei­chi­sche Sze­ne der Staats­ver­wei­ge­rer dient. Eine halb­stün­di­ge Doku zeigt, wie es Fit­zek gelingt, staat­li­che Insti­tu­tio­nen am Gän­gel­band zu füh­ren und das eige­ne Ver­mö­gen zu vermehren.

Peter Fit­zek ist gelern­ter Koch, bis zur Eigen­krö­nung Bera­ter für alles und nichts, Erfin­der von Din­gen, die nie­mand kennt, Wun­der­hei­ler und obers­ter Reichs­bür­ger, der die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land als Staat nicht aner­kennt und die Behör­den mit Ein­ga­ben und Ein­sprü­chen, die meist aus Non­sens bestehen, beschäf­tigt und sys­te­ma­tisch zumüllt. Das ist eine der Tak­ti­ken, mit der Fit­zek jah­re­lang einen Laden betrei­ben konn­te, ohne dafür eine Geneh­mi­gung zu besit­zen. Der Trick: Er über­trug das Geschäft einem Ver­ein, der für die Ein­nah­men auch kei­ner­lei Steu­ern abführte.

Fitzek krönt sich 2012 selbst zum Reichsbürger-König

Fit­zek krönt sich 2012 selbst zum Reichsbürger-König

Fit­zek expan­dier­te seit­her kräf­tig. Inzwi­schen führt er u.a. eine Ver­si­che­rung und die „Gemein­wohl­kas­se“ als Bank. Die staat­li­chen Kon­troll­be­hör­den und die Jus­tiz ver­sag­ten und konn­ten bis­lang gera­de ein­mal eine Filia­le schlie­ßen. Über die BaFin, die deut­sche Finanz­dienst­leis­tungs­auf­sicht, höhnt Fit­zek, sie sei „ein zahn­lo­ser Tiger, der gar nichts mehr machen kann“. In Gerichts­pro­zes­sen nützt Fit­zek das letz­te Wort (er darf nicht unter­bro­chen wer­den) und mono­lo­gi­siert stun­den­lang. Sei­ne Buß­geld­be­schei­de sol­len inzwi­schen sat­te 3,2 Mio Euro betragen.

Für sei­ne stän­di­ge Staats­ge­biets­er­wei­te­rung benö­tig Fit­zek Ein­nah­men, und die kom­men mil­lio­nen­fach als Schen­kun­gen von den „Unter­ta­nen“, die aber kei­ner­lei Ver­fü­gungs­ge­walt über das könig­li­che Ver­mö­gen haben – über das ver­fügt Fit­zek allei­ne. Inter­ne Umsturz­ver­su­che hat er bis­lang über­stan­den. Er führ­te eige­nes Geld, den „Engel“, ein; Euro kön­nen zwar in „Engel“ umge­tauscht wer­den, retour funk­tio­niert es nicht mehr. Per­so­nen, die bei Fit­zek inves­tie­ren, müs­sen damit rech­nen, ihr Geld nie wie­der zu sehen. Ein Ver­fah­ren gegen Fit­zek wegen Anla­ge­be­trugs ist jedoch wegen Pfusch durch die Jus­tiz gescheitert.

Fit­zek konn­te mit sei­nem auf kru­de Ver­schwö­rungs­ideo­lo­gien auf­bau­en­dem Geschäfts­mo­dell seit Pan­de­mie­be­ginn stark reüs­sie­ren. Er selbst sagt: „Je mehr Lei­dens­druck da drau­ßen ist, des­to bes­ser ist das für uns. Bevor Coro­na los­ging, waren wir noch mit 6 Leu­ten in Wit­ten­berg, und jetzt sind wir über 60.“ Auch laut deut­schem Ver­fas­sungs­schutz ist die Reichs­bür­ger­sze­ne anwach­send, etwa 21.000 Mit­glie­der soll sie inzwi­schen haben. Davon wer­den mehr als fünf Pro­zent dem rechts­extre­men Lager zuge­schla­gen, zehn Pro­zent sei­en gewalt­be­reit. So ver­wun­dert es auch nicht, dass Fit­zek gute Kon­tak­te in die Neo­na­zi-Sze­ne unterhält.

Auch die öster­rei­chi­sche Staats­ver­wei­ge­rer­sze­ne ist nach Deutsch­land gepil­gert, um dort in Schu­lun­gen zu ler­nen. Der „Staa­ten­bund” ist letzt­lich geschei­tert, sei­ne Proponent*innen befin­den sich in Haft, aber man ist hier­zu­lan­de eben­falls auf den Geschmack gekom­men, über Ver­ei­ne zu agie­ren. Öster­rei­chi­sche Ver­eins­kon­struk­tio­nen sind auch bei deut­schen Staatsverweiger*innen immer belieb­ter, weil das Ver­eins­recht sehr libe­ral ist: Nur zwei Per­so­nen und eine Adres­se in Öster­reich sind not­wen­dig, um einen Ver­ein zu grün­den, der dann de fac­to weit­ge­hend unkon­trol­liert agie­ren kann. Der jüngs­te dies­be­züg­li­che Fall, mit dem wir uns beschäf­tigt haben, ist der Ims­ter Bus­un­ter­neh­mer Andre­as T., der um die 40 Ver­ei­ne gegrün­det haben soll und behaup­tet, sein gesam­tes Ver­mö­gen auf die Ver­ei­ne über­tra­gen zu haben. Er ver­sucht der­wei­len noch ohne mon­ar­chi­sche Gelüs­te das Modell Fit­zek zu kopie­ren. Auch Deut­sche sind bei ihm dabei.

So trickst der Reichs­bür­ger-König den Staat aus (Das Erste/Fakt 2022, 28‘33“)