Haimbuchners Narrensaum und sein rechtsextremer Magnet

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„pro­fil“ berich­tet in sei­ner Aus­ga­be vom 5.9 21 unter dem Titel „Der Het­zer und die Lan­des­gel­der“ über die Auf­trä­ge, die der Rechts­extre­me und Coro­na-Leug­ner Ste­fan Magnet 2019 und 2020 für sei­ne Fir­ma „MS Medi­en­lo­gis­tik Wer­be GmbH“ vom Land Ober­ös­ter­reich erhal­ten hat. „pro­fil“ ver­mu­tet den Vize-Lan­des­haupt­mann und FPÖ-Chef Man­fred Haim­buch­ner als Auf­trag­ge­ber, aber der äußert sich höchst zöger­lich. War­um eigent­lich? Eini­ges ist doch offensichtlich.

Ste­fan Magnet ist nicht nur der Chef und Grün­der von Auf1-TV, son­dern auch neben­bei als Gast­au­tor für „Wochen­blick“, „Info-direkt“ und den Aula-Nach­fol­ger „Frei­lich“, tätig. Nach­dem der Inter­net-TV-Kanal Auf1 nicht gera­de die Cash-Cow des Publi­zis­ten Magnet sein dürf­te (das Pro­gramm lief im Som­mer auf Spar­flam­me), muss es wohl sein eigent­li­cher Brot­be­ruf brin­gen: die Fir­ma „MS Medi­en­lo­gis­tik Wer­be GmbH“, die er seit 2016 betreibt (von 2011 bis 2016 als „MS Medi­en­lo­gis­tik e.U.“). Über die „Medi­en­lo­gis­tik“ ließ Magnet auch den Inter­net-Tex­til­ver­trieb „Heimatmode.at“ lau­fen, wo sich Rechts­extre­me etwa mit Klei­dungs­stü­cken der „Korn­blu­men-Edi­ti­on“, der Leder­ho­se „Zie­gen­bock“ und rechts­extre­men Bot­schaf­ten auf den Ober­tei­len ein­de­cken durf­ten, bis die „Heim­at­mo­de“ ein­ge­mot­tet wurde.

Heimatmode des Stefan Magnet

Heim­at­mo­de des Ste­fan Magnet

Da half auch nicht, dass sich Magnet damals mit And­re Tasch­ner, einem frü­he­ren Mit­ar­bei­ter von Mar­tin Graf und aus der FPÖ aus­ge­schlos­se­nem Funk­tio­när, einen kun­di­gen Rechts­extre­mis­mus-Insi­der in die Fir­ma hol­te. Apro­pos Tasch­ner: Was macht der eigent­lich jetzt bei der „Medi­en­lo­gis­tik“ und sonst so? Über das Sons­ti­ge berich­te­te der „Stan­dard“ im März 2019, dass Tasch­ner wie­der in den frei­heit­li­chen Hei­mat­ha­fen zurück­keh­ren und als Bera­ter für Social Media und „koop­tier­tes Mit­glied“ beim Bun­des­vor­stand des Rin­ges Frei­heit­li­cher Jugend (RFJ) tätig wer­den durf­te. Ob Tasch­ner da noch Zeit für die „Medi­en­lo­gis­tik“ hat? Viel­leicht als Tür­öff­ner für Magnet zu den Blau­en in Oberösterreich?

Es ist bekannt, dass der FPÖ-OÖ-Chef Man­fred Haim­buch­ner mit den Rechts­extre­men gar nichts am Hut hat und regel­mä­ßig ver­si­chert, dass er auf­räu­men wird mit den Rechts­extre­men in der FPÖ. Und umge­kehrt hat­te der Koali­ti­ons­part­ner im Land, die ÖVP, auch unzäh­li­ge Male betont, dass die Blau­en im Land anders sei­en als jene im Bund – zuletzt vor zwei Tagen.

