FPÖ Graz: Provokation bei Postenbesetzungen

Ernst Bran­dl war früher par­la­men­tarisch­er Mitar­beit­er des FPÖ-Abge­ord­neten Wolf­gang Zanger, der mit seinen Reflex­io­nen über die guten Seit­en des Nation­al­sozial­is­mus auf­fäl­lig gewor­den ist. Jet­zt ist Bran­dl, der auch für das Mölz­er-Blatt „Zur Zeit“ und die Graz­er FPÖ-Pos­tille „Uhrturm schrieb, selb­st aufge­fall­en. Die FPÖ entsandte ihn in den Auf­sicht­srat des „Steirischen Herb­st“, berichtete der „Stan­dard“. Nicht die einzige Posten­pro­voka­tion der FPÖ.

Die Per­son­aldecke der FPÖ Graz ist entwed­er sehr dünn oder sehr pro­voka­tiv. Ver­mut­lich bei­des. Wie der „Stan­dard“ in sein­er heuti­gen Aus­gabe berichtet, sorgt nicht nur die Bestel­lung von Ernst Bran­dl, Press­esprech­er des Graz­er FPÖ-Vize­bürg­er­meis­ters Mario Eustac­chio, für Verwunderung.

Schon im Wahlkampf fiel auf, dass man Lis­ten mit blauen Urgesteinen füllte: etwa dem 89-jähri­gen Alexan­der Götz, der von 1973 bis 1983 (wie heute als drittstärk­ste Kraft) Bürg­er­meis­ter war und später lange vor Gericht um seine Poli­tik­er­pen­sion kämpfte. Er wurde deswe­gen sog­ar vorüberge­hend von der Partei, die es unter Jörg Haider offiziell nicht so mit „Priv­i­legien­rit­tern” hat­te, aus­geschlossen. Oder aber auch mit dem schon fast in Vergessen­heit ger­ate­nen Ex-Stad­trat Fer­di­nand Spiel­berg­er. Der 77-jährige Bezirk­sob­mannstel­lvertreter in Andritz wird Auf­sicht­srat der Friedrich-Schmiedl-Stiftung, die mitver­ant­wortlich für die Kinderuni und Forschung­spreise ist. (Der Stan­dard)

Wie bitte? Der Fer­di­nand Spiel­berg­er? Und dann wird auch noch der Brud­er des FPÖ-Vize­bürg­er­meis­ters mit gle­ich drei Auf­sicht­srat­sposten bedacht. Nepo­tismus in Reinkultur!

Die Vandalia gratuliert ihrem AH (Alten Herrn) Brandl zum Geburtstag

Die Van­dalia grat­uliert ihrem AH (Alten Her­rn) Bran­dl zum Geburtstag

Ernst Bran­dl, wie sein früher­er Chef Zanger Mit­glied der schla­gen­den Verbindung „Corps Van­dalia Graz” und des „Corps Aus­tria zu Knit­telfeld”, Press­esprech­er von Eustac­chio, darf sich neben dem Auf­sicht­srat­sposten noch über ein anderes Pöstchen freuen:

Er wird in die Abteilung für Öffentlichkeit­sar­beit der Stadt wech­seln. Sollte er dort zum Leit­er auf­steigen, kön­nte er kün­ftig den öffentlichen Auftritt von Graz maßge­blich bee­in­flussen“ (Der Stan­dard).

1996 ließ die FPÖ den Slogan "Schluß mit den Privilegien" plakatieren - 20 Jahre später sieht man das für die Aufsichtsräte aus den eigenen Reihen nicht mehr zutreffend.

1996 ließ die FPÖ den Slo­gan „Schluß mit den Priv­i­legien” plakatieren — 20 Jahre später sieht man das für die Auf­sicht­sräte aus den eige­nen Rei­hen nicht mehr zutr­e­f­fend. — Bildquelle: ÖNB, Bil­darchiv, Inv.Nr. PLA16382589

Ach ja, noch etwas hat „Der Stan­dard“ in seinem Beitrag vom 1.6.2017 über Bran­dl herausgefunden:

Bran­dl schrieb übri­gens auch für die rechte Pub­lika­tion Der Eckart. Dort weist er etwa in dem Text Der Niko­lo ist kein Türke ohne inhaltlichen Zusam­men­hang auf die „jüdis­che Abstam­mung” von Car­i­tas-Präsi­dent Michael Lan­dau hin und operiert mit Begrif­f­en wie „Umvolkung”.

