Blaue Spesenritter (Teil 1): Andreas Mölzer

Lesezeit: 5 Minuten

Der Show­down war sehens­wert. In der Sen­dung Pro und Con­tra auf Puls 4 am 2. Okto­ber zum The­ma blaue Spe­sen kam es nach einem Wort­ge­fecht zwi­schen Ewald Stad­ler und Andre­as Möl­zer zum empör­ten vor­zei­ti­gen Abgang des letz­te­ren. Uns inter­es­siert aber neben dem komö­di­an­ti­schen Aspekt vor allem die Fra­ge, ob Andre­as Möl­zer tat­säch­lich zu den Ober­spe­sen­rit­tern der Par­tei gehört, wie vom Ewald Stad­ler behaup­tet. Eine Spu­ren­su­che mit über­ra­schen­den Ergebnissen.

Ewald Stad­ler warf in der Dis­kus­si­ons­sen­dung von Puls 4 sei­nem frü­he­ren Par­tei­freund Andre­as Möl­zer vor, zu den „Ober­spe­sen­rit­tern der Par­tei“ zu gehö­ren und des­halb „nie den Mund auf­ge­macht zu haben“. Möl­zer ver­such­te es zunächst noch mit beschwich­ti­gen­den Wor­ten: „Tu Dich ein biss­chen zurück­hal­ten!“ Aber Stad­ler wet­ter­te wei­ter und hielt Möl­zer des­sen angeb­li­che frü­he­re Ver­feh­lun­gen bei der Geba­rung für die Frei­heit­li­che Aka­de­mie vor, wor­auf Möl­zer mit „Ewald, Du bist ein Trot­tel!“ ant­wor­te­te und die Dis­kus­si­ons­run­de und das Stu­dio ver­ließ. Das letz­te Wort woll­te sich Stad­ler nicht neh­men las­sen und rief sei­nem frü­her sehr engen blau­en Par­tei­freund noch nach „Komm gut heim!“

Puls 4: Mölzer und Stadler

Puls 4: Möl­zer und Stadler

Was hat es nun mit den Vor­wür­fen von Stad­ler auf sich?

„Kas­nu­del­höl­der­lin“ Mölzer

Die aus Bun­des­för­de­run­gen finan­zier­te Bil­dungs­ein­rich­tung der FPÖ wur­de 1972 als Frei­heit­li­ches Bil­dungs­werk (FBW) gegrün­det. In sei­ner Par­la­ments­bio­gra­phie gibt Möl­zer an, dass er zwi­schen 1991 und 1995 Vor­sit­zen­der der Frei­heit­li­chen Par­tei­aka­de­mie gewe­sen ist. Das ist etwas unge­nau. Tat­säch­lich war Möl­zer Vor­sit­zen­der des Kura­to­ri­ums und Lei­ter des FBW. In der Funk­ti­on als Lei­ter wur­de Möl­zer im Herbst 1993 – nach hef­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen in der FPÖ um sei­ne „Umvolkungs“-Thesen – von Karl Heinz Gras­ser (KHG) abge­löst, den Vor­sit­zen­den des Kura­to­ri­ums durf­te er noch bis zur Neu­be­nen­nung des FBW in „Frei­heit­li­che Aka­de­mie“ 1995 geben.

Zwi­schen Juni 1991 und Dezem­ber 1993 saß Möl­zer außer­dem für die FPÖ im Bun­des­rat, war auch „Grund­satz­re­fe­rent“ der FPÖ und seit 1990 bei der Edi­ti­on K 3 Gesell­schaft für sozi­al­po­li­ti­sche Stu­di­en als Geschäfts­füh­rer, Bereichs­lei­ter und Gesell­schaf­ter tätig. Wel­che Ein­kom­men Möl­zer aus die­sen unter­schied­li­chen Tätig­kei­ten erziel­te, lässt sich aus uns zugäng­li­chen Quel­len nicht rekon­stru­ie­ren. In einem „profil“-Porträt über Möl­zer aus dem Jahr 1998 hieß es zu sei­ner Tätig­keit bei der Edi­ti­on K 3:

Neben sei­ner publi­zis­ti­schen Arbeit betreibt Möl­zer ein Insti­tut für sozi­al­po­li­ti­sche Stu­di­en und lie­fert der FPÖ Posi­ti­ons­pa­pie­re und Ana­ly­sen — zuletzt zur Bun­des­prä­si­den­ten­wahl [gemeint ist die BP-Wahl im April 1998, Anm. SdR]. Das soll ihm zwi­schen 30.000 und 50.000 Schil­ling monat­lich einbringen.“

Als Bun­des­rat erhielt Möl­zer einen Bezug von mehr als 30.000 ATS brut­to, wäh­rend er als Vor­sit­zen­der des Kura­to­ri­ums und Lei­ter des FBW anschei­nend nur Spe­sen ver­rech­net hat­te. Deren Höhe ist dem Rech­nungs­hof in sei­nem Nach­trags­be­richt 1995 jeden­falls unan­ge­nehm auf­ge­sto­ßen. Die Anmer­kung des Rechnungshofes:

