Was wurde denn aus … Karl Steinhauser?

Tja, das Prob­lem begin­nt schon mit der Frage! Wer ken­nt denn noch den Karl Stein­hauser? Nicht den Albert Stein­hauser, der beim Googeln nach dem Karl schnell ein­mal auf­poppt. Der Albert war Klubchef und Abge­ord­neter der Grü­nen im Nation­al­rat, ist aber wed­er ver­wandt noch ver­schwägert mit dem rabi­at­en Anti­semiten Karl Stein­hauser, der gerne Abge­ord­neter gewor­den wäre, es aber – Hal­lelu­ja! – nie gewor­den ist.

Karl Stein­hauser ist Geburt­s­jahrgang 1936, mit­tler­weile also schon ein älter­er Herr und ver­mut­lich deshalb etwas ruhiger. Bei den ver­schiede­nen Wahlen der let­zten Jahre hat er auch nicht mehr ver­sucht zu kan­di­dieren. Bei der Bun­de­spräsi­dentschaftswahl 2010 unter­stützte er Bar­bara Rosenkranz, weil er sie für eine „nationale Sozial­istin“ hielt. Heinz Fis­ch­er dage­gen, „der ja auch Freimau­r­er ist….. ist inter­na­tion­al, daher anti­na­tion­al, wenn auch Sozial­ist“, durfte er damals dem „Stan­dard“ seine Präferen­zen offenlegen.

Da haben wir ihn schon, den Kern sein­er anti­semi­tis­chen Erzäh­lung, die nur aus weni­gen Zutat­en beste­ht: Juden, Freimau­r­er, Hoch­fi­nanz streben die Weltherrschaft an (bzw. haben sie schon fast), wollen deshalb die Auflösung/Vernichtung der Völk­er vorantreiben und ihre Ver­mis­chung in eine „euro-asi­atis­che-negroide Mis­chrasse“. Der braun getränk­te Schwachsinn ist anschlussfähig für ver­schieden­ste recht­sex­treme Ver­schwörungserzäh­lun­gen. Von den Iden­titären über QAnon und White Pow­er bis hin zu den Neon­azis kön­nen sich alle etwas daraus basteln.

Seit Jahrzehn­ten ver­bre­it­et Stein­hauser sein anti­semi­tis­ches Gift: über Zeitschriften, Büch­er und über öffentliche Aktio­nen, zu denen auch regelmäßig gescheit­erte Kan­di­da­turen zu ver­schieden­sten Wahlkör­pern zählten. So richtig öffentlich bekan­nt gewor­den ist Stein­hauser 1978, als er LKW-Block­aden („Frächter­streik“) gegen das damals neu einge­führte LKW-Nacht­fahrver­bot organ­isiert und damit großen wirtschaftlichen Schaden (vor allem im Touris­mus) verur­sacht hat­te – unter großem Wohlwollen der zu dieser Zeit oppo­si­tionellen ÖVP. Für den dama­li­gen Bun­deskan­zler Kreisky war Stein­hauser nur ein ehe­ma­liger „Kurier“-Redakteur, dem er keine beson­dere Bedeu­tung beimessen wollte. Tat­säch­lich waren die Block­aden aber zunächst gen­er­al­stab­smäßig organ­isiert und soll­ten die sozialdemokratis­che Allein­regierung zum Sturz brin­gen. Kurt Bergmann, zwis­chen 1976 und 1980 Bun­des­geschäfts­führer der ÖVP, lobte Stein­hauser als „engagierten Burschen, der nicht beim Heuri­gen, son­dern durch Aktio­nen auftrumpft“.

Bei ein­er anderen Aktion kön­nte Stein­hauser auch Stra­che ken­nen­gel­ernt haben. Bei der Pre­miere von Thomas Bern­hards „Helden­platz“ im Burgth­e­ater 1988 ließen der Porno­jäger Humer und Stein­hauser eine Fuhre Pfer­demist vor dem Burgth­e­ater entleeren, während Neon­azis und andere Recht­sex­treme drin­nen die Auf­führung zu stören versuchten.