Bran­dl, der auf seinem Face­book-Pro­fil auch mit jen­seit­i­gen Paar­reimen seinen illus­tren Fre­un­deskreis ver­sorgt, wird in einem offe­nen Brief von 68 Schrift­stel­lerin­nen und Schrift­stellern sowie Kun­stschaf­fend­en zum Rück­tritt als Auf­sicht­srat des „Steirischen Herb­st“ aufge­fordert: „Er kann und wird nichts zum Anse­hen des Fes­ti­vals beitra­gen, er kann es nur schädi­gen.“

Seinen pubertären Paar­reimer titelte Bran­dl übri­gens mit „Ka Zeit zum Abtreten“. Doch, doch!

Ernst Brandl: "Ka Zeit zum Abtreten"

Ernst Bran­dl: „Ka Zeit zum Abtreten”

Im Fol­gen­den geben wir den erwäh­n­ten Offe­nen Brief wieder:

„68 öster­re­ichis­che Schrift­stel­lerin­nen, Schrift­steller und Kun­stschaf­fende fordern
Sofor­tige Neube­set­zung des Auf­sicht­srats des Steirischen Herbstes

In ein­er nicht-öffentlichen Gemein­der­atssitzung am 1. Juni 2016 wurde der Redak­tion­sleit­er der berüchtigten Graz­er FPÖ-Zeitung „Der Uhrturm“, Ernst Bran­dl, zum Auf­sicht­srat des Steirischen Herb­stes bestellt. Seine Entsendung, heißt es, „spiegle die poli­tis­che Sit­u­a­tion in Graz wider“.

Was Ernst Bran­dl befähigt, als Auf­sicht­srat des Steirischen Herb­stes zu fungieren, ist wed­er fach­lich zu begrün­den, noch poli­tisch vertret­bar. Seine Beru­fung ist auch unvere­in­bar mit sein­er Hauptbeschäf­ti­gung. Ernst Bran­dl ist Press­esprech­er des FPÖ-Stad­trats Mario Eustac­chio und – wie sein Stad­trat – das Gegen­teil von dem, was den Steirischen Herb­st aus­macht. Er kann und wird nichts zum Anse­hen des Fes­ti­vals beitra­gen, er kann es nur schädigen.

Wir fordern die umge­hende Neube­set­zung des Auf­sicht­srates mit jeman­dem, der den fach­lichen Anforderun­gen und einem Min­dest­maß an poli­tis­ch­er Offen­heit entspricht. Sollte die FPÖ Graz selb­st über keine Funk­tionärin­nen und Funk­tionäre mit diesem Anforderung­spro­fil ver­fü­gen, soll sie diese Auf­gabe einem/einer von ihr bestell­ten qual­i­fizierten Eigentümervertreter/in übertragen.

Wir wer­den nicht stillschweigend zuse­hen, wie die große Geschichte und Bedeu­tung des Steirischen Herb­stes in der Gegen­wart in ein­er Mis­chung aus Igno­ranz und Mutwillen zer­stört wird.

Ger­hard Ruiss
Susanne Scholl
Felix Mitterer
Olga Flor
Karl-Markus Gauß
Mar­tin Pollack
Klaus Zeyringer
Alfred Komarek
Robert Schindel
Georg Bydlinski
Michael Köhlmeier
Sylvia Treudl
Jochen Jung
O.P. Zier
Elfriede Jelinek
H.W. Käfer
Doron Rabinovici
Nils Jensen
Peter Paul Wiplinger
Gre­gor Fink
Man­fred Chobot
Lud­wig Laher
Jörg-Mar­tin Willnauer
Sabine Gruber
Mar­tin Amanshauser
Franz Schuh
Eve­lyn Schlag
Stephan Eibel-Erzberg
Ulrike Truger
Sophie Reyer
Anna Kim
Heinz Lunzer
Karin Ivancsics
Her­bert Wimmer
Bar­bara Frischmuth
Sibylle Fritsch
Wal­ter König
Peter Waterhouse
Moni­ka Helfer
Paulus Manker
Clemens Berger
Ger­hard Jaschke
Gus­tav Ernst
Eri­ka Kronabitter
Christoph Mauz
Julya Rabinowich
Petra Hartlieb
Michael Horvath
Bir­git Schwaner
Eva Schobel
Peter Henisch
Michael Stavaric
Alois Hotschnig
Josef Haslinger
Karl Markovics
Renate Welsh
Christoph Janacs
Semi­er Insayif
Peter Turrini
Lydia Mischkulnig
Kathrin Röggla
Anna Mitgutsch
Mag­dale­na Knapp-Menzel
Brigitte Rapp
Elfriede Hammerl
Lukas Resetarits
Kurt Palm
Tomas Friedmann

Stand, 7.6.2017”