Haim­buch­ner räumt immer wie­der auf

Haim­buch­ner 2013:Ich wer­de auf­räu­men bei jenen Leu­ten, die am Rand Pro­ble­me machen. Sie sind völ­lig unin­ter­es­sant. Sie haben kei­nen Platz in der FPÖ.“ (kurier.at, 30.3.13)
Haim­buch­ner 2014:Als Lan­des­par­tei­ob­mann dul­de er ein Lieb­äu­geln mit dem rechts­extre­men Rand ‚sicher­lich nicht‘.“ (salzburg24.at, 17.1.14)
Haim­buch­ner 2018:Wir brau­chen kei­ne Idio­ten aus irgend­ei­nem Nar­ren­saum, das haben wir alle mit­ein­an­der nicht Not.“ (diepresse.com, 30.1.2018)

Da müss­ten für Ste­fan Magnet mit sei­ner Ver­gan­gen­heit im neo­na­zis­ti­schen Bund frei­er Jugend (BfJ), der zeit­wei­se sehr erfolg­reich Funk­tio­nen im RFJ kapern konn­te, doch eigent­lich die Türen zu den Blau­en in Ober­ös­ter­reich und spe­zi­ell zu Haim­buch­ner ziem­lich fest ver­schlos­sen sein, oder? Gut, von der Ankla­ge mit dem sehr mas­si­ven Vor­wurf der NS-Wie­der­be­tä­ti­gung nach § 3a Ver­bots­ge­setz (Wie­der­errich­tung einer NS-Orga­ni­sa­ti­on) wur­den Magnet und ande­re Funk­tio­nä­re des BfJ frei­ge­spro­chen, an der neo­na­zis­ti­schen Ori­en­tie­rung des BFJ ändert das aber nichts, wie unter ande­rem auch das Gut­ach­ten des Ver­fas­sungs­ju­ris­ten Heinz May­er belegt.

Magnet und das NIZ

Ste­fan Magnet war zu die­ser Zeit aber nicht nur einer der Füh­rungs­ka­der des BfJ, son­dern – in der Öffent­lich­keit weit­ge­hend unbe­kannt – der ers­te Spre­cher des „Neu­es Insti­tut für Zeit­ge­sche­hen“ (NIZ) zwi­schen 2005 und 2008. Zum NIZ schreibt das DÖW:

Das NIZ war inner­halb des rechts­extre­men Lagers eine wich­ti­ge ideo­lo­gi­sche Orga­ni­sa­ti­on. Sei­nem Selbst­ver­ständ­nis nach woll­te es ein „geis­ti­ges Zen­trum für alle natio­na­len und gesamt­völ­ki­schen Grup­pie­run­gen (…) sein“ und „Impul­se zum natio­nal­re­vo­lu­tio­nä­ren Ver­ständ­nis der Völ­ker” (…) geben.

Nor­bert Bur­ger war zu sei­nen Leb­zei­ten fest im NIZ ver­an­kert, und auch der Aus­zug aus dem Ver­eins­re­gis­ter, in dem Ste­fan Magnet als ers­ter Spre­cher genannt wird, deu­tet dar­auf hin, dass das NIZ – auch Natio­na­les Ideo­lo­gie­zen­trum genannt – so etwas wie das Ideo­lo­gie­zen­trum des öster­rei­chi­schen Rechts­extre­mis­mus und Neo­na­zis­mus sein woll­te. Inter­es­sant sind daher auch die wei­te­ren Vor­stands­mit­glie­der des NIZ neben Magnet: Mar­kus Knoll, der die Jugend-Zeit­schrift der neo­na­zis­tisch ori­en­tier­ten Akti­ons­ge­mein­schaft für Poli­tik (AfP), das „Jugend Echo“ betreu­te, war Kas­sier und Her­mann Uss­ner, der es sogar zu einer Erwäh­nung im „Spie­gel“ gebracht hat­te, Schrift­füh­rer des NIZ.

Vereinsregisterauszug "Neues Institut für Zeitgeschehen" (NIZ) mit Magnet, Eder, Ussner, Knoll

Ver­eins­re­gis­ter­aus­zug „Neu­es Insti­tut für Zeit­ge­sche­hen” (NIZ) mit Magnet, Eder, Uss­ner, Knoll

Dann gab es noch den 2. Spre­cher des NIZ, Johann Eder. Der taucht auch in einem ande­ren rechts­extre­men Ver­ein auf: beim Witiko­bund, der in den 2000er-Jah­ren anschei­nend eng mit dem BfJ koope­rier­te. Eder war damals im Vor­stand des Witiko­bun­des Kas­sier-Stell­ver­tre­ter und Man­fred Haim­buch­ner stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der. Vor­sit­zen­der war damals übri­gens ein spä­ter wegen ille­ga­len Waf­fen­han­dels und ver­such­ter Nöti­gung zu 18 Mona­ten (davon fünf unbe­dingt) ver­ur­teil­ter FPÖ-Gemein­de­rat aus Linz.

