Wochenschau KW 7/22 (Teil 2)

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Ein Gra­zer woll­te ohne FFP2-Mas­ke, dafür aber mit einem Samu­rai-Schwert und einer Gas­pis­to­le ein­kau­fen gehen. Zu Hau­se hat­te er trotz Waf­fen­ver­bot wei­te­re Waf­fen gehor­tet. Gewalt­tä­ti­ge Über­grif­fe von Corona-Maßnahmengegner*innen häu­fen sich: In der letz­te Woche waren es min­des­tens drei. Eine Ex-FPÖ-Abge­ord­ne­te hat ihren Pro­zess wegen Falsch­aus­sa­ge hin­ter sich gebracht, ande­ren ehe­ma­li­gen und aktu­el­len FPÖ-Funk­tio­nä­ren steht er mög­li­cher­wei­se noch bevor, denn bei der Kla­gen­fur­ter Staats­an­walt­schaft ist eine anony­me Anzei­ge eingetrudelt.

Graz: Ein­kauf mit Schwert und Pistole
Coro­na-Maß­nah­men­geg­ner I – Reutte/T: Kran­ken­haus­mit­ar­bei­ter gewürgt
Coro­na-Maß­nah­men­geg­ner II – : Kirchdorf/OÖ: ver­wüs­te­te Teststraße
Coro­na-Maß­nah­men­geg­ner III – Brixen/T: sechs Män­ner atta­ckie­ren Türsteher
Kärn­ten: anony­me Anzei­ge gegen (Ex-)Blaue
Nach­ge­lie­fert – Wien: Ex-FPÖ-Abge­ord­ne­te Bar­ba­ra Kap­pel vor Gericht

Graz: Ein­kauf mit Schwert und Pistole

Er ging in einen Gra­zer Super­markt, aller­dings ohne FFP2-Mas­ke, dafür aber mit einem Samu­rai-Schwert und einer Gas­pis­to­le. Der unge­wöhn­li­che Auf­tritt des 45-Jäh­ri­gen erreg­te natur­ge­mäß Auf­se­hen, sodass die Poli­zei geru­fen wur­de. Nach­dem gegen den Mann ein auf­rech­tes Waf­fen­ver­bot besteht, kam’s zu einer Hausdurchsuchung.

Der amts­be­kann­te Mann gab an, dass das Waf­fen­ver­bot bereits auf­ge­ho­ben wur­de und er den Bescheid dafür zu Hau­se habe. Der 45-Jäh­ri­ge wies den Beam­ten in sei­ner Woh­nung ein fal­sches Doku­ment vor. (…) Die Beam­ten stell­ten ins­ge­samt zehn Waf­fen (dar­un­ter auch ver­bo­te­ne Waf­fen wie ein Schlag­ring und ein Tele­skop­schlag­stock) und Muni­ti­on sicher. Bei der Ein­ver­nah­me gab der 45-Jäh­ri­ge an, dass er ledig­lich ein­kau­fen woll­te und ver­ges­sen habe, dass er das Schwert und die Gas­pis­to­le bei sich habe. Bezüg­lich der ver­bo­te­nen Waf­fen gab er an, dass er die­se geschenkt bekom­men und nicht gewusst habe, dass die­se ver­bo­ten sei­en. (kleinezeitung.at, 17.2.22)

Der Gra­zer wur­de angezeigt.

Coro­na-Maß­nah­men­geg­ner I – Reutte/T: Kran­ken­haus­mit­ar­bei­ter gewürgt

Ein Mann, der auf­grund von Covid-Regeln am Betre­ten des Kran­ken­hau­ses Reut­te gehin­dert wur­de, pack­te einen Kran­ken­haus­mit­ar­bei­ter am Hals und würg­te ihn.

