Schnedlitz, die Identitären und das „Ok“

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Sei­ne Sym­pa­thien für die Iden­ti­tä­ren hat der FPÖ-Gene­ral­se­kre­tär und Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Micha­el Schned­litz, blau­er Ämter­ku­mu­lie­rer und mit Neben­ein­künf­ten der zweit­höchs­ten Kate­go­rie (7.000–10.000€ monat­lich) geseg­net, schon früh erken­nen las­sen. Nun posiert er mit einem Iden­ti­tä­ren – samt White-Power-Zei­chen, das er „ok“ findet.

Legen­där ist Schned­litz’ Auf­tritt im Febru­ar 2016 bei einer FPÖ-Demons­tra­ti­on in Wie­ner Neu­stadt, bei der er die Iden­ti­tä­ren „herz­lich will­kom­men“ gehei­ßen hat­te. Damals woll­te er die Bun­des­re­gie­rung „mit nas­sen Fet­zen aus dem Par­la­ment jagen“; inzwi­schen wur­de sei­ne Par­tei mit einem feucht­fröh­li­chen Video-Fet­zen aus der Regie­rung gefegt. Als bekannt wur­de, dass Mar­tin Sell­ner vom Christ­church-Atten­tä­ter mit einer Spen­de ali­men­tiert wor­den war, ist Schned­litz klein­laut gewor­den, was sei­ne Affi­ni­tät zu den neo­fa­schis­ti­schen Iden­ti­tä­ren betraf. „Ich bin und war nie Mit­glied der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung und es gibt auch kein Nahe­ver­hält­nis oder Ähn­li­ches“ (kurier.at, 20.1.20), mein­te er Anfang 2020 anläss­lich sei­ner Bestel­lung zum Par­tei-Gene­ral­se­kre­tär. Elf Mona­te spä­ter klang das wie­der anders, da ver­kün­de­te er: „Und mit die­ser Distan­zie­re­rei ist es jetzt aber defi­ni­tiv vorbei.“

Im Novem­ber 2021 wur­de publik, dass Schned­litz Peter Aschau­er, Obmann der tra­di­tio­nell iden­ti­tä­ren-freund­li­chen blau­en Jugend im Bur­gen­land, zu sei­nem Mit­ar­bei­ter gemacht hat­te. Aschau­er ist auf­fäl­lig gewor­den, weil er am 14. Novem­ber 2021 bei einer Kund­ge­bung der Frei­heit­li­chen Jugend am Grenz­über­gang Deutsch­kreuz-Kohl­be­n­hof, die auch die Iden­ti­tä­ren unter­stützt hat­ten, ange­reis­te Rechts­extre­me aus dem Umfeld von Gott­fried Küs­sel per­sön­lich per Hand­schlag begrüßte.

Im Zuge einer Demons­tra­ti­on von Impfgegner*innen am 25. Febru­ar in Gän­sern­dorf, bei der Iden­ti­tä­re und auch Schned­litz auf­tra­ten, ließ es sich der Gene­ral­se­kre­tär nicht neh­men, nicht nur direkt hin­ter dem Front­ban­ner der iden­ti­tär-nahen Grup­pie­rung „Meta­in­fo“ zu mar­schie­ren, son­dern auch mit Eli­as Maria Schuch zu posie­ren, und zwar mit dem White-Power-Zei­chen, das laut Schned­litz aber kei­nes gewe­sen sein soll. Schuch gehört zu jenen Iden­ti­tä­ren, die sich an den Patrouil­len an der bur­gen­län­di­schen Gren­ze maß­geb­lich betei­ligt hatten.

oe24 26.2.22: Bericht über Foto Schnedlitz mit Schuch und White-Power-Zeichen

oe24 26.2.22: Bericht über Foto Schned­litz mit Schuch und White-Power-Zeichen

White-Power-Zei­chen? Nein, es sei ja nur ein Ok-Zei­chen gewe­sen, demen­tiert Schned­litz „exklu­siv“ im iden­ti­tä­ren „Hei­mat­ku­rier“, nach­dem oe24 berich­tet hatte:

Tau­cher und Whats­App Nut­zer müs­sen künf­tig wirk­lich auf­pas­sen, wenn sie das inter­na­tio­na­le Zei­chen für ‚ok‘ machen oder alle Sym­bo­le auf Whats­App nut­zen wol­len. Da kann es dann schnell zu einer Welt­ver­schwö­rung in so man­cher Redak­ti­ons­stu­be oder einem Schmutz­ar­ti­kel eines schlau­en Jour­na­lis­ten kom­men“, teil­te Schned­litz mit. Der „Hei­mat­ku­rier“ appor­tier­te dem Gene­ral­se­kre­tär begeis­tert: „Wir gra­tu­lie­ren Micha­el Schned­litz an die­ser Stel­le zur sou­ve­rä­nen Reak­ti­on und bedan­ken uns für die Beant­wor­tung unse­rer Fragen!

Identitärer "Heimatkurier" mit "exklusiver Stellungnahme" von Schnedlitz

Iden­ti­tä­rer „Hei­mat­ku­rier” mit „exklu­si­ver Stel­lung­nah­me” von Schnedlitz

Aber Schned­litz posier­te auch bereits zuvor mit dem oben erwähn­ten Peter Aschau­er samt „Tau­cher­zei­chen“. Die­se eigen­ar­ti­ge Zei­chen-Lie­be teilt er nicht nur mit den Iden­ti­tä­ren, son­dern u.a. eben­falls mit dem rechts­extre­men Mas­sen­mör­der von Christ­church. Auch der fand irgend­et­was „ok”, als er zu sei­nem Pro­zess in den Gerichts­saal geführt wurde.

Attentäter von Christchurch

Atten­tä­ter von Christchurch

Identitäre am 12.1.20 auf Uni Wien bei Höbelt-Vorlesung mit White-Power-Zeichen (Ausschnit aus Foto Presse Service)

Iden­ti­tä­re am 12.1.20 auf Uni Wien bei Höbelt-Vor­le­sung mit White-Power-Zei­chen (Aus­sch­nit aus Foto Pres­se­ser­vice Wien)

Schnedlitz mit Peter Aschauer

Schned­litz mit Peter Aschauer

Schuch und Schnedlitz mit White Power (25.2.22 in Gänserndorf)

Schuch und Schned­litz mit White Power (25.2.22 in Gänserndorf)

Apro­pos „sou­ve­rä­ner” Schned­litz: Das „Ok“-Foto mit Schuch hat er inzwi­schen von sei­nen bei­den Face­book-Accounts gelöscht.

Foto Schuch-Schnedlitz entfernt (Screenshot Bearbeitungsverlauf FB-Seite Schnedlitz)

Foto Schuch-Schned­litz ent­fernt (Screen­shot Bear­bei­tungs­ver­lauf FB-Sei­te Schnedlitz)

➡️ Zur Geschich­te und Bedeu­tung des White-Power-Zei­chens: Das Okay-Hand­zei­chen wird jetzt offi­zi­ell als Hass­sym­bol gelis­tet. Das Zei­chen wird von extre­men Rech­ten seit 2017 zuneh­mend als Sym­bol für white power verwendet.

Zu Meta­in­fo: Ist offen­bar ein iden­ti­tä­res Pro­jekt in Nie­der­ös­ter­reich, auf Tele­gram unter­teilt in „Meta­in­fo” und den Akti­ons­ka­nal „Patrio­ti­sches Weinviertel”

TG-Posting von "Metainfo" zur Demo Gänserndorf

TG-Pos­ting von „Meta­in­fo” zur Demo Gänserndorf

"Metainfo" und Aktionskanal "Patriotisches Weinviertel"

„Meta­in­fo” und Akti­ons­ka­nal „Patrio­ti­sches Weinviertel”

Metainfo und der Ukraine-Krieg: "Wir wollen keine weiße (sic!) Menschen in Kriegen sterben sehen." (Telegram 1.3.22)

Meta­in­fo und der Ukrai­ne-Krieg: „Wir wol­len kei­ne wei­ße (sic!) Men­schen in Krie­gen ster­ben sehen.” (Tele­gram 1.3.22)