Vorstand Witikobund: Hauer, Haimbuchner, Übelacker, Eder ...

Vor­stand Witiko­bund: Hau­er, Haim­buch­ner, Übela­cker, Eder …

Man ist sich also damals insti­tu­tio­nell und poli­tisch schon sehr, sehr nahe­ge­kom­men, das neo­na­zis­ti­sche NIZ, der rechts­extre­me Witiko­bund, der BfJ und auch die FPÖ. Und per­so­nell? Schätzt Man­fred Haim­buch­ner Ste­fan Magnet, einen rabia­ten Impf­geg­ner, Coro­na-Schwurb­ler und Rechts­extre­men, den er eigent­lich zum rech­ten Nar­ren­saum zäh­len müss­te? In den „Ober­ös­ter­rei­chi­schen Nach­rich­ten“ (4.9.21) ist dazu fol­gen­de Stel­lung­nah­me aus Haim­buch­ners Büro zu lesen:

Die FPÖ habe in den ver­gan­ge­nen Jah­ren immer wie­der mit besag­ter Agen­tur zusam­men­ge­ar­bei­tet, das sei bekannt, so Haim­buch­ners Büro. Es hand­le sich um einen „unbe­schol­te­nen Bür­ger und Unter­neh­mer“, es sei rein um die Auf­trä­ge und die ange­bo­te­ne Leis­tung gegan­gen, nicht um poli­ti­sche Anschau­un­gen.

Zwei Tage zuvor liest sich das im „pro­fil“ anders: „Man­fred Haim­buch­ner, Vize-Lan­des­haupt­mann und FPÖ-Chef in Ober­ös­ter­reich, beteu­er­te, dass er ‚kei­ne Auf­trä­ge an besag­te Wer­be­agen­tur ver­ge­ben‘ habe.“ Fakt ist, dass die „Medi­en­lo­gis­tik“ spä­tes­tens seit 2012 Leis­tun­gen für Ein­rich­tun­gen erbrach­te, die zum Res­sort von Haim­buch­ner in der ober­ös­ter­rei­chi­schen Lan­des­re­gie­rung zäh­len. „Daha­mist“ schrieb dazu 2016: „Vier von fünf Vide­os, die auf der ‚Natur im Land‘-Homepage anzu­se­hen sind, wur­den von ‚Medi­en Logis­tik‘ pro­du­ziert. ‚Natur im Land Ober­ös­ter­reich‘ ist offen­bar der OÖ Aka­de­mie für Natur und Umwelt beim Amt der Oö. Lan­des­re­gie­rung, Direk­ti­on Umwelt und Was­ser­wirt­schaft unter­stellt.“

Heimat-Land.at nicht erreichbar

Heimat-Land.at nicht erreichbar

Die Web­sei­te „Natur im Land“ ist „vor­über­ge­hend nicht erreich­bar“, aber es gur­ken auch noch ande­re Vide­os im Netz her­um. Haim­buch­ner ist näm­lich auch für das Fami­li­en­re­fe­rat zustän­dig, und für die­ses hat die „Medi­en­lo­gis­tik“ eben­falls Leis­tun­gen erbracht: etwa für das belang­lo­se Video „Gesun­de Gemein­de“ oder für das ideo­lo­gisch auf­ge­la­de­ne The­ma zum „Gesun­den Kindergarten“.

Medienlogistik: Gesunder Kindergarten (oben), Gesunde Gemeinde (unten)

Medi­en­lo­gis­tik: Gesun­der Kin­der­gar­ten (oben), Gesun­de Gemein­de (unten)

Fakt ist eben­falls, dass sich Haim­buch­ner und Magnet ganz offen­sicht­lich auch schon per­sön­lich sehr nahe­ge­kom­men sind. „Daha­mist“: „In der Zeit­schrift ‚Unser Ober­ös­ter­reich‘ (Aus­ga­be 1/2016), das vom Land Ober­ös­ter­reich her­aus­ge­ge­ben wird, posiert er gemein­sam mit sei­ner Fami­lie und Man­fred Haim­buch­ner auf einem Foto, das einen Arti­kel zum The­ma Kin­der­geld illus­triert.“