Der frü­he­re Obmann des Kura­to­ri­ums und zeit­wei­li­ge fak­ti­sche Geschäfts­füh­rer des Frei­heit­li­chen Bil­dungs­wer­kes erhielt für sei­ne Tätig­keit kein Gehalt oder Hono­rar, konn­te jedoch auf­grund einer münd­li­chen Ver­ein­ba­rung sei­ne dies­be­züg­li­chen Spe­sen ver­rech­nen. Das Frei­heit­li­che Bil­dungs­werk ver­gü­te­te häu­fig Restau­rant­spe­sen für Eigen­kon­su­ma­ti­on sowie für Arbeits­es­sen, obwohl kon­kre­te Anga­ben über den Zweck und die Teil­neh­mer der Restau­rant­be­su­che viel­fach fehlten.“

Nachtrag zum Tätigkeitsbericht des Rechnungshofes 1995 (Reihe Bund 1997/1), FBW Kuratoriumsvorsitz Spesen

Nach­trag zum Tätig­keits­be­richt des Rech­nungs­ho­fes 1995 (Rei­he Bund 1997/1), FBW Kura­to­ri­ums­vor­sitz Spesen

Das wäre, ver­gli­chen mit Spe­sen­ab­rech­nun­gen ande­rer frei­heit­li­cher Spe­sen­rit­ter und vor­aus­ge­setzt, es gab sonst kei­ne ver­bor­ge­nen Spe­sen, mög­li­cher­wei­se beschei­den. Ob Stad­ler aber mit sei­nen Bemer­kun­gen auf Auf­trä­ge des FBW an die Edi­ti­on K 3 (Möl­zer) anspielte?

Nachtrag zum Tätigkeitsbericht des Rechnungshofes 1995 (Reihe Bund 1997/1), FBW Bewirtungsspesen

Nach­trag zum Tätig­keits­be­richt des Rech­nungs­ho­fes 1995 (Rei­he Bund 1997/1), FBW Bewirtungsspesen

Nachtrag zum Tätigkeitsbericht des Rechnungshofes 1995 (Reihe Bund 1997/1), FBW Reisespesen

Nach­trag zum Tätig­keits­be­richt des Rech­nungs­ho­fes 1995 (Rei­he Bund 1997/1), FBW Reisespesen

Nach­dem Andre­as Möl­zer wegen sei­ner all­zu for­schen rechts­extre­men Aus­rit­te bei Jörg Hai­der kurz­fris­tig in Ungna­de gefal­len und beim FBW zunächst durch KHG und ab 1995 durch Her­bert Scheib­ner abge­löst wor­den war, haben sich schon kurz dar­auf die Bezie­hun­gen wie­der deut­lich ver­bes­sert. Für Möl­zer, der ab Herbst 1995 zunächst die Öster­reich-Aus­ga­be der „Jun­gen Frei­heit“ chefre­di­gier­te, um dann ab 1997 als Chef­re­dak­teur und Her­aus­ge­ber von „Zur Zeit“ in Erschei­nung zu tre­ten, lief bald alles wie­der sehr rund:

Zwi­schen 1996 und 2001 erhielt er als „Kon­su­lent der Bun­des-FPÖ“ 30.000 ATS plus Mehr­wert­steu­er und ab Mai 1999 bis Ende 2001 wei­te­re 30.000 ATS plus Mehr­wert­steu­er als „Kul­tur­be­auf­trag­ter des Lan­des Kärn­ten“ (News Nr. 20/2005).

Andreas Mölzer mit Jörg Haider: Kulturbeauftragter mit Auftraggeber

Andre­as Möl­zer mit Jörg Hai­der: Kul­tur­be­auf­trag­ter mit Auftraggeber

Dann war wie­der mal wegen Dif­fe­ren­zen mit Hai­der kurz­fris­tig Pau­se mit den gro­ßen Geld­flüs­sen aus der FPÖ (wenn man von der Publi­zis­tik­för­de­rung und den Inse­ra­ten für „Zur Zeit“ ein­mal absieht). Aber durch den Vor­zugs­stim­men­wahl­kampf des deutsch­na­tio­na­len und rechts­extre­men Flü­gels der FPÖ 2004 (damals war auch Stad­ler ein Unter­stüt­zer) konn­te Möl­zer ein Man­dat im Euro­päi­schen Par­la­ment erzie­len, das er zehn Jah­re lang ausübte.

Als „pro­fil“ (Nr. 20/2004) Möl­zer auf „einen recht locke­ren Umgang mit Spe­sen“ als Chef des FBW ansprach, ant­wor­te­te der ganz forsch: „Das ist Quatsch. Es hat ent­spre­chen­de Rech­nungs­hof­prü­fun­gen gege­ben, da war alles in Ord­nung.

Das – sie­he oben! – stimmt so ganz sicher nicht.

Den schö­nen Titel „Kas­nu­del­höl­der­lin“ hat Andre­as Möl­zer übri­gens für sei­ne lite­ra­ri­schen Ergüs­se, die er gera­de in der Zeit sei­ner FBW-Tätig­keit ver­brei­te­te, vom Ger­ma­nis­ten Wen­de­lin Schmidt-Deng­ler ver­lie­hen bekommen.

Blaue Spe­sen­rit­ter (Teil 2): Ewald Stadler
Blaue Spe­sen­rit­ter (Teil 3): Die „Königs­ko­bra“ und der Sauhaufen
Blaue Spe­sen­rit­ter (Teil 4): Der Spe­sen­kai­ser Jörg Haider
Blaue Spe­sen­rit­ter (Teil 5): Der Ofenrohrbeobachter
Blaue Spe­sen­rit­ter (Teil 6): Die Ein­zel­fäl­le haben System