Pogromnacht-Gedenken in Wels – Presseaussendung

Wir geben im Fol­gen­den die Presseaussendung des Oberöster­re­ichis­chen Net­zw­erks gegen Ras­sis­mus und Recht­sex­trem­is­mus (kurz: Antifa-Net­zw­erk) wieder.

300 Teil­nehmer bei würdi­gem Pogrom­nacht-Gedenken der Welser Antifa — Har­ald Krass­nitzer fordert kon­se­quente Bekämp­fung des Frem­den­has­s­es — Antifa-Vor­sitzen­der Ret­zl: „Het­ze der FPÖ führt zu neuen Pogromen“

Wels — Trotz schlecht­en Wet­ters kamen am Don­ner­stagabend rund 300 Men­schen zum Jüdis­chen Mah­n­mal im Poll­heimer­park, um an der tra­di­tionellen Kundge­bung der Welser Ini­tia­tive gegen Faschis­mus (Antifa) teilzunehmen. Diese Kundge­bung, die von mehr als 40 Organ­i­sa­tio­nen – darunter den Gew­erkschaften und den Kirchen – mit­ge­tra­gen wird, erin­nert alljährlich an die Pogrom­nacht 1938, macht aber auch auf Ras­sis­mus und Anti­semitismus heute aufmerksam.

Der Schaus­piel­er Har­ald Krass­nitzer wies in sein­er Gedenkrede darauf hin, dass derzeit beson­ders Flüchtlinge zunehmen­dem Frem­den­hass bis hin zu gewalt­täti­gen Angrif­f­en aus­ge­set­zt sind. Regierung und Behör­den dürften nicht wegschauen, son­dern müssten den Hass beim Namen nen­nen und kon­se­quent bekämpfen, fordert Krass­nitzer. Es brauche aber auch eine bessere Sozial- und Bil­dungspoli­tik, die der derzeit­i­gen Verun­sicherung in der Gesellschaft entgegenwirke.

Der Welser Kul­turstad­trat Johann Reindl-Schwaighofer sprach ewiggestrige Umtriebe in den let­zten Monat­en an: vom inter­na­tionalen Recht­sex­trem­is­ten-Tre­f­fen, das mit dem Sanc­tus von ÖVP und FPÖ in den Linz­er Red­outen­sälen stattge­fun­den hat, über die Aus­sage eines Welser FPÖ-Anhängers, die SPÖ gehöre „in die Gaskam­mer gesteckt“, bis hin zur Leug­nung der Ver­ga­sun­gen im KZ Mau­thausen durch einen Welser Rechtsanwalt.

Antifa-Vor­standsmit­glied Katha­ri­na Gusen­leit­ner appel­lierte an die Zivilge­sellschaft: „Bekämpfen wir die Has­s­er und Dem­a­gogen mit Herz, Hirn, Ver­stand und Ver­nun­ft, Geschick und der Wahrheit, denn diese ist es, die sie am meis­ten ablehnen und fürcht­en. Nimmt sie ihnen doch jegliche Grund­lage ihres Handelns.“

Der Evan­ge­lis­che Posaunen­chor Wels unter der Leitung von Mar­tin Köberl sorgte für eine gelun­gene musikalis­che Umrah­mung des Gedenkens.

Übles Hass-Post­ing von Welser FPÖ-Funk­tionärin: „Aufghängt bei de füss …“
Antifa-Vor­sitzen­der Wern­er Ret­zl zeigt sich mit der Kundge­bung sehr zufrieden: „Die Teil­nahme war so stark, weil uns die gesamte Welser Zivilge­sellschaft unter­stützt. Zur Kundge­bung von FPÖ-Bürg­er­meis­ter Rabl sind nur rund 50 Leute gekom­men, obwohl er sog­ar die mehr als 1.000 Mag­is­trats­be­di­en­steten mit einem eige­nen Schreiben ein­ge­laden hat.“

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Anhand eines konkreten Beispiels erk­lärt Ret­zl, warum die Welser Antifa gemein­same Aktiv­itäten mit der FPÖ ablehnt: „Erst vor weni­gen Tagen hat die Welser FPÖ-Funk­tionärin Con­stanze H. auf der Face­book-Seite von HC Stra­che ein beson­ders übles Has­s­post­ing veröf­fentlicht. Darin schreibt sie über einen syrischen Flüchtling, der Selb­st­mord bege­hen wollte: ‚A gstreck­te linke in die pappn, dem saugfrast. Aufghängt bei de füss …‘ Diese Art aggres­siv­er Het­ze, die die Blauen immer wieder betreiben, führt zu neuen Pogromen – etwa zu Bran­dan­schlä­gen auf Flüchtling­sheime. Die FPÖ hat jet­zt als Haupt­feind­bild die Mus­lime ent­deckt, ist aber so men­schen­ver­ach­t­end wie eh und je.“

Auch die Tat­sache, dass die Frei­heitlichen zwei israelis­che Red­ner aufge­boten haben, beein­druckt den Antifa-Vor­sitzen­den nicht: „Schade, dass sich die bei­den – allerd­ings sehr weit rechts ste­hen­den – Her­ren als Feigen­blät­ter haben miss­brauchen lassen. Ihre Partei Likud hält von den Auftrit­ten für die FPÖ genau so wenig wie die Jüdis­che Gemeinde in Öster­re­ich. Und in Wien haben junge Jüdin­nen und Juden dage­gen protestiert – das sagt wohl alles.“