In der aktu­el­len Aus­ga­be der Lan­des­pu­bli­ka­ti­on „Unser Ober­ös­ter­reich“ ist ein Foto von Haim­buch­ner mit Frau und Kind zu sehen. Das Foto aus dem trau­ten Heim stammt von der „Medi­en­lo­gis­tik“. Dazu sagt das Büro Haim­buch­ner zu den „Ober­ös­ter­rei­chi­schen Nach­rich­ten“: Es „sei dar­auf zurück­zu­füh­ren, dass man ein Archiv­fo­to ver­wen­det habe“. Das Foto stammt wohl aus 2019 und wur­de von Haim­buch­ner auch auf Face­book gepos­tet. Selbst wenn das Foto von der FPÖ und nicht von Lan­des­gel­dern bezahlt wur­de, ändert es nichts dar­an, dass die Türen bei Haim­buch­ners Magnet bzw. des­sen Agen­tur offenstehen.

Familienfoto von Haimbuchner auf Facebook (2019)

Fami­li­en­fo­to von Haim­buch­ner auf Face­book (2019)

Haimbuchner bewirbt die oberösterr. Familienkarte mit Familienfoto © Medienlogistik

Haim­buch­ner bewirbt die ober­ös­terr. Fami­li­en­kar­te mit Fami­li­en­fo­to © Medienlogistik

Familienfoto von Haimbuchner in "Unser Oberoesterreich" von Medienlogistik (2021)

Fami­li­en­fo­to von Haim­buch­ner in „Unser Ober­oes­ter­reich” von Medi­en­lo­gis­tik (2021)

Jetzt wüss­ten auch wir so wie das „pro­fil“ ger­ne, von wel­chem Res­sort in der Ober­ös­ter­rei­chi­schen Lan­des­re­gie­rung wel­che Sum­men für wel­che Leis­tun­gen tat­säch­lich an die „Medi­en­lo­gis­tik“ bezahlt wur­den? Fakt ist näm­lich, dass es hier um Lan­des­gel­der geht, die an einen rechts­extre­men Het­zer und des­sen Fir­ma fließen.

Übri­gens: Wir war­ten noch immer (und ver­mut­lich ver­geb­lich) dar­auf, dass die „Medi­en­lo­gis­tik“ oder „Auf1-TV“ end­lich den groß ange­kün­dig­ten Film des Stra­che-Freun­des Gabri­el Baryl­li prä­sen­tie­ren. Baryl­li hat­te 2019 eine Kino­do­ku über Stra­che („Ein Jahr mit HC Stra­che“) ange­kün­digt und anschei­nend auch weit­ge­hend fer­tig­ge­stellt, bis ihn der Auf­trag­ge­ber, die FPÖ, nach den Ibi­za-Ent­hül­lun­gen stop­pen ließ. Baryl­li gab an, von der FPÖ bezahlt wor­den zu sein – es soll sich um meh­re­re Hun­dert­tau­send Euro gehan­delt haben, so die „Pres­se“ 2019. Der Film mit dem „lie­be­vol­len Ansatz“ (Baryl­li) liegt laut Baryl­li in einem Inter­view mit der „Tiro­ler Tages­zei­tung“ vom 23.8.20 „beim Auf­trag­ge­ber, der Fir­ma Medi­en­lo­gis­tik in Linz“.

FPÖ, Medi­en­lo­gis­tik, Magnet, Auf1-TV, NIZ, BFJ – ja, genau so haben wir uns die Abgren­zung vom „Nar­ren­saum“ vorgestellt!

Update 7.9.2021: Die Ober­ös­ter­ri­schen Nach­rich­ten berich­ten heu­te, dass die Auf­trä­ge von 2019 und 2020 an Magnets Agen­tur vom Res­sort des FPÖ-Lan­des­rats Wolf­gang Klin­ger gekom­men sei­en. Details dazu will Klin­ger nicht ver­ra­ten. Das wür­de „die Ver­trau­lich­keit von Geschäfts­be­zie­hun­gen ver­let­zen”. Wolf­gang Klin­ger war 2019 auf­ge­fal­len, als er in völ­ki­scher Tra­di­ti­on erklär­te, „Misch­kul­tu­ren haben auf der Welt bewie­sen, dass sie nicht vor­teil­haft sind”.