Als ande­re Per­so­nen dem Kran­ken­haus-Ange­stell­ten zu Hil­fe kamen und die Poli­zei ver­stän­digt wur­de, flüch­te­te der 41-Jäh­ri­ge. Er konn­te aber bald aus­ge­forscht wer­den, hieß es am Mitt­woch von der Poli­zei. Der Mann wird nun wegen Kör­per­ver­let­zung ange­zeigt. Das Opfer erlitt Ver­let­zun­gen am Hals und an den Armen. (tirol.orf.at, 16.2.22)

Coro­na-Maß­nah­men­geg­ner II – : Kirchdorf/OÖ: ver­wüs­te­te Teststraße

Im ober­ös­ter­rei­chi­schen Kirch­dorf ist in der Nacht vom 19. auf den 20. Febru­ar eine Coro­na-Test­stra­ße ver­wüs­tet wor­den. Es wur­den Paro­len wie „Imp­fen ist Mord“, „Zwang“ oder „Volks­ver­rat“ gesprüht, „Info­zet­tel lagen am Boden, waren her­un­ter­ge­ris­sen. Absperr­git­ter waren umge­wor­fen wor­den und Pla­ka­te sowie Tische wur­den mit einer ein­deu­ti­gen Bot­schaft besprüht.“ (krone.at, 20.2.22)

Die Bür­ger­meis­te­rin sprach von einer „sinn­be­frei­ten Akti­on“, Mitarbeiter*innen der Test­stra­ße besei­ti­gen die Schä­den wie­der. Das Secu­ri­ty-Per­so­nal wird nun aufgestockt.

Coro­na-Maß­nah­men­geg­ner III – Brixen/T: sechs Män­ner atta­ckie­ren Türsteher

Ein Tür­ste­her eines Lokals in Bri­xen (Bez. Kitz­bü­hel) wur­de von sechs Unbe­kann­ten tät­lich ange­grif­fen, weil er auf die Ein­hal­tung der Coro­na-Maß­nah­men bestand. „Die Unbe­kann­ten gin­gen schließ­lich tät­lich gegen den 37-Jäh­ri­gen  vor und ver­letz­ten die­sen unbe­stimm­ten Gra­des. Im Anschluss ver­lie­ßen sie das Lokal und flüch­te­ten in unbe­kann­te Rich­tung.“ (heute.at, 20.2.22)

Kärn­ten: anony­me Anzei­ge gegen (Ex-)Blaue

Die Lis­te derer – alle­samt Män­ner –, die mit einer anony­men Sach­ver­halts­dar­stel­lung ange­zeigt wur­den ist beträcht­lich: der FPÖ-Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Chris­ti­an Rag­ger, der FP-Lan­des­ge­schäfts­füh­rer Anton Schwei­ger, der Ex-Finanz­re­fe­rent Harald Tret­ten­brein, der Geschäfts­füh­rer eines Ver­lags und dann auch noch der ehe­ma­li­ge Hai­der-Inti­mus Ste­fan Petz­ner. Und auch die Lis­te der ange­zeig­ten Delik­te ist nicht ohne: „Es geht um den Ver­dacht ille­ga­ler Par­tei­en­fi­nan­zie­rung, Kor­rup­ti­on, Schein­ge­schäf­te, Doku­men­ten­fäl­schun­gen, fal­sche Rech­nungs­le­gun­gen, fal­sches Datie­ren von Leis­tungs­er­brin­gun­gen und Ver­stö­ße gegen das Umsatz­steu­er­ge­setz.“ (Klei­ne Zei­tung, 19.2.22, S. 18)

Das Cor­pus Delic­ti ist ein Buch, das Ste­fan Petz­ner 2015 ver­öf­fent­licht hat: „Hai­der Schat­ten“. Der Vor­wurf: Es sei sei­tens der FPÖ Kärn­ten eine Urhe­ber­rechts­ver­let­zung began­gen wor­den, und zwar eine fin­gier­te, um aus der Par­tei­kas­se 35.000 Euro in Form eines außer­ge­richt­li­chen­Ver­gleichs abzie­hen und pri­va­ten Kon­ten zufüh­ren zu können.

