FPÖ-Nachlese zur 27. Kalenderwoche

Lesezeit: 5 Minuten

Wie schon in der „Wochen­schau“ erwähnt, muss­ten wir die Ereig­nis­se der ver­gan­ge­nen Woche rund um die FPÖ „aus­la­gern“. Ziem­lich viel los bei den Blau­en! Frei­heit­li­che Man­da­ta­re bege­hen Hand­greif­lich­kei­ten gegen­ein­an­der, frei­heit­li­che Man­da­ta­re schlie­ßen ande­re Man­da­ta­re aus der Frak­ti­on aus, und ande­re blaue Man­da­ta­re ver­las­sen empört ein Nes­troy-Stück und for­dern Zen­sur. Und dem FPÖ-„Problembären“ Pod­gor­schek ging es letz­te Woche gar nicht gut.

Schwechat/NÖ: Frei­heit­li­che Lokal­pos­se ohne Nestroy
Wien-Grin­zing: Blaue beim Heu­ri­gen im Infight
Linz: Der blaue „Pro­blem­bär“ und die Pensionsjahre
Ried im Innkreis/OÖ: Hei­mat­pro­blem für den blau­en „Pro­blem­bä­ren“
Vorchdorf/OÖ: FPÖ spricht FPÖ-Man­da­ta­ren Miss­trau­en aus

Schwechat: Freiheitliche Lokalposse ohne Nestroy

Der Schwe­cha­ter FPÖ-Gemein­de­rat Wolf­gang Zist­ler, für den es 2016 eine Ehre war, Nazi genannt zu wer­den, wenn und weil Nor­bert Hofer als Nazi bezeich­net wird, hat etwas für ihn „Unge­heu­er­li­ches“ bemerkt. Bei der Gene­ral­pro­be des Nes­troy-Stü­ckes „Zu ebe­ner Erde und ers­ter Stock“ Ende Juni:

„Zuerst wur­de Bun­des­kanz­ler Kurz durch den Kakao gezo­gen und dann wur­de es rich­tig tief. Ein Schau­spie­ler bezeich­ne­te die türkis/blaue Bun­des­re­gie­rung als groß­teils braun. Damit nicht genug folg­te dar­auf der Hit­ler­gruß und zwei betrun­ke­ne Schau­spie­ler tor­kel­ten mit Deutsch­land-Fah­nen zum FPÖ-Lied …Immer wie­der Öster­reich…über die Bühne“

Das unge­heu­er­li­che Trei­ben auf der Büh­ne brach­te den Zist­ler so in Rage, dass er mit zwei wei­te­ren blau­en Gemein­de­rä­ten vor­zei­tig die Auf­füh­rung ver­ließ und einen Beschwer­de­brief ver­fass­te, in dem er Zen­sur for­der­te. Ent­we­der, so Zist­ler, wer­den die Stro­phen ent­fernt und die Ver­ant­wort­li­chen ent­schul­di­gen sich, oder die FPÖ wür­de kei­nen wei­te­ren Sub­ven­tio­nen für Nes­troy-Spie­le mit die­sen „links­lin­ken Blöd­hei­ten“ zustimmen.

Nes­troy hät­te sich sicher gefreut, dass sei­ne „Local­pos­se“, die schon bei der Urauf­füh­rung 1835 von Zen­sur bedroht war, fast 200 Jah­re spä­ter durch eine frei­heit­li­che Lokal­pos­se im Kel­ler ergänzt wird. Inten­dan­ten und Geschäfts­füh­re­rIn­nen von ande­ren Som­mer­fest­spie­len in NÖ pro­tes­tier­ten „gegen die­sen Angriff auf die künst­le­ri­sche Frei­heit und den Ver­such, För­de­rungs­mit­tel von will­fäh­ri­gen und geneh­men Ver­hal­ten und Tex­ten abhän­gig zu machen“ (Kurier.at).

Wien-Grinzing: Blaue beim Heurigen im Infight

Beim Heu­ri­gen Feu­er­wehr-Wag­ner in Grin­zing woll­ten am Abend des 3. Juli rund 40 FPÖ-Man­da­ta­re und eini­ge von der ÖVP – groß­teils mit Beglei­tung – die par­la­men­ta­ri­sche Som­mer­pau­se ein­läu­ten, wie „heu­te“ am 5.7.18 berich­te­te. Dabei began­nen aber eini­ge Blaue nicht nur ver­bal zu strei­ten, son­dern es folg­ten auch „Hand­greif­lich­kei­ten. Kol­le­gen muss­ten schlich­ten.“ (heu­te)

Linz: Der blaue „Problembär“ und die Pensionsjahre

SPÖ und Grü­ne brach­ten am 6.7. im ober­ös­ter­rei­chi­schen Land­tag einen dring­li­chen Antrag zur Cau­sa Pod­gor­schek ein, in dem sehr deut­lich der Abgang des FPÖ-Lan­des­ra­tes gefor­dert wur­de. Eine direk­te Abwahl oder ein Miss­trau­ens­an­trag ist in der Lan­des­ver­fas­sung nicht vor­ge­se­hen, son­dern könn­te nur von zwei Drit­tel der Abge­ord­ne­ten jener Par­tei gestellt wer­den, die ihn nomi­niert hat – also von der FPÖ.