Wie Wolf­gang Neuge­bauer, der frühere Leit­er des DÖW, in sein­er Broschüre „Gefahr von rechts“ (1979) nach­weist, hat Stein­hauser seine recht­sex­treme Kar­riere aber schon viel früher, näm­lich bere­its 1958, als ein Bewun­der­er Hitlers begonnen: „Hitlers Ideen waren (…) objek­tiv gese­hen doch von einem Gehalt, um den ihn der größte Teil unser­er sich als „Schlaufüchse“ aus­geben­den Poli­tik­er benei­den müßte.

Dafür kassierte Stein­hauser seine erste Verurteilung, der noch etliche weit­ere fol­gen soll­ten, etwa 2001. 2006 stand er allerd­ings mit dem Revi­sion­is­ten und Anti­semiten Her­bert Pit­lik vor einem Geschwore­nen­gericht – wegen NS-Wieder­betä­ti­gung. Pit­lik wurde zur Last gelegt, mit den Büch­ern „Die Pro­tokolle der Weisen von Zion nach 100 Jahren“ und „Eine Spur zur Wahrheit? Der Nürn­berg­er Prozess“ Wieder­betä­ti­gung betrieben zu haben, Stein­hauser war sein Ver­leger. Vertei­di­ger war damals übri­gens der braune Anwalt Her­bert Schaller, der das Werk Pit­liks natür­lich lobte („Eine fan­tastis­che Arbeit“).

Über Stein­hausers Schluss­wort berichtete die APA damals (7.7.2006): „Stein­hauser brachte mit seinen Beschimp­fun­gen einige Geschworene gegen sich auf, die ihm ins Wort fie­len.“ Das skan­dalöse Urteil der Geschwore­nen war aber dann ganz nach dem Geschmack der bei­den Angeklagten: ein ein­stim­miger (!) Freis­pruch für Pit­lik, ein mehrheitlich­er (6:2) für Steinhauser.

Im Ver­lauf sein­er unzäh­li­gen recht­sex­tremen Aktiv­itäten hat Stein­hauser auch zahlre­iche Parteien, Vere­ine und Komi­tees gegrün­det und mit eini­gen von ihnen auch bei Gemein­der­ats- und Nation­al­ratswahlen kan­di­diert – immer erfol­g­los: mit ein­er „SOS-Bürg­er­protestliste“ in Wien 1991, ein­er „Christlich Demokratis­chen Partei“ (NR-Wahl 1990), der „Öster­re­ich-Partei“ (NR-Wahl 1994 und 1999) usw.

Stein­hauser, der sich auch selb­st zum „Volk­san­walt“ ernan­nte, hat bei den meis­ten Kan­di­daturver­suchen nicht ein­mal aus­re­ichend Unter­stützungserk­lärun­gen erhal­ten; von ein­er näch­sten Kan­di­datur hat ihn das aber nie abge­hal­ten. Schließlich ist es ihm auf diesem Weg immer wieder gelun­gen, seinen recht­sex­tremen, anti­semi­tis­chen und braunen Müll auszubre­it­en. So sind auch wir erst vor kurzem wieder auf ihn aufmerk­sam gewor­den: weil aktuell eines der von ihm ver­ant­worteten Schmutzblättchen aus 2017 „Lan­desver­rat ist Freimau­r­erpflicht!“ als PDF-File in diversen Net­zw­erken herumgere­icht wird.

"Er macht Brüssel die Hölle heiß" – "Volksanwalt Dr.rer.pol. Karl Steinhauser" (Screenshot "Bravo Österreich – Politik ohne Maske")

„Er macht Brüs­sel die Hölle heiß” – „Volk­san­walt Dr.rer.pol. Karl Stein­hauser” (Screen­shot „Bra­vo Öster­re­ich – Poli­tik ohne Maske”)

Als Redak­tion fungiert die Luft­num­mer „Akademie für ange­wandte Volk­spoli­tik“, Her­aus­ge­ber ist die Partei „Bra­vo Öster­re­ich“. Grün­der dieser Partei war – natür­lich! – Karl Stein­hauser, der aber jet­zt mit seinen rüsti­gen 85 Jahren nur mehr als Finanzref­er­ent genan­nt wird. Aktueller „Bun­desparteiob­mann und Gen­er­al­bevollmächtigter“ ist Her­bert Szlezak, wahrlich der richtige Nach­fol­ger von Stein­hauser. Wir wer­den auch auf ihn noch zurückkommen.

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