Rag­ger soll – nach­dem Petz­ner Ansprü­che ange­mel­det hat­te – eine Ver­ein­ba­rung auf­ge­setzt haben, wonach sich die FPÖ Kärn­ten ver­pflich­te­te, 35.000 Euro auf Petz­ners Kon­to zu über­wei­sen. Dazu gibt es einen Annex: Dem­nach bekam Petz­ner einen Blan­ko­auf­trag für eine Wer­be­kam­pa­gne für den Som­mer 2016. Der Ver­lag soll laut Anzei­ge als Ver­rech­nungs­stel­le gedient haben. Er habe die Rech­nung gestellt, obwohl die Ver­ein­ba­rung zwi­schen Petz­ner und der FPÖ getrof­fen wor­den sei, heißt es in der Anzei­ge. (Klei­ne Zei­tung, 19.2.22, S. 19)

Petz­ner und der Ver­lags­lei­ter gaben kei­ne Stel­lung­nah­me ab, die Betei­lig­ten aus der FPÖ wie­sen alle Anschul­di­gun­gen von sich. Die Staats­an­walt­schaft prüft nun, ob ein Anfamgs­ver­dacht vorliegt.

Nach­ge­lie­fert – Wien: Ex-FPÖ-Abge­ord­ne­te Bar­ba­ra Kap­pel vor Gericht

Es war 2019 eine der vie­len Geschich­ten rund um die FPÖ, in denen es um selt­sa­me Geld­flüs­se gegan­gen ist. Dem­nach soll die ehe­ma­li­ge FPÖ-EU-Abge­ord­ne­te Bar­ba­ra Kap­pel im Novem­ber und Dezem­ber 2018 als Geld­bo­tin tätig gewe­sen sein. Sie habe in Kuverts Bar­be­trä­ge in der Höhe von 55.000 Euro von einem bul­ga­ri­schen Geschäfts­mann über­nom­men und in der FPÖ-Par­tei­zen­tra­le abge­lie­fert. Kap­pel hat­te ange­ge­ben, das Geld an den dama­li­gen Par­tei­chef Stra­che gege­ben zu haben. Das war, wie sich im Nach­hin­ein her­aus­stell­te, offen­bar gelo­gen, Denn der Beschenk­te soll der mitt­ler­wei­le ver­stor­be­ne Ex-Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Andre­as Karls­böck gewe­sen sein, wie Kap­pel in einem Pro­zess vor dem Wie­ner Straf­lan­des­ge­richt Ende Jänner.

Auf die Fra­ge, war­um sie das geheim gehal­ten hat­te, sag­te Kap­pel laut „Kurier“, dass Karls­böck zu dem Zeit­punkt schon sehr krank und „trau­ma­ti­siert“ gewe­sen sei, da gegen ihn schon ein­mal Vor­wür­fe erho­ben wor­den waren, die ihn sein Natio­nal­rats­man­dat gekos­tet hat­ten. Das Straf­lan­des­ge­richt bestä­tig­te auf APA-Anfra­ge die Ent­schei­dung für eine Diver­si­on. (orf.at, 27.1.22)

Das „Trau­ma“, das Karls­böck erlit­ten haben soll, waren Vor­wür­fe, „die im Okto­ber [2017] publik wur­den; meh­re­re Medi­en hat­ten von einer Anzei­ge einer angeb­li­chen Gelieb­ten gegen Karls­böck berich­tet, der kol­por­tier­te Vor­wurf lau­te­te Nöti­gung und Kör­per­ver­let­zung.“ (derstandard.at, 26.10.2017) Karls­böck hat­te 2017 auf sein Natio­nal­rats­man­dat ver­zich­tet – offi­zi­ell aller­dings auf­grund sei­ner Krebs­er­kran­kung, an der er 2019 ver­starb. Kap­pel ist damals als Ent­las­tungs­zeu­gin für Karls­böck aufgetreten.

Die ehe­ma­li­ge Abge­ord­ne­te ist Ende Jän­ner für ihre Falsch­aus­sa­ge mit einer Diver­si­on und einer Zah­lung über 2.500 Euro davongekommen.

➡️ Eine Pri­vat­kon­sul­ta­ti­on im BVT