Trotz­dem kam die bis­he­ri­ge Ver­tei­di­gungs­li­nie von FPÖ und ÖVP, den „blau­en Pro­blem­bä­ren“ (Stan­dard, 6.7.18) aus­zu­schwei­gen, schwer ins Wan­ken. Lan­des­haupt­mann Stel­zer (ÖVP), der nach einem Vier-Augen-Gespräch mit Pod­gor­schek Mit­te Juni schon erklärt hat­te, dass die Sache vom Tisch sei, muss­te jetzt doch aus­rü­cken und sei­nen FPÖ- Lan­des­rat und des­sen Aus­sa­gen in Thü­rin­gen öffent­lich rügen. Intern dürf­ten sich die bei­den Par­tei­en ÖVP und FPÖ aber auf einen Ver­bleib Pod­gor­scheks geei­nigt haben, berich­tet der „Kurier“ OÖ (8.7.18), wobei die Begrün­dung eines unge­nann­ten FPÖ-Spit­zen­funk­tio­närs bezeich­nend ist: „Was sol­len wir tun?”, fragt ein Frei­heit­li­cher Spit­zen­mann. „Er braucht noch ein paar Jah­re für sei­ne Pen­si­ons­zei­ten.” (Kurier)

Ried im Innkreis/OÖ: Heimatproblem für den blauen „Problembären“

In sei­ner Hei­mat­stadt Ried im Inn­kreis ist Elmar Pod­gor­schek eine loka­le Grö­ße. Nicht erst, seit er Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ter und dann Lan­des­rat wur­de. Seit 1991 ist er im Gemein­de­rat, und zeit­wei­se war er sogar Vize­bür­ger­meis­ter von Ried. Dar­um ist es umso bemer­kens­wer­ter, dass ihm aus­ge­rech­net der Gemein­de­rat eine deut­li­che Abfuhr für sei­ne Aus­sa­gen in Thü­rin­gen erteil­te und in einem Antrag eine öffent­li­che Gegen­äu­ße­rung von Pod­gor­schek einforderte.

In gehei­mer Abstim­mung votier­ten nicht nur die zwölf Man­da­ta­rIn­nen von SPÖ, Grü­nen und Neos für den Antrag, in dem „die Unab­hän­gig­keit und Frei­heit der Jus­tiz, der Kir­che, der Wis­sen­schaft, der Medi­en­land­schaft und des Ver­fas­sungs­schut­zes“, also genau jener von Pod­gor­schek denun­zier­ten Insti­tu­tio­nen, ein­ge­for­dert bzw. ver­tei­digt wur­de. Ins­ge­samt 20 (von 36) Man­da­ta­rIn­nen stimm­ten der Reso­lu­ti­on zu, sech­zehn dage­gen, berich­ten die OÖN.

Pod­gor­schek selbst war bei der Sit­zung nicht anwe­send, da er an der zeit­glei­chen Sit­zung des Land­tags teil­nahm, in der über eine Son­der­sit­zung zu sei­nem Rück­tritt bera­ten wur­de. Im Land­tag wur­de der Antrag von SPÖ und Grü­nen abge­lehnt, was die OÖN so kom­men­tier­te: „Im Land­tag steht VP zu Pod­gor­schek, in Ried nicht ganz.

Vorchdorf/OÖ: FPÖ spricht FPÖ-Mandataren Misstrauen aus

Dass die FPÖ Vorch­dorf ihren bei­den Gemein­de­rä­ten Karin Point­ner und Tho­mas Edt­mei­er in einer Sit­zung des Gemein­de­rats das Miss­trau­en aus­ge­spro­chen hat, dürf­te jeden­falls nicht nur in den übli­chen Que­re­len begrün­det sein, auch wenn sich die Lei­te­rin des Bezirks­bü­ros in Gmun­den auf die for­mel­haf­te Erklä­rung „Das Ver­trau­en ist ein­fach nicht mehr gege­ben“ zurück­zie­hen möchte.

Schon im Vor­jahr leg­te Point­ner ihre Funk­ti­on als Vize­bür­ger­meis­te­rin zurück und Edt­mei­er muss­te auf sei­ne Funk­ti­on als Gemein­de­vor­stand ver­zich­ten. 2016 war Edt­mei­er, damals noch Päch­ter des Aus­flugs­gast­hau­ses „Moaris­tidl“ in Gmun­den, mit sei­ner wider­li­chen Aus­sa­ge über arbeits­lo­se Gas­tro­no­mie-Fach­kräf­te, die er als „arbeits­fau­le Wohl­stands­pa­ra­si­ten“ denun­zier­te, öffent­lich auf­ge­fal­len. Anfang 2018 kam dann die erlö­sen­de Nach­richt, dass Edt­mei­er, der mit sei­ner Lebens­ge­fähr­tin Point­ner das Gast­haus bewirt­schaf­tet hat­te, das Hand­tuch wer­fen muss­te, was die OÖN so umschrie­ben hat: „Zuletzt war es aber ruhig gewor­den um die idyl­lisch gele­ge­ne Ein­kehr am Fuß des Traun­steins.